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„…ismus, nein danke!“… 14. Februar, 2011

Posted by Rika in meine persönliche presseschau.
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überschreibt Wolfram Weiner, Chefredakteur des Focus, seinen bemerkenswerten Kommentar!

„Islamismus, nein danke!“

Nachdenklich hat mich diese Passage gemacht:

Im großen Kulturkampf üben wir kleines Zurückweichen. Kruzifixe werden in öffentlichen Gebäuden abgehängt. Nikolaus-, Weihnachts- und Osterfeiern verbannt man bereits aus deutschen Kindergärten. Selbst die Banken beginnen damit, die Sparschweine abzuschaffen, weil sie religiöse Gefühle von Muslimen verletzen könnten. Wir gewöhnen uns an einen asymmetrischen „Dialog der Kulturen“, der darin besteht, dass wir zusehends schweigen, zurück- und hinnehmen, wo die anderen fordern und austeilen. Dabei warnte uns schon Nietzsche: „Übertriebene Toleranz ist ein Beweis des Misstrauens gegen das eigene Ideal.“

Dieses, „das kleine Zurückweichen“,  habe ich mit meiner Überschrift  deutlich machen wollen: „…ismus, nein danke!“

Wenn man, wie ich,  immer wieder über und / oder gegen Islamismus schreibt, kann es einem passieren, dass man sich immer mehr der kritischen Beurteilung von Seiten seiner Freunde und – in einigen selteneren Fällen – auch der Familie ausgesetzt „fühlt“ oder sieht, die eine weit weniger kritische Haltung einnehmen, oder dass man sich sogar in  der Rolle des querulierenden Außenseiters wiederfindet. Die kritische Auseinandersetzung mit dem Islam ist zu einem Reizthema geworden, das schnell zu fest geschriebenen Zuweisungen und in „Ecken stellen“ führt. Öffentliche Debatten über muslimische Migranten und / oder den Islam sind nur schwer möglich, weil der Rassismus-Vorwurf oder der „islamophob“ zu sein, wie ein Damoklesschwert über denen in der Luft hängt, die sich kritisch äußern. Sarrazins Buch hat nicht zuletzt deshalb so heftige Kritik nach sich gezogen, weil er „AUCH“ und keineswegs explizit Muslime in seine Untersuchungen einbezog!  Die mit Vorwürfen arbeitenden  Abwehrstrategien gegen Islamkritik nehmen eher zu, der Umgang mit den Kritikern trägt eher dazu bei, den Diskurs zu vermeiden, statt ihn zu führen.  Gleichzeitig nehmen aber die Gründe für Kritik  zu. So kommt es zu einer paradoxen Situation, die ich auch an mir selbst beobachte: Ich wähle meine Worte immer sorgsamer und vorsichtiger – einerseits, weil ich nicht als engstirnige, islamophobe Rassistin an den Pranger gestellt sein möchte, andererseits, weil ich muslimische Menschen meiner Umgebung nicht verletzen möchte mit meinen Aussagen und Ansichten.

Und so findet auch  in der (Selbst-)Reflexion dessen, was ich schreibe,  dieses „Zurückweichen“ statt,  dieses „Misstrauen gegen das eigene Ideal“. Kann ich einfach so zu dem stehen, was mich ausmacht, mich geprägt hat, mir wichtig ist? Darf ich es zur Basis meiner Überlegungen machen und bedeutet dann die Abgrenzung zum anderen schon die verurteilende Ausgrenzung, oder ist sie nicht vielmehr ein Teil der „Sebstvergewisserung“, die für jedes „Sein“ notwendig und wichtig ist?

Hat es etwas „Widerständiges“ wenn ich die Schere im Kopf missachte und Kritik übe oder ist mein kritisches Schreiben selbst schon eine Form eines „…ismus“, eines christlich geprägten Fundamental-ismus etwa oder gar Rass-ismus?  Und mein Schweigen?  Wäre das nicht ein Zurückweichen, ein Missachten meiner eigenen Werte und Normen?

Und trifft es vielleicht doch  zu, was Wolfram Weiner meint:

Machen wir uns nichts vor: Der kulturelle Dschihad droht nicht nur in Kairo, er droht auch uns und organisiert einen internationalen Kommunikationsraum wie früher linke Spontigruppen an den Universitäten – mit einer subtilen Mischung aus latenter Gewalt, rhetorischer Aggressivität und moralisch aufgeladenen Opfermythen. Es geht ihm nicht um den Dialog, sondern um Stigmatisierung westlicher Werte. Sein Ziel ist es, den vorpolitischen Raum systematisch mit Denk-, Rede- und Kulturverboten zu belegen, bis irgendwann das Gute-Nacht-Gebet unserer Kinder als üble Provokation für den Propheten interpretiert werden kann. So baut sich in der Gesellschaft eine Mauer des Schweigens auf – und nur die Hassprediger in deutschen Moscheen werden ungestört immer lauter.

Tragen wir durch  Stillehalten und  Zurückweichen dazu bei, dass sich unsere Gesellschaft verändert und damit mehr Raum den Intoleranten überlässt, und sich so, wie Wolfram Weiner sagt, „das Totalitäre in unsere Gesellschaft einschleicht“?

Es braucht keinen Mut, um hier in Deutschland für Tunesien und Ägypten, den Iran oder Afghanistan Menschenrechte und demokratische Freiheiten einzufordern. Doch es braucht Mut, die „eigene Haltung zu vertreten“ oder, um es abschließend mit Weiners Worten zu sagen:

Man muss nicht gleich dem Pathos Oriana Fallacis („Europa ist nicht mehr Europa, Es ist Eurabien, eine Kolonie des Islam.“) oder dem Furor Alice Schwarzers („Das Kopftuch ist die Flagge des islamischen Kreuzzuges. Diese islamistischen Kreuzzügler sind die Faschisten des 21. Jahrhunderts.“) folgen, um zu erkennen, dass der Dialog der Kulturen auch damit beginnt, mutig die eigene Haltung zu vertreten. Und zwar bei uns selbst.

Und so bleibe ich  nicht bei dem alles relativierenden   „Ismus“, nein danke!“

Gebt Rassismus keine Chance und geht sorgsam und mit aller gebotenen kritischen Aufmerksamkeit mit allen Formen des Fundamentalismus um, aber sagt genauso klar und deutlich:

Islamismus, nein danke!

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Kommentare»

1. Frommes Gemüse…. | himmel und erde - 3. September, 2013

[…] auch dieser Text ist angesichts der Tomaten-Geschichte durchaus […]


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