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Das Glück des Nordens… 27. September, 2012

Posted by Rika in aus meinem kramladen.
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Glück, so konnten wir es aus den Medien neulich erfahren, ist nicht nur ein subjektives Empfinden, nein, es ist auch messbar – und  wohl auch nachweisbar. Und so erfuhren wir, dass das Glücksempfinden insgesamt zugenommen habe, trotz Eurokrise, Verunsicherung über Rentenbezüge im Alter, Arbeitslosigkeit in der Jetztzeit und Streit um das Betreuungsgeld. Die Menschen trotzen der – wie in den Medien behauptet – schlimmsten Krise seit Jahrzehnten mit Glücksgefühlen.

In Hamburg sind die Leute am glücklichsten, überhaupt scheint der Norden ein Ort der Glücklichen zu sein, jedenfalls schneiden die Nordländer im bundesdeutschen Glücksatlas am besten ab.

Vor ein paar Tagen wurde der Glücksatlas ergänzt um eine Auflistung der Städte, in denen die Bewohner am zufriedensten sind und auch hier konnte der Norden punkten.

Soll ich etwas verraten?

Das stimmt!

Ja, das mit dem Glück im Norden stimmt!

Ich habe zwar keine große Umfrage gemacht, aber mein ganz subjektives Glücksbarometer  bestätigt die veröffentlichten Zahlen.

Früher, in einer längst verflossen Zeit, wollte ich unbedingt wieder zurück in die Mitte unseres schönen Landes, die befindet sich  ungefähr da wo die Städte Kassel und Göttingen in lieblicher Hügellandschaft liegen. Ich liebte diese Hügellandschaft, die sanften Berge, die den Horizont niemals unerreichbar erscheinen lassen …  Dorthin wollte ich unbedingt wieder zurück als wir vor über dreißig  Jahren nordwärts in die Ebene zogen.

Da, in der Ebene,  ist der Himmel höher und der Blick reicht weit „bis übermorgen“, wie mir mal eine Freundin das Gefühl für Horizont und Heimat beschrieb. Ich aber vermisste meine Berge und Hügel.

„Das Sein bestimmt das Bewusstsein“ lautet eine gängige These, die erklären will, warum manche Leute so sind und andere so. Nun, man könnte in Abwandlung oder Spezifizierung dieser Weisheit auch sagen: Das Land prägt die Menschen, die darin wohnen. Langsam hat sich nämlich im Laufe der mehr als dreissig Jahre in der norddeutschen Ebene mein Lebensgefühl verändert. Zwar liebe ich die Berge immer noch, aber ich käme nicht auf die Idee, zurück in die hügelige Heimat zu wollen. (Schon gar nicht in einer Lebensphase, in der ich damit rechnen muss, vielleicht einmal einen Rollstuhl bergauf schieben zu müssen oder selbst bergauf geschoben zu werden. Das wurde mir spätestens klar als meine Mutter im schönen Kasseler Umland keinen Spaziergang mehr machen  und erst recht nicht meinen Vater durch die Gegend schieben konnte….)

Nun liebe ich die Ebene… das Land, das von Wäldern, Wiesen, Äckern Flüssen und Kanälen so wunderbar vielfältig gegliedert ist und den unerreichbar weiten Horizont „bis übermorgen“. Der erschließt sich natürlich nicht im Häusermeer der Stadt. Den genieße ich vor allem ganz oben im Norden meines Bundeslandes, wo es nichts mehr gibt als Himmel und Meer.

Aber auch das Häusermeer der Stadt hat einiges zu bieten, vor allem, wenn die Stadt Hannover heißt. Ich weiß, viele Leute fern der Stadt an der Leine verbinden mit Hannover bürgerliche Spießigkeit, Langeweile, Bundeswulff und Bastakanzler, langsam kochende Frösche und unser aller Ursula. Aber Hannover ist mehr, viel mehr. Ich erspare mir jetzt das Aufzählen seitenfüllender hannoverscher Glanzpunkte, von Natur und Kultur, Arbeit und Entspannung, Aufregung und Ruhe, ich verzichte auf die Hinweise auf Museen und Konzerte, den Zoo und die Eilenriede, sportliche Events und das größte Volksfest der Welt – was ja bekanntlich nicht die Wiesen in München, sondern das Schützenfest in Hannover ist… das könnte ja wieder zu bürgerlich-spießig wirken. Wir im Hannöverschen legen es nicht auf Selbstdarstellung an, eher neigen wir zu beinah britischem Understatement… was ja auch irgendwie verständlich ist, schließlich wurden die Briten jahrzehntelang von hannöverschen Adeligen regiert… ähhh.

Einzig die Tatsache, dass es in der schönen Stadt an der Leine einen nicht unerheblichen Streit an der Verkehrsfront gibt, könnte den guten Eindruck trüben: Wer einmal mit dem AUTO (pfui, pfui, pfui sagen die Verkehrsberuhiger) quer durch die Stadt gefahren ist, weiß, wovon ich rede. Eine chaotische Ampelschaltung, die einem das Autofahren vergällen soll, Pläne zum Zurückbauen großzügig angelegter Straßen zugunsten von Bussen, Straßenbahnen und Fahrradfahrern….  Fußgänger spielen in dem Konzept übrigens nur eine untergeordnete Rolle, lediglich als Nutzer der Öffis finden sie Beachtung und kaum ein Mensch fragt sich, wo und vor allem wie sie ihre Rechte wahrnehmen können, sobald sie Bussen und Bahnen entstiegen sind. Ein Graus! Aber das sind ja nur Niggeligkeiten und spielen kaum eine Rolle….
Wobei es natürlich zu den Pluspunkten der Stadt gehört, dass sie so ein gut ausgebautes Öffi-Netz hat! Aber die Grünen können den ohnehin recht dicken Hals nicht vollkriegen und würden die Stadt am liebsten zu einer vollkommen autofreien Zone degradieren…

Aber ich schweife ab.

Zum Glück des Nordens gehören nämlich ganz unbedingt die Menschen!

Nirgendwo anders bisher habe ich soviel nette und entspannte und hilfsbereite Leute getroffen wir ganz oben an der Küste. Dort begenet man statt heilloser Hektik einer großen Gelassenheit im Umgang miteinander, mit Problemen, mit allem, was das Menschsein so ausmacht… jedenfalls ist das mein Eindruck, den ich mit den Jahren dort oben gewonnen habe. Und so kommt es, dass auch ich automatisch in den Gelassenheits-und-Entspannungsmodus umschalte, sobald ich mich dem Land am Deich und dem dahinterliegenden Meer nähere.

….

Und ich bin einfach nur noch glücklich – trozt mancher Zipperlein und Probleme, die das Leben für mich immer häufiger bereit hält.

Thorsten Fuchs von der HAZ hat das norddeutsche Glück beschrieben, den letzten Absatz seines Leitartikels will ich hier zitieren:

„Probleme hat auch der Norden genug. Aber daneben gibt es auch noch etwas anderes, etwas, das schwer in Worte zu fassen ist. Kurt Tucholsky hat 1929 ein Buch über Deutschland geschrieben. Es ist ein sehr böses Buch. Freundlich ist es nur, wo es um den Norden geht. „Je weiter nordwärts man kommt, desto lauter schlägt das Herz“, schreibt Tucholsky. „Die See – wie schon Kilometer vorher jeder Pfahl, jedes Strohdach plötzlich eine tiefere Bedeutung haben … Wir stehen nur hier, weil hinter uns das Meer liegt.“ So kann man es auch sehen. Vielleicht ist Tucholsky nicht der Einzige, dem es so geht.“

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Kommentare»

1. Just Wondering - 27. September, 2012

Tja, vom Großraum Frankfurt (in meinem Fall) hierher zu ziehen, das ist schon ein Kulturschock … Das mit dem Entspannungsmodus kann ich gut nachvollziehen; für gelegentliche Besucher kommt meistens dann auch noch ein guter und tiefer Schlaf und ein Bärenhunger dazu …

2. Rika - 27. September, 2012

Den Kulturschock kann ich gut verstehen….
Ich habe ja das Glück am Stadtrand Hannovers zu wohnen und am Deich meine kleine Zuflucht zu haben…
Beides macht mich „glücklich“…!


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