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Die Show des Ahmadinedschad… 20. März, 2012

Posted by Rika in antisemitismus, araber-"palästinenser", gesellschaft, israel, meine persönliche presseschau, terrorismus.
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…   und das Schweigen des Claus  Kleber.

Gestern schon, als ich Ausschnitte des 43 minütigen Interviews in den ZDF-Sendungen sah, kam es mir merkwürdig vor, dass Herr Kleber, wie gewohnt höflich, auch  die Leugnung des Holocaust durch den iranischen Präsidenten freundlich lächelnd zur Kenntnis nahm, OHNE zu widersprechen. (Inzwischen habe ich mir das komplette Interview angesehen.)

Vielleicht, so dachte ich gestern, wäre das Interview sehr schnell beendet gewesen, wenn der nette ZDF-Mann dem Herrn des Iran in die Parade gefahren wäre und wir hätten vermutlich nicht erfahren, „wie Herr Ahmadinedschad tickt“, denn das, so kann man aus dem Nachspann des langen Interview folgern, war, wenn schon nicht das ursprüngliche Anliegen des Interviews, so aber doch der Ertrag der Ein-Mann-Show, die, wie auch unzweideutig mitgeteilt wurde, auf Betreiben des Interviewten zustande kam.

Herr Ahmadinedschad hat das Gespräch unter Freunden („wir lieben Deutschland“) angeregt und  dem ZDF kommt die zweifelhafte „Ehre“ zu, dem Herrn des Iran die große Bühne geboten zu haben, die es ihm ermöglichte, seine weltpolitische Sicht dem (deutschen)  Volk weltweit auseinander zu setzen, ruhig, konzentriert, vollkommen unaufgeregt und staatsmännisch. Nein, er bot ganz und gar nicht das Bild des „Irren aus Teheran“, vielmehr argumentierte er äußerst geschickt, versuchte, das „deutsche Volk“ als Verbündeten des Iran anzusprechen und einen Keil zwischen Europa und USA zu treiben. Das wird alle diejenigen freuen, die ohnehin die USA so lieben wie Zahnschmerzen und die auch der Meinung sind, dass alles übel dieser Welt dort Anfang und Ursprung hat.

Wer möchte, kann sich das ganze Interview zu Gemüte führen:

http://www.zdf.de/ZDFportal/inhalt/0/0,6751,1600000,00.html?dr=1

Nein, um zu wissen, „wie der Herr tickt“, hätte es dieser Show nicht bedurft! Er redet doch schon seit Jahren unermüdlich darüber, dass seiner Meinung nach die USA und die „Zionisten“ das Grundübel der Welt sind. Er redet von der Illegitimität des Staates Israel, spricht den Juden die historische Verbundenheit zum Land Israel ab, nennt den Holocaust eine erfundene Geschichte,  die notwendig war, um einen Grund zu haben, den „Palästinensern“ das Land zu stehlen usw. usw.  Frühere Aussagen zu diesem Themenkomplex hat man gerne mit „Übersetzungsfehler“ zu erklären versucht. Das wird in diesem Fall wohl nicht wieder gelingen, weil der Originalton Ahmadinedschads so deutlich zu hören war, dass des Persischen Kundige  – Kritiker wie Freunde des Iran –  zweifellos die Aussagen des Übersetzers bestätigen können.

Und zu all dem schweigt Herr Kleber – freundlich lächelnd. Er insistiert kaum, widerspricht so gut wie gar nicht, wechselt allenfalls die Unterthemen, lässt es dann aber immer wieder zu, dass Ahmadinedschad in den Wiederholungsmodus fällt und mit immer neuen Worten und Wendungen seine Anklagen gegen den Westen vorbringt und muss es sich gefallen lassen, dass sein Interviewpartner ausdrücklich davon spricht, dass „wir uns nicht als Politiker, sondern von Mensch zu Mensch begegnen“!

Wie gerne hätte Herr Kleber im Iran große Politik gemacht: „Die Welt schaut auf dieses Interview und erwartet von Ihnen ein Einlenken“, zumindest aber „offene Türen“ (zu den Atomanlagen).

Aber am Ende steht seine (Klebers) Erkenntnis, dass er nun nachvollziehen kann, warum Diplomaten die Verhandlungen mit dem Iran so schwierig finden.

Nun ja. Hätte man es sich nicht denken können, dass einem Journalisten, der zu einem 45-minütigen  Interview einbestellt wird, wohl kaum der Durchbruch in der schwierigen Frage von Atom-Krieg-und-Frieden gelingen wird!

Schon gar nicht einem so zahnlosen Tiger, der es nicht einmal fertig bringt, den HOLOCAUST als ein extremes  Ereignis von historisch einmaliger Dimension  und als eine unleugbare Tatsache darzustellen.

DAS war für mich das eigentlich Bemerkenswerte an diesem „Interview“: Der deutsche Journalist Claus Kleber lässt die Holocaustleugnung unwidersprochen und erweckt damit den Anschein, man hätte Herrn Ahmadinedschad  am Ende  die Möglichkeit geboten,  mit diesen Behauptungen sogar noch punkten zu können bei  deutschen und europäischen Nazis, L(l)inken  Faschisten,  Arabern, Palästinensern und den bekannten und bekennenden „Israelkritikern“, die ja so gerne ins gleiche Horn tuten, wie der Herr des Iran. Und wenn schon „die Welt auf dieses Interview schaut“, dann doch sicher auch das „Volk des Iran“ – und das wird seinen großartigen Präsidenten durch einen deutschen Journalisten bestätigt sehen in den Aussagen über „Zionisten und den Holocaust“, denn der  deutsche Journalist, der es doch wissen muss, hat ja nicht widersprochen, den Präsidenten nicht korrigiert.  So tickt doch das Volk, „irgendwie muss es schon stimmen, was unser Ahmadinedschad so von sich gibt“!

Bravo, Herr Kleber!

Bravo, ZDF!

Und, by the way, wäre es einem Journalisten nicht auch aus eigenem Berufsethos angemessen, zumindest die Frage nach der Presse– und Meinungsfreiheit im Iran zu stellen? Aber wer sich zu Höherem berufen fühlt und glaubt, die Welt vor dem Atomkrieg retten zu können, kann sich mit solchen Nebensächlichkeiten wohl nicht auch noch abgeben….

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Kommentare»

1. dieblaueneu - 20. März, 2012

Ich hatte den Eindruck, das ZDF benutzte seinerseits die Selbstdarstellung des Islamo-Faschisten, um endgültig klar zu stellen, dass gegen das Machtstreben des Iran, den Holocost Willen an Israel nur ein Angriff auf und die Zersstörung der Atomanlagen im Iran hilft, m.a.W: seht her, wir können nicht anders als Gewalt anwenden, als unterschwellige Botschaft.

2. Rika - 21. März, 2012

Mhhhm, das habe ich allerdings ganz anders gesehen!

Klebers achselzuckendes: „Das ist dann wohl so!“ bei der Frage Ahmadinedschads nach der Legitimation von Atomwaffen für Israel ist doch das beste Beispiel! Das war in meinen Augen eine klare Distanzierung und eher ein Hinweis darauf, dass Herr Kleber mit der israelischen Politik im Hinblick auf den Iran nicht einverstanden ist.

Generell habe ich bei ZDF-Reportagen aus oder über Israel niemals den Eindruck, als habe man Interesse daran, Israel in irgendeiner Weise „gut“ dastehen zu lassen, vielmehr gibt es doch bei jeder auch noch so belanglosen Sache mit Sicherheit den kleinen Seitenhieb gegen Israel und seine „menschenverachtende Besatzungspolitik“.
Ich habe bisher jedenfalls noch keinen einzigen Beitrag gesehen, der nicht „israelkritisch“ gewesen wäre. An irgendeiner Stelle gibt es immer die Klatsche oder Watschen…. Leider! Und die vielen wunderbaren Aspekte der israelischen Gesellschaft bleiben dabei fast gänzlich außen vor, bzw. werden sofort wieder relativiert durch das „aber, die armen ‚Palästinenser'“.

Das ist übrigens nicht nur im ZDF so, auch die ARD spielt diese Spielchen und ganz besonders das d-radio.

3. Okan (@okispandoki) - 21. März, 2012

Über Ahmedinedschad kann man denken was man will, aber dieses Interview war mehr als nur schlecht und die Berichterstattung zeigt doch wieder mal, dass sie nicht objektiv ist und sich das recht nimmt im vorraus zu urteilen.

Und wo ahmedinedschad recht hat, hat er recht. Die jungen Generationen dürfen nicht mehr wegen dem Holocaust benachteiligt werden, weil Sie nichts damit zu tun haben. Warum sollen meine Kinder jährlich Milliardengeschenke mittels Steuern nach Israel schicken und sich auf internationalem Parkett auf dünnes Eis begeben, nur weil unsere Bundeskanzlerin einmal sagte, dass Deutschland uneingeschränkt auf israelischer Seite stehe.
Israel ist genauso ein Provokant im Nahen Osten und die aktuelle Regierung ist mehr an einem Krieg gegen den Iran interessiert als an einem Frieden.

Auch stellt sich die Frage wer wen interviewt hat. Claus Kleber sollte es in Zukunft lassen, hohe Staatsmänner zu interviewen.
Hier mal eine Videoanalyse:
http://e-newschannel.de/2012/03/1929-zdf-subjektive-berichterstattung-uber-iran

4. Rika - 21. März, 2012

@, Okan,
ich habe Ihren Link nicht gelöscht, aber

bei allem was recht ist, die „Analyse“ des Interview auf „news-channel“ ist doch mehr als einseitig und dürftig.
Davon wird sich jeder überzeugen können, der das Originalinterview anschaut und dann liest, was news-channel daraus macht.

In Deutschland wird niemand von der „jungen Generation wegen dem Holocaust benachteiligt“ jedenfalls nicht von der Generation der Nachkommen der Täter!
Ganz anders sieht es mit der jungen Generation der Juden in Deutschland aus. Ihre Benachteiligung ist vielleicht nicht in „Geld“ zu messen, wie Sie die Benachteiligung „der jungen Generation“ ja wohl verstehen!
Die Benachteiligung reicht viel tiefer und viel weiter. Jüdische Kinder müssen leider nicht nur in Frankreich mit Terroranschlägen rechnen, sondern auch hier in Deutschland. Jüdische Schulen, Synagogen, Jugendzentren und Altenheime stehen unter ständigem Schutz – und das ist leider notwendig in einem Land, in dem der Antisemitismus immer noch sehr aktuell ist.
Die Benachteiligung jüdischer Menschen äußert sich u.a. auch in den vielen persönlichen Traumata, die Juden in Deutschland erlitten haben und unter denen sie (immer noch) leiden, selbst diejenigen, die nach der Nazi-Zeit geboren wurden.

Vieles von dem, was wir Nicht-Juden als große Selbstverständlichkeit tun, reden oder erleben, ist für Juden alles andere als selbstverständlich. Ein winziges Beispiel: In jeder deutschen Stadt können Muslima ohne Probleme mit einem Kopftuch spazieren gehen, das sie als Muslima ausweist, aber kein Jude würde unbehelligt mit der Kipa durch muslimisch dominierte Stadtteile gehen können, durch Stadtteile der „Rechten“ sicher auch nicht! Ich nenne auch das „Benachteiligung“, auch wenn sie nicht als Geldwert berechenbar ist.

Ahmadinedschad leugnet den Holocaust und nennt Israel illegal!
Nicht nur in diesem Interview, sondern wieder und wieder.

Die Welt sollte die versteckten und die deutlichen Ankündigungen gegen Israel ernst nehmen! Sie hat schon einmal einen Mann für unzurechnungsfähig erklärt und seine Ankündigung in Bezug auf die Juden nicht ernst genommen. Das war ein fürchterlicher, ein schrecklicher Fehler, er kostete 6 Millionen Menschen das Leben, zerstörte darüberhinaus unendlich viele Familien und ließ unvorstellbar viele Juden tief verstört und traumatisiert über“leben“!

Ihre und meine Kinder schicken keine Milliardengeschenke nach Israel!
Das ist eine der vielen Propagandalügen mit der Stimmung gegen Israel gemacht wird.

Richtig ist hingegen wohl eher, dass es in Deutschland immer noch sehr, sehr viele Leute gibt, die einen großen Profit durch die „Arisierung“ jüdischer Geschäfte, Firmen, Einrichtungen, Häuser, Grundeigentum und Wohnungen gemacht haben…
Wie viele Werte sich damals Deutsche von Juden unter den Nagel gerissen haben, wieviele Milliarden Mark der deutsche Staat damals von Juden gestohlen hat, das sagen Sie leider nicht. Aber vielleicht haben Sie davon ja auch noch nie gehört????

Darüber wird hierzulande nämlich schamhaft geschwiegen!

5. Rika - 21. März, 2012

an Okan :

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,822369,00.html

Zitat daraus:
„Trotzdem ist Linda, die ihren Nachnamen nicht angeben will, heilfroh nicht mehr in Frankreich zu leben. „Hier ist es viel sicherer als in Frankreich“, sagt sie.

Dort sei der „Antisemitismus unerträglich geworden: Kinder werden auf dem Schulweg drangsaliert, nur weil sie Juden sind“, sagt Linda. Sie selber sei „mitten auf der Champs-Elysées“ Opfer eines solchen Übergriffs geworden: „Ich trug eine Kette mit einem Davidstern. Jemand rempelte mich an. Ich sagte ihm: ‚Dafür kann man sich doch entschuldigen!‘. Er sagte mir nur, dass er sich nicht bei Juden entschuldige.““

Und weiter:
„“Die Atmosphäre in Frankreich ist sehr bedrohlich geworden: Menschen tragen keine Kippa mehr, wenn sie auf der Straße gehen. Sie haben Angst, angepöbelt zu werden.““

Ich halte das nicht für ein typisch französisches Phänomen und bin davon überzeugt, dass es Juden in Deutschland sehr, sehr ähnlich geht!

Wir können dankbar sein, dass ein ähnlich schwerer Anschlag hier noch nicht passiert ist!

6. Yael - 22. März, 2012

„Warum sollen meine Kinder jährlich Milliardengeschenke mittels Steuern nach Israel schicken.“

Warum kommt immer sofort Geld ins Spiel, wenn es um Juden oder Israel geht? Bei anderen Thema stört die Steuer komischerweise nie. Außer vielleicht noch bei Griechenland, aber das wars dann schon in Old Germany.

7. Bernd Dahlenburg - 31. März, 2012

Grüß dich Rika,

zu deinem Satz im ersten Absatz unter dem Video:

Frühere Aussagen zu diesem Themenkomplex hat man gerne mit “Übersetzungsfehler” zu erklären versucht.:

Ich habe noch einmal in meinem Castollux-Archiv gestöbert und das hier gefunden (zum Vergrößern der überaus wichtigen Grafik bitte auf die Abbildung der Transkription klicken, die damals von der israelischen Botschaft veröffentlicht worden war):

http://castollux.blogspot.de/2008/06/ahmadinedschads-vernichtungsrede-oder.html

Vielleicht ist die exakte Richtigstellung zu Katajun Amirpurs dreister Übersetzungslüge in der Süddeutschen Zeitung im Jahr 2008 durch das Jerusalem Center for Public Affairs manchen Lesern nicht mehr richtig in Erinnerung. Deshalb wies ich an dieser Stelle noch einmal darauf hin. Man sollte das bei jeder Gelegenheit ansprechen.

———-
Frau Amirpur betätigt sich heute als Lehrende für „Islamische Studien/Islamische Theologie“.

Vielleicht klärt sie uns einmal über islamische Exegese und historisch-kritische [islamische] Methodik und Formanalyse (z.B. „Sitz im Leben“) auf, wie wir das aus der jüdischen und christlichen Exegese kennen – einer Exegese, die es so in der „islamischen Theologie“ faktisch überhaupt nicht gibt, und selbst wenn es schüchtende Ansätze geben sollte, dann werden sie vom inquisitorischen Kairo sofort ausgebremst.

„Exegese“ gibt es höchstens in der Form, dass man unterschiedliche Rechts-und Traditionsauffassungen innerhalb der Umma durch die Ulema diskutiert (http://de.wikipedia.org/wiki/Ulama). Das ist aber keine Exegetik, wie sie eine [selbst-) kritische Theologie („kritisch“ im Sinne von „gründlich untersuchen“, wie es in der griechischen Übersetzung des NT heißt) als selbstverständlich und unerlässlich hält.

Die an Frau Amirpur ergangene Lehrstuhl-Berufung entbehrt deshalb nicht einer gewissen Logik (und Komik), und geschuldet der unkritischen Islam-Rezeption in Europa generell und der deutschen Kulturministerien im Besonderen. Man muss das auch nicht mehr groß kommentieren, außer z.B. auf eine Reaktion des wie immer sehr sorgfältig arbeitenden Matthias Küntzel auf die Dame mit dem schnippisch-jovialen Gesichtsausdruck im Januar 2010, die eine „Küntzel-Rezension“ versuchte und dabei kläglich scheiterte:

http://www.matthiaskuentzel.de/contents/zum-beispiel-katajun-amirpur

Wer sich über den Iran und dessen irrationalen Mahdi-Fanatismus informieren will, ist bei Matthias Küntzel an der richtigen Adresse.


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