jump to navigation

Dinner for one… 3. Januar, 2013

Posted by Rika in aus küche und keller, aus meinem kramladen.
trackback

Zu „unserer“ Silvestertradition gehört es, im Laufe des Abends „Dinner for one“ zu schauen, diesen herrlich englischen Sketch über die seltsame Geburtstagsfeier einer alten Lady.
Vermutlich kennen die meisten Menschen in Deutschland dieses verschrobene Spektakel und ich muss nicht groß und breit erklären, worum es eigentlich geht. In den letzten Jahren sind zu der Originalfassung etliche neue hinzugekommen, in hessischer Mundart etwa oder nach Otto-Manier, in Farbe und neuzeitlich aufgehübscht.
Wir – unsere Silvesterfeiergesellschaft – bleiben beim Original, und obgleich wir die ohnehin nur sparsam geführte Unterhaltung mittlerweile in- und auswendig mitsprechen könnten, die unvermeidliche Stolperfalle bestens kennen und wissen wann James elegant das Hindernis umgeht, stolpert oder gravitätisch über den Tiger steigt, ergötzen wir uns an dem kleinen Sketch, als sähen wir ihn zum ersten Mal, was mich schon leicht ins Grübeln bringt….
Wie kommt es, dass man sich an den zur Schau getragenen Schwierigkeiten anderer Menschen so erheitern kann, und was sagt das aus über die eigenen Unzulänglichkeiten….?

Die Frage ist nicht ohne Ernst gestellt, schließlich gehen „wir“ (die Feiergesellschaft) alle munter und zügig dem Alter entgegen, das Miss Sophie seit einer gefühlten Ewigkeit so begeistert feiert…
Zwar sitzen wir alle noch in gleicher Runde am Tisch wie in den vergangenen Jahren, aber wir alle wissen von Leuten zu berichten, die schon nicht mehr unter uns weilen, obwohl sie gleich alt waren wie wir oder nur unwesentlich älter waren als wir. Auch zwickt und zwackt es bei nahezu allen von uns – der Rücken, die Füsse, die Ohren, die Augen, das Herz, die Nieren, der Zucker, der Magen, die Leber, (das Gedächtnis 😉 ) …. nichts ist mehr im Zustand unverwüstlich gesunder Beschaffenheit und einige von uns sind schon in mehr oder weniger intensiven Kontakt mit der Ewigkeit geraten, dann aber doch noch im irdischen Leben verblieben.

Miss Sophie und ihr betagter Butler James, so mag man denken, machen vor wie es ausschauen wird, wenn die Jahre weiter fortschreiten … und so genießen wir es, ihnen zuzusehen und uns selbst dabei „jung“ zu fühlen, obwohl wir es schon lange nicht mehr sind!

Seit etlichen Jahren feiern wir gemeinsam Silvester, vier Ehepaare, immer reihum in den verschiedenen Häusern, manchmal erweitert um eine allein lebende Freundin oder einen Freund des jeweiligen Hauses.
Immer gab es „Dinner for one“ aber noch nie das dazu gehörige Dinner!

Das sollte sich ändern, beschloss ich vor Silvester – denn wir waren „dran“ – und zog Erkundigungen ein über die notwendigen Rezepte. Die finden sich allesamt im Internet – wo auch sonst, wobei ich mich zu erinnern meine, dass in längst verflossener Zeit eine bekannte Frauenzeitschrift das „Original-Dinner“ rechtzeitig vor Silvester in ihrem Rezeptteil zum besten gab.

Wir, mein „Butler“ und ich (meine Köchin 😉 ) kauften alle notwendigen Zutaten ein, wobei ich gestehen muss, dass ich vorhatte ein bisschen zu schummeln und dementsprechend auch die Einkaufsliste veränderte! Ich hatte nämlich wenig Lust, am Silvestertag Schellfisch zu kochen (das Haus würde noch bis zu den Heiligen Drei Königen nach Fisch stinken duften!) Und noch weniger Lust verspürte ich, für 8 Personen Chicken zu braten…. (die Begründung siehe oben!) Auch der Gedanke an Fruit in Form von Obstsalat konnte mich nicht bezaubern – und einfach nur eine Orange oder ein paar Weintrauben zu kredenzen, erschien mir dann doch zu wenig kreativ. Ich habe das Rezept also ein wenig modifiziert.

Wir kauften ein wirklich großartiges Suppenhuhn als Basis für die Mulligatawny-Soup samt den dazu gehörenden Gemüse- und Obstsorten. Statt des Schellfisch sollte es pochierten Lachs und Lachsmuffins geben – die lassen sich wunderbar vorbereiten. „The Bird“ gelangte in Form von Entenbrust und Hähnchenbrustfilets auf den Tisch – im Backofen bei milder Hitze und mit in Rotwein (lange vorher) eingelegten getrockneten Feigen, Aprikosen und Datteln kombiniert und gegart … und „Fruit“ zum Dessert wurde in der „Pflaumen-in Rotwein-Soße“ zum Zimtparfait sichergestellt, das die Nachspeise bildete…
Als Ergänzung zu Miss Sophies‘ doch recht einseitigem Hauptgang servierte die Köchin Rotkraut mit Äpfeln und Preiselbeeren, Fenchel-Rohkost-Salat (mit sehr fein geschnittenen Apfel- und Orangenspalten und Granatäpfelkernen) und Basmatireis. (Auch der Lachs erfreute sich der Gesellschaft von „Nüsschen“, Ruccola, geblätterten Mandeln und Balsamessigcreme…)
Dazu gab es die entsprechenden Getränke, Sherry, Weißwein, Sekt (statt Champagner) und Portwein.

Es wurde ein wunderbares Dinner nach dem „Dinner“…

Und in diesem Jahr?

„The same procedure as every year….“

Es ist ja noch ein bisschen hin, aber man kann ja schon mal die Planungsphase vorbereiten …

Bis dahin – also bis zur nächsten Silvesterfeier – wünsche ich allen Menschen ein gutes, erfülltes, möglichst sorgenfreies und gesegnetes Jahr…

Advertisements

Kommentare»

1. Bernd Dahlenburg - 3. Januar, 2013

Das hast du wunderbar geschrieben, Rika!

Auch dir ein gesegnetes Neues Jahr mit allem was dazu gehört.

Rika - 4. Januar, 2013

Danke, Bernd! 🙂

2. Paul - 4. Januar, 2013

Liebe Rika,d
da ist mir richtig das Wasser im Mund zusammengelaufen.
Das Jahr 2013 möge für Dich und Deine Familie weiter so verlaufen, wie 2012 geendet hat.
Gottes Segen für Dich und die Deinen,
Herzlich Paul


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: