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Der „Bösewicht“ ist weg… 11. Februar, 2011

Posted by Rika in aktuell, meine persönliche presseschau.
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Gewonnen freilich ist noch nichts. Dass Mubarak weg muss, war die einzige Gemeinsamkeit einer breiten Volksbewegung, die sich darüber hinaus noch ganz im Ungefähren bewegt. Das muss wohl so sein. Meist standen in revolutionären Umbruchsituationen die neuen Machthaber ideologisch und militärisch gut gerüstet schon bereit; die neue Elite musste ihren Platz nur einnehmen. Davon ist die Opposition in Ägypten weit entfernt. Dass es – von der bisher verhalten operierenden Muslimbruderschaft abgesehen – so gut wie keine organisierte Opposition gibt, ist eine nicht überraschende Folge jahrzehntelanger Entmündigung.

schreibt Thomas Schmid bei welt-online.

Aber ich sagte es schon, ich bin pessimistisch:

Die „neue Elite“ …. hoffentlich sieht sie nicht so aus:

Clemens Heni bringt es auf den Punkt:

sieht man einen Demonstranten mit einem Plakat, auf welchem der ägyptische Präsident Hosni Mubarak abgebildet ist. Das Portraitbild ist durchgestrichen, Mubarak bekommt ein Hitlerbärtchen, zu sehen sind die auf Arabisch geschriebenen Worte „Nein, Nein, Nein, Lügner, großer Agent, Kreuzritter“ und dazu sind zwei Davidsterne zu sehen. Hat sich die ARD das nicht übersetzen lassen? Kreuzritter steht in Ägypten meist für Amerika und Christen, Agent für Juden und Israel, was durch die beiden Davidsterne ja auch offensichtlich noch untermalt wird. Dieses ikonographische Arrangement sollte also analysiert werden.Der Araber und Muslim Mubarak wird als Jude oder als von den Juden eingesetzter Verbrecher, ja als Nazi zum Abschuss freigegeben (Davidstern auf der Stirn), wie anders soll man das interpretieren?

Im Tagesschau-Beitrag von Armbruster kann man sehen, dass dieses Plakat nicht zufällig und am Rande, vielmehr gezielt von der Kamera und dem ARD-Team eingefangen wurde. Eine ruhige Kameraführung zeigt das Plakat recht scharf.

Ein Kommentar Jörg Armbrusters  bleibt jedoch aus. Es ist dem Berichterstatter vom Platz der Befreiung nicht einen einzigen Satz wert, auf die keineswegs „harmlosen“ neuen Eliten hinzuweisen:

Der israelische Journalist und Deutschland-Korrespondent Eldad Beck berichtet auch von antisemitischen Slogans auf dem Tahrir-Platz in Kairo seither.Man stelle sich eine Neo-Nazi Demo in Dresden oder Köln vor, wo unwidersprochen ein Neonazi ganz nah an der Kamera ein antisemitisches Plakat hochhält und der Bericht sich mit keiner Silbe davon distanziert, vielmehr die Neo-Nazi Demo vehement unterstützt.

Doch in Kairo handelt es sich ja nach Volksmeinung um gute, demokratische und nach Freiheit strebende Kräfte, nicht wahr? Da wird dann Antisemitismus und Hass auf Israel gern goutiert, promotet und in seiner Aggressivität entwirklicht. „Mehr Demokratie wagen“ heißt bei diesen Leuten auf dem Tahrir-Platz jedenfalls „mehr Antisemitismus“ propagieren.

Es ist in jedem Fall bemerkenswert, dass ein deutscher Fernsehsender ohne Kommentar ein antisemitisches Plakat zeigt und dem antisemitischen Hetzer, der dieses Plakat stolz hochhält, somit ein Millionenpublikum verschafft.

Heute, am Tag des Rücktritts, am „Tag des Zorns“, wie das ZDF soeben berichtet, findet sich niemand, der den Wermutstropfen in den Wein der Freude gießt, dabei ist das, was Clemens Heni gestern  schrieb, auch heute relevant und  sollte hierzulande die Medien eher beschäftigen als die Jubelbilder, die uns das Fernsehen liefert.

Vor diesem Hintergrund und der Persistenz einer über Jahrzehnte entwickelten und gepflegten antisemitischen, antizionistischen, islamistischen, stolz-arabischen politischen Kultur sollten viele deutsche Medien, NGOs und selbst Aktivisten des eigentlich pro-israelischen Spektrums mit Euphorie endlich zurückhaltender um sich werfen. Skepsis, Angst und Nachdenklichkeit sind angesichts solcher Tagesschau-Berichte, welche offenbar die Stimmung in Ägypten widerspiegeln, eher angebracht.

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Leider!

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