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Schmeichler mit gespaltener Zunge… 28. Februar, 2011

Posted by Rika in islam, israel.
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Für den gutmütig-wohlwollenden,  den naiv-optimistischen, politisch unbedarften und gänzlich unvoreingenommenen Leser klingen nahezu alle Antworten, die der Ministerpräsident des diesjährigen Partnerlandes der CEBIT dem Fragesteller der HAZ gab, wunderbar plausibel, politisch vernünftig, demokratisch versiert, freundlich und eloquent vorgetragen, kurzum zukunftsorientiert  und europatauglich.

Wäre da nicht das kleine bisschen Vorwissen, ein leichtes Misstrauen und  meine offen  eingestandenen Vorbehalte gegenüber der Politik des neuen starken Mannes am Bosperus, würde ich der Einschätzung meines Lebensgefährten beinahe sogar zustimmen, der nach der Lektüre der Zeitung meinte, der Befragte habe durchweg vernünftige Ansichten geäußert.

Eine kleine Zusammenstellung seiner Ansichten   aus meiner Perspektive kommentiert:

Gefragt nach den Gründen für den wirtschaftlichen Erfolg antwortet der Interviewte u.a.:

Wir haben uns intensiv darum bemüht, in unserer Region und darüber hinaus politischen Dialog, Stabilität, Sicherheit, wirtschaftliches Miteinander, kulturelle Harmonie, Wohlstand und Toleranz zu etablieren. Und wir werden diese Bemühungen entschlossen weiterführen. Zudem setzen wir unsere aktive Rolle auf internationaler Ebene fort

Der politische Dialog in der Region findet überwiegend mit den erklärten Feinden Israels statt, mit Syrien und vor allem dem Iran und dient ganz sicher nicht dazu, die friedenspolitische Position Israels den Dialogpartnern schmackhaft zu machen, im Gegenteil!

In der Zypernfrage offenbart sich „die Stabilität“ der unnachgiebigen Haltung zum Konflikt und „die Sicherheit“  darin, dass sich daran nichts ändern wird. „Kulturelle Harmonie“, „Wohlstand“ und „Toleranz“   sind wunderbare Begriffe, dem Gegenüber Sand in die Augen zu streuen, was innerhalb des Partnerlandes der CEBIT an so einem simplen Beispiel wie dem der „tanzenden Derwische“ deutlich wird, die ihren Tanz zwar als „kulturelles Highlight“ staunenden Touristen gegen harte Währung vorführen, ihn aber beileibe nicht als „kultischen Anteil“ ihrer religiösen Überzeugung ausführen dürfen. Aktiv setzt die Regierung auf internationaler Ebene ihre Bemühungen fort, indem sie z.B. selbst die in Deutschland lebenden  ehemaligen Staatsbürger  dazu aufruft sich auf gar keinen Fall in die bundesdeutsche Gesellschaft zu assimilieren sondern treu in allen Sitten und Gebräuchen an der alten Heimat festzuhalten, was den Integrationsprozess ungeheuer bereichert!

Spannend ist auch die Art und Weise, wie der Ministerpräsident auf die Frage nach der Vereinbarkeit von Islam und industrieller Moderne eingeht:

Die Türkei, deren Bevölkerung mehrheitlich muslimisch ist, setzt ihre Entwicklung auch künftig auf der Grundlage von Rechtstaatlichkeit und Achtung der Menschenrechte, von Demokratie, Laizismus und Pluralismus sowie von universellen Werten fort. Dies zeigt am deutlichsten, dass Modernität nicht mit einem bestimmten Verständnis einer Kultur oder einer Religion verbunden ist und wirtschaftlicher Fortschritt und Entwicklung nicht im Widerspruch zu islamischer Tradition stehen. Allerdings ist in letzter Zeit zu beobachten, dass manche Vorurteile in der europäischen Öffentlichkeit an Boden gewinnen – etwa die Vorstellung, dass die muslimischen Gesellschaften zu einer Gefahr für die westlichen Länder würden und ein mit diesen unvereinbares Wertesysteme hätten. Diese unfairen, äußerst gefährlichen Vorurteile müssen beseitigt und das Verständnis vom Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen und Glaubensrichtungen, der Dialog, gegenseitiger Respekt, Freundschaft, Harmonie und Zusammenarbeit müssen gefördert werden. Wir tun unser Möglichstes, dieses Verständnis zu fördern.

„Manche Vorurteile“ gewinnen an Boden und müssen deshalb beseitigt werden. Das ist klug gesagt, gemeint ist dabei aber nicht, dass die in islamischer Tradition lebenden Menschen zur Überwindung der Vorurteile beitragen, indem sie ihre eigene Tradition kritisch hinterfragen, wie etwa das Christentum sich kritisches Hinterfragen ständig gefallen lassen muss, und seien es „nur“ solche Fragen wie etwa die nach dem Fortbestand des Zölibat, von dem ja nun nicht wirklich „alle“ Christen betroffen sind,  nein, die kritischen Fragen der Vorurteilsträger haben zu unterbleiben, damit Respekt, Freundschaft und Harmonie das Verständnis für die Kulturen und Glaubensrichtungen befördern können. Herr Erdogan vergisst allerdings zu sagen, dass das für das Leben in Deutschland gilt.  In der Türkei gelten andere Bedingungen.

Der gegenseitige Respekt der Glaubensrichtungen in der Türkei sieht so aus, dass alles daran gesetzt wird, den Anteil der  Christen auf Null zu bringen. Christen dürfen keine neuen Kirchen errichten und der Erhalt der alten kirchlichen Gemäuer ist unendlich schwierig (siehe aktuell die Entscheidung zum    Kloster Mor Gabriel !!!). Christen dürfen ihre Geistlichen in der Türkei nicht ausbilden, die Nachwuchsarbeit wird somit praktisch unmöglich gemacht. Christen dürfen sich nur dort in Kirchen versammeln, in denen „NOCH“ eine Gemeinde besteht, neue Gemeinden zu gründen ist nicht erlaubt, damit können sich Christen nicht der dynamischen Entwicklung der türkischen Gesellschaft anpassen. Verlassen sie aus beruflichen Gründen den Ort, in dem noch eine Gemeinde existiert und finden sich in einer Mehrzahl der Städte wieder, in denen es keine Christen gibt,  müssen sie praktisch auf christliches Gemeindeleben verzichten oder leben  im Untergrund als christliche Hausgemeinde in der Illegalität, das öffentliche Bekenntnis zu ihrem christlichen Glauben wird als Mission ausgelegt und ist verboten!

Die Frage nach der kurdischen Minderheit beantwortet Herr Erdogan so:

Entscheidend für die türkische Politik ist die Achtung von Demokratie und Menschenrechten. Wie bei jedem türkischen Bürger werden auch die Rechte der Nichtmuslime, die im Vertrag von Lausanne als Minderheiten bezeichnet werden, oder der in der Türkei nicht als Minderheit angesehenen Bürger kurdischer Herkunft in diesem Rahmen geschützt.

DAS muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Minderheiten sind nach dem Vertrag von Lausanne geschützt!  Kurden sind keine Minderheit, es sind „Bürger kurdischer Herkunft“. Da sie damit automatisch zu türkischen Bürgern erklärt werden, können sie keine weiter reichenden Minderheitenrechte – wie z.B. das Recht auf die eigene Sprache – einfordern (genialer Trick die Menschenrechte zu umgehen!)  und werden zudem brutal vom türkischen Staat verfolgt!

Ähnlich „genial“ klingt die Stellungnahme zu der Frage nach den Massakern an den Armeniern:

der Normalisierungsprozess ist für die Türkei wie für Armenien ein schwieriger und sensibler Prozess. Über die Ereignisse von 1915 gibt es zwischen der türkischen und der armenischen Bevölkerung, die rund 800 Jahre friedlich zusammengelebt haben, nun einmal einen Konflikt der Erinnerungen. Wir versuchen nicht, anderen unsere Erinnerung aufzuzwingen. Und niemand hat das Recht, uns seine Erinnerungen aufzuzwingen. Die Türkei verschließt die Augen nicht vor den durchlebten Leiden der Armenier. Was wir aber nicht akzeptieren, ist, dass die leidvollen Ereignisse von 1915 als ein von der einen an der anderen Seite verübter „Völkermord“ bezeichnet werden. Bei einer derartigen Darstellung der Ereignisse wird die armenische Sichtweise in den Vordergrund gerückt, und die Verluste der Türken werden ausgeblendet.

Aus einer historischen Tatsache von Flucht und Vertreibung der Armenier und der damit verbundenen tatkräftigen Ermordung  von Männern, Frauen, Kindern und Greisen und dem sowohl kalkulierten, wie billigend in Kauf genommenen Tod der Vertriebenen,  wird der „Konflikt der Erinnerung„. Nicht der Tod der Armenier ist das Problem, sondern die unterschiedliche Erinnerung an die Vorgänge, die zum Tod führten. Ein Volk wird ermordet und erschlagen, aber „Völkermord“ darf man das nicht nennen.

Zur Rolle der Türkei für die muslimisch-arabische Welt gibt es diese Erklärung:

Die Türkei, die zu Europa gehört, ist Mitglied in allen wichtigen westlichen Organisationen – außer in der EU, mit der sie aber Beitrittsverhandlungen führt. Sie hat gleichzeitig solide kulturelle, religiöse und historische Verbindungen zu den Ländern des Nahen Ostens. Damit fällt unserem Land natürlich eine wichtige Rolle und Verantwortung beim Dialog und der Verständigung zwischen den Kulturen und Zivilisationen zu, zumal in der schwierigen Atmosphäre, die nach den Terroranschlägen vom 11. September in den USA entstanden ist. Die Initiative „Allianz der Zivilisationen“, die wir mit mit Spanien unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen leiten, haben wir aus dieser Verantwortung heraus ins Leben gerufen.

Die Türkei sieht sich als Mittlerin zwischen den Welten – das ist ja eigentlich eine äußerst lobenswerte Angelegenheit. Sie fühlt sich in der Verantwortung   bei Dialog und Verständigung zwischen den Kulturen und Zivilisationen. Auch das eine ehrenwerte Aufgabe, die aber wohl dadurch erschwert ist, dass in den USA eine „schwierige Atmosphäre“ herrscht seit dem 11. September.

Nun ja, wie  sollte man das auch anders formulieren.

Die Amerikaner sind halt nicht so ganz erfreut über muslimische Terroristen, die das Symbol der größten Wirtschaftsmacht der Welt mal eben kurz in Schutt und Asche gelegt und dabei gut 3000 Menschen getötet haben.  Das macht den Dialog und die Verständigung mit der muslimischen Welt nicht eben einfach.

Man könnte natürlich auch formulieren, dass die Muslime, die sich als Kämpfer für Allah hinter die Steuerknüppel der Flugzeuge gesetzt  und sich zu Märtyrern und Tausende von  Amerikanern zu trauenden Hinterbliebenen gemacht haben, feige und hinterhältige Verbrecher und Mörder waren, die von der gesamten muslimischen Gemeinschaft geächtet werden müssen. Dann wäre der schwarze Peter eben nicht in der „schwierigen Atmophäre in den USA“ auszumachen, sondern bei den muslimischen Brüdern, die meinen, ein Recht darauf zu haben, alle Ungläubigen mit Gewalt von den friedlichen  Absichten und den menschenfreundlichen Regeln der Religion des Propheten überzeugen zu müssen und den Dschihad eben nicht nur als persönliche religiöse Anstrengung zu begreifen, sondern ihn mit Terror, Bomben, Raketen und Selbstmordattentäter in die ganze Welt zu tragen. Die jubelnden Menschen in Gaza, Ägypten und in muslimischen Kommunities weltweit nach den Anschlägen von New York haben aber doch gezeigt, dass die Terroristen vom 11. September keineswegs isolierte Einzeltäter waren, wie auch alle anderen Terrorakte seitdem mit großem Einverständnis der muslimischen Welt einher gingen.

Wie doppeldeutig und schlangenzüngig Erdogans Einlassungen zu Israel sind, erfährt man in dieser Passage:

Das Verhältnis zwischen der Türkei und Israel basiert auf den jahrhundertelangen, starken und freundschaftlichen Beziehungen zwischen Türken und Juden. Im Laufe der Geschichte haben Juden in Not stets Zuflucht in der Türkei gefunden.

Die von der Türkei vermittelten indirekten Gespräche zwischen Israel und Syrien sind aber wegen Israels Angriff auf Gaza ergebnislos geblieben – trotz absehbar großer Fortschritte.

Der Angriff Israels auf die humanitäre Hilfsflotte am 31. Mai 2010, bei dem neun unschuldige Zivilisten getötet und viele Menschen verletzt wurden, hat zu Rückschlägen in unseren Beziehungen geführt. Dieser Angriff ist eine Verletzung des internationalen Rechts. Deshalb wurde Israel nicht nur von der Türkei, sondern auch von der internationalen Gemeinschaft kritisiert – bis hin zur Vollversammlung der Vereinten Nationen.

Wenn die Türkei Fehler aufrichtig benennt, so tut sie dies im Bewusstsein, dass Israel zu den Ländern zählt, die von dauerhaftem Frieden in der Region profitieren werden.

Und eines sollte dabei unverzerrt deutlich sein: Unsere Kritik richtet sich nicht gegen das israelische Volk, sondern gegen die Politik der Regierung Israels. Zum ersten Mal in der Geschichte unserer Republik wurden bei Israels Angriff türkische Zivilisten von Soldaten eines anderen Landes getötet.

Wir haben uns danach besonnen verhalten.

Israel muss sich nun aber aufrichtig fragen, warum es seitens der internationalen Gemeinschaft dermaßen kritisiert wird und sich zunehmend isoliert.

Israel muss sich für diesen Angriff offiziell entschuldigen und Entschädigung leisten. Sonst ist es nicht möglich, dass wir unsere Beziehungen zu Israel normalisieren.

Der besseren Lesbarkeit wegen habe ich den Text in Sinnabschnitte gegliedert.

Es ist richtig, dass Juden in der Türkei jahrhundertelang Aufnahme fanden und in Frieden leben konnten. Die Juden aber, die jetzt in Israel beheimatet sind, machen es der Türkei ziemlich schwer, zumindest diejenigen, die in der israelischen Regierung sind.  Schwierig ist es nämlich, einerseit mit Israel eine bislang gute wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit zu pflegen und gleichzeitig den Kurswechsel in der Politik hin zu Syrien und dem Iran vornehmen zu wollen, die als erklärte Gegner Israels bekannt sind. Da trifft es sich aus Sicht der Türkei gut, dass Israel auf die ständigen Terrorangriffe seitens der Hamas den Gazastreifen bombardiert und der Türkei damit einen scheinbar trifftigen Grund liefert, die Beziehungen zu Israel deutlich abkühlen zu lassen.

Man könnte natürlich auch hier wieder die Frage stellen, warum die Türkei sich nicht deutlich von den terroristischen Aktivitäten der Hamas distanziert und in dem Angriff des Gazastreifens nicht eine notwendige Form der Selbstverteidigung sieht und diese auch rechtfertigt – zumal die türkische Regierung ja durchaus Erfahrung mit der Beantwortung von Terroraktionen im eigenen Land hat und gnadenlos gegen die kurdischen „Widerstandskämpfer“ vorgeht! Aber zugunsten der Neuorientierung hin zu den unmittelbaren Nachbarn muss diese Argumentation natürlich unterbleiben.

Die Entsendung eines „Hilfskonvois“ nach Gaza mit der unverhohlenen Absicht, die verhängte Seeblockade zu brechen, ist nur ein weiterer Schachzug der Türkei im Machtgefüge den eigenen Einfluß zu vergrößern und auszubauen. An Bord des türkischen Schiffes waren mitnichten friedliche Menschen einer Hilfsorganisation, wie die Türkei es gerne darzustellen versucht, an Bord waren Schlägertrupps, die bewaffneten Widerstand gegen das von Israel angekündigte Aufbringen der Blockadebrecher leisten sollten und tatsächlich auch leisteten. Es war eine gezielte Provokation mit den absehbaren Folgen, wie sie dann von der Türkei unter großem Geschrei als Israels Fehler angeprangert wurden.  Israel, soviel ist zu vermuten, wird sich nicht entschuldigen, die Türkei wird darum den Abbruch der eigentlich von ihr boykottierten Beziehungen zu Israel den Israelis in die Schuhe schieben und treuherzig verkünden, nicht das „israelische Volk“ stehe in der Kritik, sondern die israelische Regierung. Damit kann man den Nymbus vom judenfreundlichen Land vor der europäischen Öffentlichkeit aufrecht erhalten und gleichzeitig im Gleichschritt mit dem Iran die Bedrohungslage für Israel zuspitzen. Sicherlich werden die meisten deutschen Israelkritiker Erdogans Rede (nicht nur in diesem Punkt) zustimmen.

Den letzten Absatz seiner Rede ganz einzustellen, erspare ich mir, enthält er doch die bekannten und üblichen Floskeln. Ich zitiere nur die ersten Sätze:

Sowohl türkische als auch deutsche Behörden haben in letzter Zeit ihre Bemühungen um die Integration der in Deutschland lebenden Türken intensiviert. Das war für mich gestern schon bei einem Treffen mit mehr als 10.000 türkischen Staatsbürgern in Düsseldorf spürbar. Dass unsere Staatsbürger in der deutschen Gesellschaft am wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben teilnehmen, dass sie hierzulande als gesetzestreue, glückliche und erfolgreiche Menschen leben und zugleich ihre Bindungen an ihre eigene Kultur bewahren, bildet die Grundlage unserer Integrationspolitik.

…  und verweise darüberhinaus auf die Berichte in den verschiedenen Online-Magazinen über Erdogans Rede in Düsseldorf, auf die sich Erdogan bezieht und den großartigen Applaus, den die 10000 „türkischen Staatsbürger“ ihrem Ministerpräsidenten entgegen gebracht haben.

Erdogan ist ein Meister der Anpassung an die Erwartungen seiner Gesprächspartner und vermag so geschickt Dichtung und Wahrheit, Absichtserklärungen und Forderungen  miteinander zu vereinen und – mal schmeichelnd mal fordernd – vorzutragen, so dass man geneigt ist, seine Äußerungen für das eigene Weltbild zu halten und daher kaum auf die Idee kommt, das zu hinterfragen, was er in ebenso geschliffener, wie floskelhaft verklausulierender Rede der staunenden Zuhörerschaft mitzuteilen hat und unter zu jubeln versucht.

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Ausgerechnet Erdogan… 27. Februar, 2011

Posted by Rika in meine persönliche presseschau.
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lamentiert von “ internationalem Recht“:

Zugleich appellierte Erdogan an Deutschland, in der Integrationspolitik eng mit den türkischen Stellen zusammenzuarbeiten. Erneut wandte er sich gegen eine Assimilation türkischer Zuwanderer. Eine Integrationspolitik, die darauf abziele, den Migranten ihre Sprache und Kultur abzuerkennen, sei ein Verstoß gegen internationales Recht, sagte Erdogan, der am Sonntag in Düsseldorf vor Tausenden Türken sprechen will.

Vermutlich verstößt es nach Erdogans Verständnis nicht gegen internationales Recht, wenn Kurden in der Türkei Kurdisch zu sprechen versagt wird:

Mit seiner Rede im türkischen Parlament löste der Vorsitzende der pro-kurdischen Partei DTP, Ahmet Türk, neuen Streit um die kurdische Sprache aus. Der staatliche türkische Fernsehsender TRT brach am Dienstag die Übertragung aus dem Parlament ab, nachdem Türk demonstrativ vom Türkischen in die kurdische Sprache gewechselt war. „Jeder sollte verstehen, dass die Forderung nach einem Ende des Verbotes der kurdischen Sprache eine ganz normale Forderung ist“, sagte Türk – drei Tage nach dem von der Unesco ausgerufenen internationalen Tag der Muttersprache.

Ja, ja,  ich gebe es ja zu, das ist einerseits Schnee von gestern und andererseits bilden die Kurden, die sich ihrer kurdischen Identität bewusst sind und als Kurden in der Türkei leben wollen,  eine kriminelle Vereinigung, wenn man der türkischen Politik Glauben schenkt. Da geht es natürlich nicht, dass man ihnen das Recht auf den Gebrauch der Muttersprache einräumt. Zumindest geht das in der Türkei nicht. Das muss man doch verstehen!

Ich kann es ja auch sehr gut verstehen, dass sich Herr Erdogan für seine türkischen Staatsbürger, die hier in Deutschland leben, stark macht und einsetzt. Das ist er ihnen als Regierungschef ja auch schuldig. Was mich aber immer wieder irritiert, ist die Tatsache, dass er auch die hier lebenden Deutschen mit türkischen Wurzeln seinem Staats-Zuständigkeitsbereich einverleibt. Man stelle sich vor, Frau Merkel wolle auch die Bundeskanzlerin aller in den USA lebenden deutschstämmigen US-bürger sein und für sie Rechte und deutsches Mitspracherecht einfordern …  undenkbar, nicht wahr?

Aber für Herrn Erdogan ist genau das eine Selbstverständlichkeit, wie weltonline berichtet:

Erdogan forderte von der Bundesrepublik, in der Integrationspolitik künftig eng mit türkischen Stellen zusammenzuarbeiten. Bisher habe man in Deutschland „die Ansichten der zuständigen Behörden in der Türkei“ in diesen Fragen nicht ausreichend berücksichtigt, sagte Erdogan der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. Zugleich wandte er sich erneut scharf gegen eine Assimilation von türkischen Zuwanderern.

Der türkische Ministerpräsident erhebt  einen generellen Anspruch auf Einflußnahme, wie es auch in dem Interview deutlich wird, das er RP-online gegeben hat:

Erdogan: Falsch war bei der Integration der Türken in Deutschland, dass die deutschen Behörden nicht die Ansichten, Erwartungen und Bedürfnisse der Türken als Zielgruppe berücksichtigt haben. Bis heute beachten die deutschen Behörden in Integrationsfragen auch nicht die Ansichten der zuständigen Behörden in der Türkei. Für eine erfolgreiche Integration halte ich es für erforderlich, dass die deutschen Behörden in Zukunft nicht weiter einseitig handeln, sondern die Kooperation mit den türkischen Migranten, den türkischen Zivilorganisationen und der türkischen Regierung anstreben.

Er sieht es  offenbar als seine vornehmste Pflicht an, die Interessen  der Türken in Deutschland zu vertreten, und zwar aller „Türken“, ob sie das nun auch  sind und  wollen oder nicht!

Aber vielleicht habe ich das einfach nur falsch verstanden und er meint gar nicht auch die türkischstämmigen Deutschen, sondern „nur“ die türkischen Türken, die als   „Zuwanderer“   in Deutschland leben, wobei ich unter „Zuwanderer“ verstehe, dass das Menschen sind, die auch hierbleiben wollen und nicht wieder weiter wandern werden, wie beispielsweise die Wanderarbeiter. Von diesen „Zuwanderern“ würde ich allerdings erwarten, dass sie sich auch um die Staatsbürgerschaft des Staates bemühen, in den sie zugewandert sind.   Aber auch das kann man ja ganz anders sehen und die Erwartung hegen, dass sie irgendwann auch wieder rückwandern….  An dieser Stelle würde es mich brennend interessieren, ob sich die vor 2 – 3 Generationen  in die USA  zugewanderten Türken heutzutage als „Amerikaner“ verstehen oder sich immer noch von Erdogan als „ihrem“ Ministerpräsidenten repräsentiert fühlen und in den USA Sonderechte für Türken  reklamieren. Aber solche Überlegungen darf man hierzulande nicht öffentlich äußern, denn das ist a) rassistisch und b) vermutlich auch islamophob, weil es nämlich üblicherweise muslimische Türken sind, die in Deutschland Sonderrechte beanspruchen.

Und jetzt regt sich schon wieder mein schlechtes Gewissen denjenigen Menschen gegenüber, deren Familie aus der Türkei stammt und die sich hier vollkommen integriert haben und die gegen ihren Willen mit im Boot derjenigen sitzen, für die Herr Erdogan meint  sprechen zu müssen.  Nein, mein Text richtet sich nicht gegen Euch!  Denn ganz sicher betrachtet Ihr Herrn Erdogan nicht als „Euren“ Ministerpräsidenten und  „Integration“   habt Ihr längst vollzogen… und wir mit!

Neben der Integration türkischer Menschen in Deutschland geht es natürlich auch immer noch und wieder um die Betrittsverhandlungen mit der Türkei zur Europäischen Union. Ich will hier nicht auf das Für und Wider und auf den langen Prozess eingehen, das / der mit den Verhandlungen verbunden ist und auch nicht auf den offensichtlichen Politikwechsel hinweisen, die die Türkei mit der Hinwendung zum Iran und der offen geäußerten Kritik an Israel vollzogen hat, die eher als offene Feindschaft denn als  „normale“ Beziehungen anmutet.

Ein Absatz aus dem Interview mit Gerhard Schröder über die Türkei, die Beitragsverhandlungen und Herrn Erdogan,  das anlässlich der CEBIT – Eröffnung an diesem Wochenende in der HAZ erschien, soll hier zitiert:

Freundschaften können das gegenseitige Verständnis erleichtern, aber sie können politische Interessengegensätze nicht aus der Welt schaffen. Ich habe Premier Erdogan als einen Mann kennengelernt, der sich durch große Ehrlichkeit und Klarheit auszeichnet. Und genau wie ich merkt natürlich auch er, ob seine Gesprächspartner in Europa auch dann zu ihren Entscheidungen stehen, wenn die gerade nicht populär sind. Da gibt es bei der ­politischen Rechten in Deutschland ja allzu häufig in Wahlkampfzeiten die große Verlockung, mit antitürkischen Tönen zu punkten. Ich schätze Premier Erdogan als einen Mann, der mit seinem Handeln zu seinen Worten steht. Und ich habe mich stets bemüht, das ebenso zu handhaben.

(Hervorhebung von mir)

…   und einem anderen Text

Noch keine neun Monate ist es her, da schmeichelte der deutsche Außenminister bei seiner ersten Dienstreise nach Kairo dem ägyptischen Präsidenten (Mubarak) mit ähnlichen Worten. Dieser sei „ein Mann mit enormer Erfahrung“ und „großer Weisheit“, einer, der „die Zukunft fest im Blick“ habe. Westerwelle würde dies zwar in diesen Tagen des ägyptischen Aufbegehrens – die Bilder gewaltsamer Übergriffe der Staatsmacht vor Augen – sicher nicht wiederholen. Aber dass die Menschenrechte im eigenen Land Mubarak kein Anliegen sind, war schon bekannt, als Westerwelle ihn derart rühmte.

(Einschub von mir)

… und weiteren Bericht

Für einen Augenblick erinnert der Tahrir-Platz in Kairo an den Triumphzug aus der Oper „Aida“. Wie in Giuseppe Verdis Meisterwerk, das ebenfalls in Ägypten spielt, hat sich auch an diesem Nachmittag Volk versammelt und jubelt dem Ankömmling zu.

Nur handelt es sich nicht um den ägyptischen Feldherrn Radames, der nach siegreicher Schlacht heimkehrt, sondern um den deutschen Außenminister Guido Westerwelle, der gekommen ist, um der ägyptischen Übergangsregierung nach der siegreichen Revolution seine Unterstützung anzubieten.

gegenübergestellt werden, um so  die Scheinheiligkeit, den verlogenen Pragmatismus  und die Vergänglichkeit der Politiker und ihrer Freundschaften in einem sehr kleinen Ausschnitt offen zu legen.

Abschließend auch dieser Hinweis, der in einem „letter from rungholt“  aktuell zur Lage in Libyen beigesteuert wird:  „Sage mir, mit wem du umgehst…“

Nicht so wichtig… 27. Februar, 2011

Posted by Rika in israel.
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Wir hier in Deutschland haben richtig Trouble!

Seit Tagen beherrscht nur ein Thema die öffentliche Debatte: Soll der Minister nur wegen ein paar fehlender Füße den Hut nehmen? Er soll nicht, er MUSS!

Natürlich betrachten wir auch die Schwierigkeiten, in denen andere Länder stecken, mit Sorge. Könnte doch der Benzinpreis noch weiter steigen und unsere Wirtschaft ernsthaft gefährden. Der operettenhaft auftretende Diktator mit seinem Hang zu grotesken Verkleidungen und überdimensionierten Zeltlagern bei Staatsbesuchen im Ausland interessiert uns nur im Hinblick auf das eigene finanzielle Wohlergehen und sein leidendes Volk auch nur hinsichtlich der Frage, wie wir es davon abhalten können, hier in Europa (Deutschland) Asyl suchen und Arbeit finden zu wollen.

Da haben dann andere Nachrichten kaum Chancen mehr, in den erweiterten Raum der Betrachtung zu rücken, es sei denn, sie ließen sich als Aufhänger für der Deutschen liebstes „Erziehungsobjekt“    („Gerade die Israelis, die unter den Nazis so gelitten haben, sollten…“)  instrumentalisieren,  um es wohlwollend auszudrücken.

Die israelische Stadt Beer Sheva wird mit Gad-Raketen beschossen, woraufhin die israelische Luftwaffe einen Gegenangriff fliegt und Israel damit natürlich wieder den Part des Bösen hat!

Wie es sich  anfühlt, wenn man wieder einmal und doch aus heiterem Himmel in die Front aus aktueller und sehr realer Terrorgewalt  gerät, beschreibt Ruth so:

Vor Ort fuehlt sich das so an. Eigentlich ist heute einer meiner Schwimmabende, aber ich war zu muede, also begann ich mich auszuziehen, anstatt die Badetasche zu packen. Mittendrin toente der Raketenalarm. Oben ohne stuermte ich in unseren Schutzraum, der eigentlich das Maedchenzimmer der Grossen ist. Sie war schon im Bett, aber natuerlich wach. Die Kleine brauchte ich nicht zu rufen, sie erinnert sich noch allzugut an die Sirenen von vor zwei Jahren. Ich riss das Fenster auf, um den schweren Stahlladen zu schliessen. Das gelang mir nur mit der einen Haelfte. Die andere Seite klemmt. Mein Mann kam angestuermt und riss an dem festsitzenden Stahlteil, ohne Erfolg. Schliesslich meinte er: „Das war wohl Fehlalarm, sonst muessten wir doch den Einschlag hoern.“ In diesem Moment rumste es ziemlich laut. Mein Mann stuerzte sich mit neuer Energie auf den Stahlladen. Ich fand das Maschinenoelspray und reichte es ihm. Aber alles half nicht. Inzwischen hoerten wir im Hintergrund die Sirenen von Krankenwagen und Polizei. Die Kleine schaltete ihr Radio an, in wenigen Minuten war es 10 Uhr. Die erste Meldung in den Nachrichten: „Eine Gradrakete hat in einem Wohnviertel in Beer Sheva eingeschlagen, keine Verletzten, nur Sachschaden.“ Spaeter kamen noch Kommentare, dass keine Personen zu Schaden kamen, weil sie sich in die Schutzraeume gefleuchtet hatten. Dieses Wohnviertel sei eines, wo alle Haeuser Schutzraeume haetten, ein neuers Villenviertel. Spaetere Fernsehbilder bestaetigten, was mein Mann und ich von Anfang an vermuteten. Die Rakete ging in unserm Viertel nieder.

Die Kinder, vor allem die Kleine, waren sehr erschrocken. Schliesslich verrammelte ich die Fenserseite, wo der Stahlladen nicht zuging, mit meinen Backblechen, damit die Kinder sich geborgen fiuehlen. Fuer die Kleine zog ich das Gaestebett heraus, so dass beide Maechen heute nacht im Schutzraum schlafen koennen.

Dann die Ueberlegungen mit meinem Mann: Warum gerade jetzt der Angriff auf Beer Sheva? Moeglicherweise wollen Hamas und die aegyptische Muslimbruderschaft eine harte israelische Reaktion provozieren. Das wuerde den aegyptischen Islamisten in die Haende spielen. Diese Straetgie war schon vor einer Woche deutlich, als Yusuf Qaradawi den Tahrir-Platz in Kairo besser fuehlen konnte, als die vorangehenden Proteste gegen Mubarak es vermocht hatten, und zur Eroberung Jerusalems aufrief.

Waehrend ich schreibe, sagt mein Mann, im Fernsehen wurde berichtet, dass weitere Raketen zum Abschluss bereit standen und von der IDF beschossen wurden.

Mein Kommentar zu Ruths Bericht erübrigt sich, spricht der Text doch für sich!

„Gefühlte“ Gefahr… 22. Februar, 2011

Posted by Rika in israel, meine persönliche presseschau.
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Das ist wieder einmal mehr ein glanzvoller Beweis sprachlicher Ausdrucksfähigkeit eines deutschen Qualitätsmediums  zur ignoranten Verschleierung der Tatsachen:

Die Israelis betrachten das Mullah-Regime in Teheran, das sowohl die palästinensische Hamas als auch die radikalislamische Hisbollah-Miliz im Libanon unterstützt, als seine größte Bedrohung.

„Die Israelis betrachten“ – und die „Zeit“ hält sich vornehm zurück, berichtet lediglich und selbstredend völlig „objektiv“. Das ist die „Zeit“ ihrem guten Ruf schuldig.

Israel „fühlt sich provoziert“, teilt sie  in der Überschrift ihres Artikels zur neuerlichen Provokation von Seiten der Mullahs in Teheran mit. Denn darum geht es:

Iranische Kriegsschiffe sind auf dem Weg ins Mittelmeer.

Erstmals seit dem Sieg der islamischen Revolution in Iran im Jahr 1979 passieren zwei Kriegsschiffe aus dem Land den Suezkanal. Nach Angaben der ägyptischen Kanalverwaltung sind eine Fregatte und ein Versorgungsschiff seit dem frühen Morgen auf dem Weg ins Mittelmeer.

Bereits vor dem Sturz Mubaraks hatte der Iran seine Schiffe auf Kurs nach Syrien gebracht, die notwendige Durchfahrung des Suez-Kanals war ihm aber von der ägyptischen Regierung untersagt worden. Den Ägyptern obliegt, wie die „Zeit“ berichtet, das alleinige Genehmigungsverfahren für die Suez-Passage; für Kriegsschiffe ist sowohl die Genehmigung des Außen-, wie des Verteidigungsministeriums notwendig. Die aber hatte die „alte Regierung“ nicht erteilt:

Beobachter gehen davon aus, dass dieses Votum erst nach dem Sturz von Staatspräsident Hosni Mubarak möglich gewesen ist. Dessen Beziehungen zu Iran galten als äußerst angespannt. Ägypten unter seiner Führung galt als enger Verbündeter der USA. Das Land hat zudem einen Friedensvertrag mit Israel.

Und das gefiel den Herren im Iran nicht sonderlich, könnte man aus dieser genial subtilen Form der Berichterstattung entnehmen. Und darüberhinaus  ist  „enger Verbündeter der USA“ zu sein  hierzulande für viele Leser keine Qualitätsmerkmal demokratischer Staaten, wie auch in der Bemerkung „das Land hat zudem einen Friedensvertrag mit Israel“  eine kaum verhohlene Doppelbödigkeit anklingt.  Denn in der Berichterstattung geht es folgendermaßen weiter:

Für Israel ist diese Schiffspassage eine Provokation des iranischen Regimes. Der rechtsgerichtete Außenminister Avigdor Lieberman warf Teheran vor, seinen Einfluss in der Region vergrößern zu wollen. „Das Selbstvertrauen und die Kühnheit der Iraner wächst von Tag zu Tag“, sagte Lieberman. „Die internationale Gemeinschaft muss verstehen, dass Israel diese Provokationen nicht ewig ignorieren kann. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, für sein Land sei das Vorhaben keine Kleinigkeit.

(Hervorhebung von mir)

Der „rechtsgerichtete“ Außenminister ist freilich ein Dorn im Auge eines jeden guten demokratischen Bürgers im schönen Deutschland und deshalb wird der israelische Außenminister wohl auch mit dem   –  für den Zusammenhang mit iranischen Kriegsschiffen doch eher unerheblichen – Attribut bedacht. Rechtsgerichtet zu sein macht nämlich bei der Stammleserschaft der „Zeit“ gar keinen guten Eindruck. Ob die Leserschaft von Herrn Ahamadinedschad einen weitaus anderen Eindruck bekommen soll als von Herrn Liebermann, darf ruhig bezweifelt werden, wenn man nämlich den letzten Absatz des iran-politisch ausgewogenen Artikels betrachtet, dem auch das Eingangszitat, s.o., entstammt:

Die Israelis betrachten das Mullah-Regime in Teheran, das sowohl die palästinensische Hamas als auch die radikalislamische Hisbollah-Miliz im Libanon unterstützt, als seine größte Bedrohung. Teheran erkennt Israel nicht an. Irans Präsident Mahmud Ahmadineschad hatte in den vergangenen Jahren zudem mehrfach gedroht, Israel werde von der Landkarte verschwinden.

„Teheran erkennt Israel nicht an.“ Das an sich ist weniger bemerkenswert, viele andere muslimisch ausgerichtete Staaten erkennen Israel ebenfalls nicht an. Entscheidender ist aber die Unterstützung ausgewiesener Israelfeinde (Hamas, Hisbollah, Syrien) durch den Iran und die wiederholt geäußerte Ansage, „Israel werde von der Landkarte verschwinden“.

Darum IST das Aufkreuzen iranischer Kriegsschiffe vor Israels Küste tatsächlich eine  BEDROHUNG, die nicht nur von Israel als solche „betrachtet“ wird, sondern die von der gesamten westlichen Welt als reale und akute Bedrohung VERSTANDEN werden sollte, denn was sollen die iranischen Kadetten „zur Ausbildung“ ausgerechnet im Mittelmeer vor Israels Küste lernen,  wenn nicht einen Angriff auf  das „zionistische Gebilde“, um es von der Landkarte zu tilgen, wie der Herr des Irans sich auszudrücken  pflegt.

Darum  ist auch die Passage durch den Suezkanal als Zeichen der geänderten politischen Verhältnisse im Land am Nil eine ernst zu nehmende Botschaft an die beteiligten und betroffenen Länder und darüberhinaus an EU und USA.    Die iranischen  Kriegsschiffe im Mittelmeer sind auch  mehr als eine Provokation, sie bedeuten  eine neuerliche und sehr konkrete  Kampfansage an Israel und damit auch an alle demokratischen Länder des Westens durch den Iran.  Und DAS auch deutlich zu benennen, meine ich, hätte der „Zeit“ gut gestanden.

Siehe im Vergleich dazu einen Bericht des focus, aus dem ich den folgenden Absatz zitiere:

Israel fühlt sich von dem Iran und seinem iranischen Atomprogramm existenziell bedroht, vor allem angesichts der häufigen israelfeindlichen Äußerungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Teheran wird verdächtigt, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Nuklearenergie an Atomwaffen zu arbeiten.

Das Atomprogramm des Iran gibt bekanntermaßen nicht nur in Israel Anlaß zur Besorgnis,  was jedoch der „Zeit“ nicht eine Zeile wert ist!

Den (offenbar von dpa bereitgestellen)  Focus-Artikel findet man nahezu wortgleich auch bei weiteren deutschsprachigen onlinemagazinen, wie z.B.   welt, sueddeutsche , stern, tagesanzeiger

 

 

Wirklich erschreckend sind die Kommentare zu den Artikeln, die von antiisraelischen Ressentiments bis zum erklärten Hass nur so strotzen!  Müssten sich die Redakteure und Journalisten angesichts der „Echos“, die ihre tendenziös negative Berichterstattungen über Israel auslösen, nicht endlich einmal fragen, welch hohen Anteil sie durch ihre Beiträge an der massiven Israelfeindlichkeit haben?

Betrüger werden immer dreister! 18. Februar, 2011

Posted by Rika in aus meinem kramladen, meine persönliche presseschau.
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In Hannover tun sich ungeahnte Möglichkeiten und völlig neue Einnahmequellen    für Räuber und Betrüger auf:

Ein Mann hat die Stadtbahn als Erwerbsmöglichkeit  entdeckt, aber anders als es normalerweise bei den Verkehrsbetrieben üblich ist:

Als Fahrkartenkontrolleur der Üstra hat sich ein Unbekannter ausgegeben. Wie die Polizei Hannover am Freitag mitteilte, fuhr der Mann bereits am Mittwoch, 2. Februar, in der Linie 7 Richtung Wettbergen und erpresste Geld von einer Frau.

Die 47-Jährige war am Mittag gegen 13.30 Uhr im Silberpfeil der Stadtbahnlinie 7 unterwegs. An der Haltestelle „Markthalle“ stieg ein Unbekannter in die Bahn und begann sofort damit, die Fahrausweise zu kontrollieren. Als die 47-Jährige ihr Ticket vorzeigte, bemerkte der angebliche Kontrolleur, dass dieses ungültig sei und drängte die Frau in eine Ecke der Bahn.

Der Mann forderte 40 Euro, die die Frau ihm auch aushändigte. Anschließend verwies er sie an der Haltestelle „Waterloo“ der Bahn. Der falsche Kontrolleur selbst fuhr weiter in Richtung Wettbergen.

Wenn das Schule macht, dann „gute Nacht“!

Aber vielleicht wäre das ein Anlass und  auch endlich an der Zeit, das Fahrkartensystem und die Kontrollmaßnahmen der Beförderungsbetriebe zu überdenken.

Im Zeitalter modernster, Computer gestützter Zahlungsmodalitäter ist doch der Schnipselfahrschein längst überholt und mit ihm auch die Aufforderung der Kontrolleure: „Bitte den Fahrausweis vorzeigen!“

In anderen Städten gibt es das doch auch schon!

Wir haben die moderne Form des Straßenbahn- und Busfahrtzahlungswesen in Lissabon kennengelernt, ich habe damals so darüber geschrieben:

… wobei ich hier einen weiteren Einschub machen und einen kleinen Lobgesang anstimmen möchte auf das günstige Preissystem der Verkehrsbetriebe und die moderne Form der Fahrkarten, kann man doch an vielen Stellen in der Stadt Karten mit einer bestimmten Geldmenge „aufladen“ und dann in Bus und Bahnen bequem elektronisch bezahlen, indem man die Karte an ein entsprechendes Lese-Abrufsystem hält. Schwarzfahrer scheint es nicht zu geben,  Kontrolleure, wie sie in Hannovers Bahnen ständig anzutreffen sind,  haben wir nicht erlebt…  und in der 28 schon gar nicht!

Uns schien das ein sehr sinnvolles und gut funktionierendes System zu sein.  Die Ladestationen sind im Stadtgebiet verteilt und erübrigen die Automaten an den einzelnen Haltestellen, wie sie in Hannover in Gebrauch sind, besser gesagt,  in Gebrauch sein sollen, denn die Dinger sind störanfällig und immer wieder mal kaputt oder „außer Betrieb“, was den Fahrgast aber nicht unbedingt entpflichtet, einen Fahrschein zu kaufen…. muss er halt bis zur nächsten Station laufen!

Dabei muss mit den Magnetstreifenkarten gar kein großer Aufwand verbunden sein oder auf umweltfeindliches Kunststoff-Material zurückgegriffen werden, denn  dass auch einfache Karten aus Karton mit Magnetstreifen bestens funktionieren und das bei Wind und Wetter, Kälte, Regen oder Schnee, zeigt sich immer wieder an unseren Skipässen, die wir nicht mal aus der Tasche der Skijacke holen müssen, damit sie zuverlässig den Weg in Sessel oder Gondel freigeben. Und wer je miterlebt hat, wie rasant und zügig zigtausende Skifahrer in kürzester Zeit von der Talstation auf den Berg gebracht werden, kann sich mühelos vorstellen, dass ähnliche System auch im städtischen Nahverkehr funktionieren müssten, zumal der individuellen Programmierung der Streifen doch kaum Grenzen gesetzt sind! Und teurer als die Schnipsel ausspeienden (oder verweigernden!) Automaten ist so ein System vermutlich auch nicht.

Dann wäre es vorbei mit Schnipselfahrschein und Kontrollorganen…

und auch die Gauner hätten keine Chance!

Umzug 2011, der erste… 18. Februar, 2011

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Jedenfalls der erste in unserer Familie.

Der Sohn verlässt sein Asyl in der kleinen, aber feinen schwesterlichen Wohnung und bezieht das eigene gemietete Heim   in Form eines WG-Zimmers mit Küchen-, Bad-, und WC-Anschluß, wenn ich es richtig verstanden habe und man das so  ausdrücken kann.

Schleppen und packen werden wir nicht, von einigen kleineren, leichten Kistchen abgesehen. Wir sind Transportmittelbeschaffer und Verköstigungsbetrieb. Reicht doch, oder?

Und dann schaun wir mal, was das Jahr an Umzügen sonst noch so zu bieten hat….

Vor Überraschungen ist man nämlich nie sicher!

Ich wäre aber gar nicht traurig, wenn es 2011 bei diesem einen Umzug bliebe!

E pluribus unum… 17. Februar, 2011

Posted by Rika in aus meinem kramladen.
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oder auch „nomen est omen“  …

Ist es nicht makaber,  wie mehrdeutig  „e pluribus unum“  in diesem ganz speziellen Fall interpretiert werden kann?

Lautet doch die Übersetzung des alten Wahlspruchs der USA:

„Aus vielem Eines“

Mit tut er schon fast wieder leid, der schneidige Minister mit der ehrenvollen Ahnengalerie…

Das Gänseblümchenorakel… 17. Februar, 2011

Posted by Rika in aus meinem kramladen.
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…. er geht …. er geht nicht …. er geht …. er geht nicht …. er geht…

ist vermutlich auch in diesem Fall gewohnt ungenau und unzuverlässig, wenn ER aber genau so entschlossen und schnell  die Sache in Ordnung bringt, mit der er die Kundus-Affäre bereinigt und auf der Gorch Fock „klar Schiff“ gemacht hat, wird er sich wohl von seinem Posten abberufen (lassen), zumindest aber „vorübergehend“ vom Dienst suspendieren….

Denn unter uns, es geht ja nicht um eine Lateinvokabelarbeit in der Sexta!

Lernt nicht schon jedes Kind in der Schule, dass Spicken nicht erlaubt und Abschreiben Betrug ist?

Spätestens wenn die erste Facharbeit fällig ist, wird man mit den Regeln des Abfassens einer Arbeit vertraut gemacht und lernt, wo die Anführungszeichen zu setzen sind und wann man „nur“ mitzuteilen hat, wes geistiges Eigentum man gerade verwurstet, ohne es wörtlich  übernommen zu haben..

„Sei nicht so  streng mit ihm, das machen doch viele!“ sagt heute beim Frühstück der Liebste, der es wissen muss, hat er doch immer wieder mal in Diplomarbeiten seiner Studentinnen und Studenten vertraute Absätze und Formulierungen entdeckt, die nicht auf dem Mist des Diplomanden gewachsen waren, aber dennoch von diesem unbekümmert „verarbeitet“ wurden.

Es fahren auch viele Leute alkoholisiert mit ihrem Auto spazieren und ignorieren rote Ampeln…

Doch wer eine Doktorarbeit schreibt, die mit „summa cum laude“ bewertet wird, müsste sich eigentlich auch mit den ebenso  einfachen wie schlichten, formalen Regeln auskennen und wissen, wie das mit den Gänsefüßchen geht.

Aber vielleicht bekommt er ja die Absolution erteilt, weil er mehr als tausendmal die Regeln eingehalten hat.

Und da überlege ich mir gerade, wieviel tausendmal ich wohl schon an einer roten Ampel gehalten  und wieviel hunderttausende Kilometer ich ganz ohne Alkohol im Blut zurück gelegt habe.

… er geht … er geht nicht … er geht … er geht nicht … er geht … er geht nicht….

M.K. würde, wetten?

Wie bitte? 16. Februar, 2011

Posted by Rika in meine persönliche presseschau.
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„Rosen, ‚Birnen‘, Nelken, alle drei verwelken … “ und Spinat und Pflaumen machen vermutlich auch einen guten Kompott!

Mische fröhlich, was sich gar nicht mischen lässt, irgendjemand wird das Zeug schon „fressen“.

So oder ähnlich hat es  sich vermutlich der Herr Bozic bei diesem bemerkenswerten Vergleich gedacht:

Was hätten die DDR-Bürger wohl gesagt, wenn man ihnen 1989 eröffnet hätte: Okay, also Bananen, Helmut Kohl und die D-Mark könnt ihr haben, aber die Mauer bleibt! So ähnlich müssen sich die Tunesier fühlen, die nun, da sie ihren Despoten aus dem Land gejagt und das Regime tapfer niedergerungen haben, gerne ihre neue Reisefreiheit nutzen möchten. Doch während man den DDR-Bürgern seinerzeit ein Begrüßungsgeld in die Hand drückte, da hetzt man den Tunesiern heute eine „Grenzschutzagentur“ auf den Hals.

Da hat doch der Herr Bozic irgendwie etwas verwechselt: Denn zuerst fiel die Mauer und dann das Regime! Sicher, die Maueröffnung war ein dummer Fehler im System, wie sich im nachhinein herausstellte, aber als die Mauer erst mal offen war, gab es nicht nur für die reiselustigen DDR-Bürger kein Halten mehr , sondern auch und erst recht nicht für ihre Regierung.

Mauer weg und Tschüsssss!

Mir scheint, Herr Bozic hat einen weiteren Tatbestand des Mauerfalls nicht wirklich zur Kenntnis genommen:

Die Mauer, die fiel, stand ja nicht zwischen Deutschland und der Schweiz, oder zwischen Holland und Belgien,  nein, sie teilte ein Land und Leute, die zusammengehören, Deutschland und Deutsche!

Sicher, mit dem Fall der Mauer gerieten auch alle anderen Ländern hinter dem „eisernen Vorhang“ ins Wanken, Grenzen wurden durchlässig, und die Länder, Völker, Staaten Europas sortierten sich neu! Aber eben in Europa! Und nicht in  Afrika oder Australien.

Doch während man den DDR-Bürgern seinerzeit ein Begrüßungsgeld in die Hand drückte, da hetzt man den Tunesiern heute eine „Grenzschutzagentur“ auf den Hals.

Wie hat man  sich das vorzustellen  mit dem Begrüßungsgeld?

Und überhaupt,  wer ist  „man“?

Wir hier in Deutschland?

Meint Herr Bozic, Guido Westerwelle, bzw. seine Beamten aus dem AA sollten sich mit einem großen Geldkoffer nach Lampedusa begeben und jedem Neuankömmmling 50 Euro Begrüßungsgeld in die Hand drücken  (und die Einbürgerungsurkunde gleich mit)?

Ich verstehe ja, dass man leicht Äpfel mit Birnen verwechseln kann und auch ganz leicht in Versuchung gerät „historische Situationen“ miteinander zu vergleichen, aber bitte, es sollte dann auch bei einem Vergleich zu einer realen Erkenntnis der Situationen kommen und nicht fälschlicherweise die gleichen Schlussfolgerungen aus – in letzter Konsequenz – doch völlig verschiedenen Tatsachen gezogen werden.

Das aber, so scheint es mir, hat der Herr Bozic irgendwie nicht wirklich versucht, wenn er schreibt:

Während Hans-Dietrich Genscher 1989 nach Prag reiste, um als eine Art Schlepper den Republikflüchtlingen den Weg nach Westen zu ebnen, da erklärt Guido Westerwelle nun frech in die ZDF-Kamera: “Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen im eigenen Land bleiben.”

Nach bundesrepublikanischem Verständnis hatte  ohnehin immer schon  jeder DeutscheDemokratischeRepublik-Bürger das Recht,  sofort  Bürger der BundesRepublikDeutschland zu werden bzw. galt als Bürger der BRD im Sinne des GG   – ohne lange Asylanträge oder langwierige Aufnahmeverfahren. Und selbstredend steht jedem BRD-Bürger das Recht zu, dort zu wohnen wo er will und zu arbeiten, wo er Arbeit findet. (Und jeder Staatsbürger Deutschlands gilt gleichzeitig als Bürger der EU.  Wobei ich für Herrn Bozic ausdrücklich auf denUnterschied zwischen Bürger und Einwohner des Staates „Bundesrepublik Deutschland“ aufmerksam machen möchte!)

Das verhält sich mit den Bürgern Tunesiens im Verhältnis zur BRD und damit auch zur EU (und vermutlich sehen die Leute das in Holland und Frankreich ganz ähnlich!!!) doch ein bisschen anders!

Ich bin wahrlich kein Fan von Guido Westerwelle, aber in diesem Punkt stimme ich ihm absolut zu, war es doch schon immer auch die Zielvorstellung von Entwicklungshilfe und Entwicklungspolitik, die Menschen in ihrem Land und Staat dabei zu unterstützen, das eigene Auskommen durch eigene Arbeit sicher stellen zu können.

Aber Herr Bozic meint, aus seinen völlig absurden Vergleichen das Recht der Tunesier auf die beliebig freie Einreise nach Europa begründen zu können:

Und der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Hans-Peter Uhl, kann das auch erklären: Gerade jetzt nach der Revolution gebe es keinen Grund für Tunesier, ihr Land zu verlassen. Das hätte man den DDR-Bürgern damals natürlich auch raten können, nachdem Erich Honecker aus seinem Häuschen in Wandlitz hinausgeschmissen worden war und man sein Privatvermögen von 218.000 DDR-Mark eingezogen hatte, aber kaum war die Mauer weg, schoben sich die Ossis auch schon durch die Kaufhäuser am Kudamm, quartierten sich bei der Cousine in Detmold ein und drängelten sich in Mallorca an den Stränden. Offenbar gab es doch Gründe, die blühenden Landschaften zu verlassen, vielleicht, weil das gleißende Blumenmeer noch nicht in seiner vollen Pracht erblüht war.

Es ist zynisch und vollkommen an der Realität vorbei, die Ereignisse nach dem Mauerfall 1989 mit der Situation Tunesiens  oder Ägyptens  (und möglicherweise Algerien, Libyens und Marrokos als weitere „Reisewillige“ aus Nordafrika) zu vergleichen.

Es verkennt die deutsche Geschichte und  wird auch den Menschen in Tunesien  nicht gerecht!

Und was den Arbeitsmarkt in Europa angeht, speziell den in Deutschland, für den unsere Arbeitsministerin ja den sich abzeichneten „Fachkräftemangel“ beklagt, so kann man doch nicht ernsthaft der Ansicht sein, die „Fachkräfte“ aus Tunesien abwerben zu wollen zu unserem Nutzen und zum Schaden der eigenen, heimischen tunesischen Wirtschaft! Schlecht oder gar nicht ausgebildete Arbeitslose gibt es aber auch bei uns schon zuhauf, die müssen wir nicht zusätzlich aus Nordafrika importieren.

Reisen, im Sinne von Tourismus, ist aber nicht das Problem, das Europa angesichts der reisewilligen Tunesier bewegt, auch wenn Herr Bozic das in seinem Artikel  geschickt so darzustellen versucht. Es sind die Menschen, die ihre Heimat verlassen wollen, weil sie sich in Europa eine bessere Zukunft erhoffen, die sie  in ihrem Land nicht zu finden glauben.

Sollten die Staaten Europas deshalb nicht in erster Linie für die Zukunft Tunesiens als demokratischen Staat mit einer besseren Wirtschaftsstruktur arbeiten und aus einem „Begrüßungsgeld“ lieber eine „Heimzulage“ machen?

Ach ja, gefunden habe ich die schöne Glosse, denn als solche will ich sie betrachten, bei achgut!

„…ismus, nein danke!“… 14. Februar, 2011

Posted by Rika in meine persönliche presseschau.
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überschreibt Wolfram Weiner, Chefredakteur des Focus, seinen bemerkenswerten Kommentar!

„Islamismus, nein danke!“

Nachdenklich hat mich diese Passage gemacht:

Im großen Kulturkampf üben wir kleines Zurückweichen. Kruzifixe werden in öffentlichen Gebäuden abgehängt. Nikolaus-, Weihnachts- und Osterfeiern verbannt man bereits aus deutschen Kindergärten. Selbst die Banken beginnen damit, die Sparschweine abzuschaffen, weil sie religiöse Gefühle von Muslimen verletzen könnten. Wir gewöhnen uns an einen asymmetrischen „Dialog der Kulturen“, der darin besteht, dass wir zusehends schweigen, zurück- und hinnehmen, wo die anderen fordern und austeilen. Dabei warnte uns schon Nietzsche: „Übertriebene Toleranz ist ein Beweis des Misstrauens gegen das eigene Ideal.“

Dieses, „das kleine Zurückweichen“,  habe ich mit meiner Überschrift  deutlich machen wollen: „…ismus, nein danke!“

Wenn man, wie ich,  immer wieder über und / oder gegen Islamismus schreibt, kann es einem passieren, dass man sich immer mehr der kritischen Beurteilung von Seiten seiner Freunde und – in einigen selteneren Fällen – auch der Familie ausgesetzt „fühlt“ oder sieht, die eine weit weniger kritische Haltung einnehmen, oder dass man sich sogar in  der Rolle des querulierenden Außenseiters wiederfindet. Die kritische Auseinandersetzung mit dem Islam ist zu einem Reizthema geworden, das schnell zu fest geschriebenen Zuweisungen und in „Ecken stellen“ führt. Öffentliche Debatten über muslimische Migranten und / oder den Islam sind nur schwer möglich, weil der Rassismus-Vorwurf oder der „islamophob“ zu sein, wie ein Damoklesschwert über denen in der Luft hängt, die sich kritisch äußern. Sarrazins Buch hat nicht zuletzt deshalb so heftige Kritik nach sich gezogen, weil er „AUCH“ und keineswegs explizit Muslime in seine Untersuchungen einbezog!  Die mit Vorwürfen arbeitenden  Abwehrstrategien gegen Islamkritik nehmen eher zu, der Umgang mit den Kritikern trägt eher dazu bei, den Diskurs zu vermeiden, statt ihn zu führen.  Gleichzeitig nehmen aber die Gründe für Kritik  zu. So kommt es zu einer paradoxen Situation, die ich auch an mir selbst beobachte: Ich wähle meine Worte immer sorgsamer und vorsichtiger – einerseits, weil ich nicht als engstirnige, islamophobe Rassistin an den Pranger gestellt sein möchte, andererseits, weil ich muslimische Menschen meiner Umgebung nicht verletzen möchte mit meinen Aussagen und Ansichten.

Und so findet auch  in der (Selbst-)Reflexion dessen, was ich schreibe,  dieses „Zurückweichen“ statt,  dieses „Misstrauen gegen das eigene Ideal“. Kann ich einfach so zu dem stehen, was mich ausmacht, mich geprägt hat, mir wichtig ist? Darf ich es zur Basis meiner Überlegungen machen und bedeutet dann die Abgrenzung zum anderen schon die verurteilende Ausgrenzung, oder ist sie nicht vielmehr ein Teil der „Sebstvergewisserung“, die für jedes „Sein“ notwendig und wichtig ist?

Hat es etwas „Widerständiges“ wenn ich die Schere im Kopf missachte und Kritik übe oder ist mein kritisches Schreiben selbst schon eine Form eines „…ismus“, eines christlich geprägten Fundamental-ismus etwa oder gar Rass-ismus?  Und mein Schweigen?  Wäre das nicht ein Zurückweichen, ein Missachten meiner eigenen Werte und Normen?

Und trifft es vielleicht doch  zu, was Wolfram Weiner meint:

Machen wir uns nichts vor: Der kulturelle Dschihad droht nicht nur in Kairo, er droht auch uns und organisiert einen internationalen Kommunikationsraum wie früher linke Spontigruppen an den Universitäten – mit einer subtilen Mischung aus latenter Gewalt, rhetorischer Aggressivität und moralisch aufgeladenen Opfermythen. Es geht ihm nicht um den Dialog, sondern um Stigmatisierung westlicher Werte. Sein Ziel ist es, den vorpolitischen Raum systematisch mit Denk-, Rede- und Kulturverboten zu belegen, bis irgendwann das Gute-Nacht-Gebet unserer Kinder als üble Provokation für den Propheten interpretiert werden kann. So baut sich in der Gesellschaft eine Mauer des Schweigens auf – und nur die Hassprediger in deutschen Moscheen werden ungestört immer lauter.

Tragen wir durch  Stillehalten und  Zurückweichen dazu bei, dass sich unsere Gesellschaft verändert und damit mehr Raum den Intoleranten überlässt, und sich so, wie Wolfram Weiner sagt, „das Totalitäre in unsere Gesellschaft einschleicht“?

Es braucht keinen Mut, um hier in Deutschland für Tunesien und Ägypten, den Iran oder Afghanistan Menschenrechte und demokratische Freiheiten einzufordern. Doch es braucht Mut, die „eigene Haltung zu vertreten“ oder, um es abschließend mit Weiners Worten zu sagen:

Man muss nicht gleich dem Pathos Oriana Fallacis („Europa ist nicht mehr Europa, Es ist Eurabien, eine Kolonie des Islam.“) oder dem Furor Alice Schwarzers („Das Kopftuch ist die Flagge des islamischen Kreuzzuges. Diese islamistischen Kreuzzügler sind die Faschisten des 21. Jahrhunderts.“) folgen, um zu erkennen, dass der Dialog der Kulturen auch damit beginnt, mutig die eigene Haltung zu vertreten. Und zwar bei uns selbst.

Und so bleibe ich  nicht bei dem alles relativierenden   „Ismus“, nein danke!“

Gebt Rassismus keine Chance und geht sorgsam und mit aller gebotenen kritischen Aufmerksamkeit mit allen Formen des Fundamentalismus um, aber sagt genauso klar und deutlich:

Islamismus, nein danke!