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„Chance und Aufbruch“ 12. Januar, 2011

Posted by Rika in islam.
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Deutliche Worte findet Präses Nikolaus Schneider in seinem Bericht an die Synode der Rheinischen Landeskiche, wie die Rheinische Post schreibt.

Nach einem Bericht der Zeitung sieht der Ratsvorsitzende der EKD in der Auseinandersetzung sowohl mit dem Islam, als auch mit einem „sich aggressiv gebärdenden Atheismus“ die Chance der Christen, sich ihrer eigenen Werte und Basis bewusst zu werden und neu darüber nachzudenken, in wieweit die Auseinandersetzung mit der Bibel Einfluss auf  den eigenen Lebensstil habe:

Das eröffne auch die Möglichkeit, „von der Heiligen Schrift inspirierte Lebenskonzepte zu vertreten“.

zitiert die RP.

Vor allem aber räumt Schneider mit einer diffusen Gleichmacherei der Religionen auf, die in den letzten Jahren immer häufiger zu hören war:

Der Präses warnte zugleich vor unkritischer Annäherung der Religionen: „Christlicher und muslimischer Glaube geben unterschiedliche Antworten darauf, was den ,Gotteshunger’ und den Lebenshunger der Menschen stillt.“ „Eine ,Mischreligion’ für alle“ könne nicht das Ziel von Integration sein. Für ihn sei klar, dass allein Christus „das rechte Brot und Wasser des Lebens für alle Menschen“ sei. „Ich denke, das haben wir auch muslimischen Gläubigen gegenüber zu bezeugen“, fügte Schneider hinzu.

Damit vertritt er deutlicher als die meisten evangelischen Amts- und Würdenträger in ihren öffentlichen Stellungnahmen in Bezug auf den Islam  die zentrale Botschaft des Neuen Testamentes und stellt klar, ohne es explizit zu sagen, dass  Koran und Bibel vom Grundsatz her nicht kompatibel sein können.

Die in der Pressekonferenz geäußerte Forderung Schneiders nach einer „Aufklärung des Islam“ zog umgehend den Protest des Zentralrats der Muslime nach sich:

„Niemandem steht es zu, eine Religion zu kritisieren und zu bewerten, ob sie eine Aufklärung nötig hat oder nicht“, sagte ZMD-Generalsekretärin Nurhan Soykan im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Islam stehe für Toleranz und gegenseitigen Respekt. Sie wolle nicht andere Religionen kritisieren, sondern „im Guten mit ihnen wetteifern“.

Der Vorsitzende des Islamrates äußerte aber auch Verständnis:

Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime hat „vollstes Verständnis dafür, dass christliche Vorsteher im Islam eine Herausforderung sehen. Schließlich predigt er den Monotheismus in der reinsten Form, setzt keinen Sohn oder Tochter neben Gott und sagt, dass jeder Mensch für sich alleine verantwortlich ohne Erbsünde ist. Nicht wenige Muslime würden hinter diesen Positionen eine Variante des aufgeklärten Christentums erkennen. Jesus ist ein hoch angesehener Prophet im Islam, so wie auch seiner Mutter Maria eine ganze Sure im Koran gewidmet ist. Gottes Barmherzigkeit würde im Islam niemals zulassen, dass Propheten ans Kreuz geschlagen werden.“

Hervorhebung von mir.

Das muss man sich dann doch auf der Zunge zergehen lassen, das „Verständnis“, das der Vorsitzende den  „christlichen Vorstehern“  angesichts der Herausforderung durch den Islam entgegenbringt,  ist nichts anderes als  eine fein zelebrierte „Richtigstellung“ biblischer Texte und Lehre durch den Islam. Denn schon immer vertreten islamische „Geistliche“ die aus dem Koran abgeleitete Position, dass Judentum und Christentum die ursprüngliche Offenbarung Gottes verfälscht hätten und darum Mohammed die eigentliche und einzig wahre Botschaft allahs  nächtens ins Ohr geflüstert worden sei.

Das als Variante des aufgeklärten Christentums zu verkaufen, ist aber schon ein besonders dreister Versuch der Verdrehung christlicher Lehre und Abwehr aller kritischen Stimmen zum Islam und der Forderung nach  Aufklärung

Das Medienmagazin „pro“ geht in einem Artikel ebenfalls auf Schneiders Rede und die Berichterstattung in den Medien ein und beschäftigt u.a. sich mit Kommentaren:

Unterstützung erhält Schneider von dem Islamwissenschaftler Jochen Hippler, der an der Universität Duisburg-Essen lehrt. In Sachen Aufklärung gebe „in islamischen Staaten einiges nachzuholen“, sagte er der WAZ-Gruppe. Ein akademisch geprägter Islam würde nach seinen Worten eine Normalisierung und Gleichheit im Verhältnis zum Christentum und zum Judentum bedeuten. Aufklärung bedeute nach Immanuel Kant den „Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ und beinhaltet den radikalen Zweifel an Dogmen, die Besinnung auf Vernunft und Individualität sowie in der Folge die Trennung von Staat und Kirche. „Da gibt es in islamischen Staaten einiges nachzuholen“, stellt der Islamwissenschaftler fest

Aus einemKommentar der WAZ zitiert „pro“ so:

In einem Kommentar schreibt der Chefredakteur der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“, Ulrich Reitz, in der Zeitung „Der Westen“, Schneider sei wegen seiner Forderung nach einem aufgeklärten Islam ein „mutiger Mann“. „Hierzulande ist der Streit über die wichtige Frage, ob der Islam als Religion demokratiefähig ist, ein Tabu. Tatsächlich fragt bislang niemand, ob gläubige Moslems nicht von ihrer Glaubenslehre gehindert werden, einem westlichen Lebensstil zu leben.“ Der Koran schreibe eine Lebensweise vor, die nicht per Mehrheit geändert werden kann. „Darüber muss man reden. Schneider hat damit begonnen“, lobt Reitz. Multikulti-Anhänger sähen in einem kritischen Religions-Diskurs bereits einen Angriff auf ihre Überzeugungen. „Die galligen Reaktionen von moslemischer Seite zeigen, dass der EKD-Ratsvorsitzende ins Schwarze getroffen hat.“

Ähnlich lautet nach „pro“ auch der Kommentar der Rheinischen Post:

Frank Vollmer schreibt: „Es ist nur konsequent, wenn Nikolaus Schneider von den Muslimen hierzulande unter dem Motto ‚Gleiche Rechte, gleiche Pflichten‘ ein verstärktes Bekenntnis zur Integration fordert und ihnen zugleich das Nachdenken über eine eigene Religionskritik, ja eine islamische Aufklärung nahelegt.“ Es könne eine Zumutung für den eigenen Glauben sein, in einer freiheitlichen Demokratie zu leben und an ihrem Gelingen mitzuarbeiten. Schneider gelte als als linker, in der Gastarbeiter-Hochburg Duisburg aufgewachsener Kirchenmann und „ressentimentgetriebener Abschottung unverdächtig“. Er scheine vielmehr dabei zu sein, das Profil der Evangelischen Kirche in Deutschland zu schärfen. „Das ist eine gute Nachricht.“

„Das ist eine gute Nachricht.“  In der Tat.

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Kommentare»

1. Barbara - 13. Januar, 2011

„Das ist eine gute Nachricht.“

Ich stimme Dir (und dem RP-Kommentator) zu.
Es ist eine gute Nachricht, auf die sicher viele, auch ich, lange, so so lange gewartet haben. Hoffentlich folgen noch weitere und noch deutlichere Worte. Und hoffentlich bedarf es nicht noch weiterer Opfer, damit offene Worte formuliert werden. (Vielleicht war die Erschütterung über das Attentat in Ägypten ja der Weckruf aus dem Verdrängungs- und Beschwichtigungstiefschlaf!?!)
Ich hoffe zum Beispiel auf eine deutliche Antwort auf Mazyeks „Glaubensbekenntnis“ bzw. seine – wie Du so schön formulierst – fein zelebrierte Richtigstellung.

Was mich aber wirklich irritiert und ärgert, ist, daß sich daß EKD-Portal „evangelisch.de“ offenbar der Worte Schneiders schämt oder sich – wohlwollender formuliert – mindestens ausgesprochen verunsichert zeigt. Die erste Erwähnung des Themas wird nämlich unter der Überschrift „Schneider: EKD soll Haltung zu Gentests neu beraten“ http://www.evangelisch.de/themen/gesellschaft/schneider-ekd-soll-haltung-zu-gentests-neu-beraten31153
versteckt, zweifellos ein wichtiges Thema, PID u.s.w., aber eben ein ganz anderes Thema.

Die darauffolgende Reaktion der Muslime findet unter der Überschrift „Muslime verärgert: Papst wirbt für Religionsfreiheit“ (in einem dazu noch ziemlich zweifelhaften Artikel)Erwähnung: http://www.evangelisch.de/themen/religion/muslime-ver%C3%A4rgert-papst-wirbt-f%C3%BCr-religionsfreiheit31297
Auch auf der offiziellen EKD-Seite http://www.ekd.de/default.html
Fehlanzeige! Vielleicht habe ich nicht gründlich genug gesucht, aber wenn man schon danach suchen muß, sagt es ja auch etwas. Ist das die Politik der EKD? Auf (irgend)einer Synode (nix gegen die Rheinländer) kann man so etwas schon mal sagen, quasi unter uns Pastorentöchtern, aber an die große Glocke wollen wir es nicht hängen?

Mist, daß ausnahmsweise die Presse dazwischen kam, die Angelegenheit an eine mittelgroße Glocke hängte und die Reaktion der notorisch beleidigten Mitbürger mit gewissen Hintergründen selbstverständlich nicht auf sich warten ließ.

Ich hoffe nicht, daß das die EKD-Position ist. Ich freue mich – wie Du – über Schneiders Stellungnahme. Bis zum Beweis des Gegenteil geht mir aber immer noch ein Sprichwort durch den Kopf. Es fängt an mit: „Eine Schwalbe…“
Ich hoffe, Du nimmst mir nicht übel, wenn ich Wasser in den Wein gieße und grüße Dich herzlich,
Barbara

2. Rika - 13. Januar, 2011

Barbara,
nein, Du hast keinen Wasser in den Wein gegossen!
Mir geht es ganlz ähnlich wie Dir.
Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass die EKD hinsichtlich der Beurteilung des Islam und seines Erscheinungsbilds in Deutschland sehr geteilter Meinung ist – siehe z.B. die Einlassungen Frau Käßmanns in ihrer Antrittsvorlesung über Migration:

http://www.tagesspiegel.de/meinung/migration-gab-es-bereits-in-der-bibel/3699334.html

Darin vermischt sie geschickt biblische Texte und die Geschichte des Christentums mit dem Begriff Migration und verharmlost so, ohne es zu sagen, die kritische Auseinandersetzung mit dem Islam.

Vermutlich gibt es viele Ratsmitglieder in der EKD, die ebenso wenig kritisch mit dem Thema „Islam“ umgehen, daher auch die „vornehme“ Zurückhaltung bei „evangelisch“, die mir auch schon früher aufgefallen ist. Dort ist man auf Ausgleich und „Beruhigung der Gemüter“ bedacht, aus welchen Gründen auch immer.

Danke für Deine Links!
Liebe Grüße zurück,
Rika


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