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„Wie funktioniert das Weltgewissen?“ 4. Januar, 2011

Posted by Rika in aktuell, islam.
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fragt Malte Lehming in einem Artikel des Tagesspiegel und gibt auch gleich die Antwort:

Etwa so: Wenn Israel eine Drohne losschickt, die gezielt einen Hamas-Terroristen tötet, bevor der sich mit einem Sprengstoffgürtel auf den Weg machen kann, um sich – und möglichst viele Kinder – in einem israelischen Schulbus in die Luft zu sprengen, dann, ja dann bringt mindestens eines der 57 Mitgliedsstaaten der „Organisation der Islamischen Konferenz“ einen vor Zorn und Empörung triefenden Text im UN-Sicherheitsrat ein. Wenig später verabschiedet das höchste Gremium, das die Hauptverantwortung für die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit trägt, eine leicht abgemilderte Resolution, in der Israels Maßnahme als „aggressiver Akt scharf verurteilt“ wird.

Und auch die gestellte Preisfrage, wie oft sich der Sicherheitsrat mit Gewalt gegen Christen in (vorzugsweise islamischen) Mitgliedsstaaten der UN befasst habe, beantwortet der Autor unverzüglich selbst:

kein einziges Mal. Dabei zieht sich die Blutspur der Gewalt vom Irak bis nach Ägypten, von Eritrea bis nach Somalia, vom Jemen bis nach Saudi-Arabien. Nicht nur im Iran werden Konversionen mit der Todesstrafe geahndet. In vielen anderen islamischen Ländern ist es lebensgefährlich, in der Bibel zu lesen. Von den ursprünglich rund 1,2 Millionen Christen im Irak ist bereits die Mehrheit vor den islamistischen Terrorkommandos geflohen. Der größte Christenexodus der Gegenwart ist eine Tragödie, die alle aufrütteln müsste.

„Müsste“

Tut er aber nicht.

Nicht einmal die unverhohlen geäußerte Aufforderung zu Anschlägen gegen (koptische) Christen …

„Jeder Muslim, der sich um die Ehre seiner Schwestern sorgt“, möge „Sprengstoffanschläge während Weihnachtsmessen“ verüben. Die Kopten in Ägypten feiern Weihnachten am 6. und 7. Januar.

… ist den ehrenwerten Mitgliedern des  Sicherheitsrates auch nur ein müdes Gähnen wert.

Und  wir nicht-orthodoxen Christen können uns doch ganz beruhigt zurücklehnen und dankbar sein, dass es uns an Weihnachten nicht erwischt hat, nicht wahr? Die Toten in Nigeria und anderswo sind ja weit weg…  und alle Nichtchristen haben eh keinen Grund zur Sorge.

Die Festtage sind vorbei, die Geschenke ausgepackt, die Gans ist gegessen. Was scheren mich die Drohungen gegen meinen Nachbarn, zumal es sich weder um Palästinenser noch um  Muslime handelt, die vom Terror bedroht sind. Ginge es gegen eine Moschee in Deutschland, sähe die Sache schon anders aus. Dann würden sich spontan Lichterketten bilden  und Friedensbringer vor die Bedrohten stellen… und Claudia Roth persönlich würde ihre Solidarität bekunden und ganz sicher würde jemand „Wehret den Anfängen“ rufen….  Nein, nein,  ich will meinen Blogeintrag über Böses und Gutes nicht vergessen und auch nicht einseitig werden! In den Niederlanden haben Muslime angeboten, bedrohte koptische Kirchen zu bewachen!

Wir hier in Deutschland warten aber erst einmal ab.

Das weiß ich! Weiß ich aus ganz, ganz  aktueller und persönlicher Erfahrung mit einem   Kommunalpolitker meiner Heimatgemeinde, der befürchtet, eine Solidaritätsaktion für die koptischen Christen  könnte fälschlich als „Wahlkampf“ interpretiert werden… in diesem Jahr sind nämlich Kommunalwahlen in Niedersachen!!!  Ach, ach, ach  und weh!

Und leider scheint es auch mit der weltweiten Verantwortung unserer Politiker ähnlich zu stehen, befürchtet wohl auch Malte Lehming, denn er schreibt:

Deutschland sitzt seit Jahresanfang für zwei Jahre als nichtständiges Mitglied im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Außenminister Guido Westerwelle ist darauf sehr stolz. Krisenprävention und friedliche Konfliktlösung will er in den Mittelpunkt stellen. Westerwelle ist bekennender Christ („Ich bin aus Glauben und Überzeugung in der Kirche“). Er weiß, dass Glauben Gemeinschaft stiftet. Er weiß, was christliche Nächstenliebe, christliche Solidarität und christliche Traditionen bedeuten. Er könnte, wenn er denn wollte, einen Resolutionstext im UN-Sicherheitsrat einbringen, in dem die Lage der Christen in vielen muslimischen Ländern thematisiert wird. Nur dieses Mal, nur dieses einzige Mal.

Selbst wenn die Resolution keinen oder nur mäßigen Erfolg hätte, würde sie doch ein Zeichen setzen, wenigstens für die, die unter Druck leben, der Verfolgung ausgesetzt sind, bedroht werden und sich ihres Lebens nicht (mehr) sicher sein können: „Seht her, es gibt Leute, die eure Not sehen und sich mit euch solidarisieren!“ Und außerdem könnte sie  dazu beitragen, die sehr einseitige Stellungnahme der UN ein winziges bisschen zu verändern:

Aber sie könnte helfen, das durch Einseitigkeit ramponierte Weltgewissen ein bisschen zu reparieren. Und sei es nur, dass in dem Fall, in dem sich Israel mal wieder gezwungen sieht, mit einer Drohne einen Hamas-Terroristen zu töten, dem reflexartig folgenden Wutgeschrei über die israelische Missachtung von UN-Resolutionen eine andere Resolution entgegengehalten werden kann. Nur eine einzige.

Aber Herr Westerwelle ist mit Wahlkampf der ganz eigenen Art beschäftigt, meint Malte Lehming und bedenkt darüber hinaus auch die mögliche Argumentation besonnener Leute in Deutschland, die immer noch die Last der  Schuld aus den Kreuzzügen auf ihren Schultern spüren und / oder Sorge haben, sie könnten die Staaten unter muslimischer Herrschaft irritieren oder gar brüskieren.

Solcherlei Bedenken tritt Herr Lehming entschieden entgegen:

Müsste Deutschland sich Sorgen machen, eine UN-Resolution zur Christenverfolgung in muslimischen Ländern würde als neuer Kreuzzug missverstanden? Vielleicht. Aber die Wahrheit zu unterdrücken, weil das Gegenüber die Wirklichkeit mutwillig verzerrt, käme einer Kapitulation vor dem Irrsinn gleich. Westerwelles Vorvorgänger, Joschka Fischer, begründete einst das Bombardement des christlichen Serbiens mit der Schutzbedürftigkeit muslimischer Kosovaren – und mit der deutschen Lehre aus Auschwitz (was in grüner Lesart allerdings auf keinen Fall den Einsatz von Bodentruppen beinhaltete). Der Verdacht, heute ginge es Deutschland mit einer UN-Resolution um mehr als den Schutz bedürftiger Christen in muslimischen Ländern, ist auch vor diesem historischen Hintergrund absurd.

Ja, es ist absurd!

Es ist absurd, laut die Rechte aller möglichen Minderheiten zu verteidigen, ob nun die der Tibeter, Bahais oder  eben auch der Muslime in Deutschland und der Schweiz, aber laut zu schweigen, wenn es um den Schutz verfolgter Christen geht, egal ob sie unter kommunistischer Herrschaft ächzen oder unter islamischen Regierungen leiden und um ihr Leben fürchten!

Ach ja, die Eingangsfrage…

Ja, das Weltgewissen funktioniert!

Es funktioniert perfekt, man muss es nur in die richtige Richtung bewegen…

Danke an Malte Lehming für die deutlichen Worte!

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Kommentare»

1. donralfo - 6. Januar, 2011

Hamas-Terroristen zu ermorden welche mit ihren Kindern zu hause vor dem Ferseher sitzen oder gerade mit dem Auto zum Einkaufen fahren ist Unrecht und Mord. Terrorismus ist Terrorismus – auch wenn er von einem „Rechtsstaat“ verübt wird. Und nicht zu dulden.
Das Schweigen über Christenverfolgungen in der Politik oder der UNO ist ebenso Unrecht!
Ja natürlich, den meisten Christen in islamischen Ländern geschieht Unrecht. Aber man darf das eine Unrecht nicht gegen das andere Unrecht ausspielen um eine einseitige Stimmung zu machen.
Und wenn Israel Hamas-Terroristen tötet gehen ebenso auch oft Unschuldige und Kinder nebenbei mit drauf. Das kann ich unter keinen Umständen gutheißen.
Nur Notwehr ist zu rechtfertigen. Das heißt wenn jemand mit einem Sprengstoffgürtel um den Bauch auf einen Markt zugeht darf man gezielt zum Schutz der OPfer töten. (meine Meinung)
Auch ein Hamas-Aktivist hat Menschenrechte!
Trotzdem ist es empörend, wenn man islamistische Greueltaten in der UN nicht oder nur unzureichend thematisiert.

2. Rika - 6. Januar, 2011

Ich stimme Dir zu, gezielte Tötungen sind Mord, ob in Israel oder anderswo.

In dem oben zitierten Artikel geht es aber um die unterschiedlichen Standards in den Reaktionen auf Mord, Terror, Gewalt.

Während es man sich „im Westen“ zur Gewohnheit gemacht hat, mit allen antiisraelischen Wölfen zu heulen, wenn es um die Verurteilung Israels geht (von einigen ganz, ganz wenigen Ausnahmen abgesehen), findet Morden, Terror und Gewalt, das /der/die sich gegen „mit dem Westen assoziierte“ Christen richtet, nur ein sehr, sehr geringes Echo in den offiziellen Verlautbarungen des „Westens“ und noch viel weniger in den dafür zuständigen Gremien der UN.
Im Gegenteil, oftmals wird Christen noch der Vorwurf gemacht „unrechtmäßig zu missionieren“ und darum für den eigenen Tod selbst verantwortlich zu sein, so zuletzt geschehen bei den Morden an den jungen Christinnen im Jemen 2009. Es finden sich sogar Leute, die der Meinung sind, Christen hätten grundsätzlich in islamischen Staaten nichts zu suchen!

Dass islamische Staaten nur ein geringes Interesse daran haben, ihre christlichen Minderheiten zu schützen, liegt auf der Hand, umso wichtiger wäre es, dass der „Westen“ deutliche Worte findet und Gewalt gegen religiöse Minderheiten aufs schärfste ächtet.
Das betrifft z.B. auch die andauernde Bedrohungslage gegen Bahais! Aber auch da kein Wort!

Mir geht es nicht um Rechenspielchen oder um das Abzählen und Aufrechnen von „meiner Gewalt“ gegen „deine Gewalt“.
Aber wenn den Moslems schon eine Karikatur genügt, um Kirchen anzuzünden und Aufruhr zu veranstalten, in dessen Verlauf Menschn zu Tode kommen, wieviel mehr müssten getötete Christen den aufgeklärten Politikern unserer „westlichen Welt“ zumindest eine scharfe Verurteilung der Morde wert sein, und zwar nicht in Form einer Zeitungsnotiz, sondern auf höchster diplomatischer Ebene.

In diesem Zusammenhang ist folgender Kommentar lesenswert:
http://www.faz.net/s/RubAB001F8C99BB43319228DCC26EF52B47/Doc~ECCC587453BC545CE9DDCFCCCD6EF38E9~ATpl~Ecommon~Scontent.html

3. yael1 - 6. Januar, 2011

Warum schreibst du Rechtsstaat in Anführungsstrichen.
Im Übrigen ordnet auch Obama und überhaupt amerik. Präsidenten gezielte Tötungen von Terroristen an, nur stört das niemanden besonders. Komisch oder?

4. Rika - 6. Januar, 2011

@
„Im Übrigen ordnet auch Obama und überhaupt amerik. Präsidenten gezielte Tötungen von Terroristen an, nur stört das niemanden besonders. Komisch oder?“

Das meine ich auch mit den doppelten Standards!
Ich möchte nicht wissen, wieviele Morde auf das Konto diverser Staats- und Clanchefs dieser Welt gehen, nur dass das nicht einmal öffentlich dargestellt wird. Wieviele Menschen verschwinden in den Ländern der ehemaligen UdSSR von der Bildfläche, landen ohne Verurteilung in dubiosen Lagern, werden umgebracht, ohne das auch nur ein „Israelkritiker“ danach kräht oder, wenn doch mal etwas durchsickert, eine UN-Resolution gegen den betreffenden Staat anzettelt. Nichts passiert, gar nichts!

Israel und die USA machen Tötungen in der Regel öffentlich und begründen sie – nachvollziehbar. (Für mich dennoch nur schwer zu verstehen, aber das ist ein anderes Thema! Ich habe auch etwas gegen die Todesstrafe, egal, wer sie verhängt!)

5. donralfo - 6. Januar, 2011

@Yael: Ich würde auch in Bezug auf Deutschland und die USA den Begriff „Rechtsstaat“ in Häkchen setzen, nur damit das klar ist! 🙂
Ich stehe voll hinter dem Staat Israel und verstehe das besondere Sicherheitsbedürfnis durchaus.
Dann gibt es für mich noch das Etikett „Bananenrepublik“. Die meisten islamischen Staaten würde ich eher unter „Barbarei“ einordnen.
Im übrigen stört es mich immens, wenn Amerika die Ermordung von „Terroristen“ anordnet. Mord ist Mord. Und Terroristen sind auch Menschen. Man kann nicht auf der einen Seite im Westen die Menschenrechte in China, Iran, Nordkorea und Irak einfordern und sie selbst mit Füßen treten. Auch DIESE Doppelmoral gibt es!
Meiner Meinung nach ist der Afghanistan-Krieg sofort zu beenden. Aus den verschiedensten Gründen.
Ich gehe d’accord, daß es bei diesen Themen weltweit eine große Doppelmoral gibt. Auch diese finde ich unerträglich! Und zwar auf ALLEN Seiten.

6. yael1 - 6. Januar, 2011

Ich würde Terroristen auch nicht zu Hause in der Familie töten lassen, aber grundsätzlich habe ich nichts dagegen, Verbrecher auszuschalten, bevor sie wieder jemanden töten könnten oder Attentäter los schicken. Wenn bin Laden gezielt getötet würde, hätte da sicher niemand etwas dagegen (außer dessen Anhänger versteht sich).
Ich denke aber, es gibt schon einen Unterschied zum Beispiel zu China, die keine Terroristen oder Menschen töten, die Chinesen oder andere ermorden, sondern weil sie gegen das System sind oder auch nur ihre Meinung kund tun wollen.
Viel schlimmer finde ich, dass der Westen mit Verbrecherstaaten wie dem Iran oder China ihre Geschäfte machen, damit der Rubel rollt und nur irgendwelche Sprüche in deren Richtung geben und denken, damit ist deren Schuldigkeit getan. Diese Doppelmoral finde ich besonders perfide.


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