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Warum nicht Brigitte….? 30. April, 2013

Posted by Rika in aktuell, meine persönliche presseschau, terrorismus.
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Höhnisches Gelächter war die Folge als bekannt wurde, dass auch die „Frauenzeitschrift“ Brigitte das Losglück hatte, einen der wenigen Plätze im Mordprozess gegen Beate Zschäpe zu erhalten.

Und das Gelächter hält an! Über „Brigitte“ ergießt sich eine Flut von Kommentaren und Forderungen, die mehr oder weniger alle das Gleiche aussagen: Eine Frauenzeitschrift hat über den wichtigsten (politischen) Prozess der Gegenwart nicht zu berichten und solle daher den Losplatz an die „richtigen Meiden“ weiterrreichen, an die nämlich , die sich schon immer mit der NSU, den Rechtsradikalen und Frau Zschäpe beschäftigt haben.

Warum eigentlich?

Traut man den Redakteurinnen und Redakteuren einer Frauenzeitschrift nicht zu, über einen Mordprozess objektiv richtig, nüchtern und sachlich zu berichten?

Und haben Frauen, die eine Frauenzeitschrift lesen, weniger Recht auf eine faire Prozessberichterstattung als die LeserInnen der „politischen Magazine“?

Gilt die Pressefreiheit nur für „richtige“ Zeitschriften und Zeitungen, also für die, die auch die „richtige“ Meinung vertreten und vor allem das „richtige“ Publikum haben?

Vielleicht tut es der Medienlandschaft „richtig“ gut, wenn Journalisten nicht mit einer  „richtigen“, aber vorgefassten Meinung einem Prozess beiwohnen und darüber entsprechend berichten!

Natürlich kann ich den Ärger bei den großen und „wichtigen“ Magazinen und Zeitungen verstehen, die kein Losglück hatten und nun in ihrer Berichterstattung auf die mehr oder weniger ausführliche Agenturmeldungen angewiesen sind. Verfolgt man aber gerade die Berichterstattung in den „wichtigen politischen“ Medien über ähnlich wichtige Ereignisse (die arabische Revolution beispielsweise oder den Syrienkonflikt), stellt man doch sehr schnell fest, dass sich alle großen Medien aus ein und derselben Quelle bedienen und nahezu ohne eigenes Gedankengut einzubringen, das schreiben, was irgendjemand in der Agentur für mitteilenswert hält.

Was ist also so schlimm daran, wenn nicht Frau Taz herself  in München im Saal sitzt oder spon beim spiegel abschreiben muss? Ich kann nicht Verwerfliches daran entdecken, dass in einer Frauenzeitschrift über einen Mordprozess berichtet wird und die oder der BerichterstatterIn das Geschehen vor Ort verfolgt und entsprechend an die Leserschaft weitergibt. Im Gegenteil. Ich sehe eine große Chance darin, das Verfahren nicht nur einseitig und „nur“ unter dem politischen Aspekt wahrzunehmen. In München geht es um Mord und um die Motive, die zu diesem Mord führten. Sollten darum nicht alle gesellschaftlichen Gruppen einbezogen werden in die öffentliche Aufarbeitung der Verbrechen? Wenn uns ALLE die vermutete „rechte“ ideologische Basis der Morde etwas angeht, dann  müssen auch ALLE gleichermaßen informiert werden können über den Verlauf des Prozesses – selbst die Frauen, die sich sonst nur für den zum T-Shirt passenden Lippenstift interessieren, wie ich in einem Kommentar über „Brigitte“ lesen konnte. Die Vermutung, dass nicht alle Brigitte-Leserinnen sich  auch noch durch alle politischen Magazine lesen wollen oder können, ist ja vermutlich nicht so ganz falsch…. aber es wäre völlig falsch – und diskriminierend obendrein –  Frauen den politischen Verstand oder das gesellschaftspolitische Interesse abzusprechen, nur „weil“ sie Brigitte lesen.

Also, gebt Brigitte eine Chance!

Die Süddeutsche, spon und andere politisch wichtigen Medien  können sich ja solange ihrem Lieblingsthema widmen, es fängt mit I an und hört mit l auf….

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