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Ein Rücktritt in Würde und Demut… 11. Februar, 2013

Posted by Rika in christsein und glaube, gesellschaft, meine persönliche presseschau.
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Ich ‚kenne‘  den Papst nicht wirklich; als evangelische Christin sind mir  das Papsttum, die Rituale und viele „Gewissheiten“  der katholischen Kirche fremd, und selbstverständlich gelten für mich weder die „Unfehlbarkeit des Papstes“, noch  die  Inanspruchnahme des Pontifex „Stellvertreter Christi auf Erden“ zu sein, noch irgendwelche Dogmen bezüglich der Person Marias, der Mutter Jesu.  Ich bin als freikirchliche Christin für die strikte Trennung von Kirche und Staat und habe Schwierigkeiten mit den hierarchischen Strukturen von Bischöfen und Oberhirten, gleich welcher Denomination.

Viele Menschen hadern mit der katholischen Kirche und ihrem obersten Vertreter. Von außen betrachtet erscheinen mit viele der Kritikpunkte berechtigt, aber ich bin nicht diejenige, die dazu Stellung nehmen MUSS, das obliegt doch eher den katholischen Christen selbst.

Wenn ich irgendetwas über Benedikt XVI. sage, geschieht das in völliger geistlicher und rechtlicher Unabhängigkeit einer evangelisch-freikirchlichen Christin. (hier, z.B.)

Man hat den Papst viel gescholten (auch ich),  mir aber hat er an einem Punkt aus der Seele gesprochen:

Mit seinem klaren Bekenntnis zu Jesus Christus.

Das hat mich beeindruckt. Nun könnte man meinen, das sei ja das mindeste, was man von einem kirchlichen Anführer erwarten könne, sich klar zu Christus zu bekennen. Dass das aber noch lange nicht zwangsläufig so ist, kann man in vielen Reden und Predigten prominenter Christenführer  erleben. Die mischen sich ins Tagesgeschäft der Politik ein, besser als mancher Politiker und lassen den „lieben Gott einen guten Mann sein“. Doch auch auf der unteren Ebene der hohen Geistlichkeit finden sich immer wieder ganz ausgezeichnete Politiker. Da bringen es Pastorinnen, Pastoren und Pfarrer fertig, das „Wort zum Sonntag“ zu sprechen, ohne die Worte „Gott“ oder „Jesus“ auch nur ein einziges Mal zu erwähnen, geschweige denn, die „frohe Botschaft des Evangeliums“ weiterzusagen, was meiner Meinung nach doch der Sinn eines Wortes zum Sonntag sein sollte….!  Politische und sozialkritische  Phrasen zu gesellschaftlichem Miteinander  hören wir doch an jedem x-beliebigen Tag mehr als uns manchmal lieb ist – und der Sonntag ist nun einmal ein „christliches Ding“ und kein Tag wie jeder andere, auch wenn manche Politiker ihn am liebsten als „christlich“ geprägten Tag abschaffen würden und stattdessen einen zusätzlichen „Freitag“ etablieren würden, frei von allen Beschränkungen, die das Sonntagsgebot so mit sich bringt. „Du sollst den Feiertag heiligen“ ist doch schon längst nicht mehr das Motto, das den meisten von uns zum Sonntag einfällt!

Zurück zu Benedikt:

Ebenso klar und überzeugend wie sein Christusbekenntnis ist nun sein Eingeständnis, aus Altersgründen den hohen Anforderungen seines Amtes nicht mehr gewachsen zu sein. Das bewundere ich. Das verdient Anerkennung und Hochachtung. (Das Wort Respekt will ich an dieser Stelle ausdrücklich nicht verwenden, mit ihm wird zu viel Schindluder getrieben, für alles und jedes….!)

Hier der Wortlaut seiner Erklärung zum Rücktritt, den ich von der ARD übernommen habe:

Papst Benedikt XVI. hat vor den versammelten Kardinälen in Vatikanstadt folgende Erklärung verlesen:

Liebe Mitbrüder!

Ich habe euch zu diesem Konsistorium nicht nur wegen drei Heiligsprechungen zusammengerufen, sondern auch, um euch eine Entscheidung von großer Wichtigkeit für das Leben der Kirche mitzuteilen. Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben.

Ich bin mir sehr bewusst, dass dieser Dienst wegen seines geistlichen Wesens nicht nur durch Taten und Worte ausgeübt werden darf, sondern nicht weniger durch Leiden und durch Gebet. Aber die Welt, die sich so schnell verändert, wird heute durch Fragen, die für das Leben des Glaubens von großer Bedeutung sind, hin- und hergeworfen. Um trotzdem das Schifflein Petri zu steuern und das Evangelium zu verkünden, ist sowohl die Kraft des Köpers als auch die Kraft des Geistes notwendig, eine Kraft, die in den vergangenen Monaten in mir derart abgenommen hat, dass ich mein Unvermögen erkennen muss, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen.

Im Bewusstsein des Ernstes dieses Aktes erkläre ich daher mit voller Freiheit, auf das Amt des Bischofs von Rom, des Nachfolgers Petri, das mir durch die Hand der Kardinäle am 19. April 2005 anvertraut wurde, zu verzichten, so dass ab dem 28. Februar 2013, um 20.00 Uhr, der Bischofssitz von Rom, der Stuhl des heiligen Petrus, vakant sein wird und von denen, in deren Zuständigkeit es fällt, das Konklave zur Wahl des neuen Papstes zusammengerufen werden muss.

Liebe Mitbrüder, ich danke euch von ganzem Herzen für alle Liebe und Arbeit, womit ihr mit mir die Last meines Amtes getragen habt, und ich bitte euch um Verzeihung für alle meine Fehler. Nun wollen wir die Heilige Kirche der Sorge des höchsten Hirten, unseres Herrn Jesus Christus, anempfehlen. Und bitten wir seine heilige Mutter Maria, damit sie den Kardinälen bei der Wahl des neuen Papstes mit ihrer mütterlichen Güte beistehe. Was mich selbst betrifft, so möchte ich auch in Zukunft der Heiligen Kirche Gottes mit ganzem Herzen durch ein Leben im Gebet dienen.“

(Quelle: Radio Vatikan)

Ich wünsche dem scheidenden Papst Gottes Segen und Frieden für die letzte Wegstrecke seiner irdischen Zeit.

NACHTRAG:

Eine sehr einfühlsame Würdigung schreibt Mattias Matussek bei spiegel-online

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