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Vierzig Jahre…. 29. Juni, 2013

Posted by Rika in aus meinem kramladen.
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Als die große Feier vorbei war meinte meine Mutter zu meinem Vater: „Wenn das ein Jahr hält, haben wir Glück gehabt…!“ (Mir wurde es tatsächlich so von meinen Eltern erzählt….)

Das, was da halten sollte und von meiner Mutter (wenig schmeichelhaft für mich) sorgenvoll in später Nacht nach dem Fest unserer Hochzeit infrage gestellt wurde, war nichts anderes als diese nunmehr vierzig Jahre währende Ehe.

Ich will nun meine Mutter wirklich nicht in einem schlechten Licht dastehen lassen. Tatsächlich schien aus ihrer damaligen Sicht die Annahme, unsere Ehe könnte sehr bald scheitern, nicht gänzlich aus der Luft gegriffen, waren – und sind es immer noch – mein Liebster und ich doch sehr, sehr unterschiedlich hinsichtlich Temperament und Persönlichkeit und den damit verbundenen emotionalen, kognitiven  und kommunikativen Prozessen, die für eine gelingende Beziehung unabdingbar scheinen,  und vermutlich waren meine Eltern nicht die einzigen Menschen, die  darum der oben genannten Vermutung zugeneigt waren.

Es bleibt vielleicht ein niemals aufzuklärendes Geheimnis, warum unsere Ehe allen normal-alltäglichen und dramatischen Widrigkeiten zum Trotz Bestand hatte – und hoffentlich noch lange haben wird, ja, warum wir heute glücklicher sind denn je. Zu sagen, dass wir uns doch liebten und immer noch lieben, wäre ein bisschen zu einfach, obwohl es gerade diese einfache Feststellung ist, die am ehesten dazu taugt, das Geheimnis unseres Eheglücks zu erklären. Wobei – ich will es ausdrücklich betonen – Liebe nicht mit Gefühl oder gar Gefühlsduselei zu verwechseln ist, was nicht heißen soll, dass Gefühle keine Rolle spielen. Sich aber einzig auf ein immerwährendes Honeymoon-Gefühl zu verlassen, wäre wohl die größte Torheit, der man sich in Bezug auf Beziehung hingeben könnte. Liebe ist mehr als ein Gefühl, es, bzw. sie sei unter anderem  eine Entscheidung, meinte die Pastorin in ihrer Traurede für den Freund am vergangenen Samstag.  Es (sie) ist Arbeit, stellte Ulrich Schaffer in einem seiner vielen guten Texte fest. Es ist der Wille füreinander da zu sein, auch wenn es schwierig wird, hat einmal mein kluger Mann gesagt. „Es ist was es ist“, beschreibt Erich Fried in seinem bekannten Gedicht „Was es ist“ dieses ebenso mächtige wie seltsame intra- wie interpersonale Ereignis! Es ist (auch) ein Geschenk Gottes, glaube ich mit dankbarem Herzen.

Und so danke ich Gott für meinen wunderbaren, klugen, einfühlsamen und gescheiten Mann, der es in all den Jahren verstanden hat, mich zu verstehen – was nicht heißt, dass dieses Verstehen auch automatisch „gut finden“ bedeutet (auch so ein Trugschluss, dem sich viele Leute hingeben und deshalb das Verständnis des Partners strapazieren, bis es wirklich nicht mehr geht!) -, der mich weder eingeengt noch mir unbegrenzte Freiheiten gelassen hat, der meine kreative Lebendigkeit liebt und meinen Übermut zu zügeln weiß und dem es gar nicht gefällt, wenn ich gar zu heftig im Ärger mein Inneres nach Außen kehre…. mit dem ich über alles, wirklich alles reden konnte und kann.

Dieses miteinander Reden war, glaube ich, unser größtes Pfund, mit dem wir wuchern konnten, selbst dann, wenn wir gegensätzlicher Meinung waren oder nach Erklärungen für unser jeweiliges (unterschiedliches)  Verhalten suchten  und wir einander zunächst nicht verstehen konnten.  Zeit, braucht dieses Reden, Zeit, die wir uns dafür immer genommen haben…. manchmal haben wir für unsere ernsten Gespräche einen neutralen Ort gewählt, ein Restaurant zum Beispiel, das , obwohl „öffentlicher Raum“,  genug intime Nähe für das miteinander Reden ermöglichte.

Wie sehr wir bei aller Gegensätzlichkeit doch intuitiv und in phänomenaler Übereinstimmung interagieren konnten und können und uns nahezu blind aufeinander verlassen haben, zeigte sich im Umgang und Zusammenleben mit unseren Kindern. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals einen ernsthaften  Disput über Erziehungsfragen ausgefochten hätten oder hätten ausfechten müssen und schon gar nicht wäre es uns in den Sinn gekommen, mögliche (marginale) Unterschiede vor den Kindern zu verhandeln oder die Kinder gegen den Partner zu instrumentalisieren. Wir haben das immer als großes Glück erlebt und sind darüber froh und dankbar.

Ein Freund schenkte uns zur Hochzeit ein selbst gestaltetes Bild: „Sukzessive Approximation“ hatte er es genannt – allmähliche Annäherung!  Unsere Zweisamkeit ist immer diese Annäherung geblieben, wir sind nicht zu einer  symbiotischen Einheit verschmolzen, wir sind uns nahe, sehr nahe und manchmal scheinen wir  eins zu sein,  aber wir sind immer noch Zwei.

Zwei – mit unseren Eigenheiten, Stärken und Schwächen, unseren Gefühlen und unserem Willen, unserem Reden und Schweigen, mit unserer Liebe. Unsere Zweisamkeit war und ist kein statischer Zustand, sie ist vielmehr immer ein Prozess gewesen und ist es noch. Ich beschreibe das oft mit der Bewegung der Hände: Dicht beieinander, das kein Haar dazwischen zu passen scheint und dann wieder soweit voneinander entfernt, wie es die Länge der Arme zulassen. Beides, das absolut Dichte, wie das absolut Ferne kann man, können wir,  nicht lange aushalten,  wir schwingen aufeinander zu und voneinander weg und sind darin doch (immer) zusammen.Wir brauchen die Nähe und die Weite, das jeweils Eigene und das Gemeinsame.   Ulrich Schaffer beschreibt das in einem Text so:

„Paarlaufen

Wir sind zwei Eisläufer, die ihre getrennten Figuren laufen; aber immer wieder, ein jeder vom Ende seines Eises kommend, laufen wir aufeinander zu, begegnen uns, berühren einander vorsichtig und führen dann den Zauber einer gemeinsamen Figur aus. In jedem Moment sind wir allein, laufen auf dünnen Stahlkufen auf dieser glatten Oberfläche, immer Gefahr zu fallen. Jeder von uns läuft allein, und doch sind wir uns voll des anderen bewußt. Wir zittern für uns selbst, aber auch für den anderen. Es ist nicht zu sagen, ob wir allein sind oder zu zweit. Wir sind allein und sind es nicht. Unsere Übung heißt „Paarlaufen“. Aber wir können es nur, wenn jeder auch als einzelner laufen kann.“ (Quelle)

Wir sind manchmal gestolpert und manchmal konnten wir die gemeinsame Musik nicht hören… unsere Übung dauert noch an, wir werden noch immer besser!

Es waren ereignisreiche, gute, arbeitsame, auch manchmal schwierige und vor allem glückliche Jahre.

Und so erschließt sich mir nach  vielen Jahren auch der Trautext, den uns der Pastor „meiner“ damaligen Gemeinde mit auf den Weg gab. Er findet sich im Johannes-Evangelium, Kapitel 2, 1 – 7  Es ist der Bericht über das erste Wunder, das Jesu bei der „Hochzeit zu Kana“ tat, besser gesagt, es ist der erste Teil des Berichts. Das Wunder selbst, das nämlich Wasser in Wein verwandelt wird, folgt erst in dem folgenden Vers 8. Immer habe ich mich gefragt, warum der Pastor damals nur den Text bis Vers 7  in unsere Traubibel schrieb. Ein Versehen? Jetzt, nein, schon seit einiger Zeit,  weiß ich es, wir haben in den Jahren das getan, was Jesus den Leuten damals auftrug: „Bringt dem Küchenchef eine Probe davon!“ wie es in der Übersetzung „Hoffnung für alle“ heißt. Wir haben Probe für Probe genommen…. und dabei den Wein des Lebens und die Fülle der Liebe Gottes erfahren!

DANK sei GOTT

und DANK sei Dir, mein lieber Liebster!

Und Danke auch an unsere Kinder – die uns so unendlich bereichert haben!

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Kommentare»

1. Saskia - 29. Juni, 2013

Mazal tov! Ich bewundere euch für die lange Zeit, die ihr glücklich zusammen verbracht habt und die vielen weiteren Jahre, die dazukommen werden. Für mich ist eine Ehe etwas sehr Wertvolles, ein Projekt, an dem man immer arbeiten muss, das in manchen Zeiten vielleicht mal weniger gut funktioniert, aber das man niemals leichtfertig aufgeben sollte. Wenn ich sehe, wie viele junge Ehen geschieden werden, weil die Partner sich nicht bemühen umeinander und um die gemeinsame Zukunft, finde ich das jedesmal sehr traurig. Umso schöner ist es, zwei Menschen zu sehen (wenn auch nur auf einem Foto 🙂 ), die gemeinsam einen so weiten Weg gegangen sind.
Aus tiefstem Herzen alles erdenklich Gute für euch!

2. Paul - 30. Juni, 2013

Liebe Rika,
herzlichen Glückwunsch Dir und Deinem Mann zum 40. Hochzeitstag.
Du hast es wundervoll beschrieben.
Es ist aber, so sehe ich das jedenfalls bei meiner Frau und mir, nicht nur eigenes Verdienst, sondern auch Gnade, die Gnade Gottes.
Viele Jahre habe ich in einem Krankenhaus gearbeitet, das zuvor von Ordensbrüdern geleitet wurde. Jedes Jahr wurde mit dem Spruch eröffnet: „An Gottes Segen ist alles gelegen.“ In jeder Kladde, die zu Beginn des Jahres angelegt wurde, stand dies als Wahlspruch. Erst als ich älter wurde habe ich das so richtig verstanden.

AN GOTTES SEGEN IST ALLES GELEGEN.

Möge dieser Segen Euch weiterhin zuteil werden und Seine Gnade Euch beschützen.

Herzlich, Paul

3. Paul - 30. Juni, 2013

Liebe Rika,
beinahe hätte ich es vergessen.
Das Hohelied der Liebe ist in diesem Zusammenhang eine meiner Lieblingsstellen in der Bibel.

Erster Brief des Apostel Paulus an die Korinther.
1 Paulus Korinther 13, 1-13
http://www.die-bibel.de/online-bibeln/luther-bibel-1984/bibeltext/bibelstelle/1+Korinther+13,13/

4. Rika - 1. Juli, 2013

Danke für die guten Wünsche!

Ja, es waren auch schwierige Jahre dabei und ich bin froh, dass wir „das Projekt“ nicht aufgegeben haben… ♥
Und auch, ja, an Gottes Segen ist alles gelegen. Vielleicht wurde das in meinem Beitrag nicht deutlich genug, aber das, auf Gott zu vertrauen, seinen Segen zu erbitten und unter seinem Segen zu leben, ist für mich (fast) so selbstverständlich wie atmen… das müsste ich vermutlich öfter und deutlicher sagen.

1. Korinther 13…. ja, das ist ein wunderbarer Text….

ebenso wie SHIR HASCHIRIM…. das Lied der Lieder, das Hohelied Salomons… 8, 6b ff “ Unüberwindlich wie der Tod, so ist Liebe, und ihre Leidenschaft so unentrinnbar wie das Totenreich! Wen die Liebe erfasst hat, der kennt ihr Feuer: sie ist eine Flamme Gottes! Mächtige Fluten können sie nicht auslöschen, gewaltige Ströme sie nicht fortreißen. Böte einer seinen ganzen Besitz, um die Liebe zu kaufen, so würde man ihn nur verspotten.“ (In der Übersetzung: Hoffnung für alle)


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