jump to navigation

Ein unheimlich langer Abgang… 17. Mai, 2011

Posted by Rika in meine persönliche presseschau.
Tags:
trackback

Was dem Weinfreund in aller Regel Genuß bedeutet, ein langer Abgang nämlich, verkehrt sich für die Freunde der CDU/CSU immer mehr zu einem unheimlichen Albtraum:

Der Abgang des Freiherrn zu Guttenberg.

Dass Herr zu Guttenberg  nun mit Recht des Plagiierens bezichtigt werden kann, hat unlängst die Uni Bayreuth festgestellt. Ich will jetzt nicht die ollen Kamellen aufwärmen, weder die seiner vielseitigen Versuche, die Schmach abzuwenden mit Teilgeständnissen und markigen Versprechungen, auch nicht die Wiederholung der unzähligen Freundschaftsbeweise durch die Parteifreunde betreiben. Alles Schnee von gestern – und so kurz ist das Gedächtnis der meisten Menschen ja nun doch nicht, dass sie das nicht mehr erinnerten. Der Plagiatsvorwurf ist bestätigt und ist damit, wie es scheint, nicht nur für mich, sondern auch für den Herrn Freiherrn und seine CSU erledigt. Da wird nichts mehr nachkommen.

Dass er aber auch als Politiker nicht sorgfältig gearbeitet hat, davon erfährt die Öffentlichkeit erst jetzt, nach und nach.

Wobei  diese Formulierung nur bedingt zutrifft. Die Öffentlichkeit hat sich schon in der Vergangenheit über manch schneidige Bemerkung des Verteidigungsministers gewundert – in der Kundus-Affäire beispielsweise oder im Umgang mit dem bedauerlichen Tod der jungen Seekadettin auf der Gorch-Fock. Wie schnell und für die betroffenen vermeintlich Schuldigen umgehend einschneidende  Maßnahmen getroffen und Schuldzuweisungen in den Raum gestellt wurden, das hat doch einige von uns schon mächtig irritiert. Da wurde bislang verdiente und unbescholtene Männer ihres Amtes enthoben oder auf unabsehbare Zeit vom Dienst suspendiert. Ihr Ruf zumindest beschädigt, wenn nicht gar ruiniert.

Doch der Minister selbst lieferte sehr überzeugend das Bild eines Mannes, der alles im Griff hat, ob es bewegend anrührende Worte bei der Trauerfeier für gefallene Soldaten in Afghanistan waren oder der publikumswirksame Besuch bei der Truppe dort selbst – gern auch mal in Begleitung der Gattin oder des ebenfalls auf Wirkung bedachten, selbstverliebten Herrn Kerner.

Guttenberg machte immer und überall eine gute Figur.  So liebten ihn seine Fans und Parteifreunde gleichermaßen, selbst die Bundeskanzlerin zählte ihn, so hörte man, zu ihren Lieblingen.

Der Minister wurde gar bereits als möglicher Nachfolger der Kanzlerin gehandelt.

Dazu trug sicher nicht nur sein blendendes  Aussehen und seine hervorragend gepflegten, makellos guten  Manieren bei, nein, man rechnete ihm auch  oder besser gesagt,  vor allem das Unternehmen „Bundewehrreform“ hoch an. Binnen kürzester Zeit brachte er das Kunststück fertig eine der heiligsten Kühe der Union auf dem Altar der Wirtschaftlichkeit zu opfern. Die Bundeswehr wird drastisch verkleinert, die Wehrpflicht ausgesetzt, was im Prinzip einer Abschaffung gleich kommt.

Und hier findet sich das Haar in der Suppe oder  liegt – je nach Belieben – der Hase im Pfeffer.

Der Nachfolger des fränkischen Freiherrn im Amt des Verteidigungsministers findet offenbar ein mittelprächtiges Chaos vor, anstelle des von zu Guttenberg gelobten „gut bestellten Hauses“. So könnte man den berühmten Satz der damaligen Bischöfin Kässmann: „Nichts ist gut in Afghanistn“ ergänzen: Und im Ministerium erst recht nicht!  Wie es scheint – ich bin ja kein Experte und habe auch keinen Einblick in die Abläufe – wurden die Reformen viel zu schnell und zu wenig vorbereitet durchgepaukt, ist die Finanzierung keineswegs klar und der dringend notwendige Nachwuchs an Soldaten nicht gesichert.

Das nenne ich Planungssicherheit und vorausschauendes Handeln!

Herr de Maizière  ist darum alles andere als erfreut und hat das auch ziemlich deutlich gemacht, was einigen Fans des ehemaligen Ministers der Verteidigung gar nicht behagt, so schreibt etwa Thomas Schmid in einem Kommentar bei welt-online gar:

Wehrhandwerker de Maizière vergreift sich im Ton

Der neue Verteidigungsminister lässt seinen Vorgänger zu Guttenberg ins Bodenlose fallen. Das gehört sich nicht unter Parteifreunden.

Der arme aus altem Adelsgeschlecht stammende  Herr zu Guttenberg wird ins Bodenlose entlassen —  noch dazu von einem „Handwerker“.

Pfui, wie ungezogen! Das macht man nicht. Man kupfert zwar auch nicht für seine Doktorarbeit bei anderen Wissenschaftlern ab,  aber das scheint für Herrn Schmid Pippifax zu sein im Verhältnis zu dem öffentlichen geäußerten Unmut des „Neuen“.

Wesentlich ist für den Herrn Schmid von WELT:

Politik ist auch eine Frage des Stils und des guten Tons. Es hat sich bewährt, dass ein Amtsnachfolger selbst dann, wenn er ganz neue Wege geht, seinen Vorgänger nicht kritisiert und nicht bloßstellt. Demokratie baut auch auf Kontinuität.

Natürlich, guter Stil und guter Ton! Mag die Arbeit auch unter aller S.. sein, entscheidend ist, dass das wunderbare Bild einer wunderbaren Regierung gewahrt wird und die Kontinuität,  auf die „die Demokratie baut“! Es macht ja nichts, dass Kontinuität bedeutet, unablässig weiter Müll und Schrott zu produzieren oder bunte Bilder für die BILD. Wenn ein Minister seinem Amt nicht gerecht wird und dem Land dadurch Verluste und Probleme drohen, MUSS man das auch sagen dürfen, nein, sagen MÜSSEN. Alles andere wäre Betrug am Souverän, dem Volk. Aber das scheint Herr Schmid nicht so eng zu sehen.

Und Probleme sind durch die Amtsführung des Ministers dem Land in ganz erheblichem Maße entstanden!

Denn dass  die Aussetzung der Wehrpflicht  auch im zivilen Bereich für große Probleme sorgt, können wir in diesen Tagen wunderbar beobachten: Unsere nette, junge und schwangere Familienministerin sucht händerringend Ersatz für die vielen Zivis, die mit dem Wegfall der Wehrpflicht natürlich auch wegfallen. 9o ooo Stellen sind in den nächsten Wochen und Monaten zu besetzen und kein Mensch weiß wie! In Altersheimen und Behinderteneinrichtungen, bei  DRK, Johannitern und Maltesern fehlen die jungen Männer, ebenso bei THW und Feuerwehren und  in öffentlichen zivilen Einrichtungen.

Kein Mann auf weiter Front.

Die Familienministerin (warum  ist die eigentlich dafür zuständig)  lobt ihren  neu geschaffenen  „Bundesfreiwilligendienst„, zu dem sich  – und das ist die Sensation an dem Plan – nicht nur wehrpflichtige junge Männer, sondern auch Hausfrauen, Arbeitslose und  Frührentner melden können. Ob damit aber die Lücke, die die Zivis hinterlassen, geschlossen werden kann, ist doch mehr als fraglich, vor allem in der Kürze der Zeit wird das wohl nicht  zu schaffen sein.  Der neue Dienst ist noch völlig unbekannt, die Organisation nicht gänzlich geklärt. Und dann steht ja noch die Frage im Raum, wie und ob diese neue Einrichtung in Konkurrenz zu bereits bestehenden freiwilligen Diensten stehen wird, als da u.a. sind:  freiwilliges „soziales Jahr“, „ökologisches Jahr“, freiwillige Dienste in Kirchen und Verbänden, um nur einiges zu nennen, die ja auch bisher nicht nur für Zivildienstleistende gedacht waren, sondern auch jungen Mädchen und Frauen offen standen.

Alle diese Frage sind bisher nicht beantwortet und werden bis zum 1. August, wenn der letzte Zivi seinen Posten geräumt haben wird, auch nicht mehr zufriedenstellend beantwortet werden.

Nein, die Amtsführung des Ministers zu Guttenberg war alles andere als sorgsam und vorausschauend. Darum schließe ich mich einem Statement an, das Stefan Raue im ZDF-Blog gibt und das mit dem Fazit schließt:

Wie es scheint, war es tatsächlich ein Professor aus Bremen, der die Bundesregierung und die Bundeswehr vor noch größerem Schaden bewahrt hat. Er war damals der einzige, der laut gerufen hat: „Der König ist nackt!“ Im Märchen begannen sich dann alle fürchterlich zu schämen, dass sie das viel zu lange nicht hatten sehen wollen.

Auch wenn das viele Fans und Freunde natürlich nicht wahrhaben wollen.

Zu Guttenbergs Abgang ist wahrlich lang und bitter…

Advertisements

Kommentare»

1. curioustraveller - 17. Mai, 2011

Tja, das Schlimmste ist, dass die Soldaten, die unterm Strich das Wirkungsende einer solchen Führung sind, mit entsprechenden Strukturen und entsprechender Ausrüstung in Kampfeinsätze geschickt werden …

2. Rika - 17. Mai, 2011

Ja, da hast Du recht!
Und wenn sie wiederkommen werden sie mit ihren traumatischen Erfahrungen allein gelassen… oder nur sehr unzureichend versorgt. Auch die Öffentlichkeit müsste an der Stelle viel besser informiert werden.

Es ist wirklich ein Trauerspiel!

…….
Ich halte aber den „neuen“ für deutlich kompetenter – sagt mein Bauch…. hoffentlich irre ich mich da nicht und es ist wieder nur Blendwerk!


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: