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Damit wir es auch ja nicht vergessen! 24. Mai, 2011

Posted by Rika in islam.
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Die Wirkung der Kreuzzüge ist bis heute verheerend.

schreibt der Herr Müller bei der Kultur von Welt und trägt fröhlich pfeifend dazu bei, dass das auch so bleibt. Wobei ich das mit dem Pfeifen ja nicht wirklich wissen und eigentlich auch nicht so schreiben kann. Auch das „fröhlich“ ist nicht erwiesen.  Mea culpa! Es tut mir aber nicht leid. Ausdrücklich nicht!  Ich versuche gerade nur tatkräftig  nachzuvollziehen, wie der Herr Müller die ohne Frage grausam klingenden Berichte einer ebenso fraglos schrecklichen historischen Begebenheit durch seine Schreiberei versucht, „dramatisch“ aufzuhübschen, damit der Schrecken auch weitere  720 Jahre anhält. Das ist nämlich die Zeitspanne, die seit dem endgültigen Aus des letzten christlichen Herrschers über die Stätten der Christenheit im Vorderen Orient im Jahre 1291 bis heute verging. (Wenn ich mich nicht verrechnet habe, was sein kann, denn einerseits war ich  in Mathe  rattenschlecht, andererseits gibt es verschiedene Bezugsdaten…  Wie das so ist mit den Geschichten der Geschichte.)

Der Herr Müller betont in seinem dramaturgisch geschickten Bericht – der Hinweis auf einen ständig Wein trinkenden seltsamen Heiligen schmückt ganz ungemein, ebenso die erschreckende Szene, in der Papst Urban seine Schäfchen in einen wahren Blutrausch redet – die überaus große Grausamkeit der christlichen Kreuzfahrer. Das ist sicher so gewesen, aber es klingt geradezu nüchtern zurückhaltend, was er über die „Gegner“ der Christen berichtet:

Mit dem Osmanischen Reich expandierte der Islam in einer Heftigkeit, der nichts entgegenzusetzen war,

Kein Blutrausch und kein Leichengeruch in diesen edlen Worten. (Blut und Leichen hinterließen nur die Christen, könnte man meinen…)  Gewiss haben die Streiter des Islam die Christen mit freundlichen Worten überredet, ihnen das Feld zu überlassen. So genau wollte der Herr Müller es nicht beschreiben – oder es war ihm etwas sehr mühsam, aus den diversen Quellen die geeigneten Stellen zu zitieren.

Mir wäre das auch zu mühsam, darum habe ich keine Probleme damit, mich an Wiki zu orientieren, dem  kompakten Wissen des kleinen Mannes, dort heißt es in einem Absatz  über die den Kreuzzügen vorausgegangenen Ereignisse:

Ein wesentliches außenpolitisches Problem für die christliche Welt stellte der Islam dar, der in seinem Streben westwärts zunächst in der Mitte des 7. Jahrhundert das christliche Byzantinische Reich angriff. Ostrom/Byzanz verlor die seit dem monophysitischen Schisma in religiösem Gegensatz zu den griechischen und lateinischen Reichsgebieten stehenden Provinzen Syrien und Ägypten binnen weniger Jahre an die Araber, die dort vielleicht von Teilen der Bevölkerung als Befreier begrüßt wurden (was in der Forschung umstritten ist); es behauptete jedoch weiterhin das griechisch geprägte Kleinasien. Das westliche Nordafrika leistete bis zum Ende des 7. Jahrhunderts gegen die Araber Widerstand, während das spanische Westgotenreich um 700 binnen weniger Monate unter dem Arabersturm zusammenbrach, so dass die Araber im Westen erst durch das Fränkische Reich aufgehalten und zurückgedrängt wurden.

DAS, die Eroberung großer Gebiete, um nicht zu sagen, nahezu des gesamten christlichen Mittelmeerraumes durch die Muslime, die den Kreuzzügen vorausging, das hat sich bis heute seltsamerweise NICHT im kollektiven Bewusstsein der Europäer – und besonders der Deutschen – gehalten. Wir fühlen uns immer noch schuldig, die Kreuzzüge überhaupt geführt zu haben.

Und so klingt  in Herrn Müllers Resümee  natürlich auch das abendländische Schuldgefühl  an, wenn er schreibt:

Und in ihrer Wirkung waren sie verheerend, bis heute: Zum Identitätskern von al-Qaida gehört der Kampf gegen vermeintliche Kreuzzüge des Westens, die jeden Dschihad rechtfertigen. Dabei waren sie vor allem ein vormodernes, tief in seiner Zeit wurzelndes Phänomen. „Gefordert waren die individuelle Umkehr des Einzelnen, sein Bekenntnis zu und sein bewaffnetes Eintreten für Gott“, schreibt der Mediävist Ernst-Dieter Hehl. Ein Eintreten, das in seiner fanatischen Härte eigentümlich fremd erscheint.

Das in seiner „Zeit wurzelnde Phänomen“ des „bewaffneten Eintretens für Gott“ wird in „unserer Sicht“ auf die Kreuzzüge wenig oder gar nicht beachtet, schon gar nicht in hinsichtlich der Be- und Verurteilung des damaligen Geschehens durch die heutigen Generationen.

Doch genau dieses kämpferische „Eintreten für Gott“,  der Dschihad  als Kennzeichen des radikalen Islam der GEGENWART  wird (von den gleichen Leuten ?) gern heruntergespielt und als „innerer Kampf“ bezeichnet.

„Ein Eintreten, das in seiner fanatischen Härte eigentümlich fremd erscheint.“ Der Satz, auf christliche Eiferer des Mittelalters bezogen,  hat heute eine neue Gültigkeit gewonnen in Bezug auf den Islam der Gegenwart  mit „seiner fanatischen Härte“, die uns Menschen des 21. Jahrhunderts „eigentümlich fremd“ erscheint und bei vielen zum Widersprechen des präsidialen Wortes  vom Islam, der zu Deutschland gehöre, geführt hat.

Die Kreuzzüge der Christen gehören der Vergangenheit des Mittelalters an. Dort sollten sie auch bleiben, auch in der Debatte um die Motive islamistischer Gruppierungen wie al Qaida.

Wir sollten uns an der Gegenwart orientieren.

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Kommentare»

1. heplev - 2. Juni, 2011

Könnte es sein, dass Typen wie Herr Müller glauben, dass es doch einen „gerechten Krieg“ gibt? Den der Umma gegen die Ungläubigen, insbesondere die Europäer (und damit auch Amerikaner)?

2. Knallchargen « abseits vom mainstream – heplev - 4. Juni, 2011

[…] Felix Müller, DIE WELT Kultur – Der Mann schwimmt im faktenfreien Mainstream, kolportiert ihn nicht nur, sondern stärkt ihn. Er schreibt über die psychologischen Wirkungen der Kreuzzüge auf die arabisch-muslimische Welt. Entsprechende Worte fehlen ihm bezüglich der grausamen Eroberungszüge der Muslime gegen den Westen, die sind anscheinend alle völlig harmlos abgelaufen. Oder sollte es doch einen gerechten Krieg geben – den der Muslime gegen Ungläubige in Europa/dem Westen? […]


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