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Das Leben der anderen… 18. März, 2011

Posted by Rika in aktuell, meine persönliche presseschau.
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zu schützen und dafür das eigene Leben zu riskieren,

wird von den Arbeitern des havarierten Atomkraftwerks in Japan verlangt, wie faz-net heute unter Berufung auf eine japanische Zeitung berichtet:

Die japanische Regierung hat den Betreibern des stark beschädigten Atomkraftwerks Fukushima Daiichi einem Zeitungsbericht zufolge verboten, seine Mitarbeiter von der Anlage abzuziehen. Wie die Zeitung „Mainichi Shimbun“ am Freitag berichtete, äußerte der Energieversorger Tepco am Montag gegenüber der Regierung Sorge über die Sicherheit seiner Angestellten. Demnach kam das Unternehmen zu dem Schluss, dass es „schwierig“ sein werde, das Kraftwerk nach den Explosionen und Bränden an den Reaktoren wieder unter Kontrolle zu bringen. Regierungschef Naoto Kan habe aber die Bitte, die Mitarbeiter abziehen zu dürfen, zurückgewiesen.

„Eine Abberufung ist unmöglich“, zitierte die Zeitung Kan. „Es geht nicht darum, ob Tepco kollabiert, es geht darum, ob Japan zusammenbricht“, soll er demnach entgegnet haben. Ein namentlich nicht genannter Vertreter der Betreibergesellschaft sagte dem Blatt, dies bedeute, die Arbeiter sollten sich der Strahlung aussetzen und „sterben“.

Bisher hatte ich angenommen, die Arbeiter seien freiwillig im Kraftwerk geblieben, so aber entsteht der Eindruck, dass Menschen ganz bewusst „geopfert werden“ für das Überleben Tausender – ganz ähnlich wie es vor 25 Jahren die Regierung der UdSSR verfügte, als sie Soldaten zum Kraftwerk in Tschernobyl beorderte und dabei deren Tod in Kauf nahm.

Macht es nicht einen Unterschied, ob ein Mensch die Entscheidung trifft, in einer schwierigen und nahezu aussichtslos scheinenden Situation zugunsten vieler Menschen sein eigenes Leben zu riskieren oder aber von anderen Entscheidern abkommandiert zu werden zu einer Rettungsmaßnahme mit möglicher Todesfolge für sich selbst?

Die Frage nach den ethischen Maßstäben, die solchen Entscheidungen zugrunde liegen, stellen sich in vielen Problemsituationen, in denen das Leben vieler Menschen akut bedroht ist und nur durch das „Opfer“ Einiger Rettung möglich scheint.

Ich spüre meine Ohnmacht angesichts der furchtbaren Naturkatastrophe und ihrer entsetzlichen Folgen für die Menschen in Japan.  Die Bilder von Verwüstung und Zerstörung durch den Tsunami machen fassungslos, die Berichte über so verloren aussehende, weinende und trauernde Menschen zerreißen mir schier das Herz.

Die Katastrophe, die schon über die Menschen gekommen ist, macht mich nahezu stumm.

Ich fühle aber dennoch mein wachsendes Unverständnis für diejenigen, die glaubten und immer noch glauben, eine im Kern tödliche Technologie „sicher“ beherrschen zu können. Grenzt es nicht an Hybris zu glauben, es sei machbar und vertretbar mit Technologien umzugehen, die sich im Ernstfall als unbeherrschbare Naturgewalten darstellen, denen man nichts mehr entgegen zu setzen hat als den berühmten „Tropfen auf den heißen Stein“ und den heldenhaften Opfermut einiger weniger? Am Ende haben wir Menschen der entfesselten Kraft der Atome genauso wenig entgegen zu setzen wie der tobenden Macht des Meeres oder der höllischen Energie, die unter der dünnen Oberfläche unserer Erde brodelt und  immer wieder durch Vulkanausbrüche und Erdbeben machtvoll ins Leben der Menschheit einbricht.

Was ist der Mensch angesichts der Urgewalten der Schöpfung …

Was bleibt – in Bezug auf die Ereignisse in Japan -, ist hoffen gegen die Angst und beten um ein Wunder.

HERR, erbarme Dich, erbarme Dich!

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Kommentare»

1. julia - 18. März, 2011

Mein Gott, ich dachte auch, die wären freiwillig dort-wie entsetzlich! Und wie zynisch gleichzeitig, mir zu wünschen, daß sie Erfolg haben-so hätte ihr Tod wenigstens einen Sinn, aber was hilft das diesen Menschen und ihren Familien.

2. Rika - 22. März, 2011

Julia,
ja, man kannn doch nur wünschen, dass sie Erfolg haben, auch wenn das mit der bitteren Konsequenz verbunden ist, den „befohlenen“ Tod der Männer als unausweichlich zu akzeptieren

Heute melden die Online-Medien, dass nicht nur die Kraftwerksarbeiter zu ihrem Einsatz gezwungen wurden, sondern auch die Männer der Tokioter Feuerwehr:
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2011-03/japan-atomkraft-fukushima

Aber was wäre die Alternative, wenn sich KEINE Freiwilligen gemeldet hätten oder haben? Die Informationspolitik rund um die Katastrophe ist ja alles andere als erhellend und vertrauenserweckend schon gar nicht, jedenfalls für uns hier in Deutschland. Mag sein, dass in Japan sowieso andere Formen des Umgangs mit Schicksalen gelten und die Menschen dort gottergeben alles hinnehmen was und wie es ihnen geschieht.


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