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Kleine Ursache – große Wirkung…. 28. Juni, 2012

Posted by Rika in aus meinem kramladen, christsein und glaube, gesellschaft, islam, judentum, meine persönliche presseschau.
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Die zwar sachgemäße, aber dennoch nicht komplikationslose Beschneidung eines muslimischen Knaben hat unabsehbare Folgen nach sich gezogen.

Ganz sicher habe die Eltern des Kindes nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, als sie, gemäß ihrer religiösen Überzeugung und Tradition den Sohn von einem Arzt beschneiden ließen. Und ebenso sicher war es vernünftig mit dem Kind eine Klinik aufzusuchen, als sich Komplikationen einstellten, die wohl weder die Eltern, noch der Arzt willentlich-wissentlich in Kauf genommen hatten.

In dem Artikel des focus – der „natürlich“ die Empörungs des Zentralrates der Juden in der Artikelüberschrift hervorhebt – heißt es lapidar:

Davon erfuhr die Kölner Staatsanwaltschaft und erhob Anklage gegen den Arzt. Das Amtsgericht Köln sprach den Mediziner in erster Instanz frei, weil eine Einwilligung der Eltern vorgelegen habe.

(Einschub: das „natürlich“ bezieht sich auf die Tatsache, dass hier der focus Juden in ein negatives Licht rückt – wieder einmal und das in einer Zeit, in der antisemitische Tendenzen stärker und stärker werden – und nicht etwa den Zentralrat der Muslime zitiert, die ja genauso und mit Recht empört sind, zumal es ein muslimisches Kind war, das den Stein ins Rollen brachte.)

Wer hat da gepetzt und warum?

Ich will weder meine Vermutungen als „Tatsachen“ darstellen   noch böswillige Unterstellungen betreiben. Aber es scheint doch so zu sein, dass das „Beschneidungsritual“ jemandem ganz schön gegen den Strich ging und er / sie die Gunst der Stunde nutzte, um grundsätzlich feststellen zu lassen, inwiefern die Entfernung der Vorhaut aus religiösen Gründen rechtens ist oder nicht.

Denkbar ist aber auch, dass der oder die Jemand dem behandelnden Arzt ein bisschen in die Suppe spucken wollte… die Abgründe des menschlichen Seins sind unergründbar….!

Vermutlich hat die Staatanwaltschaft aber davon erfahren, weil die Komplikation in Zusammenhang mit einer religiösen Handlung steht, denn es ist mir so gut wie noch nie zu Ohren oder Augen gekommen, dass die Staatsanwaltschaften generell vom Pfusch am Menschen erfahren, zumindest nicht von „Tatzeugen“, sonst müssten nicht so viele Menschen ihr Recht auf Wiederherstellung oder Wiedergutmachung oder Schmerzensgeld in teuren und langwierigen Prozessen einklagen. Sage mir nämlich niemand, dass es nicht immer wieder zu Komplikationen nach Operationen kommt …. meistens hacken die Krähen nicht und singen tun sie auch nicht!

Nun aber ist der Fall öffentlich und zu einem Rechtsfall mit eindeutigem Urteil geworden. Vermutlich – ich bin juristisch nicht bewandert – ist das Urteil mit deutschem Recht „kompatibel“, bzw. basiert auf Gesetzen, die hierzulande das Miteinander wie auch das sträfliche Gegeneinandern regeln.

Mein Kopf, mein Herz und mein Bauch sagen mir allerdings, dass es ein ungeheuerliches Urteil ist, eines, dass das Miteinander der religiös empfindenen Menschen zutiefst verstört! Es kann doch nicht sein, dass sich ein Gericht in geradezu grotesker Weise  über eine jahrtausende alte religiöse Bestimmung hinwegsetzt und damit darüber entscheidet, wie jüdisches oder muslimisches Leben auszusehen habe.   Aber vielleicht urteilt ja demnächst ein Gericht in Köln auch darüber, dass ein von aller Sexualität befreites Leben gegen die Menschenwürde und die Unversehrtheit der menschlichen Seele ist und somit die Pflicht zu Ehelosigkeit und Keuschheit, wie sie katholischen Geistlichen abverlangt wird, gegen die Menschenrechte verstößt. Wobei ich natürlich schon weiß, dass der Vergleich ein wenig hinkt, schließlich kann ein 8 Tage altes Kind seinen Willen  als Jude in die jüdische Gemeinschaft aufgenommen zu werden oder nicht noch nicht äußern. Und vermutlich hat ein 4 oder 5 jähriger muslimischer Knabe auch noch nicht die nötige Weitsicht, ein eigenes Urteil über seine Beschneidung zu fällen. Das ist bei erwachsenen Priesterkandidaten oder Mönchen schon ein wenig anders.

Und auch die Unversehrtheit, bzw. die Versehrtheit des Körpers ist sehr viel offensichtlicher als die Unversehrtheit oder Versehrtheit der menschlichen Seele oder der Psyche. Wobei letztere ebenso schwerwiegende Folgen haben kann wie eine körperliche Beeinträchtigung, wie auch immer diese entstanden sein mag.  (Von den vielen durch elterliche Erziehungsmaßnahmen nachhaltig gestörten Kindern und Jugendlichen, die später  auch als Erwachsene noch schwer an den Folgen der durch Eltern erlittenen psychischen Grausamkeit tragen, will ich hier gar nicht reden! Und auch nicht davon, dass die Staatsanwaltschaften das nur äußerst selten zur Anklage bringen!)

Mich verstört dieses erschreckend anstößige Urteil aber noch aus einem anderen Grund:

Ich bin Christin aus Überzeugung und Glauben und habe schon sehr früh von der Erwählungsgeschichte Abrahams erfahren und dem Bund, den Gott mit Abraham schloss und der eben durch die Beschneidung der männlichen Nachkommen als sichtbares Zeichen für alle Welt deutlich wurde. Für die Anhänger Jesu – der übrigens AUCH IM ALTER VON ACHT TAGEN BESCHNITTEN WURDE  -,  so hat es Paulus gelehrt, war die Beschneidung nicht  notwendig, an die Stelle der Beschneidung folgte für Christen das Symbol / das Sakrament der Taufe. In den meisten christlichen Gemeinschaften wird die Taufe am unmündigen Kind vollzogen, das auch nicht für sich entscheiden kann, ob es einmal als Christ leben möchte oder nicht. Ich selbst bin als Jugendliche auf meinen eigenen Wunsch und auf das Bekenntnis meines Glaubens getauft worden, wie es in meiner Freikirche auf der Basis biblischer Erkenntnis üblich ist.

Wenn nun durch ein Gerichtsurteil die fundamentalen religiösen Überzeugungen ausgehebelt und rituelle Handlungen unter Strafe gestellt werden, ist das für mich ein sichtbares Zeichen dafür, dass GOTT und  die von ihm gesetzten Gebote keinerlei Achtung  mehr in unserem gesellschaftlichen System erfahren. Das finde ich persönlich erschreckend. Weil es über kurz oder lang vielleicht dazu führen wird, dass Menschen für sich in Anspruch nehmen, oberste Instanz in allen Entscheidungen des Menschseins zu sein.

Wie schwierig aber das Eintreten für gottgegebene Ordnungen ist, wird deutlich in der Auseinandersetzung mit Religionsvertretern, die für sich und ihre Überzeugungen in Anspruch nehmen, göttliches und weltliches Recht gleichermaßen in eins zu sehen und zu vertreten.

Ich begrüße es ausdrücklich, dass Christen und kirchliche Amtsträger entschieden gegen das Kölner Urteil auftreten und sich dabei auf die vom GG garantierte Religionsfreiheit berufen.

Ich gehe allerdings auch davon aus, dass das Abhacken von Händen oder Füßen, das Steinigen von Ehebrechern oder das Aufhängen von Menschen, die in gleichgeschlechtlicher Liebe einander zugetan sind, nicht unter „Religionsfreiheit“ zu führen ist.

Das macht dieses Urteil eben auch so sehr prekär und bedeutsam. Wenn wir aus religiöser Überzeugung der Beschneidung kleiner Jungen zustimmen, können wir dann mit gleicher religiöser Überzeugung gegen die Einführung shariarechtlicher Urteile sein?

 

NACHTRAG:

Ein ernsthafter Einwand gegen die Beschneidung muslimischer Jungen, den ich nicht ignorieren will, da die betroffenen Jungen die Beschneidung bei vollem Bewusstsein erleben.

Die Beschneidung, ein unnützes Opfer für Allah“

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Kommentare»

1. Paul - 29. Juni, 2012

Rika, dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Du hast aus meiner Sicht alles gesagt was gesagt werden muss. Es findet auch meine Zustimmung.

Eine Ergänzung noch.
Deine zuletzt gestellte Frage beantworte ich uneingeschränkt mit JA.
Shariarechtliche Urteile sind unmenschlich und auch die Rechtsfindung, die zu den Urteilen führt, entspricht nicht unseren Anforderungen an eine Urteilsfindung, sodass wir sie als unmenschliche Unrechtsurteile ansehen können, die in unserem Rechtssystem allenfalls im Mittelalter ihre Entsprechung finden.

Zu Deinem Nachtrag:
Auch die Ohrläppchen werden unseren Kindern ohne Betäubung durchstochen.
Habe auch noch nichts davon gehört, dass Tätovierungen oder piercen unter Betäubung ausgeführt werden.
Auch meine Zähne lasse ich mir ohne Betäubung bohren.

Habe in meiner katholischen Kirche schon Täuflige schreien hören als wenn sie „am Spieß stecken“.
Schlimmer kann es bei der Beschneidung auch nicht sein.
Mein Rat: Freunde Dich mit einer muslimischen oder jüdischen Familie an und lass Dich zur Feier der Beschneidung einladen. Du wirst staunen, wie schnell und geräuschlos ein geübter Beschneider die Beschneidung durchführt.
Übrigens, ich würde zu dem gehen und nicht zu einem Arzt, der nicht diese Übung hat.

Da ich mich nicht wiederholen möchte, bitte ich Dich auch noch meine zwei Kommentare bei ‚Tapfer im Nirgendwo‘ zu lesen.

2. Paul - 29. Juni, 2012

Bei ‚Tapfer im Nirgendwo‘ steht das unter dem Artikel „Neujahr abschaffen“.

3. Rika - 29. Juni, 2012

Hallo Paul,
ich habe den Beitrag und auch alle Kommentare bei tin gelesen. Mir gefällt das Jesus-Bashing dort drüben überhaupt nicht und ich finde, dass die Dikussion – bis auf deinen und ein oder zwei andere Beiträge absolut am Thema „Beschneidungsurteil“ vorbeigeht. Ich werde drüben aber nicht kommentieren, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass dabei nur polemisches Geschwätz produziert wird und keinerlei Erkenntnisgewinn oder gegenseitiges Verstehen geschehen kann.
Ich finde das sehr schade.
Die Situation in Deutschland und Europa ist doch so, dass die Säkularisierung sehr, sehr zügig voranschreitet und ganz sicher demnächst auch Christen zu einer absoluten Minderheit gehören werden.
Auch das ist mit diesem Urteil verbunden und darin sehe ich eben auch eine sehr bedenkliche Entwicklung, mag das Urteil juristisch betrachtet auch einwandfrei und im Sinne der Gesetze sein.

Du sollst Gott mehr gehorchen als den Menschen…. Das scheint doch immer mehr in den Hintergrund zu geraten.

4. Yael - 29. Juni, 2012

Ich kann verstehen, dass du dort nicht gern diskutierst, mir geht es ähnlich, denn leider werden dort zuviele Vollpfosten zugelassen, denen es nicht um das Thema geht, sondern um Bashing und schlimmstenfalls, die kläglichen Versuche Juden ihre Religion zu erklären. Nichtsdestotrotz schreibe ich dort auch ab und an was, denn leider kann man nicht allen Müll oder sogar Antisemiten einfach stehen lassen.

5. Paul - 29. Juni, 2012

Liebe Rika,
daran werden wir uns gewöhnen müssen, dass das christliche Abendland seinen Zenit überschritten hat.
Meine Hoffnung, nein, meine Zuversicht ist, dass dieser Vorgang auch eine gewisse „Reinigung“ bewirkt. Die „Lauen werden ausgespien“. Der „Kern“ wird aber fester zusammenrücken. Wir müssen nur aufpassen, dass wir uns nicht hinter einem gewissen Fundamentalismus verbarrikadieren. Das würde uns weitere Sympathien kosten. Fest ja, aber nicht Fundamentalistisch.

Noch mal zu dem Beschneidungsurteil.
Die 68ger haben den Marsch durch die Institutionen angetreten. Inzwischen sind sie angekommen. Man merkt das nicht nur an diesem Urteil.
Habe gerade von einem Lesbenurteil gelesen.
Ein deutsches Gericht hat für eine iranische Lesbe festgestellt, dass es für sie im Iran keine Gefährdung gäbe, wenn sie sich unauffällig verhalten würde. Das ist kaum zu glauben.

Zu den Kommentaren bei dem „Tapferen“: Habe den Eindruck, dass einige Blogger dort eine Spielwiese entdeckt habe. Das ist der Nachteil der Großzügigkeit. Beim Beschneidungsthema ist es nun völlig abgedriftet. Lag aber auch z.T. an der Kommentarvorgabe des Blogmasters.
LG Paul

6. Yael - 5. Juli, 2012

http://www.welt.de/kultur/article107289612/Beschneidungsverbot-verstoesst-gegen-das-Grundgesetz.html

Es gibt im Übrigen schon länger ein Urteil des BVGs, dass das Verbot der Beschneidung gegen das Grundgesetz verstößt:

“Beschneidungsverbot verstößt gegen das Grundgesetz

Das Kölner Urteil zur religiös motivierten Beschneidung verstößt gegen das Verfassungsgebot von der “Freiheit des Glaubens”. So hat es das Bundesverfassungsgericht schon einmal gesehen.

Rechtlich bedeutet diese Art von Freiheit mehr als bloße Toleranz. Welcher Glauben auch immer gemeint ist, die Bundesrepublik fühlte sich bisher verpflichtet, dessen Regeln selbst dann zu schützen, wenn sie das moralische Empfinden eines Teil der Bevölkerung stören.

Der Beitritt zum Bund (auf Hebräisch “Berit Mila”), den die Beschneidung vollzieht, gilt als das wichtigste aller Gebote. Sie darf selbst an den höchsten jüdischen Feiertagen vorgenommen werden.

Die Begründung dafür lässt sich im ersten Buch Mose 17,11 finden: “Wenn aber ein Männlicher nicht beschnitten wird an seiner Vorhaut, wird er ausgerottet werden aus seinem Volke, weil er meinen Bund gebrochen hat.” Ähnliches findet sich in den Koranauslegungen. Auch sie werden vom Grundgesetz geschützt. Wäre es nicht so, verlöre die Demokratie einen maßgeblichen Teil ihrer westlichen Überzeugungen.”

7. Rika - 5. Juli, 2012

Yael, ich habe die Beschneidung auch immer so verstanden, dass sie mehr ist als eine nette religiöse Tradition: Sie ist auch nicht nur ein Symbol, sie ist der Eintritt in den Bund, den G’tt einst mit Avraham schloss und in der Folge immer wieder neu bekräftigte.

Gut, dass Du auf das bereits bestehende Urteil hingewiesen hast. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Kölner Urteil Bestand haben wird!

8. Cees van der Duin - 25. Juli, 2012

Petition gegen rituelle Beschneidung
20. Juli 2012

Text der Petition

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, Personensorgeberechtigten jede rituelle, medizinisch nicht indizierte Beschneidung eines Jungen (Zirkumzision) oder eines Mädchens (nach der Typisierung der World Health Organisation die FGM vom Typ I, II, III, IV) im Hinblick auf die Verwirklichung der körperlichen Unversehrtheit des Kindes oder Jugendlichen bis zu dessen Volljährigkeit zu untersagen. Um dem Individuum die Option auf ein Leben mit unversehrten Genitalien und mit der Option auf eine selbstgeschriebene Biographie zu ermöglichen, insbesondere im Hinblick auf die Entscheidung, ob eine lebenslange Sexualität mit oder ohne Präputium (Junge) oder Klitorisvorhaut (Mädchen) verwirklicht wird, möge der Bundestag beschließen, in das Bürgerliche Gesetzbuch Buch 4 Familienrecht Abschnitt 2 Verwandtschaft Titel 5 Elterliche Fürsorge § 1631 Inhalt und Grenzen der Personensorge einzufügen:

§ 1631d
Verbot der rituellen Genitalmutilation

Die Eltern können nicht in eine rituelle, medizinisch nicht indizierte Beschneidung ihres Sohnes (Zirkumzision) oder ihrer Tochter (nach der Typisierung der World Health Organisation die FGM vom Typ I, II, III, IV) einwilligen. Auch das Kind selbst kann nicht in die Beschneidung einwilligen. § 1909 findet keine Anwendung.

http://eifelginster.wordpress.com/2012/07/21/297/

9. Yael - 26. Juli, 2012

Mal ein sehr kompetenter Artikel eines ehemaligen Bundesverfassungsrichters:

Hans-Jürgen Papier, früherer Präsident des Bundesverfassungsgerichts, hält das Urteil des Kölner Landgerichts für verfehlt. Für ihn gilt das Recht auf Religionsfreiheit und elterliche Entscheidung in diesem Fall mehr als das Recht auf körperliche Unversehrtheit.

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/pro-beschneidung-es-geht-um-essenzielle-glaubensinhalte_aid_786457.html

Und vor allem was der immer wieder durchgekaute Begriff der Körperverletzung im Recht eigentlich bedeutet:

“Ist es denkbar, dass es zu einer Regelung kommt, wonach Beschneidung weiterhin den Tatbestand der Körperverletzung erfüllt, die aber straffrei bleibt?

Der Tatbestand der Körperverletzung ist aus rechtlicher Sicht gegeben und wird auch immer gegeben sein. Es ist vielen Laien schwer begreiflich, dass etwa auch jede Impfung eine Körperverletzung darstellt. Sie ist aber nicht rechtswidrig und damit nicht strafbar, wenn eine Einwilligung vorliegt. Sie erfolgt regelmäßig durch den Patienten selbst, bei minderjährigen Kindern durch die Eltern. Wenn der Gesetzgeber ausdrücklich regelt, dass die Eltern wirksam in eine Beschneidung einwilligen können, ist sie keine rechtswidrige Körperverletzung mehr. Damit wäre eine Beschneidung dann weder für das Strafrecht relevant, noch verstößt ein Arzt gegen seine Berufspflichten. Es geht also über die Frage der Strafbarkeit hinaus darum, ob Beschneidungen rechtmäßig oder rechtswidrig sind.”

PS: Rika, ich hoffe, du löschst den Scheiß dieses Users da oben.

10. Rika - 26. Juli, 2012

@ Kees van der Duin

Ich habe kurz gezögert den Kommentar frei zu schalten, habe mich dann aber doch dazu entschlossen.
Meine Erwiderung fällt aber ganz sicher nicht im Sinne der oben veröffentlichten Petition aus.

1.) Ich bin der Auffassung, dass eine jahrtausende alte religiöse Tradition, die zugleich DIE Identitätsstiftende Handlung für das Judentum ist, nicht von einem Kölner Gericht (oder dem Bundestag) für ungesetzlich erklärt und damit verboten werden kann. Neben der gesetzlich garantierten Unversehrtheit gilt die sicherlich ebenso wichtige Religionsfreiheit, die aber von dem Kölner Gericht ad absurdum geführt wurde. In die Verantwortung der Eltern ist meiner Ansicht nach mehr gestellt als „nur“ ein medizinisch vertretbares und / oder verantwortbares Vorgehen. (Jede vorsorgliche Impfung eines neuen Kindes stellt ebenfalls einen Eingriff in die Unversehrtheit des Körpers da, dagegen laufen aber diejenigen, die die Petition anregen, nicht Sturm!)
Meiner Überzeugung nach sind Eltern auch in der Pflicht, ihren Kinder die ethischen und religiösen Grundlagen für die Entwicklung ihrer Persönlichkeit nicht vorzuenthalten. Für Juden gehört dazu ganz sicher auch die Beschneidung des acht Tage alten männlichen Säuglings, wie sie biblisch bezeugt und geboten ist.

2.) Ich finde es unverantwortlich, die Genitalverstümmelung der Mädchen mit der Beschneidung von Jungen gleich zu setzen.
Das ist ein absolut unzulässiges Vorgehen!!! Mädchen werden durch die „Beschneidung“ – und es ist unerheblich, ob damit das vollständige Entfernen der Schamlippen oder „lediglich“ eine Teilentfernung gemeint ist – für alle Zeiten extreme Schmerzen zugefügt und darüberhinaus die sexuelle Empfindungsfähigkeit genommen.

3.)Es ist bezeichnend, dass die Befürworter des Kölner Urteils wider besseres Wissen die männliche Beschneidung mit der weiblichen Verstümmelung gleich setzen. Denn das Mädchen nicht verstümmelt werden sollten, leuchtet unmittelbar ein, und was man Mädchen nicht zufügen darf, soll man auch Jungen nicht zufügen, scheint die einfache Gleichung zu lauten, mit der man die religiösen Grundlagen des Judentums praktischerweise gleich mitaushebeln kann.

Nein, ich unterstütze die Petion ganz und gar nicht. Im Gegenteil, ich halte die Aktion für eine antisemitisch motivierte Vorgehensweise gegen das Judentum in Deutschland.

11. Rika - 26. Juli, 2012

@ Yael,
unsere Kommentare haben sich ziemlich überschnitten. Ich stimme Dir aber in jeder Hinsicht zu!
Ich finde es wichtig, was Du zu dem elterlichen Recht gesagt hast, die ihre minderjährigen und unmündigen Kinder auch in medizinischen Belangen „vertreten“… was ja bei jeder Operation und jedem ärztlichen Eingriff der Fall ist. Säuglinge können schließlich auch nicht selbst darüber entscheiden, ob sie eine Magensonde bekommen oder am Nabelbruch operiert werden….

12. Yael - 30. Juli, 2012

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