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„Still crazy after all these years….“ 24. Juni, 2013

Posted by Rika in aus meinem kramladen.
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Still crazy…

ein bisschen verrückt war es ja schon, mitten in der Nacht (4.00h früh ist für mich normalerweise mitten in der Nacht!) aufzustehen und wieder einmal als Taxi Mama  eines der „Kleinen“*** von einer Feier abzuholen.

Aber der Reihe nach:

Nein, ich hätte das nicht tun müssen!

Das „Kleine“ ist schon groß und findet sich immer irgendwie zurecht und hätte sicher auch einen anderen Schlafplatz als den beim Bruder und seiner Frau gefunden!

Ich denke da an die Erzählung über Übernachtungen in Sydney in einem winzigen Zimmer, auf dem Fußboden,  in dem  etwa 40 cm breitem „Gang“ neben  dem Bett der Freunde…. oder an den Trip der beiden „Kleinen“ zum Tag der Rothaarigen …. an Jungschar-Pfingstlager im Gewitter** und an das 10-Bettzimmer der Jugendherberge am Fuße Massadas – alle Betten waren belegt, es war ziemlich crazy! –  ….nein, zimperlich ist das Kleine nicht und verwöhnt schon gar nicht!  

Ich wurde auch nicht gefragt oder gar gebeten, diese Taxifahrt durch das frühmorgendliche Berlin zu unternehmen, es war ganz allein meine Idee. Und – das sei hier verraten – ich hatte große Lust dazu! Früher, als die „Jungsbrüder“*** und die „Kleinen“  noch bei uns im Dorf wohnten und ab und zu zu Feiern in der großen Stadt am Dorfrand eingeladen waren, habe ich sie auch abgeholt, wenn kein Zug mehr ging und die Schlafplätze rar waren…. Schon damals hatte ich immer meinen Spaß dabei…  Merkwürdigerweise war ich auch nie zu müde, im Gegenteil, meistens war ich putzmunter. Aber als alte Nachteule, die ich nun einmal bin, ist das nicht einmal etwas Besonderes…  und Auto zu fahren macht mir ohnehin meistens Spaß!  Und so hatte ich  meine mütterlichen Taxidienste geradezu aufgedrängt und freute mich über die Annahme des Angebots.

Ein Freund der „Kleinen“ feierte seine Hochzeit, und weil dieser Freund mir lieb ist wie ein eigenes Kind, hatte ich mich schon am Tag zuvor aufgemacht zum fernen Berlin, um an der kirchlichen Trauung teilnehmen zu können. Im „Heiligen Dorf“ am Stadtrand von Berlin fand ich freundlich-liebevolle Aufnahme bei Sohn und Schwiegertochter, den beiden, die auch den Kleinen Quartier angeboten hatten.  Der Tag der Hochzeit kam und wir fuhren zum Gottesdienst in die große Stadt. Das heißt, ich fuhr. Ich habe keine Mühe und auch keine Not in großen Städten zu fahren, sofern ich entweder  Weg und Ziel einigermaßen kenne, oder mich irgendjemand, der sich auskennt oder gut die Karte lesen kann (sofern es eine gibt) durch das unbekannte  Straßengewirr lotst. Wir haben nämlich keinen Navi und der Liebste weigert sich beharrlich, einen anzuschaffen. Er meint, das hielte seine kleinen grauen Zellen in Bewegung….   Ich kannte weder Ziel noch Weg, aber der Sohn hatte vorgesorgt (er selber hatte einen anderen Termin und konnte nicht mitfahren) und dieses praktische Ding seiner Frau programmiert, mit dem man telefonieren, Facebook-Einträge schreiben, Kochrezepte aufrufen und alle möglichen sonstigen Sachen  machen kann. Das Ding navigierte mich mit quakender Stimme und seltsamer Betonung der Straßennamen durch den Berliner Verkehr  – und mit der eigentlich nicht notwendigen, aber doch hilfreichen Unterstützung eines Co-Navigators, der gleichfalls mit so einem Ding ausgestattet neben mir saß, kamen wir auch gut und viel zu früh an der Gemeinde an.  („Besser als auch nur eine Minuten zu spät“, hatte ich mein Drängen auf eine frühe Abfahrt begründet!)

Gottesdienst und Trauung  näher zu beschreiben, hebe ich mir für persönliche Erzählungen auf, nur so viel, es war ein sehr schöner  Traugottesdienst…. und ich bin dankbar, dass ich dabei sein konnte.  Nach dem anschließenden Empfang lotste mich die merkwürdige Frauenstimme wieder durch den Verkehr zum Ort der Feier, um dort „die Kleinen“ abzuliefern….

Der Co-Navigator, meine Schwiegertochter und ich fuhren zurück ins „Heilige Dorf“. Wir Frauen verbrachten einen netten Abend miteinander …  die Waldbühne kam ins Zimmer …  Mendelsohn, Beethoven und die Berliner Luft… Ein schöner Tag klang leise aus. Ich legte mich schlafen.

Als ich erwachte war es schon hell, ich sah auf die Uhr, es war kurz nach Vier. Fast zeitgleich klingelte mein Telefon und eine fröhliche Stimme teilte mir mit: „Mama, ich bin jetzt fertig mit Tanzen!“

Wir Frauen hatten beschlossen, gemeinsam den Taxidienst zu bestreiten. Wieder leistete das „Telefon“ gute Dienste. Es war ein zauberhafter Morgen, über den Wiesen lagen zarte Nebelschleier und rosa Wolken segelten durch den goldblauen Himmel. Romantische Landidylle am Rand der großen Stadt.  Wir näherten uns Spandau und immer mehr Fahrzeuge kamen uns entgegen.  Ich hätte nicht gedacht, dass am frühen Sonntagmorgen schon so viele Menschen unterwegs sind…    Auf den Straßen in Berlin viele Fußgänger, manchen sah man die lange Nacht an, die hinter ihnen lag, andere schienen offensichtlich auf dem Weg zur Arbeit zu sein, andere joggten durch die Gegend, einer von ihnen wäre mir fast vors Auto gelaufen…. wollte wohl schnell noch bei Rot über die Straße….

Vergnügt und anscheinend kein bisschen müde wartete die liebste Tochter in Begleitung des Bruders und seiner alten Schulfreunde schon auf mich. (Die vier Männer hatten ein anderes Ziel / Quartier! Aber die Situation erinnerte mich an die Zeiten, als es noch ein absolutes Muss für die Jungsbrüder war, solange bei den, dem oder der  „Kleinen“ zu warten, bis ihr Heimweg gesichert war oder gleich selbst den Taxidienst***²  zu übernehmen 😉   !!!

Wir waren die letzten, die vom Ort des großen Festes aufbrachen….***³

Wieder die morgendliche Idylle außerhalb der Stadt, vor uns ein leuchtender Regenbogen über dem „Heiligen Dorf“….  Erfüllt mit großer Dankbarkeit und Freude dachte ich dennoch während der Heimfahrt   „Du bist verrückt, total verrückt, solche Aktionen zu machen….“  Ja, es ist vielleicht verrückt, aber ich fühlte mich lebendig, jung und unbekümmert wie vor Zeiten als die Kinder noch kleiner waren und mütterliche Taxidienste wirklich brauchten …   und eine leicht schnulzige Melodie kam mir in den Sinn….

„Still crazy after all these years…“

————————————————————————————————-

** Im heftigen Gewitterwind hatten sich einige Heringe des Zeltes, in dem die Jungscharlerinnen schliefen gelöst und A. (12 oder 13 Jahre alt) war in stockdunkler Nacht, Gewitter und strömendem Regen zum Materialzelt gelaufen, hatte Heringe und Hammer besorgt und das Zelt wieder windfest gemacht…

**** („Jungsbrüder“ = die beiden älteren Kinder der Familie, „die Kleinen“ = die beiden jüngeren… )

***² Die „Jungsbrüder“ waren damals Mitarbeiter der Gemeinde-Teenie-Gruppe und schon im Besitz der Fahrerlaubnis. Spätestens ab Freitagabend zur „Teenie-Stunde“ verlor ich die Verfügungsgewalt über MEIN Auto, weil die „Jungsbrüder“ es doch so dringend für ihre „Nach-Teenie-Aktivitäten“ benötigten und unser Dorf mit  Öffis abends nicht mehr wirklich gut zu erreichen war….    Deshalb galt die Vereinbarung, entweder die „Kleinen“ nach „der Teenie“ nach Hause zu fahren, oder sie in andere sichere Obhut für die Heimfahrt zu geben….   🙂   In den Jahren der Teeniearbeit,  in deren Mitarbeit die „Kleinen“ später ebenfalls einstiegen, war mein Auto das inoffizielle Teenie-Taxi für alle, die mehr als 50 m von der Bushaltestelle oder Straßenbahnstation nach Hause hätten laufen müssen und gefahren von den jeweiligen Führerscheinbesitzern der Rika-Kinder  😉    

Zur Erklärung:  Die regelmäßigen elterlichen Taxidienste begannen allerdings weit vor der Teenie-Zeit des Nachwuchses, nämlich schon mit der Jungscharzeit und waren notwendig, weil „unsere Kirche“ eben nicht im Dorf stand, wir aber den Kindern Jungscharbesuch und damit auch den Freundeskreis in  unserer Gemeinde ermöglichen wollten und sie endeten erst, als das erste der Kinder den Führerschein gemacht hatte und nun die Fahrten übernahm…. aus reiner Lust am Autofahren, natürlich 😉

***³ Beim Nachsinnen  über „Taxi-Mama“   kommt es mir so vor, als sei mein letzter Taxidienst in frühmorgendlicher Stunde bei der Abi-Fete des Jüngsten und seines guten Freundes gewesen, jenes Freundes, dessen Hochzeit gefeiert wurde…. und auch der saß damals im  „Taxi-Mama“ ! Wo bleibt die Zeit? Auch  vor 12 Jahren war es ein wunderschöner Sonntagmorgen, meine Taxigäste mussten sich ein wenig quetschen auf der Rückbank und es war gut, dass wir keiner Polizeistreife begegneten. 😉

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Kommentare»

1. julia - 25. Juni, 2013

Schöner Bericht! Aber was ist das „heilige Dorf“?

2. AMC - 26. Juni, 2013

Eine schöne Schilderung einer schönen Stimmung, um die zu erleben wohl mehrere Faktoren zusammen kommen müssen, z.B. die Bereitschaft, sie wahrzunehmen. Auch ich (Berlinkennerin) habe über das heilige Dorf nachgedacht. Ob es vielleicht Lübars sein könnte?

3. Rika - 26. Juni, 2013

„Heiliges Dorf“…..
Es gab einmal ein „Olympisches Dorf“ in Berlin, das lag vor den Toren Spandaus in schöner ländlicher Idylle…. Praktischerweise war es so geplant und gebaut, dass es anschließend der Vorbereitung für den Gröfaz zum großen Krieg diente, indem dort Soldaten einquartiert und ausgebildet wurden. Nach den 1000 Jahren zogen sowjetische Soldaten in das Dorf und als auch der Eiserne Vorhang vom Rost der Zeit und dem Willen der Menschen zerbröselte wie Zwieback, standen die alten Kasernen leer und irgendwann zum Verkauf. Der Bund evangelisch-freikirchlicher Gemeinden erwarb einen kleinen Teil des alten (Kasernen-) Geländes (Stätten deutscher und sowjetischer Unkultur) neben den ehemaligen olympischen Dorfhäusern, restaurierte die stark in Mitleidenschaft genommenen Gebäude, die dort standen, errichtete weitere und baute so eine feine kleine Bildungsstätte für angehende hauptamtliche Mitarbeiter und ehrenamtlich tätige, fortbildungswillige Gemeindemitarbeiter auf. Ich nenne den wirklich idyllischen Campus deshalb „Heiliges Dorf“ 🙂 nicht ohne leichtes Schmunzeln, finden sich doch nicht selten unter den Heiligenscheinen früherer und heutiger H-scheinträger schlitzohrige Gesellen (und Gesellinnen) und das ist bei „Heiligen Dörfern“ auch nicht anders! 🙂

http://www.baptisten.de/bildungszentrum-elstal/
http://www.baptisten.de/

Unser Zweitgeborener wird in diesen Tagen mit dem Studium (Masterstudiengang)am Theologischen Seminar fertig! Darüber freuen wir uns und gratulieren wir ihm von Herzen! ♥

4. julia - 28. Juni, 2013

Ah, danke für die Erklärung!


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