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„Was hat es mit mir gemacht“? 5. Juni, 2012

Posted by Rika in aus meinem kramladen.
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Das Bloggen nämlich!

Seit fünf Jahren schreibe ich hier mehr oder weniger regelmäßig – über meine Befindlichkeiten, Ansichten, Meinungen.

Himmel und Erde war mein Raum als ich begann, mein Thema das Leben und der Glaube „mit allen möglichen Facetten“.  Meinen Horizont wollte ich erweitern und weit sein für die Welt und ihre Menschen.

Bin ich das?

Gegenwärtig erlebe ich mich ganz anders.

In der Fülle der Informationen und der sich so oft widersprechenden Meinungen drohe ich manchmal unterzugehen. Mein Blick ist weiter geworden, dafür empfinde ich meinen Standpunkt umso enger, kleiner, beschränkter.

Muss das so sein?

Wird man selbst „einseitiger“ wenn man sich für das Weite öffnet?

Mir kommt es so vor.  Ich erlebe mich im ständigen Abgleich mit den Meinungen und Ansichten anderer Menschen und je mehr ich aufnehme von dem, was andere denken, meinen, schreiben, umso mehr werde ich mir meines eigenen Standpunktes bewusst und stelle immer wieder fest, dass ich nicht großartig und weitherzig bin. Nein, ich habe keine weltmännisch-weitläufigen Ansichten, ich bin oftmals kleinkariert, engstirnig und  engherzig, statt großzügig und tolerant.

Ich bin eindeutiger geworden durch das Bloggen.

Dabei fällt es mir nicht  leicht eine Stellung zu beziehen und eine Meinung zu vertreten, die nicht im „Mainstream meiner Blogroll“ anzutreffen ist oder gar den dortigen „Meinungsmachern“ entgegensteht.

Das erlebe ich besonders deutlich in der Auseinandersetzung mit dem Thema „Islam“, bei dem mir jegliche Toleranz abhanden gekommen ist. Das war früher anders.   Manchmal werde ich beschämt ob meiner Engherzigkeit und dann wieder denke ich, dass gerade bei diesem Thema ein klarer und eindeutiger Standpunkt gefragt ist.  Gleichmacherei,  Abwiegeln, Schönreden oder nach dem Munde reden nicht angebracht sind, weder in die eine, noch in die andere Richtung.

Ich erlebe diese Situation als schwierig. Ich möchte nicht in eine rechte, islamophobe Ecke gestellt werden und merke aber beim Lesen anderer Meinungen,  dass man meine Äußerungen in genau diese Ecke stellen könnte. Das löst Unbehagen aus. Wer steht schon gern allein oder, was noch schlimmer wäre, in einer Gruppe mit Leuten, mit denen man eigentlich nichts zu tun haben will?

Als junges Mädchen habe ich gern ein Lied in meiner Junschargruppe gesungen,  das mit diesen Worten begann: „Du Mensch im Strudel unserer Zeit, so steh doch endlich still…“  Der Strudel unserer Zeit ist in den 50 Jahren seither eher noch heftiger noch größer noch schneller geworden und das „was Gott der Herr der Herrlichkeit“ mir sagen will, wie es in dem Lied weiter heißt, noch mehr unterzugehen droht in der Flut der Informationen und Meinungen. Ich möchte hören können, was „Gott der Herr der Herrlichkeit“ sagt, aber ich kann manchmal seine Stimme von denen der vielen anderen „Sagern“ nicht unterscheiden.   Und was mache ich dann?  Will ich zu denen gehören, die man mit dem unschönen Begriff „Fundamentalist“ belegt, weil sie sich (einzig) darauf verlassen, was ihnen die Bibel, das Wort Gottes sagt?    Und was ist mit den vielen Möglichkeiten zur freien Interpretation, zu einem „sollte Gott gesagt haben“?

Nehme ich mich selbst wahr und ernst?

Und wenn ich völlig darauf verzichte in meinem Blog über Gott nachzudenken und mich nur noch auf das Gärtchen und Kochrezepte beschränke oder auf meine Wiese am Meer und allenfalls noch auf Israel, dem anderen Thema, das mich hier sehr beschäftigt und bei dem ich sehr eindeutig bin? Geht das? Kann ich alles Schwierige, Uneindeutige, Mehrdimensionale aus meinem Denken, Fühlen, Schreiben ausklammern, um besser klar zu kommen in einer Welt, die alles andere als eindeutig und eindimensional ist, deren Probleme schwieriger und unlösbarer erscheinen, je mehr man sich mit ihnen beschäftigt?

Will ich das?

„Was macht das mit dir?“

Eine beliebte Frage in Selbsterfahrungsgruppen  – und inzwischen  zu oft zum „running gag“ verkommen.

Was macht das mit mir?

Was mache ich damit?

Ich behalte „es“ im Blick – das um mich herum und meine innere Auseinandersetzung damit.

Damit ich eindeutig und offen sein kann, heute und morgen.

Aber vielleicht werde ich nicht mehr so viel aufschreiben von dem, was mich bewegt und vielleicht doch mehr über die Wiese am Meer und das Gärtchen erzählen.

Weil es mir und meiner Seele einfach besser bekommt.

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Kommentare»

1. Paul - 6. Juni, 2012

Liebe Rika,
darauf kann ich nicht sofort antworten. Das muss ich erst „in meinem Herzen bewegen“.
Aber es ist gut, darüber nachzudenken. Weil ich im Augenblick nicht die Ruhe dazu habe, werde ich später darauf zurück kommen.
LG Paul

2. Velia - 7. Juni, 2012

„Damit ich eindeutig und offen sein kann, heute und morgen.“ –
Was genau ist damit gemeint? Wer will das wirklich – zu allen Seiten offen sein?
Es gibt ein „schönes“ Sprichwort: „Wer zu allen Seiten offen ist, kann nicht ganz dicht sein.“
Da ist doch was Wahres dran, oder?!

3. Rika - 7. Juni, 2012

@““Wer zu allen Seiten offen ist, kann nicht ganz dicht sein.”

Ein Wortspiel, das mit verschiedenen Assoziationen arbeitet….

Dicht sein. Zu machen.
Nicht ganz dicht sein – als Synonym für meschugge…?

Ich habe nicht gesagt, dass ich „nach allen Seiten offen“ sein will.
Ich will offen sein.
Will mich und meine Meinungen und Ansichten nicht absolut setzen.
Möchte wahrnehmen, was andere Menschen denken, fühlen, äußern.
Aber ich möchte mich nicht abhängig machen von den anderen Meinungen und Äußerungen – und ich möchte eindeutig sein, das heißt, nicht herumeiern, wenn A dies sagt und B jenes und C weder A noch B gut findet. Und wenn ich heute eine Meinung zu einer Situation habe, möchte ich sie auch dann noch vertreten, wenn eine geschätzte Bloggerin, ein netter Blogger das Gegenteil von dem, was ich für mich als „Standpunkt“ erkannt habe, vertritt – es sei denn, ihre / seine Argumente würden so eindeutig sein, dass ich erkennen müsste, mich im Irrtum zu befinden mit meinen Annahmen und Überzeugungen.

Ich will mich nicht verbiegen – nur um möglichst vielen Leuten zu gefallen.
Ich möchte verlässlich sein mit dem was ich sage.

Ich möchte keine Vorurteile zu Urteilen erheben über andere Menschen und ihre Ansichten….

Ich möchte offen bleiben – auch wenn es mich verletzbar macht.

4. Velia - 8. Juni, 2012

@rika
Wer sich als Christ bekennt, setzt schon mal seinen Glauben „absolut“ (zumindest für die eigene Person)! Tut er das nicht, muss man sich fragen, was das für ein Glaube ist.

Offen sein in (der mir eigenen) Eindeutigkeit – das ist ein gutes Motto! Auf den anderen zugehen, ihm offen zu begegnen, ihn ernst nehmen etc.

Wenn etwas für mich „absolut“ gültig ist, gilt das zunächst nur für mich! Ich bin aber in der Lage, den anderen so stehen zu lassen, wie er ist – mit all seinen „Macken“ und „Vorzügen“!

Auch andere vertreten ihren Standpunkt – manchmal sehr vehement, was nicht gleichbedeutend ist mit „dem anderen meine Meinung aufzwingen“ (was auch gar nicht ginge).

Alles Liebe und Shalom!

5. AMC - 9. Juni, 2012

Das ist wahrscheinlich gar nicht so schwer zu definieren. Wenn Du ein toleranter Mensch bist, heißt das doch nicht, dass Du alles tolerieren musst, was eine bestimmte Gruppe oder ein Mensch tut. Die Haltung sollte tolerant sein, der Standpunkt aber eindeutig.

6. theomix - 11. Juni, 2012

Nachträglich herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! 🙂
Bei aller „eindeutigen“ Darstellung immer wieder laut Selbstreflexion und kritisches Hinterfragen der eigenen Position – auf anderen Blogs findet sich so etwas nicht, und ich finde, das ist „Christenpflicht“.
Das Abo bleibt! 😉

7. theatine - 15. Juni, 2012

Ich finde es gut, wenn man sich selbst hinterfragt und ich finde, liebe Rika, das hast Du sehr gut formuliert und ja, das inspiriert mich auch zum Nach- und Weiterdenken. Wie oft begegne ich Anderen mit Vorurteilen, wie sehr verharre ich auf meinen Meinungen, nur, um nicht nachzugeben und weil ich direkt und ehrlich sein will , einen Standpunkt beziehen möchte und nicht „Wischiwaschi – Einheitsbrei“ sein mag. Danke für den Artikel! Liebe Grüße! 🙂

8. Paul - 21. Juni, 2012

Liebe Rika,
ich habe Dich und mein Versprechen nicht vergessen. Habe immer wieder, nicht ständig, daran gedacht, ob es möglich ist die Erwartungen, die Du in Bezug auf den Blog hast, überhaupt zu erfüllen.
Um es vorweg zu nehmen. Ich weiß es nicht.

Eines weiß ich aber. Zufrieden fühle ich mich nur, wenn meine Erwartungen erfüllt werden. Deshalb neige ich dazu die Erwartungen nicht zu hoch anzusetzen.

Als ich vor etwa zwei Jahren, nachdem mein Schwiegersohn mir seinen abgelegten, weil zu langsamen, PC geschenkt hat, Zugang zur Internetgemeinde fand, war ich zunächst erstaunt. Eigentlich wollte ich keinen PC haben, weil der für mich immer nur ein Synonym für Kartenspiele, irgendwelche Kalkulationen und, nicht zu vergessen, eine Superschreibmaschine, war. Meine berufliche Erfahrung endeten 1995 und die private 1998 mit einem PC von 1990. Als mit dem alten Ding nichts mehr ging, hat mir nichts gefehlt. Meine Einstellung: Brauch ich nicht, will ich nicht.

Inzwischen hat sich mir mit dem PC eine neue interessante Welt eröffnet und vielfältige Möglichkeiten diese Welt zu erobern, zu nutzen. Nachdem er von 96 auf XP ‚aufgerüstet‘ wurde, bin ich zufrieden.
Meine ersten unbeholfenen Gehversuche, noch mit 96 startete ich beim Tagesspiegel.

Folgendes Profil habe ich mir dort zugelegt:

Über mich:
Ich bin ein unabhängiger Bürger. Darauf bin ich stolz. Katholisch bin ich auch. Konservativ (politisch und religiös) bin ich auch.

Was ich gerne mag:
Gedanken austauschen, diskutieren, auch mal schimpfen und streiten, andere Meinungen erfahren, dazulernen. Bücher, im Internet stöbern, Camping, AKW’s.

Was ich nicht mag:
Arroganz, Unwissenheit, Faulheit, ungerechtfertigte Angriffe – egal auf wen. Intoleranz, political correctness, alles „Alternative“ und „Erneuerbare“ weil meistens Schwindel.

Dieses Profil ist nach und nach entstanden. Jetzt gilt es aber schon mindestens ein Jahr.

Weshalb schreibe ich Dir das?

Diese Beschreibung entspricht meinen Anforderungen. Sie gilt auch für die Bloggerwelt, die ich erst später, rein zufällig, entdeckt habe. Mein Einstieg war bei Lila. Das hat mir so gut gefallen, dass ich jetzt eine gewisse Stammbloggerschaft – also meine kleine Bloggerwelt – habe, in der ich mich bewege und in der wir uns auch hin und wieder begegnen.
Blogs, die so garnicht meiner Meinung entsprechen, vermeide ich. Kommentatoren, denen ich begegne und deren Meinung mir nicht gefällt, bekommen auch schon mal ‚Saueres‘.
Allerdings nehme ich das nicht so ernst. Lasse auch irgendwelche Meinungen, besonders für mich abartige, nicht an mich heran. Im Blog gelingt es mir besser meine Impulsivität zu beherrschen, als im persönlichen Gespräch. Dort können dann schon mal die ‚Pferde“mit mir durchgehen.

Gerne greife ich auch Themen in einem Zwiegespräch auf. Diese Situation finde ich eigentlich am schönsten, weil sich daraus so etwas wie eine Bloggerfreundschaft ergeben kann. Vergleichbar etwa der früheren Brieffreundschaft.
Das sind dann unabhängig von der Tagesaktualität Sternstunden beim bloggen.

Da ich nicht versiert genug bin, werde ich auch keinen eigenen Blog einrichten. Deshalb kann ich also fast nur Themen, die vorgegeben sind, aufgreifen und nicht selber welche anstoßen.
Direkt religiösen Themen bin ich aber noch nicht begegnet. Oder sie waren so abgehoben, dass ich mich gleich wieder zurückgezogen habe. Ich wusste garnicht wiviele religiöse Spinner es gibt. Natürlich, politische noch mehr.

In dieser Welt, meiner kleinen Bloggerwelt, fühle ich mich wohl. Sie bereichert mich sehr und ich freue mich schon jeden Tag auf sie.
Das liegt daran, dass meine Anforderungen, meine Erwartungen erfüllt werden.

Es liegt also an Dir, ob Du zufrieden bist oder nicht. Übrigens, für das wirkliche Leben gelten die gleichen Kriterien.
Ich danke Gott jeden Tag dafür, dass er mir die Gabe gegeben hat, diese Zufriedenheit zu erfahren.
Das bedeutet nun nicht, dass ich immer und mit allem zufrieden bin. Aber ich kann sagen: Wenn ich Alles in Allem nehme, war und ist es gut.

Einige Sprüche, selbst erdachte und angelesene, helfen mir dabei.

Wegen der Krankheit meiner Frau (MS) müssen wir natürlich mit einigen Einschränkungen leben. Folgender Spruch hilft mir:

„Wenn meckern helfen würde, würde ich jeden Tag meckern. Da mir das Meckern auch noch den Rest Lebensfreude vergällt, also sogar schädlich ist, lasse ich es sein.“

Oder der:

„Das ist die wahre Weisheit:
nicht trauern über das,
was nicht sein kann,
und sich dankbar freuen dessen,
was man hat.
(Augustin Wibbeit)

Deshalb Rika, kann ich nur den Rat geben, den Du Dir selbst gegeben hast:
„Aber vielleicht werde ich nicht mehr so viel aufschreiben von dem, was mich bewegt und vielleicht doch mehr über die Wiese am Meer und das Gärtchen erzählen.“

Wenn Du das machst ist es richtig. Und wer das auch findet, der wird Dich hier besuchen. Das reicht doch?
Aber wenn Du Dich anders entscheidest, ist es auch in Ordnung.

Du darfst auch nicht zu ‚hamoniesüchtig“ sein.
Unterschiedliche Meinungen müssen auch mal nebeneinader stehen bleiben. Das ist doch auch gut.
Neulich hat mir jemand, mit dessen Meinung ich beim besten Willen nicht übereinstimmen konnte, nach einem Gedankenaustausch mitgeteilt: „In der Verschiedenheit einig.“
Das löste meine Verkrampfung schlagartig.

Auch bestehe ich nicht darauf im Besitz der alleingültigen Wahrheit zu sein. (Das fällt manchmal schon schwer.) Das eröffnet mir dann die Möglichkeit die Auffassung zu wechseln.

Indem ich Dir weiterhin „Gut Blog“ 😀 wünsche,
grüße ich Dich ganz herzlich.
Paul


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