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„Gefühlte“ Gefahr… 22. Februar, 2011

Posted by Rika in israel, meine persönliche presseschau.
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Das ist wieder einmal mehr ein glanzvoller Beweis sprachlicher Ausdrucksfähigkeit eines deutschen Qualitätsmediums  zur ignoranten Verschleierung der Tatsachen:

Die Israelis betrachten das Mullah-Regime in Teheran, das sowohl die palästinensische Hamas als auch die radikalislamische Hisbollah-Miliz im Libanon unterstützt, als seine größte Bedrohung.

„Die Israelis betrachten“ – und die „Zeit“ hält sich vornehm zurück, berichtet lediglich und selbstredend völlig „objektiv“. Das ist die „Zeit“ ihrem guten Ruf schuldig.

Israel „fühlt sich provoziert“, teilt sie  in der Überschrift ihres Artikels zur neuerlichen Provokation von Seiten der Mullahs in Teheran mit. Denn darum geht es:

Iranische Kriegsschiffe sind auf dem Weg ins Mittelmeer.

Erstmals seit dem Sieg der islamischen Revolution in Iran im Jahr 1979 passieren zwei Kriegsschiffe aus dem Land den Suezkanal. Nach Angaben der ägyptischen Kanalverwaltung sind eine Fregatte und ein Versorgungsschiff seit dem frühen Morgen auf dem Weg ins Mittelmeer.

Bereits vor dem Sturz Mubaraks hatte der Iran seine Schiffe auf Kurs nach Syrien gebracht, die notwendige Durchfahrung des Suez-Kanals war ihm aber von der ägyptischen Regierung untersagt worden. Den Ägyptern obliegt, wie die „Zeit“ berichtet, das alleinige Genehmigungsverfahren für die Suez-Passage; für Kriegsschiffe ist sowohl die Genehmigung des Außen-, wie des Verteidigungsministeriums notwendig. Die aber hatte die „alte Regierung“ nicht erteilt:

Beobachter gehen davon aus, dass dieses Votum erst nach dem Sturz von Staatspräsident Hosni Mubarak möglich gewesen ist. Dessen Beziehungen zu Iran galten als äußerst angespannt. Ägypten unter seiner Führung galt als enger Verbündeter der USA. Das Land hat zudem einen Friedensvertrag mit Israel.

Und das gefiel den Herren im Iran nicht sonderlich, könnte man aus dieser genial subtilen Form der Berichterstattung entnehmen. Und darüberhinaus  ist  „enger Verbündeter der USA“ zu sein  hierzulande für viele Leser keine Qualitätsmerkmal demokratischer Staaten, wie auch in der Bemerkung „das Land hat zudem einen Friedensvertrag mit Israel“  eine kaum verhohlene Doppelbödigkeit anklingt.  Denn in der Berichterstattung geht es folgendermaßen weiter:

Für Israel ist diese Schiffspassage eine Provokation des iranischen Regimes. Der rechtsgerichtete Außenminister Avigdor Lieberman warf Teheran vor, seinen Einfluss in der Region vergrößern zu wollen. „Das Selbstvertrauen und die Kühnheit der Iraner wächst von Tag zu Tag“, sagte Lieberman. „Die internationale Gemeinschaft muss verstehen, dass Israel diese Provokationen nicht ewig ignorieren kann. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, für sein Land sei das Vorhaben keine Kleinigkeit.

(Hervorhebung von mir)

Der „rechtsgerichtete“ Außenminister ist freilich ein Dorn im Auge eines jeden guten demokratischen Bürgers im schönen Deutschland und deshalb wird der israelische Außenminister wohl auch mit dem   –  für den Zusammenhang mit iranischen Kriegsschiffen doch eher unerheblichen – Attribut bedacht. Rechtsgerichtet zu sein macht nämlich bei der Stammleserschaft der „Zeit“ gar keinen guten Eindruck. Ob die Leserschaft von Herrn Ahamadinedschad einen weitaus anderen Eindruck bekommen soll als von Herrn Liebermann, darf ruhig bezweifelt werden, wenn man nämlich den letzten Absatz des iran-politisch ausgewogenen Artikels betrachtet, dem auch das Eingangszitat, s.o., entstammt:

Die Israelis betrachten das Mullah-Regime in Teheran, das sowohl die palästinensische Hamas als auch die radikalislamische Hisbollah-Miliz im Libanon unterstützt, als seine größte Bedrohung. Teheran erkennt Israel nicht an. Irans Präsident Mahmud Ahmadineschad hatte in den vergangenen Jahren zudem mehrfach gedroht, Israel werde von der Landkarte verschwinden.

„Teheran erkennt Israel nicht an.“ Das an sich ist weniger bemerkenswert, viele andere muslimisch ausgerichtete Staaten erkennen Israel ebenfalls nicht an. Entscheidender ist aber die Unterstützung ausgewiesener Israelfeinde (Hamas, Hisbollah, Syrien) durch den Iran und die wiederholt geäußerte Ansage, „Israel werde von der Landkarte verschwinden“.

Darum IST das Aufkreuzen iranischer Kriegsschiffe vor Israels Küste tatsächlich eine  BEDROHUNG, die nicht nur von Israel als solche „betrachtet“ wird, sondern die von der gesamten westlichen Welt als reale und akute Bedrohung VERSTANDEN werden sollte, denn was sollen die iranischen Kadetten „zur Ausbildung“ ausgerechnet im Mittelmeer vor Israels Küste lernen,  wenn nicht einen Angriff auf  das „zionistische Gebilde“, um es von der Landkarte zu tilgen, wie der Herr des Irans sich auszudrücken  pflegt.

Darum  ist auch die Passage durch den Suezkanal als Zeichen der geänderten politischen Verhältnisse im Land am Nil eine ernst zu nehmende Botschaft an die beteiligten und betroffenen Länder und darüberhinaus an EU und USA.    Die iranischen  Kriegsschiffe im Mittelmeer sind auch  mehr als eine Provokation, sie bedeuten  eine neuerliche und sehr konkrete  Kampfansage an Israel und damit auch an alle demokratischen Länder des Westens durch den Iran.  Und DAS auch deutlich zu benennen, meine ich, hätte der „Zeit“ gut gestanden.

Siehe im Vergleich dazu einen Bericht des focus, aus dem ich den folgenden Absatz zitiere:

Israel fühlt sich von dem Iran und seinem iranischen Atomprogramm existenziell bedroht, vor allem angesichts der häufigen israelfeindlichen Äußerungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Teheran wird verdächtigt, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Nuklearenergie an Atomwaffen zu arbeiten.

Das Atomprogramm des Iran gibt bekanntermaßen nicht nur in Israel Anlaß zur Besorgnis,  was jedoch der „Zeit“ nicht eine Zeile wert ist!

Den (offenbar von dpa bereitgestellen)  Focus-Artikel findet man nahezu wortgleich auch bei weiteren deutschsprachigen onlinemagazinen, wie z.B.   welt, sueddeutsche , stern, tagesanzeiger

 

 

Wirklich erschreckend sind die Kommentare zu den Artikeln, die von antiisraelischen Ressentiments bis zum erklärten Hass nur so strotzen!  Müssten sich die Redakteure und Journalisten angesichts der „Echos“, die ihre tendenziös negative Berichterstattungen über Israel auslösen, nicht endlich einmal fragen, welch hohen Anteil sie durch ihre Beiträge an der massiven Israelfeindlichkeit haben?

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