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Weitersagen, weitersagen, weitersagen… 24. Juni, 2011

Posted by Rika in israel.
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muss man diesen Text.

Er ist vielleicht etwas zu lang, um ihn auswendig zu lernen.

Aber man sollte ihn ausdrucken und immer bei sich tragen und  jedem vorlesen, dem der Satz über die Lippen kommt: „Das (Kritik an Israel) wird man doch wohl noch sagen dürfen!“

 

Selten habe ich eine so wunderbare Argumentation gelesen, die so schlicht, eindringlich und kaum zu widerlegen beschreibt, warum das „das wird man doch noch sagen dürfen“ nichts anderes als Antisemitismus in seiner reinsten Form ist.

Hier der Text, den ich in ganzer Länge hierher kopiere:

„Wer gegen unbefugte Siedler vorgehen will und sich dann allein auf Juden kapriziert, muß sich ob solcher Ausschließlichkeit schon ein paar Fragen gefallen lassen. Denn die Auswahl an möglichen Objekten einer Kampagne umfasst ja mehr als nur diese Gruppe. Es gibt russische Siedler in den baltischen Staaten, die auch nach dem Ende der marxistischen Herrschaft geblieben sind. Es gibt marokkanische Siedler in der West-Sahara, arabische in Irakisch-Kurdistan, türkische in Türkisch-Kurdistan sowie in den Gebieten der Griechen aus Pontos und Westkleinasien. Kurden und Türken siedeln in uraltem Armenierland, Europäer im Amazonasurwald der indigenen Völker, Han-Chinesen in Tibet und Sinkiang. Und selbst muslimische Palästinenser übernehmen einst christlich-arabisch dominierte Dörfer. Verlängern ließe sich diese Liste selbst für Europa und das ohne Erinnerung an italienische, österreichische und deutsche Gebiete, die durch Ausmordung und Vertreibung entleert und dann neu aufgesiedelt wurden. Die in der Tat gut begründbare Ablehnung illegaler Siedler riskiert mithin ihre Konsensfähigkeit, wenn sie nur jüdische in den Fokus nimmt.

Wer gegen die Grausamkeiten bewaffneter Konflikte einschreiten will und sich dafür auf den Palästina-Konflikt mit Stoßrichtung gegen Israel verlegt, sollte sein Ausblenden anderer Feindseligkeiten wenigstens erklären. Unter den 70 bewaffneten Auseinandersetzungen mit mehr als 10.000 Toten seit der Gründung Israels (1948), steht der Palästina-Konflikt an 69. Stelle. Von über 80 Millionen Opfern seit 1948 fordert er in 63 Jahren rund 14.000 – vier Fünftel davon Araber und ein Fünftel Juden. Jeder Umgekommene gibt Grund für Trauer.  Aber wie ist die gemeint, wenn für die 80 Millionen in den übrigen 68 Konflikten mit viel mehr Toten keine Zeit bleibt?

Wer das Leiden von Muslimen lindern will, dann aber nur Menschen in den Palästinensergebieten Hilfe zukommen lässt, sollte darlegen können, warum andere Muslime oder auch nur andere Palästinenser so stiefmütterlich behandelt werden. Ihre Belagerung und Dezimierung etwa im libanesischen Nahr al-Bared im September 2007 hat weder Parteiuntergruppen noch Hilfskonvois beschäftigt. Allein seit der Gründung Israels starben rund 11 Millionen Muslime durch Gewalt. In den Kriegen arabischer Staaten gegen „die Zionisten“ waren es rund 44.000, im engeren Palästina-Konflikt 11.000. Von 200 muslimischen Getöteten verliert einer sein Leben in Kämpfen gegen Juden. Niemandem darf man die Trauer um diese 0,5 Prozent verwehren. Wenn aber die übrigen 99,5 Prozent vergessen werden oder nicht einmal bekannt sind, kann die Frage nach dem Grund der Anteilnahme nur für jene bedauernswerten 0,5 Prozent nicht leicht abgewiesen werden.

Es stimmt schon, dass in Deutschland vor allem Linke – immer wieder aber auch Rechte – durch die Exklusivität ihres Interesses an Konflikt Nummer 69 demonstrieren, dass sie in erster Linie gegen Juden vorgehen wollen und nicht das Leiden der Menschheit als solcher im Blick haben. Doch das „man wird doch wohl Israel kritisieren dürfen“ eint mindestens achtzig Prozent der Bürger im Land und rund drei Viertel der Menschheit. Sie kapriziert sich auf einen von tausend Weltbürgern, denn mehr Israelis gibt es nicht. Und dabei sind Muslime und Christen schon mitgezählt. Ist es wahrscheinlich, dass ein Tausendstel der Menschheit das Problem in sich trägt, dessen Lösung zur Erlösung von Leid und Gewalt führt? Vielleicht kommt man auf diesem noblen Weg schneller voran, wenn gleichzeitig auch die vielen Dutzend anderen Brennpunkte abgearbeitet werden.

Eine heitere Seite hat das Ganze übrigens auch. Was man unter dem „Recht auch auf Israelkritik“ Richtung Jerusalem auf den Weg bringt, stammt nämlich fast durchweg aus Recherchen einer schonungslos selbstkritischen israelischen Presse. Wenn aber das von ihr Herausgefunkte mit gehöriger Verspätung lediglich als selbstgerechtes Plagiat zurückkommt, kann sie nichts lernen.“

 

DANK an Gunnar Heinsohn, der den Text verfasst hat. Gefunden habe ich ihn bei achgut!

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Kommentare»

1. cheerfulcoyote - 25. Juni, 2011

Ganz genau!

2. GerdEric - 25. Juni, 2011

Ich halte den Text für „kritisch“, denn es gibt ja nicht nur Russen im Baltikum, es gibt auch Russen, Weissrussen und Ukrainer in den ehemaligen polnischen Gebieten in Weissrussland/Ukraien, und polnische „Siedler“ in Schlesien und Pommern usw usw, wobei ja die Polen über den WK2 zu den Ländereien kamen, aber die Bauer in Palästina keinen Raubzug in fremde Länder starteten, vielmehr waren und sind sie Opfer ihrer Nachbarn, die selbst Interesse an deren Ländereien hatten, und das waren in erster Linie nicht die jetzigen „unliebsamen“ Siedler. Ich meine, wer es akzeptiert hat, dass Polen auf deutschem Boden siedeln, ohne wieder Anspruch darauf zu erheben, mag da eine andere Einstellung haben, oder sollten zB Linke Schlesien, Pommern und Ostpreussen zurück fordern, nur damit sie die Siedlungspolitik Israels kritisierne dürfen? Übrigens, es ist verboten Fruchtbäume selbst im Krieg, zu zerstören (hab‘ ich mal in einem Buch gelesen, aber was sind alte Bücher schon wert). Den dummen Satz: „Das werde ich doch nochmal sagen dürfen.“ verkneife ich mir, passt nicht zu mir.
GerdEric Lummerzheim

3. Rika - 25. Juni, 2011

GerdEric,
es geht doch in dem Text nicht um „Siedlungen“, es geht um die Unverhältnismäßigkeit in der kritischen Betrachtung.
In der Öffentlichkeit stehen eben nur „jüdische“ Siedlungen! Gemessen an der Gesamtheit der Gebiete, die „besiedelt“ sind von Menschen, die dort nicht schon seit Jahrhunderten wohnen und leben, ist es geradezu ein himmelschreiendes Unrecht, lediglich die jüdischen Siedlungen zu kritisieren. Im übrigen könnte man ja mit Fug und Recht sagen, dass Juden in das Gebiet zurückkehren, dass sie schon vor gut 2000 Jahren absolut legitim bewohnten….
ob „Deutsche“ allerdings schon vor 2000 im jetzigen Polen wohnten, mag ich doch sehr bezweifeln …. 😦

4. GerdEric - 26. Juni, 2011

Rika.
Wir sind im Grunde einer Meinung. Auch mich stört in der Diskussion der Linken, dass da vorwiegend von Israel/Palästina die Rede ist, dass von den jüdischen Siedlern die Rede ist. Doch die Siedler sind Teil des Problems. So frage ich in diesem Streit auch nach Darfur und andere Problemregionen, auch, dass Palästinenser in Syrien noch heute in Lagern leben müssen, die die Apartheid in der arabischen Welt sichtbar machen, und ich hoffe, dass die Linke dieses Problem angeht.
Sicher siedelten Juden vor 2000 Jahren in Kanaa, aber sie siedelten auch in Mizrajim und selbst im ganzen Mittelmeerraum, nur hiessen sie auch Hebräer oder Israeliten.
Da heutige Deutsche (und schon länger) auch polnische Wurzeln haben, seidelten sie auch in Schlesien, Pommern und Ostpreussen. In Ostpreussen lebten masuren. Mein Grossvater war Masure, Masuren sind Slawenwie Polen, aber keine Polen, auch wenn Polen das weis machen wollten. Auch Deutsche werden heute in anderen Ländern Allemannen oder Germanen genannt.
Wobei wir damit an dem Punkt sind, dass es immer Siedler gab und geben wird, doch ist die Frage, ob man friedlich und mit Segen siedelt oder mit Gewalt und Fluch.
Übrigens, mit dem wer Deutsche sind, halte ich es mit Thomas Müntzer: „Ich will den Heiden und den Türken dabei haben!“ und ich glaube, dass die Täuferbewegung das Judentum nicht nur „duldete“, sondern in ihm auch ihren Ursprung sah.

5. Rika - 26. Juni, 2011

Nein,
ganz entschieden NEIN!
Die Siedler sind NICHT Teil des Problems. Dazu werden sie allenfalls von der Propaganda der Araber und ihrer Freunde in Deutschland und der Welt gemacht!

Das Problem besteht einzig und allein darin, dass die Araber mehrheitlich (wie es jedenfalls mir erscheint) einen JÜDISCHEN Staat Israel ablehnen.

Etwa ein Fünftel der Bevölkerung Israels sind muslimische Araber. Wieso können also nicht auch Juden in einem mehrheitlich von Arabern bewohnten Gebiet siedeln???

Vor 2000 Jahren lebten Juden in einem Staatwesen, das vor allem „jüdisch“ und, wie viele andere Länder zu der Zeit, von den Römern okkupiert war.

Die Diskussion um polnische oder deutsche Siedler jenseits der Oder scheint mir in diesem Zusammenhang wenig hilfreich.

Was Thomas Müntzer und die Täuferbewegung betrifft, das sollten wir mal in Ruhe in einem anderen Thread thematisieren.

6. GerdEric - 26. Juni, 2011

Rika.
Ich rede nicht von den Siedlern in Israel, allein von den Siedlern in der Westbank. Die Westbank gehört nicht zu Israel und wer dort siedelt, tut dies provokant und sicher nicht um des Friedens Willen.
Wenn die Idee der Kibizzim in Israel erstirbt, kann man sie nicht mit Siedlern auf fremdem Land erneuern. Dass die Araber der Westbank Israel ablehnen, kann ich nachvollziehen, denn Israel tut sich nicht als Anwalt von Recht und Gesetz hervor, zB wenn es darum geht, dass Olivenhaine zerstört werden. Es ist verboten Fruchtbäume zu zerstören!
Warum Israel vor 2000 Jahren „okkupiert“ war, lässt sicht leicht beantworten, weil sich Priester zu Königen machten und die Makkabäer den Segen verloren hatten.
Ob Juden auch in, von mehrheitlich von Arabern bewohntem Land siedeln können, liegt auch daran, wie sie dort auftreten. Wer den Dörfern Wasser vorenthält, kann leicht sagen, die können oder wollen nichts mit ihrem Land anfangen, und wenn man Wasser fliessen lässt, dann gibt es blühende Landschaften.
Israel muss auch begreifen, dass es an seine Grenzen stösst, denn mit der Zeit blutet das eigenen Volk aus, dass sich nur noch blinde Zioniste für neue Siedlungen finden, denn die heutigen Zionisten, die sich in die Westbank aufmachen, haben kaum noch etwas mit den frühen Zionisten zu tun.
GerdEric

(gern red ich auch über die Täufer)

7. Rika - 26. Juni, 2011

„Siedler in Israel“ ???

Das ist ja wohl das dümmste, das ich je gehört habe!!!
In Israel gibt es keine „Siedler“!!! Wohl aber Bürger, die bei wachsender Bevölkerung neue Stadtteile errichten. Das tun wir hier in Frankfurt, Berlin oder München doch auch. Käme irgend jemand auf die Idee, Leute, die aus der Innenstadt in eine neu gegründete Stadtrandsiedlung ziehen als „Siedler“ zu bezeichnen? Ich bitte dich, das ist doch vollkommen absurd!

Die „Siedler“ siedeln in einem Gebiet, das das eigentliche Kernland des historischen Israel ist und seit dem 6-Tage-Krieg unter israelischer „Verwaltung“ steht.

Es hat niemals zu einem „palästinensischen Staatswesen“ gehört, wie Du sicher wohl weißt, einfach weil die Araber dem Teilungsplan nicht gefolgt sind und KEINEN eigenen Staat gegründet haben.

Die arabischen Staaten – allen voran Syrien, Ägypten, der Irak und Jordanien haben Israel sofort den Krieg erklärt. Die Jordanier haben den jüdischen Teil der Altstadt von Jerusalem dem Erdboden gleich gemacht und Juden den Zugang zur Westmauer des Tempels fortan verwehrt. Sie haben das Gebiet unter ihre Kontrolle gebracht, das heute als „Westbank“ bekannt ist. Übrigens haben immer schon Juden in der Westbank gewohnt.
Wenn Juden heute in dem Gebiet „siedeln“, widerspricht das weder dem Völkerrecht noch einem Friedensvertrag, denn den gibt es ja bekanntlich immer noch nicht mit den Arabern, die erst durch Herrn Arafat zu „Palästinensern“ wurden – und zwar erst NACH 1967.
Dir sollte das doch bekannt sein.
Du ziehst es aber vor, auf die Ammenmärchen der „palästinensischen“ Propaganda herein zu fallen und bedienst alle Vorurteile die dazu gehören, angefangen vom Wasserkrieg bis hin zu den zerstörten Olivenhainen…., als würde Araber nicht auch ihre Olivenbäume fällen, wenn sie Bauland benötigen.
Arg finde ich deine Auslassungen über „Zionisten“.
Damit bedienst du genau die antijüdischen und antisemitischen Voruteile, die der Artikel oben anspricht.


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