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Kirchen an der Seite Israels… 19. Januar, 2012

Posted by Rika in araber-"palästinenser", christsein und glaube, gesellschaft, islam, israel.
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Was sich nach unverbrüchlicher Freundschaft und Treue anhören könnte, kann aber durchaus auch ganz anders betrachtet werden, so jedenfalls kommt es mir vor, wenn ich den Bericht in evangelisch.de lese, der gestern (18.1.2012) veröffentlicht wurde.

Dort heißt es bereits im Aufmacher:

Judentum – Beide großen Kirchen stellen sich klar an die Seite Israels. Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider hat sich zugleich besorgt über die israelische Regierungspolitik geäußert.

Klar stehen die Kirche an der Seite Israels.

Ein Delinquent, der an den Pranger gestellt wird, kann nicht bessere Begleiter an seiner Seite haben, treue Freunde Vasallen ihrer Herren, die sorgfältig darauf achten, dass  sich der Beschuldigte  ja auch der Kritik, Häme und Schläge, die jedermann gegen ihn entrichten und über ihm auskübeln kann,  „würdig“ erweist, sie klaglos hinnimmt und ja keine Widerworte gibt!  Aus dem Pranger zu entkommen, ist ja sowieso nicht möglich.

Israel ist schon vor  Jahren  von  arabischen Propagandisten an den medialen Pranger gestellt worden und statt denen auf die Finger zu klopfen oder ihre wahren Absichten zu hinterfragen, die dieses „am-Pranger-Stehen“ betreiben, statt sich also mit den Herren der Fatha oder der Hamas und ihren öffentlich einsehbaren Grundsatzprogrammen ein wenig näher zu beschäftigen, machen sich allzu  viele, fromme wie  atheistische und friedensbewegte,  Menschen zum willigen Vollstrecker arabischer Interessen.

Dass auch die Herren der Kirchen dieses Spiel mitmachen und ihre demonstrierte „Stellung an der Seite Israels“ dazu nutzen, ins gleiche Horn zu stoßen wie ihre muslimischen Amtsträgerkollegen, dass sie keine Gelegenheit auslassen, den „Freunden“ mit Kritik „hilfreich“ unter die Arme zu greifen, das empört leider nur sehr wenige, will mir scheinen. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass wir in wenigen Tagen des Holocausts gedenken, den die „bösen Nazis“ und ihre vielen gesichts- und namenlosen Volksgenossen deutscher Nation verübt haben. „Wir“ waren das ja schließlich nicht. Auch nicht unsere Oma oder die liebe Tante, der Onkel oder Opa. Darum können „wir“ ja ganz unbelastet unseren israelischen Freunden die Meinung geigen, dass die Fetzen fliegen, können ihnen Vorschläge zur Organisation ihres Staatswesens machen und sie heftig für laut arabischer Lesart „rassistisch“  anmutende Umtriebe geißeln oder ihnen das Zerlegen von „Fruchtbäumen“ zur Last legen, wie mir erst gestern ein netter Zeitgenosse in einem  Kommentar zu Bedenken gab.

Kein noch so winziger Frevel an unserem Verständnis von Menschlichkeit und Güte, begangen von Israelis an Arabern, entgeht den „Seitenstehern“ und selbstredend machen sie unverzüglich von ihrer Trillerpfeife Gebrauch, klagen  und schwärzen in schönster Blockwarttradition an, dass es eine Lust für alle ehemaligen und heutigen Nazis sein muss.

Gibt es aber grobe  Frevel an unserem Verständnis von Menschlichkeit und Güte  von Arabern an Juden begangen zu melden oder gar zu beklagen, herrscht friedliche Stille im Land!

Und die „Kritik“ an arabischer Politik nimmt sich eher wie ein sanftes Säuseln aus:

Ebenso äußerte Schneider sein Entsetzen über das „Versagen der palästinensischen Autonomiebehörde“, über die Aggressivität der Hamas und über die Regierungen der arabischen Staaten im Nahen Osten.

Zwar redet er von „Entsetzen“, macht aber keine Anstalten, Ross und Reiter zu nennen. Worin äußert sich das „Versagen der Autonomiebehörden“, würde der Uneingeweihte doch zu gerne wissen und was bemängelt Herr Schneider an den „Regierungen der arabischen Staaten im Nahen Osten“?  Meint er ihre administrativen Unzulänglichkeiten, die fehlende Transparenz in das Parteiensystem oder in die Parteiprogramme? Das könnte ich irgendwie nachvollziehen, denn außer den islamisch verorteten Parteien und ihrem Bezug auf den seligen Propheten und seine schriftliche Hinterlassenschaft liest man wenig bis nichts in unseren Medien, da macht selbst evangelisch.de keine Ausnahme. Die Tourismusbranche wird allerdings mit Entsetzen vernommen haben, dass das westliche Wohlfühlfeeling ein wenig darunter leiden wird, dass  – in Einklanag mit dem Propheten und seinem Wort –  Alkohl oder Bikinis verboten werden sollen… aber das wird Herr Schneider ja vermutlich nicht gemeint haben, wenn Er „sein Entsetzen äußert“.

Zu den „Regierungen der arabischen Staaten im Nahen Osten“ darf sicher auch Syrien gezählt werden. Ist von Syrien die Rede in dem schönen Artikel in evangelisch.de? Davon, dass Menschen tagtäglich ihr Leben verlieren? Nein, nichts. Gar nichts. Dabei wäre das doch mal ein richtig wichtiger Grund, die Trillerpfeife zu benutzen und laut „Alarm“ zu brüllen  oder wenigsten „Hilfe“! Vermutlich will man sich nicht die letzte diplomatische Option kaputt machen – wie immer die  auch aussehen mag – oder die syrischen Christen schützen…. ja, das Letztere würde selbst mir ein einleuchtender Grund sein, ich sagte es vor fast einem Jahr schon einmal. Aber so rein gar nichts zu dem Grauen sagen und Israel gleichzeitig wegen einiger Gesetze rügen, die vielleicht nichts ins Konzept der christlichen Kirchen und ihrer Arbeit von „Menschenrechtsgruppen“ passen???

Das geht. Das geht immer!

Wobei an dieser Stelle der Hinweis auf den wunderbaren Bericht über die „Arbeit“ der Menschenrechtsgruppen in Ramallah angebracht ist… über Disko-Feeling und die Freiheit der reichlich mit Wohlstand gesegneten Gutmenschen  aus Europa und der Welt, die sich als Wächter gegen „israelische Willkür“ aufspielen und ansonsten das Leben  genießen, mit allem, was das Leben eben so bietet in Judäa, Samaria und am Strand von Tel Aviv.

Gelungen ist auch der heutzutage politisch korrekte und notwendige Hinweis der hohen Geistlichkeit auf den Umstand, dass sich  der Konflikt zwischen „Israelis und „Palästinensern“ abspiele“ und beileibe nicht etwa ein Konflikt zwischen Juden und Moslems sei. Gut, dass das so deutlich gesagt wurde. Leute wie ich, die aus gegebenem Anlass immer wieder mal einen Blick in die Charta der Hamas werfen oder Berichte über arabische Schulkinder lesen, die mit Büchern arbeiten, in denen das ganze „Heilige Land“ (so ein netter Ausdruck!!!) „Palästina“ heißt und von Israel keine Spur zu finden ist, Leute wie ich also könnten auf ganz andere Gedanken kommen.

Wenn es nämlich in arabischen Schulbüchern gar kein Israel gibt, gibt es doch logischerweise im arabischen Sprachgebrauch auch gar keine Israelis. Es gibt aber Menschen in dem Land. Die sind in aller Regel Juden, böse zionistische Juden, folgt man der Propaganda der Araber und ihrer Sympathisanten in Deutschland und Europa. Also muss es sich wohl doch um einen Konflikt zumindest zwischen Juden und Arabern handeln, und,  folgt man den Worten der Hamas, ist es die Pflicht eines jeden Moslems, das Land „Palästina“ von den  Juden  Zionisten zu befreien….  Ich weiß, ich bin gerade ein wenig kleinkariert…

Ach ja, nicht unerwähnt soll auch die Forderung der Kirche nach freier Religionsausübung bleiben:

Darüber hinaus forderte der Bischof von Aachen einen freien Zugang zu den heiligen Stätten in Israel und den palästinensischen Gebieten sowie die freie Religionsausübung für Juden, Christen und Muslime. Niemand dürfe aufgrund seiner Religionszugehörigkeit diskriminiert werden.

Ich wüsste nicht, dass Israel den Arabern den Zugang zu Moscheen oder frommen christlichen Pilgern oder überhaupt an Israel interessierten Reisenden den Zugang zu „den heiligen Stätten“ verwehrt, allerdings haben Muslime es nicht so gerne, wenn Ungläubige ihre heiligen Moscheen betreten und es war auch schon davon zu lesen, dass man jüdischen Menschen den Zugang zu jüdischen „heiligen Stätten“ in Samaria oder Judäa verweigert, die unter der Obhut der Abbas’schen Verwaltung stehen.  Überhaupt kann ich mich nicht ganz des Eindrucks erwehren, das freie Religionsausübung nur für Muslime in überwiegend christlichen oder jüdischen Gesellschaften oder Orten zu gewähren sei, im Umkehrschluss fehlen die deutlichen Worte der Kirche!

„Religionsfreiheit“ wird in muslimischen Ländern oft dahingehend interpretiert, dass ein muslimisches Land frei von anderen Religionen zu sein habe.

Aber das würde Herr Schneider niemals so deutlich sagen und der Bischof von Aachen, der Herr Mussinghoff vermutlich auch nicht.

Es ist doch immer wieder schön, Berichte bei evangelisch.de zu lesen. Man bekommt ein völlig neues Feeling für Glaubens- und Religionsfreiheit…. DANKE!

Ich weise  darauf hin, dass ich mich in Zukunft nicht mehr des arabischen Sprachgebrauchs bedienen werde, wenn von Arabern die Rede ist, die Gaza, Samaria oder Judäa bewohnen. Macht es der Text notwendig, weil ich wörtlich oder dem Sinn nach zitiere, setzte ich die arabische Sprachverdrehung in Anführungszeichen.

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Kommentare»

1. Stoff für’s Hirn « abseits vom mainstream – heplev - 22. Januar, 2012

[…] Kirchen“ stellen sich „klar an die Seite Israels“ – nun ja, ungefähr so, wie die Pfaffen, die beim Exekutionskommando im Auftrag der Herrschenden den Delinquenten […]

2. AMC - 22. Januar, 2012

„Wenn es in arabischen Schulbüchern kein Israel gibt“…….., dazu fällt mir ein, wie ein evangelischer Bischof eine Landkarte benutzte, auf der die Bezeichnung „Israel“ irgendwie entfallen war

3. Rika - 22. Januar, 2012

Ja, Bischof Huber war mit einer Delegation im „Heiligen Land“ und hatte eine Info-Mappe, in der eine Landkarte war, die Israel ausdrücklich nicht verzeichnete.
man hat das dann mit einer etwas fadenscheinigen Begründung „entschuldigt“!

Hier einige Links:

http://www.hagalil.com/01/de/Israel.php?itemid=724

http://www.n-tv.de/politik/dossier/Die-EKD-bedauert-article338358.html

http://www.ksta.de/html/artikel/1176113278720.shtml

http://www.welt.de/welt_print/article806965/Bischof_Huber_beklagt_Lage_der_Christen_im_Heiligen_Land.html

http://www.deutsch-israelische-gesellschaft.de/news_aktuelles/072_ekd-bischoefe.html

4. Was lehrt mich das? | himmel und erde - 30. November, 2016

[…] nämlich  alle große Übung, die Damen und Herren Repräsentanten unseres Staates. Die Herren der christlichen Kirchen stehen den Politikern darin nicht nach… und das Tempelberg-Abenteuer der Bischöfe liegt ja […]


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