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„Nicht „Islamophobie“ ist der Antisemitismus von heute“ 28. Dezember, 2010

Posted by Rika in islam, judentum, meine persönliche presseschau.
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schreibt Richard Herzinger in einem bemerkenswerten Beitrag mit dem Titel:

Europa lässt sich von Judenhassern täuschen“ bei Welt Online.

Bemerkenswert ist dieser Beitrag deshalb, weil ein Artikel, der sich mit diesem Thema beschäftigt a) überhaupt publiziert wird und b) in seltener Offenheit ein Phänomen anspricht, das alle diejenigen auf die Straßen und Plätze treiben müsste, die  riesengroße Schilder, wie  „Wehret den Anfängen“ oder „Das darf sich niemals wiederholen“ vor sich hertragen, an den entsprechenden Gedenktagen die von Betroffenheit triefenden Reden halten und sich gern mit großen Kränzen an den Mahnmalen ablichten lassen, geläuterte Deutsche und gute Demokraten allesamt.

Die Berichte aus den Niederlanden, wo sich Juden, die – etwa weil sie eine Kippa tragen –, als solche zu erkennen sind, in der Metropole Amsterdam kaum noch auf die Straße trauen und jüdische Gottesdienste zum Teil nicht mehr in der Synagoge, sondern in unauffälligeren Privathäusern abgehalten werden, um Angriffen arabisch- und türkischstämmiger Jugendlicher zu entgehen, haben es auf keine Titelseite einer deutschen Zeitung und nicht unter die Topmeldungen der

Unsere Politiker und Medienleute  stellen sich mutig an die Seite der neuen, vom „neuen Antismitismus“ betroffenen Opfer und distanzieren sich lauthals und öffentlichkeitswirksam von Islamkritikern, die sie gerne in die Ecke der Rassisten und Islamophoben stellen, ohne genauer zu beschreiben, was und wen sie konkret damit eigentlich meinen.

Geflissentlich übersehen die Schützer der „neuen Opfer“ die Tatsache, dass die „neuen Opfer“ gewaltsam gegen die „alten Opfer“ des Antisemitismus vorgehen. Gegen die, meiner Meinung nach,  einzigen Opfer eines latent immer schon vorhandenen und nun neuerlich und virulent aufblühenden Antisemitismus in Deutschland und Europa.

An den jüdischen Bürgern europäischer Länder reagieren junge Muslime ihre Gewaltphantasien gegen den verhassten „Zionismus“ ab, die von arabischer, türkischer und iranischer Propaganda oder Satellitensender oder durch islamistische Propagandisten vor Ort verstärkt werden. Der „traditionelle“ rechtsextreme Antisemitismus, der als Bodensatz in ganz Europa präsent, durch seine unmittelbare Nähe zum Nationalsozialismus jedoch gesellschaftlich verpönt ist, hat damit einen unverhofften Zuwachs erfahren.

Antisemitismus richtete sich damals  und richtet sich heute wieder ausschließlich gegen JUDEN.

Antijüdischen Aggressionen geben sich heute mit dem Vorwand, auf der Seite vermeintlich hilfloser Opfer des „Zionismus“ zu stehen, einen Tarnanstrich, von dem sich große Teile der europäischen Öffentlichkeit offenbar nur zu gerne täuschen lassen. Dass sich „antizionistische“ Judenhasser gerade in skandinavischen Ländern wie Schweden und Norwegen ermutigt fühlen, ist kein Zufall.

Wer aufmerksam „unsere“ Zeitungen und dort vor allem die Kommentare sowohl der Journalisten als auch der Leser liest, muss aber einsehen, dass in Deutschland ähnliche Tendenzen zunehmend Gewicht bekommen, wie sie in den skandinavischen Ländern schon seit Längerem vorherrschen:

Die Dämonisierung Israels zum Alleinschuldigen am Nahostkonflikt ist seit vielen Jahren gerade dort bis zu den höchsten Ebenen der Politik gang und gäbe. Doch selbst noch, als bekannt wurde, dass Lehrer in norwegischen Schulen aus Angst vor den Aggressionen muslimischer Schüler bereits darauf verzichten, im Unterricht den Holocaust anzusprechen, bestritt Norwegens Bildungsministerin kategorisch jeden Zusammenhang zwischen „Israelkritik“ und Antisemitismus.

Wer daher heutzutage behauptet, Türken und Muslime seien Opfer antisemitischer Ideen und Handlungen, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, den Holocaust zu relativieren, wenn nicht gar zu negieren.

Dabei müsste inzwischen jedem verantwortlichen europäischen Politiker aufgefallen sein, dass die rituelle Anprangerung Israels zum Einfallstor für die Gewöhnung an einen auf Vernichtung abzielenden Judenhass geworden ist. Schon einmal, im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts, verdichtete sich im Antisemitismus wie in einem Brennglas all jene antimodernen, antidemokratischen und antiemanzipatorischen Ressentiments, die Europa schließlich in die Selbstzerstörung trieben.

Fremdenfeindlichkeit, ja,  Fremdenhass mit Antisemitismus gleichzusetzen ist – wenn ich Richard Herzinger richtig verstehe – nicht nur absolut unzulässig, auch wenn es viele „erlauchte akademische Geister“ gibt, die genau das suggerieren, es ist das Spiel mit einem gefährlichen Feuer, in dem in letzter Konsequenz unsere Freiheit untergehen wird:

Der Antisemitismus aber reicht weit über diese Art von Aversion gegen „das Andere“ hinaus. Er ist eine projektive Verschwörungstheorie über geheime Drahtzieher, die für alles Unglück dieser Welt verantwortlich gemacht werden – und er lässt nicht dadurch nach, dass auf dem gesamten Planeten gerade einmal 14 Millionen Juden übrig geblieben sind. Denn als Antithese zum Aufbruch in die weltliche Moderne, der einst von Europa ausging, nagt er weiter am Kern europäischer aufklärerischer Identität. Nicht „Islamophobie“ ist der Antisemitismus des 21. Jahrhunderts, sondern – der Antisemitismus.

Hervorhebung von mir.

Es mag sarkastisch sein und entsetzlich zynisch klingen, aber es ist eher meiner Ohnmacht geschuldet, wenn ich sage: Wenn wir uns schon nicht der Juden und ihrer sicheren Existenz hier und überall auf der Welt wegen gegen den neuen, alten Antisemitismus zur Wehr setzen, sollten wir es doch wenigstens  um unser aller Wohl und Wehe wegen tun.

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Kommentare»

1. Webbaer - 28. Dezember, 2010

Der Antisemit versteht sich immer als Opfer jüdischer Aktivität, wobei deren Beschaffenheit oft falsch verstanden wird und auch herbeigelogen wird.

Herzinger fühlt sich aber nicht gewachsen die Ursache des jetzigen Antisemitismus zu benennen. Verständlich.

MFG
Wb

2. donralfo - 3. Januar, 2011

Der Artikel ist Prima!


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