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Voll daneben… 1. Juli, 2011

Posted by Rika in Allgemein.
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„Wenig souverän“  –  meint Tobias Morchner von der  HAZ    –  sei die Reaktion eines Polizeibeamten auf die Pöbelei eines Schülers gewesen.

Ein Sechstklässler der WRS hat aus dem geöffneten Fenster seines Klassenzimmers einen Beamten der Polizei mit „Bulle“ tituliert. Nun mag man sich ja fragen, was ein Sechstklässler während des Unterrichts am geöffneten Klassenfenster verloren hat und auch, wieso die Englischlehrerin ihr offenbar wichtiges Gespräch mit einem Schüler draußen auf dem Flur führen musste  (und dies beispielsweise nicht in die Pause verlegen konnte)   und darum die Klasse unbeaufsichtigt war.

Man könnte natürlich auch einwenden, dass der Begriff  „Bulle“ für Polizeibeamte heutzutage  beinahe schon zum umgangssprachlichen Inventar gehört, wenngleich jeder Mensch natürlich weiß, dass die Nutzung dieses  „Titels“ von dem so Angesprochenen als Herabwürdigung, zumindest aber als unfein verstanden wird.

Herr Morchner  scheint der Auffassung zu sein, dass der Begriff  ein ganz gebräuchlicher Teil der Jugendsprache ist und demzufolge der ganze Vorgang nicht des Aufhebens wert sei, das sich daraus entwickelte.

Denn als solches schildert er den weiteren Verlauf der Geschichte:

Der als Bulle gescholtene Beamte stürmte in den Klassenraum, sorgte mit einem Faustschlag auf den Tisch für Ruhe und fragte:

„Welches von euch Arschlöchern will eins auf die Fresse?“

um dann sofort klar zu machen:

 „Das ist die Sprachebene, auf der wir uns gerade bewegen!“

Eigentlich ist das eine geniale Reaktion! Die Leute sofort mit ihren eigenen verbalen Unzulänglichkeiten konfrontieren.

„Demonstrare ad oculi“, würde der Lateiner sagen! Oder wir in Westfalen: „Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil!“

Aber die zarten Seelen der Schüler können so eine Reaktion nicht verkraften. Die meisten Sechstklässler haben vermutlich keine Probleme damit, in ihrer digitalen Erlebniswelt alle möglichen Gewaltszenarien durchzuspielen, aber ein Polizist „in echt“, mit echten Gefühlen und echter Stimme, da sind sie überfordert.   Sie fühlen sich gar  „beleidigt“, ein Zustand, der üblicherweise gerne von unseren imigrantischen Freunden in Anspruch genommen wird.

Polizist und Lehrerin haben laut Zeitungsbericht die Lage vor Ort klären können, so schien es jedenfalls zunächst.

Doch die „Beleidigten“ stellten einen Strafantrag.

Nicht die Schüler selbst, wie man der Zeitung nach vermuten kann, sondern die (mutmaßlich ebenfalls beleidigten) Eltern. Oder aber die Eltern, die ihrer elterlichen Sorge um die Unversehrtheit ihrer lieben Kleinen nachgehen wollten und dabei eines übersahen:

Zur elterlichen Sorgfalt gehört auch die Erziehung der lieben Kleinen. Und daran scheint es ja zumindest dem Schreier doch im nötigen Umfang zu fehlen. Sonst hätte er

a) nicht seine Schularbeit vernachlässigt und wäre an das geöffnete  Fenster getreten,

b) nicht die Mitschüler durch sein Rufen bei der Arbeit gestört und

c) nicht einen Polizisten mit einem deftigen Schimpfwort belegt.

Diese kleine Episode aus dem deutschen Schulalltag macht auf bemerkenswerte Weise deutlich, wie die Werte der Erziehung inzwischen verrutscht sind und damit auch das Verständnis von Elternschaft.

Ich habe für die Eltern gar kein Verständnis. Statt mit dem eigenen Kind in Ruhe über Verhalten zu reden und  das Gespräch mit der Schule und der Polizei zu suchen, greift man gleich in die Vollen und stellt Strafanzeige.

Und was lernt der pöbelnde Schüler? Papi wird’s schon richten, notfalls mit dem Anwalt.

Immerhin, das Kind hat sich ja wohl entschuldigt.

Die Eltern aber haben für meine Begriffe total versagt.

Eben VOLL DANEBEN!!!

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Kommentare»

1. heplev - 1. Juli, 2011

Wann hat sich das kleine Astloch entschuldigt? Offenbar, bevor die Eltern eingegriffen haben und Strafantrag gestellt wurde. Heutzutage dürfen Kinder alles, Beamte und vermeintliche Respektspersonen nichts. Ich erinnere mich an zwei Beispiele von Grundschul-Kollegen, die schon einige Jahre zurückliegen.
Der eine Kollege hatte zwei Typen, die sich so in einander verkeilt hatten und auf nichts hörten, dass ihm nur übrig blieb sie im Genick zu packen und so zu trennen. Daraufhin war der „der Würger“, weil die Eltern des einen Kampfhahns behaupteten, der Junge habe Würgemale am Hals gehabt.
Der andere Kollege wollte ebenfalls zwei Prügler trennen; der eine davon trat ihm dann ständig volle Kanne vors Schienbein, bis es dem Mann zu bunt wurde und er dem kleinen Astloch eine klatschte. Folge: Erst einmal meldete er sich noch während der Pause, in der das geschah, bei der Schulleitung ab und ging zum Psychologen. Zweitens stellten die Eltern des Treters Strafantrag gegen den Kollegen. Das arme Kind war misshandelt worden.

2. curioustraveller - 1. Juli, 2011

Ich bin eigentlich jemand, der im Blick auf die Geschichte unseres Landes immer Meckerern gegenüber darauf hingewiesen hat, dass die Bürger bei allen Macken dieses Staates noch nie so frei, ungezwungen und wohlhabend waren in der Geschichte. Ich versuche, Dinge von der positiven Seite her zu sehen.

Das misslingt mir zusehends. Wenn ich so eine Story höre, dann frage ich mich mittlerweile auch: „Was ist das hier für eine Bananenrepublik?“. Und meine tiefe Hochachtung und gleichzeitig mein Mitleid für jeden, der sich heute noch bei der Polizei bewirbt …

3. Rika - 1. Juli, 2011

@ heplev,
die von dir geschilderten „Vorkommnisse“ habe ich an meiner ehemaligen Schule auch immer wieder beobachtet oder selbst erlebt.
Der Unterschied meiner alten Schule zur WRS (die übrigens meine Kinder besuchten) ist allerdings der, dass die Wilhelm-Raabe-Schule ein Gymnasium ist, „meine“ Schule hingegen eine Förderschule mit Schwerpunkt emotionale – soziale Entwicklung.
Vor 20 Jahren hieß sie noch „Sonderschule für Verhaltensauffällige“. Da das aber zu diskriminierend klingt, hat man die offizielle Bezeichnung für Schulen dieser Art in Niedersachsen entsprechend geändert.
Aber auch an unserer Schule haben wir oft seufzend festgestellt, dass eigentlich die Eltern „Förderbedarf – Erziehungshilfe“ haben. Erziehung ist reine Neben- oder auch Glücksache.
Es ist zu befürchten, das die Verhaltensauffälligkeiten der Schülerinnen und Schüler generell eher zunehmen werden, leider!

Die WRS galt immer als sehr gute Schule, die eben nicht nur auf Wissensvermittlung Wert legt, sondern auch auf das, was man „gutes Sozialverhalten“ oder etwas altmodisch „Herzensbildung“ nennt – und ich hoffe, dass sich das nicht geändert hat…

@ curioustraveller,
deiner etwas pessimistischen Einschätzung kann ich mich anschließen, ebenso deiner Hochachtung für Leute, die sich in die gesellschaftliche Bresche werfen – wie Polizisten oder eben auch Erzieher, Sozialarbeiter, Sozialpädagogen und Lehrer (die Pastoren will ich ausdrücklich NICHT vergessen 😉 ), natürlich männliche wie weibliche!!!

4. Nicht wirklich!? - 19. Februar, 2013

Hallo,ich bin eines der Kinder die bei dem Vorfall in der Klasse saßen.
vorweg möchte ich sagen ,dass ich es auch unnötig fand das mein Freund so etwas getan hat.
Allerdings hat die HAZ nicht richtig recherchiert und einiges ist falsch geschrieben worden:
1:Die besagte Lehrerin besprach außerhalb des Raums die Noten mit
uns und es ging nicht um eine Angelegenheit die in die Pause verschoben werden konnte.
2:Ein anderer stiftete meinen Freund dazu an die Beleidigung auszurufen. Mein Freund wusste nicht das es eine Beleidigung ist und
tat dies nicht mit der Absicht den Polizisten zu beleidigen.
3:Wir hatten keine Aufgabe und alle durften herumgehen.
Also war mein Freund nicht der Einzige der laut war.
4:Mein Freund und alle anderen meiner Klassenkameraden spielen keine Gewaltspiele da wir keine dieser komischen Kinder sind.
5:Es haben 2 Eltern der Kinder einen Strafanrag gestellt den sie wieder zurückgezogen haben.
6:Mein Freund ist kein Immigrant.
7:Ich finde es sehr mutig das mein Freund sich gemeldet hatte und zugegeben hat das er es getan hatte nachdem der Polizist mit der Faust auf den Tisch geschlagen hatte.Viele haben nichtmal gewusst warum er hier war und das getan hatte.

Ihr habt jetzt die „richtige“ Variante gehört.

Jan

P.s.An die HAZ: Bitte recherchiert in Zukunft mal richtig!


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