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Moloch… 3. Juli, 2013

Posted by Rika in araber, araber-"palästinenser", islam, israel, judentum, meine persönliche presseschau, terrorismus.
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In der Printausgabe der Süddeutschen Zeitung werden zwei Bücher besprochen, die Israel / Juden zum Thema haben. Da aber dem lesenden Volk offensichtlich nicht zugetraut wird, die Rezension im Sinne der Redaktion der SZ zu verstehen, bedient man sich einer Karikatur, um deutlich zu machen, um was es der verantwortlichen Redakteurin (nicht unbedingt dem Rezensenten) geht: Israel soll an den Pranger gestellt und mittels  des „Moloch“- Bildes die Assoziation  eines  schrecklichen Monster geweckt werden.

Wer sich des Begriffs Moloch (er taucht in der Bildunterschrift auf)  in Bezug auf Israel bedient, zeigt zum einen, wes Geistes Kind er ist und zum anderen, dass es mit seiner Bildung nicht so sehr  weit her sein kann.

Zwar wird der Begriff heute vielfach gebraucht, um etwas Monströses, Furcht einflößend  Unangenehmes zu benennen – Städte werden häufig als Moloch bezeichnet -, aber jede und jeder Kulturschaffende, erst recht jede „Historikerin“ sollte doch  die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs kennen.

Diese findet sich ausgerechnet in der Hebräischen Bibel, Christen eher als „Altes Testament“ geläufig. Dort wird in verschiedenen Bibelstellen sehr eindrücklich davor gewarnt, „dem Moloch zu opfern“.  Dem Moloch zu opfern bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als die eigenen Kinder als Brandopfer einem Götzen zum Opfer zu bringen.

Wenn wir uns vergegenwärtigen, dass diese Opferrituale in der Antike durchaus üblich waren, den Israeliten aber durch das göttliche Gebot bei Androhung von Strafe diese Praxis absolut strikt untersagt war, wird das  Perfide, die diskriminierende Absicht der verantwortlichen Redakteurin  durch die  Kombination aus rezensiertem Text und dem entsprechend untertitelten Bild    überaus deutlich. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es sich – wie man heute lesen kann – um ein bedauerliches „Missverständnis“ handelt. Wer, wie Frau Augstein, sich seit Jahren an Israel abarbeitet und jede Gelegenheit nutzt, gegen den jüdischen Staat zu polemisieren, der ist wenig glaubwürdig, wenn er (sie) im Nachhinein und nach massiver Kritik an diesem Vorgehen beteuert, man habe diese Assoziation „Israel gleich mörderischer Moloch“ nicht wecken wollen.

Warum, wenn man nur eine  (ohnehin schon einseitig israelkritische) Rezension an die Leserschaft bringen will, dann dieses Bild mit diesem Untertitel? (Ich verzichte auf die Darstellung, wer will, kann aber diesem Link folgen, in dem die Jüdische Allgemeine zu Bild und Text nüchtern und sachlich Stellung nimmt.) Es wird doch sicher auch der Süddeutschen nicht entgangen sein, dass seit Jahr und Tag auf der Domplatte ein Herr sein Unwesen treibt, der an der dort von ihm installierten sogenannten „Klagemauer“ Karikaturen zur Untermalung seiner anti-israelischen Aktionen darbietet, die gleichfalls eben diese Assoziationen herausfordern – in bester Manier und nach „erprobter“ Machart des Stürmer.

Sollten nur  knapp 70 Jahre seit dem Niederringen des furchtbaren und mordenden Tausdenjährigenreiches wieder in Zeitungen Pamphlete und Abbildungen zu lesen und zu sehen sein, die denen der damaligen Zeit fast aufs Haar gleichen und die damals dazu dienten, einfache wie gebildete Deutsche einzustimmen auf den millionenfachen Mord an den Juden?

Das kann nicht sein. Dem muss man sich sehr entschieden entgegenstellen, auch wenn die Leute, die so etwas verbrechen, prominente Namen tragen!

Einen weiteren Gedanken will ich zu diesem Thema äußern:

Israel ist von Staaten umgeben, die sehr eindeutig, aber zum Teil mit blumigen Umschreibungen die Vernichtung des Staates Israel fordern und ihre Kinder in diesem Sinn erziehen. Zur Erziehung dieser Kinder gehört es unter anderem sie in der Tradition des Dschihad zu schulen und sie auf ein Leben als Märtyrer vorzubereiten, was eigentlich nichts anderes ist, als sie zu opfern, erwartet man von den Heranwachsenden unter anderem  doch, sich für den Kampf gegen Israel selbst in mörderischer Absicht in die Luft zu sprengen und möglichst viele unschuldige Israelis mit in den Tod zu reißen.  Wir kennen doch die Bilder und Geschichten von arabischen Müttern, die stolz darauf sind, einen „Märtyrer“ geboren und erzogen zu haben!  Es gibt sie doch die Frauen, die ihre Kinder ganz bewusst zum Dschihad erziehen. Noch immer, so könnte man es interpretieren, werden auf diese Weise Kinder dem Moloch geopfert. Dem Götzen des Todes.

Wenn in den Gebieten Grundschulen nach sogenannten Märtyrern benannt werden, nach Mördern also, die viele Juden mit in den Tod rissen, wenn den Mördern zu Ehren Gedenkfeiern in Schulen abgehalten werden und „Ausstellungen“ in Universitäten stattfinden, die den Terror preisen, und dies den Medien keine kritische Betrachtung wert ist, aber Israel als Moloch assoziiert werden soll, dann kann man doch nur von einer Umkehrung der ethischen und moralischen Werte reden, denen wir uns hier in Deutschland (eigentlich) verpflichtet fühlen.

Und ein weiterer sehr kleiner Hinweis sei mir erlaubt: Nicht im Judentum und nicht im Christentum wird „Selbstmord“ glorifiziert, der zum Tod unschuldiger Menschen führt. Die dritte der monotheistischen Religionen hat das aber im Programm! Kein Mord, kein Attentat, kein Selbstmordkommando ohne die ausdrückliche Berufung auf Allah….

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Kommentare»

1. Alonso - 3. Juli, 2013

Schöner Artikel. Nur eines möchte ich anmerken: die hebräische Bibel ist bei den Christen zwar als Altes Testament bekannt, aber sie ist mit dem Tanach nicht gleich zu setzen. Der Tanach ist die jüdische Bibel, das Alte Testament ein Großteil der christlichen.
Es gibt sehr sehr viele und große Unterschiede zwischen dem Tanach und dem Alten Testament.

2. Bernd Dahlenburg - 4. Juli, 2013

@Alonso

Die Formulierung „Hebräische Bibel“ ist von Rika sicher nicht nur auf das so genannte „AT“ bezogen worden.

Vielleicht spreche ich ein wenig für Rika – falls Sie mir dies in ihrem Wohnzimmer erlaubt -, wenn ich davon ausgehe, dass sie hier einfach eine allgemeine Formulierung übernommen hatte, von der sie natürlich weiß, dass sie literaturgeschichtlich genauer auszulegen wäre, wenn man sich in einer Theologen-Runde befände.

Und wenn wir von Tanach sprechen, dann müssten wir konsequenterweise auch von Mischna reden, falls wir exegetisch und literaturhistorisch arbeiten.

Gruß
Bernd

3. Bernd Dahlenburg - 4. Juli, 2013

falls Sie mir dies in ihrem Wohnzimmer erlaubt

= falls sie mir dies in ihrem Wohnzimmer erlaubt

4. Rika - 4. Juli, 2013

🙂
erlaubt!
Danke, Bernd!

5. Caruso - 4. Juli, 2013

Liebe Rika! Vielen Dank für Deinen Text! (Ich erlaube mir Dich zu duzen, bin ich doch so viel älter als Du /82J./. Ich bedanke mich nicht nur, weil Dein Text so viel Menschlichkeit ausstrahlt, sondern weil er
mein äußerst mangelhaftes Wissen ein tausendstel Gramm verklei-nerte. Ich bin zwar jüdisch, aber nicht religiös. So bin ich aufgewachsen. Kannte zwar das Wort „Moloch“, wußte aber nicht, wohin damit. Jetzt weiß ich es, dank Dir!
lg
caruso

6. Alonso - 5. Juli, 2013

@Bernd

Rika hat von der hebräischen Bibel gesprochen, welche den Christen als Altes Testament geläufig ist.
Was ich meinte, war einfach nur die Tatsache, dass man die jüdische Bibel, Tanach, nicht mit dem Alten Testament gleich setzen kann. Auch dann nicht, wenn einige das Alte Testament heute als die hebräische Bibel bezeichnen.
Aus dem Grund, dass Rika einfach eine allgemeine Formulierung übernommen hat, war es mir wichtig das genauerer zu beschreiben. Auch hier ist es wichtig das zu differenzieren, selbst wenn es sich nicht um eine Theologen-Runde handelt.

7. Rika - 5. Juli, 2013

Ich habe mich der Einfachheit halber des Begriffs „Hebräische Bibel“ bedient, um deutlich zu machen, wie sehr das Verbot Kinder zu opfern, ja das Verbot der Menschenopfer überhaupt, im Judentum verankert ist… Und ich habe ausdrücklich vom „Alten Testament“ und nicht von „der Bibel“ gesprochen, was Alonsos Einwand absolut berechtigt hätte!! 🙂

Ich denke zudem, dass der Begriff „Hebräische Bibel“ den meisten Leuten eher geläufig ist als die korrekte Bezeichnung „Tanach“

„Die hebräische Bibel wird auch Tanach genannt. Das Wort Tanach ist zusammegesetzt aus den Abkürzungen der Wörter Tora, Nevi’im und Ketuvim:….“ Quelle: http://www.talmud.de/cms/Die_hebraeische_Bibel_Ta.273.0.html

Natürlich kann man nicht eins zu eins den Tanach mit dem „Alten Testament“ gleichsetzen, dennoch fußt das „Alte Testament“ auf dem Tanach und die angegebenen Bibelstellen finden sich allesamt dort.

………………………………………………………………………………………………
Irreführend ist der Begriff „Hebräische Bibel“ insofern, als sie – jedenfalls die Ausgabe die ich benutzte (die mit den hebräischen Buchstaben 😉 und die „Hebräische Bibel“ genannt wird…) – eben auch den neutestamentlichen Teil enthält, in Hebräisch halt. Insofern wäre es korrekt gewesen, das genauer zu sagen.
Das haben wir ja nun getan, nicht?!

PS Möglicherweise gibt es auch Einwände zur Quelle (talmud.de), von der ich nicht Sicherheit sagen kann, wie authentisch „jüdisch“ sie ist. 😉 Aber das sollte dann hier auch nicht weiter thematisiert werden.


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