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Manchmal kann ich mich selbst nicht leiden… 25. Februar, 2012

Posted by Rika in antisemitismus, gesellschaft, islam, terrorismus.
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Manchmal möchte ich am liebsten wie ein neugeborenes Kind, voller Vertrauen und gänzlich ohne jeden Zweifel nur an das Gute und Schöne glauben, daran, dass alle Menschen ausnahmslos gut sind und nichts anderes als Gutes wollen.

Damit fängt die Crux aber schon an und die ist größer als das Dilemma, das Paulus so eindrucksvoll im „Römerbrief“, Kapitel 7, 18 / 19  beschreibt:

18 Ich weiß ja, dass in mir, das heißt in meiner eigenen Natur, nichts Gutes wohnt. Obwohl es mir nicht am Wollen fehlt, bringe ich es nicht zustande, das Richtige zu tun.

19 Ich tue nicht das Gute, das ich tun will, sondern das Böse, das ich nicht tun will.

(nach der neuen Genfer Übersetzung)

Keine Angst, dies wird keine Predigt und auch nicht das Wort zum Sonntag!

Nach den paulinischen Gedankengängen ist das Böse -Gute – Dilemma eine innerpersonale Angelegenheit, die ich / man (allenfalls oder vor allem, je nach persönlichem Standpunkt)  mit Gott verhandeln muss.

Die Crux, mit der wir es  in unserer globalen Gesellschaft  zu tun haben, ist jedoch die, dass die Vorstellung von dem, was „gut“ ist, doch sehr, sehr unterschiedlich ausfällt, je nachdem welchem Kulturkreis, welcher Religion und welcher Partei man angehört – na gut, es gibt schon einige wenige Ausnahmen, auf die sich die Mehrheit der Weltbevölkerung vermutlich einigen kann, mir fällt nur gerade kein passendes Beispiel ein.

Egal, wohin man schaut, ob ins Zivilrecht oder Strafrecht, in die Kindererziehung oder das Bankenwesen, wir kommen global betrachtet einfach nicht unter einen Hut. Während man in Deutschland die Konfession wechseln kann, wie die Unterhosen – und das von den meisten Menschen hierzulande für „GUT“ befunden wird, sieht das in anderen Gefilden unserer schönen Erde ganz anders aus. Da wird man für solcherlei „Gutes“ gehängt oder gesteinigt, jedenfalls zum Tode befördert. Ähnliches gilt für die Liebe unter Schwestern und der unter Brüdern. Bei uns hier ist das zum Glück (siehe „GUT“) seit einigen Jahren kein Straftatbestand mehr, der mit Gefängnis geahndet wurde,  in anderen Ländern zappelt man für die Liebe zum gleichen Geschlecht  am Baukran. Während die meisten Menschen in den Ländern der westlichen Hemisphäre alles daran setzen, dass ihre Kinder groß und stark werden und ein möglichst langes Leben haben, werden andere Kinder frühzeitig mit dem Gedanken vertraut gemacht und mit erzieherischen Maßnahmen entsprechend darauf vorbereitet, ihr Leben einer gottgewollten Sache zu opfern und dafür vorzeitig ihr Erdenleben zu beenden. Wetten, dass die Menschen, die dem letztere Erziehungsideal huldigen, dass auch „GUT“ finden? Ich aber finde es nicht „GUT“, sondern menschenverachtend böse, wenn Kinder zu Hass    erzogen, als Selbstmordattentäter eingesetzt, zum Töten und Morden gedrillt, als „menschliche Schutzschilde“ missbraucht oder mit dem Segen des Propheten durch Minenfelder gescheucht werden!

Was ist also „GUT“  – ich meine global betrachtet, mehrheits- und konsenzfähig?

Die Frage ist deshalb relevant, weil seit einigen Jahren und im Zuge der Globalisierung einerseits und der geforderten Mobilität in der Arbeitswelt andererseits, sich Menschen aus den unterschiedlichen Denk-, Religons- und Kulturkreisen mischen, vorzugsweise in unseren Breitengraden und vorzugsweise aus Ländern mit arg unterschiedlichen Gepflogenheiten und Glaubenszuversichten. Für viele ist das kein Problem. Die leben lustig und multikulturell bereichert in den Tag hinein. Vermutlich sind sie sich  dessen, was sie als „GUT“ erachten und womit sie sich von anderer Leute „GUT“ unterscheiden, gar nicht so bewusst. Aber vielleicht wollen sie es einfach auch nicht so genau wissen, Hauptsache, ihnen persönlich geht es „GUT“, wie auch immer das aussehen mag.

Dem „Alten Fritz“ wird der schöne Satz zugeschrieben, ein jeder möge nach seiner Facon selig werden, wobei das „seiner“ durchaus auf den Einzelnen  bezogen war und nicht auf den Alten Fritz. (Die nähere Betrachtung der Geschichte zeigt allerdings, dass das ein nur bedingt tauglicher Satz war, um die gesellschaftlichen Zustände zu beschreiben und Ausgrenzung und Diskriminierung der Juden beispielsweise damit keineswegs der Vergangenheit angehörte!)

Nun ist aber auch in unserer Gegenwart die Sache mit dem Seligwerden nach eigener Facon nicht so ganz leicht zu bewerkstelligen, selbst dann  nicht, wenn man das „SELIG“ nicht als einen jenseitigen Zustand begreift, den es zu erreichen gilt – wie immer man sich dabei auch anstellen mag -, sondern das Glück im Hier und Jetzt sucht. Das fängt bei Kopftüchern an und hört beim Essen nicht auf.

Nein, das ist alles andere als einfach.

Es gibt viele  Missverständnisse und gegensätzliche Anschauungen und viele Menschen, die die anderen von ihrem „GUTEN“ zu überzeugen versuchen, manche tun das mit Worten, andere mit (als Bestechung angesehene) materiellen Hilfen, wieder andere verlassen sich auf Waffengewalt.

Aber darüber reden, ganz offen, alles auf den Tisch legen???

Fehlanzeige, meistens jedenfalls.

Und die, die darüber reden laufen Gefahr, ihrerseits missverstanden, verleumdet, bekämpft zu werden – nicht nur mit Worten, wie man immer wieder hören und lesen kann.

Manchmal hege  ich die Vermutung, dass ich auch zu den  Exemplaren der Menschheit gehöre, die sich darüber einen Kopf machen, bzw., die ihren „Kopf“ wenn schon nicht durchsetzen, so aber doch wenigsten mitteilen wollen zur Belehrung, Erbauung, Warnung und Mahnung anderer.

Sollte ich aber  wirklich nicht mehr über das reden, was mich bewegt, mich manchmal ängstigt und manchmal wütend macht, nur weil ich dabei Gefahr laufe, das, was ich als „GUT“ ansehe, um die Ohren geschlagen zu bekommen, weil andere darin Böses, finsterstes Böses erblicken (könnten)?

Bin ich jetzt etwas zu kryptisch in meinen Äußerungen?

Dann empfehle ich einfach den Text einer anderen Bloggerin, in dem ich meine Gedanken teilweise wieder  und vor allem, ganz vorzüglich „GUT“ zur Sprache gebracht finde:

Robert Wistrich. Der Antisemitismus und die Islamisten

von Gudrun Eussner.

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