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Wie aus einem „Freund“ ein Bösewicht wird… 10. Februar, 2011

Posted by Rika in meine persönliche presseschau.
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…. so schnell und spektakulär…

und auch, was wir damit zu tun haben beschreibt ein Beitrag von David Hugendick auf zeit-online:

Im politischen Sprachgebrauch trennen Gut und Böse sich ganz leicht: Dort die Despoten, hier der Westen mitsamt seinen Verbündeten. Zu diesen wurde Hosni Mubarak lange Zeit gezählt. Mehr als 30 Jahre erfreute man sich nicht nur hierzulande an seinem Staat Ägypten, den Stränden und Nilrundfahrten. Man war glücklich über die Stabilität, die er Nordafrika gab gegen eine befürchtete Radikalisierung des Islams. Nun, im Zuge der ägyptischen Revolte, hat dieses Bild ausgedient. Die Welt schreit auf: Mubarak ist ein Diktator. Sprache befindet sich ja stets im Wandel. Man könnte aber fragen: Warum erst jetzt?

Und wenn dann die Revolution erfolgreich verlaufen ist, es demokratische Wahlen gegeben haben wird und dabei leider doch keine Demokratie nach westlichem Muster herausgekommen sein wird (Achtung, hier spricht die Pessimistin!), wovon ich ausgehe, dann wird  wiederum die Sprache die Seite wechseln, es wird sich, je nach Lage, ein Geschrei oder ein ohnmächtiges Grummeln erheben.

Denn „man“ wird mit den Machtinhabern wie bisher aus den bekannten wirtschaftlichen und geopolitischen Gründen „zusammenarbeiten“ müssen, wenn auch mit zusammengebissenen Zähnen,

macht man doch beispielsweise mit dem Herrn im Iran auch gute Geschäfte, trotz seiner ekelhaften Auswüchse gegen den Westen und seines Versprechens ein gewisses, namentlich  nicht näher definiertes, dafür aber „zionistisches Gebilde“ wahlweise von der Landkarte oder aus den Geschichtsbüchern zu tilgen! Wogegen sich regelmäßig nur mäßiger bis gar kein Protest der „Geschäftspartner“ erhebt. Na und?

Und hier sei dann doch einmal die bissige Frage gestellt, was denn um aller demokratischen Mächte willen, nach dem Sturz des Schah-Regimes und der Installation einer islamischen Republik für die Menschen in dem schönen Land wirklich so viel besser geworden ist? Und woher diejenigen, die den völlig indifferenten Protestlern in Ägypten huldigen, die Gewissheit nehmen, dass es dort wirklich den Menschen insgesamt besser gehen wird und nicht nur eine Verschiebung innerhalb der Gesellschaft stattfindet, mit gleichbleibender Korruption und Machtbesessenheit inklusive Folterkellern und drakonischen Strafen wie Handabhacken für Nichtigkeiten oder „am Baukran-Aufhängen“ für die Liebe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern?

Muss nicht das, was gerade im „Mikrokosmos Libanon“ abgeht zu denken geben?

Wie kann man nur so vollmundig von „Befreiung von einem brutalen Regime“ reden, wie es leider allzu viele Journalisten tun,  wenn doch noch gar nicht klar ist, wohin die Reise gehen wird?

Ich bin keine politisch versierte Frau und habe eigentlich keine Ahnung von innerarabischen, innerägyptischen, innerislamistischen Angelegenheiten. Ich kann aber lesen und bis Drei zählen. Das muss (und wird wohl leider auch) in diesem Fall reichen!

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Kommentare»

1. Manfred - 15. Februar, 2011

Ich bin keine politisch versierte Frau …

Nun kenne ich Dich schon über drei Jahre, aber das habe ich noch nicht mitbekommen. Man lernt doch nie aus … 😀


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