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Undogmatisch und kreativ, die neue Nahost-Diplomatie… 6. Mai, 2011

Posted by Rika in israel, meine persönliche presseschau.
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Welch eine grandiose Idee:

Kreativ soll die neue Nahost-Diplomatie sein und undogmatisch.

Das jedenfalls geht aus der Überschrift hervor, die zeit-online für einen Artikel wählte, den sie vom tagesspiegel übernommen hatte, dort allerdings unter dem Arbeitstitel: Neue Chancen – neue Spannungen , was nun nicht auf dem  ersten Blick unbedingt etwas mit undogmatischer Kreativität zu tun hat.

Hans Monath, der Autor des Artikels, widmet  sich der spannenden Frage, wie die Bundesregierung mit der (meiner Vermutung nach ohnehin nur vorübergehenden) Einigung zwischen Fatah und Hama umzugehen habe:

Die Bundesregierung muss auf die Einigung zwischen Fatah und Hamas undogmatisch reagieren. Eine Übernahme der israelischen Position hilft nicht weiter.

„Undogmatisch“,   schlägt er vor, solle die Bundesregierung sein und wohl nicht dem bisherigen „Dogma“ folgen, könnte man daraus schließen, welches  bisher in etwa Folgendes  besagt: „Wir, die Bundesrepublik Deutschland,  stehen ohne wenn und aber zu Israel, was generell eine – wie auch immer geartete –  Zusammenarbeit mit einer Palästinenserorganisation ausschließt, die sich die Vernichtung Israels auf die Fahnen geschrieben hat.“


Herr Monath sieht das offensichtlich anders und so kommt er nach einigen erklärenden Sätzen über die Chancen der „arabischen Revolution“  dann auch recht schnell und umstandslos auf den Punkt und fordert:

Die Kontrahenten in Nahost akzeptieren diese Politik, die ihre aus der Geschichte erwachsenen Verpflichtungen gegenüber Israel nie verleugnet. Das Existenzrecht Israels zu verteidigen, muss aber nicht heißen, die israelische Verweigerung gegenüber den Chancen des Umbruchs in der arabischen Welt zu verteidigen.

(Hervorhebung von mir)

Da ist er wieder, der alt bekannte Generalvorwurf:   „Israel steht einer positiven Entwicklung entgegen“, wobei es immer wieder neue Variationen gibt, mit denen diese Behauptung natürlich rein sachlich und ganz „objektiv“ begründet wird. Diesmal sind es Israels Bedenken zur Verbrüderung von Hamas und Fatah, die dem  Frieden im Weg stehen.

Israels Premier nennt die Verbrüderung „Einen Sieg des Terrors“, und wer sich mit den bekannt gewordenen Details dieser „Versöhnung“ ein wenig beschäftigt, wird das ohne zu zögern auch so benennen.

Das aber kann nicht die deutsche Haltung sein.

meint Herr Monath und fährt fort:

Denn die Einigung könnte, bei aller Skepsis, den Weg zu Wahlen in den getrennten Palästinensergebieten bahnen, die radikalislamische Hamas langsam verändern und wichtige Voraussetzungen für eine Zwei-Staaten-Lösung schaffen. Das Existenzrecht Israels und der Gewaltverzicht sind wichtige Prinzipien. Wer sie nur als Mauern benutzt, um Veränderungen zum Positiven zu verhindern, wird wenig bewegen.

Die Einigung könnte „die radikalislamische Hamas langsam verändern“, orakelt Herr Monath wie weiland Krake Paul, nur das Paul sich immer festgelegt hat und mit „könnte“ nicht viel im Krakensinn hatte.

„Entwedel – odel“ sagen eingefleischte Doppelkopfspieler, wenn es um alles oder nichts geht. „Entweder – oder“  , nach dieser Devise entschied auch Freund Paul.

Die Logik der Hamas aber kennt kein „entweder – oder“,  ihr Leitspruch lautet – und das kann jeder ganz alleine an den Geschehnissen in Gaza seit dem israelischen Abzug ablesen -, „Selbst wenn die  die Israelis freiwillig (aus Gaza) gehen, terrorisieren wir sie weiter!“

Kein „entweder –  oder“  , „wenn – dann“.

Nur ein:  „Israel muss verschwinden„!

Vielleicht dämmert es ja auch Herrn Monath, dass das nicht so einfach werden wird mit der „Zwei-Staaten-Friedens-Lösung“ des Nahost-Konflikts  und deshalb formuliert er:

Viel spricht deshalb für die These: Wer diese Ziele in Nahost langfristig stärken will, muss sich nun um eine ebenso offene wie kreative Diplomatie bemühen. Es könnte sich lohnen.

Wobei er offen läss, wie eine „kreative Diplomatie“ aussehen könnte.

Nach allem, was wir aber bisher im Nahost-Konflikt gelernt haben, kann es nur bedeuten, dass Israel – als ohnehin für alles und jedes zuständiger Partner oder Gegenpart   -, selbst „kreativ“ zu sein hat, was die Problemlösung angeht  –   was im Verständnis der Israel-Kritiker vermutlich  ganz bestimmte  „Zugeständnisse“  bedeuten wird, die nicht unbedingt israelischen Ideen entsprechen dürften.

By the way, ich halte die Israelis ohnehin für überaus kreativ, kreativer  als die Leute jedenfalls, die auch im Nahen Osten leben…   Nein,  das hat nun ganz und gar nichts mit sarrazin’scher Rassenlehre zu tun, sondern basiert auf ganz schlichten Beobachtungen im alltäglichen Leben und Arbeiten in Israel und drumherum!

Und das ist wohl auch der unausgesprochene eigentliche  Grund, warum die Weltgemeinschaft immer von Israel verlangt, etwas zu tun, von Hamas und Fatah hingegen nichts anderes erwartet, als lediglich das Existenzrecht anzuerkennen. Das ist – zugegeben –  nun wirklich nicht sonderlich kreativ, aber nicht mal das  kriegen sie hin, die Friedensfreunde des Propheten.

Die „kreative Diplomatie“ könnte darum meiner Interpretation entsprechend darin bestehen zu sagen:

Lasst die Israelis machen und wir sorgen dafür, dass die Araber und Palästinenser dem zustimmen.

Aber so wird Herr Monath es ganz sicher nicht gemeint haben, fürchte ich.

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Kommentare»

1. julia - 6. Mai, 2011

DAnke!


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