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Ein christlicher Fundamentalist … 26. Juli, 2011

Posted by Rika in aktuell.
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… habe den entsetzlichen Anschlag in Norwegen verübt, ist in den Zeitungen zu lesen.

Alles in mir schreit nach Widerspruch.

Es ist zu furchtbar was dieser Mensch anrichtete, als dass man seine Tat mit „Christ“ in Verbindung gebracht sehen möchte.

Zu entsetzlich sein Vorgehen, als könne er sich auf Christus berufen.

Nein, ich will das nicht hinnehmen.

Das ist kein Handeln im Sinne oder gar im Namen Jesu. Dafür gibt es in den Evangelien von Jesus Christus keine Basis, keine Begründung, keinen Hinweis auf eine irgendwie mögliche Rechtfertigung.

Beim Nachdenken darüber, was und warum ich mich so gegen die Bezeichnung „christlicher Fundamentalist“ im Blick auf den  Massenmörder von Oslo  wehre, muss ich früher oder später aber einräumen, dass in der Vergangenheit viele Verbrechen begangen wurden, deren Rechtfertigung man in der Bibel zu finden glaubte.

Tausende Frauen wurden im Namen Gottes als Hexen verbrannt, Menschen, die ein anderes, ein neues Schriftverständnis hatten, wurden der Häresie angeklagt, wurden gefoltert und gemartert und landeten auf dem Scheiterhaufen oder starben durch Schwert oder Beil eines Henkers.

Für Gott und Vaterland zogen Soldaten in den Krieg.

Ein Führer wurde als Heilsbringer verehrt und gefeiert.

Und durch alle Jahrhunderte hindurch wurden Juden im Namen Jesu verfolgt, beraubt und umgebracht.

Nein, man muss nicht weit schauen um zu sehen, dass im Namen des Christentums ungeheuerliche Verbrechen geschahen.

Das kann und will ich weder ausblenden, noch leugnen oder beschönigen. Das sind Tatsachen mit denen ich als Christin leben muss.Das ist bitter, weil doch die Botschaft Jesu, sein Leben und Sterben missbraucht wird für eine menschenverachtende ideologische Umdeutung dessen, was Jesus  „Reich Gottes“ nennt, von dem er, Jesus,  Zeugnis gibt. Ein Reich, das nicht auf irdische Macht aus ist, das eben  keine Ideologie zur Beherrschung der Menschen oder gar der ganzen Welt ist.

„Liebe deinen Nächsten“ ist die Maxime dieses „Reiches Gottes“ – und niemals meint dies, den Nächsten „aus Liebe“ zu knechten, zu unterdrücken oder gar umzubringen!

Menschen, die das „Fundament“ ihres Handels in der Bibel suchen und finden, werden keine Bomben legen und nicht auf Jugendliche schießen, um auf sich und ihre Botschaft aufmerksam zu machen.

Sie werden sich viel eher zum Gespött der Menschen machen, indem sie auf öffentlichen Plätzen singen, beten und Gott loben – um anderen Menschen das „Reich Gottes“ nahe zu bringen.

So wie auch Jesus seine Botschaft nicht mit dem Schwert verkündigte, sondern auf den Plätzen und in den Häusern und Synagogen mit den Menschen redete, sich ihrer Sorgen und Nöte annahm, sie ernst nahm, heilte und segnete.

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Kommentare»

1. heplev - 26. Juli, 2011

So sehr in den Medien (und von noch interessierteren Kreisen) auch behauptet wird, der Mann sei „fundamentaler Christ“ gewesen, gibt er selbst doch zu Kenntnis, dass er nicht an Jesus glaubt; man kann ihm zugestehen „Christ“ in „kulturellem Sinn“. (http://sultanknish.blogspot.com/2011/07/debunking-6-myths-about-anders-breivik.html)

2. IWe - 26. Juli, 2011

So wie die meisten Zeitgenossen, die ich kenne und die sich als Christen definieren, dies im Sinne einer kulturellen Prägung verstehen.

3. boxi - 27. Juli, 2011

warum streubt es ihnen so, wo es doch ganz normal ist „islamischer fundamentalist“ zu sagen/schreiben?
beide religionen haben als grundtenor eher ein friedliches zusammenleben, als ein hass prädigendes.

aber trotzdem gibt es diese strömungen in allen religionen. die ihre eigene religion als einzig wahres sehen und alles andere verabscheuen.

religion ist vermutlich zu kompliziert für die menschen. jeder kann alles mögliche aus der bibel / dem koran herauslesen. und begründet dies dann mit einem gott. das war bei den kreuzzügen so, bei der verachtung der frau (wo wir es heute ja auch immer noch leben), beim 11. september, …

4. Rika - 27. Juli, 2011

@ Boxi,
ich streube mich dagegen, weil Jesus an keiner Stelle zur Gewalt aufruft, vielmehr davor warnt, wenn er etwa sagt: „Wer das Schwert ergreift, kommt durch das Schwert um.“
Der Koran trifft meines Wissens durchaus Aufforderungen zum Krieg und Mohammend war ein Kriegsheld, der seine Überzeugungen auch mit Gewalt unter die Leute brachte, wenn man den Berichten über ihn glauben darf, während Jesus in Übereinstimmung mit seiner Überzeugung gestorben ist und sich nicht zur Wehr gesetzt hat als man ihn gefangen nahm und auch seinen Jüngern verbat, sich gegen die Gefangennahme zu Wehr zu setzen.
Den eigenen Tod in Kauf zu nehmen ist das absolute Gegenteil zu „anderen den Tod bereiten“! In der Auferstehung Jesu zeigt sich auch der Sieg der Gewaltlosigkeit über die Gewalt des Todes. Mit dieser Auferstehungshoffnung leben Christen seit jeher und auch heute immer noch!

Ich stimme aber zu, dass grundsätzlich jede Religion für politisch motivierte Zwecke missbraucht werden kann, das ist im Christentum eben auch so, wenngleich der Tenor des Neuen Testaments vollkommen gewaltfrei ist!

5. Frullato - 28. Juli, 2011

Christentum ist alles, das Gute und das Schlechte.

Daraus kann man verschiedenes Lernen:

1) Die ursprüngliche Botschaft einer Religion oder Ideologie oder Bewegung ist nicht unbedingt relevant für das, was daraus wird: es kann tolle Botschaften geben, aus denen menschenverachtende Bewegungen werden, es kann menschenverachtende Botschaften geben, aus denen tolle Bewegungen werden, die vor allem Gutes tun.

2) Vielleicht sollte Ihnen Ihre eigene Einstellung zum Christentum auch als Grundlage für ihre Einstellung zum Islam dienen. Wenn Sie sich zwar mit der christlichen Religion identifizieren, nicht aber mit all den Gräuel, die diese Religion vollbracht hat, dann sollten sie doch auch den Moslems diese Möglichkeit lassen und die Gräuel des Islamismus nicht als Masstab für den Islam nehmen.

Ich bin davon überzeugt, dass der Islam kein Jota schlechter als das Christentum ist. Falls Sie sich aus Tradition oder Überzeugung zum Christentum bekennen, ist das Ihr gutes Recht – trotz all der Gräuel, die das Christentum verübt hat. Doch inhärent ist Ihre Religion nicht besser als andere Religionen.

Und kommen Sie mir jetzt bitte nicht mit Blutrache und Ehrenmord: all das gibt es in christlichen Kulturen (Korsika, Süditalien, u.a.) auch.

6. Rika - 30. Juli, 2011

Es geht mir nicht darum, ob eine Religion „schlecht“, schlechter, am schlechtesten oder gut, besser, am besten ist.

Es geht mir darum, dass ich daran leide, wenn das Evangelium von Jesus Christus für die schlimmsten Untaten als Rechtfertigung dienen soll.

Christliche Lehre im Sinne Jesu ist unvereinbar mit jeglicher Form von Gewalt.

In dem Blog von Joachim Steinhöfel fand ich folgendes Zitat, das ich hier wiedergebe:

„„Die christlichen Glaubensrichtungen waren blutig und mörderisch, wenn sie vom Text ihrer Schriften abwichen, während der Islam es gerade dann war, wenn er sich den seinen annäherte“.“

Vielleicht ist es ja genau dieser Sachverhalt, den Sie meinen mit: „es kann menschenverachtende Botschaften geben, aus denen tolle Bewegungen werden, die vor allem Gutes tun.“

Ich kenne einige Muslime, die „vor allem Gutes tun“!

Aber leider kenne ich auch die Hasstiraden muslimischer Prediger, den Fanatismus der Hamas, die Intoleranz und Frauenverachtung muslimischer Männer, männlicher Jugendlicher und sogar kleiner Knaben!

Joachim Steinhöfel hat sich ebenfalls im Rahmen einer kritischen Betrachtung eines Kommentars des Chefredakteurs im ZDF mit dem „christlichen Fundamentalismus“ beschäftigt. Sein sehr lesenswerter Beitrag, dem auch das Zitat entnommen ist, findet sich hier:

http://www.steinhoefel.de/blog/2011/07/das-zdf-und-der-christliche-fundamentalismus.html

7. Frullato - 1. August, 2011

Ich bin davon überzeugt, dass man auch von christlichen Predigern genügend Hasstiraden finden kann.

Es gabt Geistliche, die die Truppen segneten, die gegen ebenfalls christliche Truppen in den Kampf zogen, von den Kreuzzügen gegen Moslems und Pogromen gegen Juden ganz zu schweigen.

Ich bin sicher, dass die zahlreichen christlichen geistlichen, die Hass oder heiligen Krieg oder Säuberung von Häresie predigten ebenfalls christliche Schriften hatten, auf die sie sich stützen konnten.

Religiöse Texte sind allgemein sehr dehnbar: jeder kann darin hineinlesen, was er möchte. Und sehr oft wollen die Leute – ob christliche oder moslimisch oder von einer anderen Religion – Krieg und Hass hineinlesen. Und leider haben sehr oft auch gerade jene Fraktionen, die Krieg und Hass predigen, die Deutungshoheit, bzw. die Macht, ihre Ansicht als massgebend durchzusetzen. Das war bei den massgeblichen christlichen Institutionen genau so. Siehe Geschichte der katholischen Kirche, siehe Geschichte der Puritaner, siehe auch im Kleinen, was sich so in „evangelikalen Gruppen“ alles abspielt. Siehe auch Ihren Blog selbst.

Letztlich predigt Ihr Blog auch Hass gegen Moslems. Wahrscheinlich in der besten aller Absichten.

Genau das scheinen Sie zu übersehen: man kann gleichzeitig „gut“ und „schlecht“ sein: gut zu jenen, die zur eigenen Gruppe gehören, schlecht zu allen anderen. Heutzutage folgt das „schlecht zu allen anderen“ oft einer Verteidigungs-Rhethorik, wie wir sie hier auf Ihrem Blog ja auch finden: wir müssen uns gegen die bösen „anderen“ (die uns vernichten wollen?) verteidigen, also dürfen wir … und dann fängt es an: also dürfen wir ihre Rechte einschränken, also dürfen wir sie aus unserem Land werfen, also dürfen wir gegen sie Krieg führen, also ist es nicht so schlimm wenn wir sie umbringen (siehe Afghanistan-Krieg und Irak-Krieg)…

8. Rika - 1. August, 2011

@ „Letztlich predigt Ihr Blog auch Hass gegen Moslems. Wahrscheinlich in der besten aller Absichten.“

Das halte ich für eine ziemlich einseitige Denkweise Ihrerseits!

Wenn ich mich kritisch zu „christlichen“ Grausamkeiten äußere, predige ich keinen Hass gegen Christen, sondern prangere Untaten an.
Wenn ich mich kritisch zu christlichen Dogmen äußere, predige ich keinen Hass gegen Christen, sondern rege zu eigenem Denken und einer eigenen Stellungnahme an.

Wenn ich mich kritisch zu Inhalten der islamischen Religion äußere, tue ich ein Gleiches und wenn ich mich kritisch zu islamischen Grausamkeiten äußere, predige ich keinen Hass gegen Muslime, sondern distanziere mich von Untaten, die im Namen Allahs oder Mohammeds oder des Koran begangen werden.
Und sagen Sie jetzt nicht, dass es keine Untaten im Namen des Korans oder im Namen Allahs gibt.

Es gibt sie. Und auch Sie täten besser daran, sich gegen die Untaten zu wenden als gegen deren Kritiker!

9. frullato - 1. August, 2011

Nun ja, wenn ich es mir recht überlegen, haben Sie als fundamentalistische, entschuldigung, als bibeltreue Christin ja ein breites Terrain d’entente mit religiösen Moslems: Sie sind für die Stabilität der Familie, für den Respekt des Alters, für Wohltätigkeit, für Rücksichtnahme auf Schwächere, für Respekt von kulturellen Eigenheiten und Werten…

Warum ziehen Sie das Ganze nicht von der positiven Seite auf und suchen das Gespräch, die Gemeinsamkeiten?

Warum suchen Sie nicht nach einem differenziereteren Bild vom Islam? Warum interessieren Sie sich so ausschliesslich für Bombenleger und Kriegstreiber? Gehen Sie doch lieber mal die türkische Nachbarin besuchen, die auch 4 Kinder hat, wie Sie selber, und fragen Sie, was sie umtreibt.

Je mehr man weiss, desto differenzierter wird ein Bild.

Deutsche sind nicht einfach Deutsche, sondern Bayern, Mecklenburger, Westfalen, Rote, Grüne, Schwarze, blonde, braune, dunkle, helle, reiche, arme, mittlere, gute, böse, liebenswürdige, aggressive.

Genauso verhält es sich mit den Moslems. Sie beschränken sich selber, wenn Sie immer nur das suchen, was Ihre bestehenden WErturteile bestätigt. Suchen Sie die Nuance, suchen Sie die Vielfalt, suchen Sie das Menschliche am Menschen, auch bei den Moslems.

Interessieren Sie sich für islamische Atheisten, persische Dissedenten, Mädchen, die unter dem Schleier Jeans tragen, kurzum, für all jenes, was Ihre Vorurteile nicht bestätigt. Dann können Sie lernen und mehr über die Welt erfahren.

10. Rika - 1. August, 2011

Glauben Sie mir,
Ihre guten Ideen habe ich längst in die Tat umgesetzt!

Natürlich erkenne ich Schnittmengen hinsichtlich der Frömmigkeit und ihrer gesellschaftlichen Relevanz in Form von Wohltätigkeit usw.
ich bin auch weit davon entfernt, alle Muslime über einen Kamm zu scheren. Ich habe guten Kontakt zu überaus liebenswerten muslimischen Menschen, frommen und solchen, die den Islam sehr, sehr säkular leben.

Ich habe aber – ich sagte es wohl schon mal – eben auch sehr negative Erfahrungen mit Muslimen, speziell mit Männern und solchen, die es werden sollen oder wollen…. 😉 , wobei muslimische Mädchen mindestens so rotzfrech sein können wie die berühmten Berliner Gören weiblichen Geschlechts!!! Die Schule ist ein weites Lernfeld, nicht nur für die Schüler! 🙂

Aber das ist nicht das Thema. Das Thema ist der Islam als politisch-ideologisches System. Das sehe ich kritisch, so wie ich auch gewisse fromme christliche Kreise mit Skepsis betrachte und kritisiere, wenn ich es für angebracht halte.

Sehen Sie, ich habe in allen meinen Beiträgen zu erkennen gegeben, dass ich nicht einseitig den Islam kritisiere.
Sie hingegen scheinen jeglicher Selbstkritik völlig abhold zu sein.

Das stimmt mich zumindest misstrauisch!

Wie halten Sie es mit der (Kritik an der eigenen) Religion?
Ist ’ne, nein, „die“ Gretchenfrage.
Immer noch und heute mehr denn je!

11. frullato - 2. August, 2011

Meine Religion ist jüdisch. Ich lebe meine Religion rein privat und bin nicht unbedingt davon überzeugt, dass es gut wäre, eine ganze Gesellschaft nach ihr zu gestalten. Es gibt sehr viele Punkte, wo ich in dieser Hinsicht sehr kritisch bin.

Ich finde Religion OK, so lange sie den einzelnen verpflichtet, aber sobald man versucht, jemand anders als sich selbst zu verpflichten, wird es meiner Meinung nach problematisch, ja gar gefährlich.

Als Angehörige einer Minderheit finde ich Toleranz gegenüber Minderheiten sehr wichtig, immer unter der Voraussetzung, dass die Gesetze des Staates respektiert werden.

Wenn Sie das Verhalten von einzelnen moslemischen Männern stört, so würde ich das im direkten Kontakt deutlich ansprechen, und falls nötig auch Schutz bei den entsprechenden Instanzen (Polizei) suchen. Dafür sind diese Instanzen da. Das heisst aber nicht, dass man eine ganze Religion verunglimpfen muss. Die meisten Religionen & Gesellschaften habe ihre Schwächen und ihre Individuen, die sie lieber nicht hätten.


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