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Kinder? Nein, danke, woll’n wir uns nicht leisten! 12. Juni, 2012

Posted by Rika in gesellschaft, Kinder - Famile, meine persönliche presseschau.
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Fachkräfte müssen her, für die Wirtschaft natürlich!

Kinder stören da eher – selbst wenn sie die Fachkräfte von morgen sein könnten. Kinder hindern ihre Mütter an selbstbestimmter und gesellschaftlich wertvoller Arbeit bei Schlecker oder Lidl, in Versicherungen, Banken  oder Krankenhäusern.

Und Kinder sind teuer!

Viele Kinder sind ihren Eltern teuer, so teuer, dass Mama und Papa alles für ihre Kinder tun (würden), und wenn es das letzte Hemd kostet.

Der Staat sieht das nicht so eng.

Da dürfen Kinder vor allem eines NICHT:   Etwas kosten!

Leicht lässt sich das ablesen an den Einrichtungen, die für die außerhäusige Betreuung und Bildung unserer Kinder zuständig sind, an Kindergärten – neumodisch Kitas genannt – an Schulen und den weiter führenden Bildungseinrichtungen, ja sogar an so profanen Dingen wie Spielplätzen oder  Kinderstühlen und Wickelräumen in Restaurants, z. B.

Besonders „kostbar“ sind Kinder aber für die Kommunen, die die Gehälter des pädagogisch tätigen Personals in den pädagogisch wertvollen Kitas bezahlen müssen. Und da kommt man doch schon mal auf die eine oder andere Idee, wie man dieses Problem kostengünstig, am besten sogar kostenneutral lösen könnte.  Soviel Qualität wie möglich für so wenig Geld wie möglich. Schließlich können wir es ja der Gesellschaft nicht zumuten, viel Geld in (unsere) Kinder zu investieren.

Und so spart man doch am besten an den Gehältern der Erzieherinnen und Erzieher. Das sind in den Augen der meisten Menschen die „Kindergärtnerinnen“, die auf die lieben Kleinen aufpassen, ihnen die Nase oder den Po putzen, schöne Liedchen mit ihnen trällern und Geschichten erzählen oder vorlesen. Hartnäckig hält sich diese Vorstellung von Kindergarten und Personal.

Dabei verkennen die meisten Menschen – oder wissen es vielleicht auch nicht -, dass die Erzieher, Erzieherinnen eine anspruchsvolle, mehrjährige Berufsfachschulausbildung durchlaufen. Hier in Niedersachsen dauert sie 4 Jahre. Die Ausbildung umfasst eine umfangreiche pädagogisch – psychologische Grundausbildung mit einem hohen Anteil an Fachpraxis, den die Berufsfachschüler in Kindertagesstätten erhalten.

Wer aber denkt, dass diese Ausbildung auch angemessen honoriert wird durch ein Gehalt, von dem Mann oder Frau eine eigene Familie gut ernähren könnte, sieht sich getäuscht. Noch immer gehen nämlich die Finanzstrategen der Kommunen von der Vorstellung aus, dass die „Kindergärtnerin“ sich lediglich ein Zubrot zum Einkommen ihres Mannes verdient. Männliche Erzieher als „Haupternährer“ der Familie sind in diesen Vorstellungen ohnehin nicht vorgesehen.

Ein Sachbearbeiter bei einer Bank oder Versicherung mit gleichen Zugangsvoraussetzungen (qualifizierter Realschulabschluss) und gleicher Ausbildungsqualität und -dauer kann vermutlich ein höheres Einkommen vorweisen, als Erzieherinnen und Erzieher in der Regel erhalten.

Nun werden einige vermutlich sagen, dass Bank- oder Versicherungsangestellte ja auch einen hohen Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg unseres Gemeinwesens leisten und daher die höhere Entlohnung auch gerechtfertigt sei.

Was kann für die Gesellschaft wichtiger sein als eine wirklich gute Bildung und Betreuung ihres Nachwuchses? Und wenn schon  die wirtschaftlichen Gegebenheiten unserer Gesellschaft es notwendig machen, dass Mütter so früh wie möglich wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, dann sollte doch die Gesellschaft auch dafür sorgen, dass es den Kindern an nichts mangelt: Nicht an ansprechenden Räumen, nicht an qualifizierten Mitarbeitern in den Kitas, nicht an liebevoller Betreuung.

Das aber kostet!

Kostet richtig viel Geld!

Und darum ist es eine hanebüchene Veranstaltung, die wir in der Frage von „Herdprämie versus Kitaplatz“ derzeit erleben.

Völlig grotesk aber wird die Geschichte  durch die „netten“ Überlegungen, die zur „kostengünstigen Kita“ angestellt werden, wie spon berichtet:

1000 Euro brutto pro Monat – so niedrig ist laut Linkspartei das Gehalt mancher Erzieherinnen in Sachsen. Die Frauen liegen damit rund 50 Prozent unter Tarif. Der „Saarbrücker Zeitung“ zufolge gibt es einen drastischen Anstieg von Leiharbeit in Kindergärten.

Und wie man in der Regierung über die Wertarbeit  „Erziehung“ denkt, macht dieser Absatz aus dem spon-Bericht deutlich:

Auch der jüngste Plan von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen dürfte kaum zu einer besseren Bezahlung von Erziehern beitragen. Sie setzt auf die Umschulung von Arbeitslosen – zum Beispiel von den Tausenden Schlecker-Mitarbeiterinnen, die im Zuge der Pleite ihren Job verloren haben. Gewerkschafter kritisieren den Plan als „beschämend“ da von der Leyen suggeriere, der Erzieherberuf sei leicht zu erlernen und von jedem ausführbar.

„Erziehen kann jeder, schließlich war ja jeder mal selbst ein Kind und ist irgendwie damit klar gekommen und unsere Mütter waren ja in den meisten Fällen auch keine Fachkräfte“, könnte man als gedankliche Argumentation hinter diesen abstrusen Plänen der Ministerin vermuten.  (Übrigens ein ähnliches Denkschema, das vielen Lehrern bei Eltern begegnet, die meinen, Schule machen könne jeder und sie ganz besonders!)

Kinder,  so wird mir wieder einmal an diesem Artikel deutlich,  sind „uns“  offensichtlich nichts wert…

„Deutschland schafft sich ab“  schrieb Tilo Sarrazin und entfachte einen Sturm der Empörung…

Die Empörung angesichts einer desaströser Familienpolitik bleibt hingegen aus.

Ich halte das für den eigentlichen Skandal.

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Kommentare»

1. Paul - 12. Juni, 2012

Rika, ich möchte Deine Überlegungen durch eigene Anmerkungen und Gedanken ergänzen.

Die Entlohnung für geleistete Arbeit, ich bezeichne das Gehalt mal so, ist ein sehr weites Feld.
Die Höhe der Gehälter wird heute noch beeinflusst durch deren Vergangenheit.
Nur mal ein Beispiel. Es gibt für die gleiche Tätigkeit in Deutschland gravierende Unterschiede in der Bezahlung, weil es X verschiedene Tarifgebiete gibt. Z.B. in der Gebäudereinigerbranche verdient ein Mitarbeiter in Berlin oder München sehr viel mehr als z. B. in Brandenburg. Brandenburg hat sogar noch zwei unterschiedliche Tarifgebiete. Angeblich sollen am Anfang mal die Lebenshaltungskosten die Ursache gewesen sein, die eben in Großstädten höher sind als auf dem flachen Land.
Diese Tarifunterschiede gibt es überall. Auch Lehrer bekommen in den einzelnen Bundesländern völlig unterschiedliche Gehälter.
Von wegen: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, hat es noch nie gegeben und wird es auch nie geben.

Ein weiterer Grund für die unterschiedliche Entlohnung ist die Ertragslage der Branche.
Es gibt Branchen in denen, bezogen auf die Arbeitsstunde, ein höherer Gewinn entsteht als in anderen. An diesem höheren Gewinn wird der Arbeitnehmer beteiligt. Das bedeutet auch, dass die Sekräterin in diesen Betrieben mehr verdient als in anderen. Das ist Ausdruck einer gewissen Gewinnteilhabe.
Also auch hier: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, wer will das schon und wer kann es bezahlen?

Nun setzt Du Mitarbeiter in Banken und Versicherungen in’s Verhältnis zu Erziehern. (Wenn ich das so schreibe, ist das nicht die männliche Form, sondern die Mehrzahl. 😀 Nur damit keine Mißverständnisse entstehen.)
Banken und Versicherungen erzielen Gewinn. Kitas kosten Geld. Das ist der Unterschied auch bei der Bezahlung der Mitarbeiter.
Der Arbeitgebetr, das sind wir, ist nicht bereit mehr Steuern zu bezahlen für eine höhere Entlohnung der Erzieher. Das kann man beklage, aber ändern wird sich das nicht. Der Ausweg wäre eine höhere Eigenbeteiligung der direkten Nutzer. Der ist auch nicht wirklich vorhanden, weil der Nutzer nicht mehr zahlen will oder kann.
Ich sehe keinen Ausweg.

Die Bezahlung ist also kein Entgelt für die Qualifikation, sondern entweder eine wirtschaftliche Vereinbarung (bei gewinnorientierten Betrieben) oder eine gesellschaftliche Vereinbarung (im Konsumtionsbereich). Daran kann man nichts ändern.

Wenn Frau von der Leyen der Meinung ist, dass jede Schleckerverkäuferin die Arbeit einer Erzieherin ohne weiteres verrichten kann, dann soll sie doch die Fachschulausbildung für Erzieher abschaffen. Da würde der Staat viel Geld sparen. Solange sie aber nur „dumm daherquatscht“ sollte sie ihren Namen in ‚Laien‘ ändern. Sicherlich ist sie in dieser Frage auch Laie.
Trotzdem darf schon die Frage erlaubt sein, ob eine Kindergärtnerin für die Berufsausübung einen Fachschulabschluss braucht. Geht es nicht ohne Qualitätsverlust auch ‚eine Nummer kleiner‘? Der Eindruck, dass wir uns eine gewisse Überqualifikation leisten, die nicht zu einer adäquaten Qualitätssteigerung geführt hat, ist m.E. aber nicht ganz, und vor allem nicht vorschnell, von der Hand zu weisen.

Ein Beispiel aus meiner Umgebung.
Ein Sozialarbeiter (ja ein Mann) mit Fachschulabschluss arbeitet in der Kita. Ist das die zutreffende Qualifikation, die ihn befähigt mit 2-6jährigen Kindern zu arbeiten?

Soweit einige Anmerkungen.
Zur „Herdprämie“ selbst sage ich nichts. Nur soviel: Wie alle Steuerungsmaßnahmen wird sie auch wieder missbraucht werden und das eigentliche Ziel (was ist eigentlich das Ziel?) wird nicht erreicht.
Bin ich da zu pessimistisch?

2. Rika - 12. Juni, 2012

Paul,
zu den finanziellen Fragen und Problemen will und kann ich auch nicht viel (eigentlich gar nichts 😉 )sagen, davon verstehe ich nicht viel (eigentlich nichts 😉 )!

Zur Ausbildung der pädagogischen Mitarbeiter in den Kitas kann ich sehr wohl etwas sagen, davon verstehe ich zumindest genug… 😉

Nein, ganz entschieden NEIN, es geht „keine Nummer kleiner“.

Denn Erziehrinnen und Erzieher sind keine besseren Babysitter, die „nur“ dafür da sind darüber zu wachen, dass die lieben Kleinen weder ausbüxen, noch in Gefahr geraten. Sie sind auch nicht dazu da, Windeln zu wechseln oder Essen anzureichen, wenngleich sie auch diese Aufgaben übernehmen.
Erzieherinnen und Erzieher begleiten und fördern die Kinder in ihrer geistigen und körperlichen Entwicklung. Sie sind oftmals die einzigen, die aus „neutraler Position“ die Kinder wahrnehmen, so obliegt es ihnen eben auch, Kinder sehr genau zu beobachten, die Entwicklung der Kinder zu dokumentieren, etwaige Fehlentwicklungen rechtzeitig zu erkennen und geeignete Massnahmen selber zu ergreifen oder weitere professionelle Hilfe anzufordern.
Erziehrinnen und Erzieher schulen das Sprachvermögen und die motorischen Fähigkeiten der Kinder, üben mit ihnen soziales Verhalten ein und sind Ansprechpartner für die Eltern. Dies ist umso wichtiger, je mehr Zeit die Kinder in einer Kita verbringen und je weniger die Eltern selbst den Entwicklungsprozess begleiten können.
Für alle diese Aufgaben müssen die pädagogischen Mitarbeiter gute Kenntnisse u.a. auch in Entwicklungspsychologie haben. Sie müssen methodisch fit sein, Ahnung haben von gruppendynamischen Prozessen, und und und.

Für viele Kinder ist die Kita der einzige Ort, in dem sie so etwas wie eine Frühförderung erhalten, weil die Eltern einfach nicht in der Lage sind, die für die Entwicklung des Kindes notwendigen Bedürfnisse kindgerecht zu erfüllen. Und Frühförderung ist eben mehr als „Backe, backe Kuchen“ mit den Kindern zu spielen, aber viele Eltern kriegen nicht mal das fertig!

Entsprechend gute Mitarbeiter kann man eben nicht mit einer Ausbildung „eine Nummer kleiner“ gewährleisten.
Im Gegenteil. Es wird intensiv daran gearbeitet, die Erzieherausbildung an Fachhochschulen anzusiedeln, wie es in anderen Ländern schon längst der Fall ist.
Wer immer noch glaubt, eine Gruppe von Kindern wenig oder gar nicht ausgebildeten Menschen überlassen zu können und dabei auch noch pädagogische Qualität erwartet, ist auf dem Holzweg.
Das heißt ja nicht, dass unanausgebildete Leute den Kindern nicht mit liebevoller Herzlichkeit begegnen können, dafür braucht man in der Tat keine höhere Ausbildung, aber mit gutem Willen allein und einem Herz für Kinder ist es nun einmal nicht getan.

Was Männer an Kitas angeht ist zu sagen, dass sie dort dringend gebraucht werden! Nicht um Nägel in Wände zu kloppen oder körperlich schwere Lasten zu tragen. Heutzutage fehlt es vielen
Jungen und Mädchen zunehmend an männlichen Vorbildern, viele Kinder wachsen mit nur einem , meistens weiblichen Elternteil auf. Die Männer sind darum in den Kitas und Schulen dringend erforderlich.
Und auch da gilt natürlich: je besser sie ausgebildet sind, umso besser für die Kinder!

********************************************************************
Aber leider gibt es natürlich auch in den Kitas – wie in allen Berufen – Menschen, die ihren Beruf „verfehlt“ haben. Im Umgang mit Kindern ist das natürlich besonders bitter!
Ich denke jedoch, dass während einer guten Ausbildung die Betreffenden ziemlich schnell merken, dass sie auf dem „falschen Dampfer“ sind. Hoffe ich jedenfalls!!!!

3. Paul - 13. Juni, 2012

Rika, ich kann Dir in Allem was Du schreibst zustimmen.
Aber, kann es sein, dass Du die Theorie beschreibst und die Praxis ganz anders ist?

Meine Tochter ist Erzieherin. In der DDR war sie Krippenerzieherin (das war auch eine Fachschulausbildung) und hat in einer Kinderkrippe gearbeitet. Nach der Wende war sie in einer Kita (Kinder von 2-6). Jetzt arbeitet sie in einem Hort an einer Schule und die Berufsbezeichnung wurde in Erzieherin umgewandelt. Aus Eigeninteresse hat sie nach der Wende alle möglichen Lehrgänge und Kurse besucht.
Sie liebt ihren Beruf und hat sich immer wieder Arbeitsstellen gesucht, bei Leiterinnen, die wirklich an Arbeitsleistung interessiert waren. Über diese Einstellung zur Arbeit freue ich mich.

Wie sieht die Praxis aus? Und zwar beinahe durchgängig.
Die planmäßige Gruppengröße erlaubt nur eigeschränkt die Erfüllung der von Dir genannten Anforderungen. Aber leider muss sie fast durchgängig mehr Kinder betreuen. Sei es wegen Arbeitskräftemangel (DDR) oder wegen überbordender Krankschreibungen (jetzt) und ebenfalls nicht besetzter Planstellen.
Hinzu kommt die fehlende Leistungsbereitschaft der meisten Kolleginnen. Sehr oft musste sie sich von ihren Kolleginnen vorhalten lassen, dass sie mit ihrem Engagement ‚die Preise verderben würde‘. Auch die Leiterinnen haben sie oft nicht unterstützt.
Das führte dazu, dass sie immer unzufriedener wurde.

Vor einiger Zeit ist es ihr gelungen an eine Schule mit auch behinderten Kindern, meistens Sprachstörungen, versetzt zu werden. Seitdem ist sie glücklich. Die Gruppen sind kleiner und ihre Leistungsbereitschaft wird nicht nur gefordert und gefördert sondern auch anerkannt.

Diese Situation gilt für staatliche Einrichtungen. Nach meinem Eindruck und was ich so höre, wohl durchgängig.

Von all den hehren Ansprüchen die Du aufgezählt hast bleibt in der Praxis wohl kaum was übrig. Vielleicht ist das auch die Grundlage für die Äußerung der „Laiin“?

Zu unserer Kath. Pfarrei gehört auch eine Kita. Dort weht allerdings und Gott sei Dank, ein anderer Wind.
Meine Tochter wollte aber nicht dort arbeiten, weil sie einen Teil der sozialen Sicherheit (z.B. Unkündbarkeit) des kommunalen Bereichs aufgeben müsste.

Dies sind meine Beobachtungen. Allerdings muss ich zugeben, dass mir der große Überblick fehlt. Vielleicht ist es auch ein verzerrender Blickwinkel. Allerdings glaube ich schon, dass der Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit, wie fast überall, sehr groß ist.

——————————-
Zu den Ausbildungsbezeichnungen habe ich ein sehr kritisches Verhältnis.
In der DDR gab es diesen „Qualifizierungswahn“ auch.
Um in den, auch internationalen, Statistiken besser dazustehen, wurden ständig neue Facharbeiterberufe kreiert. Ein Freund von mir war Beleuchter bei der DEFA. Anfang der 50ger Jahre war dies ein ungelernter Beruf, d.h. es wurden keine Qualifizierungsanforderungen bei der Einstellung gestellt. Später wurde er nach einem Minilehrgang ‚Facharbeiter für Beleuchtungstechnik‘.
Besonders absurd wurde es durch die Eiführung der Bezeichnung ‚Teilfacharbeiter‘. Dadurch wurde z.B. in Gärtnereien jede Hilfskraft in den Status des Facharbeiters gehoben. Das alles, wie mir gesagt wurde, wegen der Statistik. Die DDR wurde dadurch zu einem Land der Hochgebildeten.
Es gab auch keine Grundschulen mehr, sondern nur noch Oberschulen (bis zur 10.Klasse). Bis zum Abitur ging man dann in eine Erweiterte Oberschule.
Meinst Du, dass die Schüler heute, nach 10 Klassen mehr wissen, als wir früher nach 8 Klassen?
Wenn ich ältere Herren traf, die Jahrzehnte vor mir das Abitur gemacht hatten, dann war ich über ihr präsentes Schulwissen ganz erstaunt.
Wenn ich mich heute mit einem Abiturienten unterhalte, dann bin ich auch erstaunt. 😀
Was will ich damit sagen?
Ich bin der Meinung, dass das Bildungsniveau in den letzten hundert Jahren ständig gesunken ist. Das geht hin bis zum Universitätsabschluss.

Gut, teilweise wird heute ein anderes Wissen vermittelt und angefragt als früher.
Schon uns sagte ein Professor: „Sie müssen nicht alles wissen. Sie müssen nur wissen wo es steht.“
Das trifft heute noch mehr zu. Nur mit dem Unterschied, dass ich heute wissen muss wie ich im Internet das Wissen ausfindig machen kann.

Dieser Fachschul- und Hochschulwahn hat dazu geführt, dass ich früher z.B. eine Lehre als Kaufmann absolviert habe. Damit konnte ich bestimmte Aufgaben in einem Betrieb erledigen. Heute muss ich dazu Diplomkaufmann (ach so, den gibt es wohl nicht mehr), also Diplombetriebswirtschaftler sein. Mein Eindruck: Das abgeschlossene Hochschulstudium ersetzt heute den früheren Lehrberufsabschluss. Jedenfalls trifft das in einigen Wirtschaftsbereichen m.E. zu.
Es kommt aber für mich nicht darauf an, was drauf steht, sondern was drin ist.
Soviel zum Fachschulwahn.

————-
Übrigens, haben wir das von Amerika übernommen?
Ist dort nicht auch jede allgemeinbildende Schule eine ‚Hochschule‘?
Auch der Bachelor geht doch in die Richtung weniger Wissen, aber einen hochtrabenden Namen und vor allem: einen Universitätsabschluss.
Oder irre ich mich?

4. Was darf es denn kosten? | himmel und erde - 28. Mai, 2015

[…] Kinder? Nein, danke, woll’n wir uns nicht leisten! […]


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