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Die EKD und das „Heilige Land“… 10. November, 2012

Posted by Rika in antisemitismus, Christlicher Antisemitismus, gesellschaft, israel, judentum.
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Bei facebook bin ich auf eine neue Publikation der EKD aufmerksam geworden.

Das „Heilige Land“ ist Gegenstand der Betrachtung, und, wie könnte es anders sein, die darin wohnenden Menschen.

Noch bin ich über die Einleitung nicht hinaus gekommen und werde auch weder heute noch morgen dazu kommen, das ganze Schriftstück ausführlich zu lesen. Aber mir schwant angesichts des Vorworts  und des ersten Kapitel wenig Gutes, darin heißt es zum Beispiel:

Christliche Theologie hat biblischen Aussagen zum Land Israel
oft nur einen übertragenen Sinn zugestanden, sie spiritualisiert
und für das Christentum beansprucht. Die Realität des Staates
Israel hat diese Deutung nachhaltig erschüttert.
Als evangelische Christen in Deutschland haben wir verstanden,
dass das Bestehen eines jüdischen Staates für Juden von
existenzieller Bedeutung ist. Jüdische Organisationen im damals
von Großbritannien verwalteten Mandatsgebiet »Palästina
« hatten bereits während der Schoah verfolgten Juden
das Leben gerettet. Der neu gegründete Staat Israel nahm die
Überlebenden der Schoah auf. Nach wie vor hat der Staat Israel
für Juden die Bedeutung einer Existenzsicherung.
Das Land Israel (hebr. erez israel) hat für die große Mehrheit
der Juden auch religiöse Bedeutung. Es war kein historischer

Zufall, dass Juden genau dieses Land für die Staatsgründung
Israels wählten. Seine Geographie ist von jüdischer Geschichte
durchwoben. Herausgehobene Bedeutung kommt dabei der
Stadt Jerusalem (Abb. 2) mit dem Berg Zion, einst Ort des
Tempels, zu. Von daher gab sich die jüdische Nationalbewegung
am Ende des 19. Jahrhunderts den Namen »Zionismus«.“

Hervorhebung von mir

……

und weiter:

Der Konflikt um die Gründung des Staates Israel führte für die
im damaligen Mandatsgebiet »Palästina« lebende arabische Bevölkerung
zu einer geschichtlichen Katastrophe: Mehr als zwei
Drittel der arabischen Bevölkerung, etwa 700.000 Menschen,
wurden im Krieg des Jahres 1948 vertrieben oder flohen, als
der Staat Israel von fünf arabischen Nachbarstaaten angegriffen
worden war. Im Verlauf des Krieges und später wurden Hunderte
arabischer Dörfer in Israel zerstört. Im Krieg des Jahres
1967 flohen noch einmal etwa 300.000 Palästinenser aus den
von der israelischen Armee besetzten Gebieten. Um das Land
gibt es bis heute einen Konflikt zwischen zwei Völkern. Dabei
spielen religiöse Begründungen wie etwa der Bezug auf die
biblischen Landverheißungen eine bedeutende Rolle.“

Die Katastrophe der nahezu vollständigen Vernichtung des europäischen Judentums wird weiter oben im (hier nicht zitierten Teil des) Texts als „Versuch“ verniedlicht und ich kann nur hoffen, dass die Kirchenschreiber vollkommen Bibelunkundige im Blick haben, wenn sie davon reden, dass es kein historischer Zufall sei, dass sich die Juden genau dieses Land ausgesucht haben für ihren Staat…! Das Land (seine Geografie) sei durchwoben von jüdischer Geschichte.  Welch ein Zugeständnis der EKD an die jüdische Bevölkerung Israels. (Ironie aus!)

Wer „Lust“ verspürt, sich den EKD-Text in ganzer Länge anzutun, kann diesen Link nutzen:

Gelobtes Land“

Und hier gibt es einen interessanten Kommentar Ulrich Sahms dazu:

„Die EKD und ihr problematisches Verhältnis zu Israel“

Meine Gedanken dazu folgen später…

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Kommentare»

1. AMC - 11. November, 2012

Danke für den Hinweis. Interessante Lektüre. Es ist immer wieder traurig zu lesen, wie die EKD samt ihren Bischöfen ihre eigenen Grundlagen – in diesem Fall das achte Gebot – missachten. Ulrich Sahm kann man nur dankbar sein.

2. AMC - 12. November, 2012

Ich arbeite gerade das „Werk“ durch und schreibe demnächst etwas dazu

3. Rika - 12. November, 2012

Ja, darauf bin ich schon sehr gespannt!

ich habe immer noch nicht gründlich gelesen…. zu viele andere Sachen dringend zu regeln!

Sehr grob zusammengefasst:
Das Papier erkennt zwar die Entscheidung des Völkerbunds und damit die Gründung des Staates Israels an und redet auch vom unverhandelbaren Existenzrecht, dann aber folgt das große ABER!
Das christliche ABER beinhaltet, dass Christen keine Veranlassung erkennen, eine wie auch immer aus religiösen Gründen abgeleitete Verbindung des Staates Israels zur biblischen Verkündigung und Verheißung zu bestätigen.
Das sagen Theologen, die zumindest doch die biblische Sicht genau kennen müssten. Sie drehen und wenden „das Wort“ solange, bis es in ihr Weltbild passt und nennen Leute wie mich „christliche Zionisten“ oder Fundamentalisten, die sich auf die Bibel berufen und die man darum in keinem Fall ernst nehmen darf.

Die subtilen antijüdischen Hiebe sind aber so geschickt verpackt, dass ein weniger aufmerksamer Leser sie leicht überlesen kann.
Aber vermutlich ist das meine ganz persönliche Paranoia….

Zu den Einzelheiten komme ich, wenn ich nochmals GRÜNDLICH gelesen habe.

4. faehrtensuche - 13. November, 2012

Das Papier ist „echtes Theologendeutsch“. Man sagt etwas nicht direkt, sondern „nur“ durch die Blume oder so „verklausuliert“, dass man als Laie ganz falsche Schlüsse daraus zieht oder ziehen kann.

Die evgl Kirche (auch die kathol.) müsste ihre Ersatztheologie ersatzlos streichen. Da sie das nicht kann oder will (Gesichtsverlust!?), kommt so etwas Krummes wie besagtes Papier dabei heraus!
Wenn es nicht so traurig wäre, …

Muss mich aber auch noch intensiver damit befassen! …

5. Yael - 20. November, 2012
6. Rika - 30. November, 2012

Die Autorin von „Luftreich“ hat sich Gedanken über das EKD-Papier gemacht.
Hier kann man sie nachlesen: http://luftreich.twoday.net/stories/gelobtes-land-land-und-staat-israel-in-der-diskussion/

Danke für den Hinweis den ich dazu erhielt 🙂 !!!

7. Yael - 19. Dezember, 2012
8. Rika - 19. Dezember, 2012

Yael,
DANKE für den Link!
Leider bin ich nicht mehr dazu gekommen, dies „Papier“ hier genauer zu kommentieren. Und wenn ich ganz ehrlich bin, widerstrebt es mir in einer Weise, die ich nicht beschreiben kann. Das ganze Papier ist eine widerwärtige Angelegenheit und so pseudo-verständnisvoll und meines Erachtens nach auch pseudo-christlich.
Umso besser, dass Du die kritische Stellungnahme eingestellt hast!

9. Yael - 20. Dezember, 2012

Nichts zu danken. Ich habe das gestern zufällig gefunden.

Ich wünsche dir frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr.


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