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Preisgeld…. 30. Juli, 2013

Posted by Rika in araber-"palästinenser", gesellschaft, israel, terrorismus.
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Gestern meinte während der „Tagesthemen“ der Korrespondent der ARD bei den UN, die „Gespräche“ zwischen Israel und den Vertretern der palästinensischen Autonomiebehörde  würden OHNE Vorbedingungen geführt. Kann es sein, dass er von den 104 „politischen Gefangenen“, die Israel auf Wunsch des Herrn Abbas und auf Druck des Herrn Kerry freilassen wird, nichts, aber auch gar nichts gehört hat? Wenn selbst in unseren Käseblättchen darüber zu lesen ist, müsste doch ein Berufsinformierer wenigstens ansatzweise Wind von der Sache bekommen haben, zumal im Zeitalter der allgemeinen und globalen Vernetzung sämtlicher Presseinformationsdienste, sozialer Netzwerke, Twitterkommunikationsdienste und selbst so altertümlicher Nachrichtentransportwege wie Telefon und Handy niemand mehr im Tal der Ahnungslosen ausharren muss.

Oder kann es sein, dass der werte Herr Korrespondent diese geforderte Freilassung als vernachlässigungswürdig erachtet und dementsprechend sie gar nicht erst in seine Informationen einbezieht?  Das „Preisgeld“, das die Israelis zu zahlen haben, also mehr oder weniger „Peanuts“ sind?

104  – in Worten: hundertundvier –  Personen sollen freigelassen werden, die des Mordes oder der Beihilfe zum Mord oder des versuchten Mordes an israelischen Zivilisten überführt und rechtmäßig verurteilt wurden und seitdem  in israelischen Gefängnissen ihre Strafe absitzen.

Wenn man überlegt – und ich denke das einfach mal so ins Blaue hinein – wie groß die mediale Aufmerksamkeit ist, die den NSU-Tätern und dem laufenden Prozess zuteil wird, wie akribisch jeder noch so kleinen Vermutung von möglichen Fehlern der Strafverfolgungsbehörden und des Verfassungsschutzes nachgegangen wird – der bekommt vielleicht selbst hier in Deutschland eine Ahnung davon, was diese Freilassung einer skrupellosen Mörderbande für die israelische Gesellschaft bedeutet. Viel zu viele Menschen haben ihr Leben verloren, unzählige leiden bis heute unter den Folgen des Terrors, den sie zwar überlebt haben, aber dessen schreckliche Gewalt bis in ihre Gegenwart nachwirkt.

Eindrucksvoll schildert Adi Moses ihre Geschichte. Als achtjähriges Mädchen erlebte sie den Terror am eigenen Leib, erlitt schlimmste Verbrennungen, musste mit ansehen, wie ihre Mutter verbrannte und ihr jüngerer Bruder Tage später qualvoll starb. Nachzulesen ist die Geschichte hier.

So wie sie, haben ganz sicher viele Menschen ihre sehr persönlichen, traumatischen Erfahrungen mit denjenigen gemacht, die jetzt freigelassen werden sollen.

Ich kann mich nicht an den Vermutungen beteiligen, die man darüber anstellen kann, was die israelische Regierung bewogen haben könnte, auf diesen makaberen Deal überhaupt einzugehen. Viele Gründe sind denkbar. Und vermutlich werden die in der israelischen Gesellschaft heftig diskutiert.

Die Bloggerin Miriam Woelke, die in Israel lebt, schreibt offen über ihre Frustration, ihre Wut. Ihre Stellungnahme findet sich hier.

Ulrich Sahm beschreibt die Lage aus seiner Sicht in der gewohnt nüchtern-sachlichen Art und nimmt dabei vor allem die palästinensische Seite in den Blick.

Noa, die in Jerusalem lebt und aus Deutschland stammt, fragt einfach „warum“ die Freilassung von Massenmördern „irgendeine Grundlage für einen neuen Staat“ sein sollte.

Nathan Warszawski macht sich diese Gedanken und bringt die Sorge der Israelis vor einem iranischem Atomschlag ins Spiel.

Was aber bei allen nur vorsichtig anklingt, nämlich die Vermutung, dass die Gespräche ohnehin wenig Erfolg haben werden, ist jetzt schon, noch vor der Verhandlung der wirklich wichtigen Punkte, sehr real geworden.

Die Zeit-online schreibt darüber und titelt:

Abbas will keinen Israeli mehr bei sich dulden

Unversöhnliche Worte zum Auftakt der neuen Nahost-Friedensverhandlungen in Washington: Palästinenserpräsident Abbas stößt Israel zum Auftakt vor den Kopf.

Hat irgendjemand, der sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigt, irgendetwas anderes erwartet?  Zwar sind rund 20 % der Staatsbürger Israels Araber, die absolute Mehrheit von ihnen Muslime, einige wenige Christen, aber Juden in dem zukünftigen Staat „Palästina“ soll es nicht geben.

Zugeständnisse, gleich welcher Art, will Herr Abbas an die Israelis nicht machen.

Herrn Kerry scheint das nicht zu bekümmern, auch wenn er an die Komprommisbereitschaft beider Seiten appelliert.

(By the way, wieso Zeit-online in dem Artikel das „traditionelle Fastenbrechen“ hervorhebt, mit dem die Verhandlungen begannen, ohne darauf hinzuweisen, dass Juden in der Regel das muslimische Fasten nicht „feiern“ oder einhalten, ist mir ein Rätsel. Vermutlich drängt es aber die Amerikaner so sehr, im Nahen Osten zu einem Erfolg zu kommen, dass sie das Ende des Ramadan nicht abwarten wollten und man der arabisch-muslimischen Seite nicht zumuten wollte, ohne zu essen zu verhandeln, nicht nur „ein voller Bauch studiert nicht gern“, ein leerer wohl auch nicht…..)  

Fällt keinem der Berichterstatter auf, dass mit der Weigerung, israelische Ansichten zu diskutieren, die Araber bereits zu Beginn der Verhandlungen die Linie und das Ergebnis diktieren und Israel bestenfalls Folge leisten kann? Wozu Verhandlungen, wenn der Ausgang ohnehin von einer Seite bereits festgelegt ist?

Und, so frage ich mich auch, haben die Berichterstatter und Politiker des Westens immer noch nicht begriffen, dass Herr Abbas, der sich doch ganz offiziell mit Landkarten in seinem Büro ablichten lässt, die das „ganze Palästina“ zeigen,  keineswegs von der „Westbank“ redet, in der keine Juden wohnen dürfen, wenn er sagt:

„In einer endgültigen Resolution wollen wir keinen einzigen Israeli – ob Zivilist oder Soldat – auf unserem Land sehen.“

Müssten nicht alle Medien und Politiker allein diese Aussage zum Anlass nehmen, laut und vernehmlich gegen diese Politik palästinensischer Apartheid zu protestieren? Und müssten sie nicht gleichfalls eindeutig Stellung beziehen gegen diese Form der Verhandlungsführung?

Ich kann mich aber des Empfindens nicht erwehren, dass das ein weiteres Spielchen ist, das die Araber aufführen, um beim Scheitern der Gespräche Israel an den Pranger stellen zu können und sich weitere Zuwendungen in Millionenhöhe an die „notleidende“ Bevölkerung zu sichern.

Hegt jemand, der sich mit der Situation schon längere Zeit beschäftigt, etwa die freudige Erwartung, die Medien und Regierungen in Europa und der westlich-orientierten Welt würden endlich klug und den „Schwarzen Peter“ nicht mehr bei Israel verorten, sondern dort, wo er seit dem Teilungsplan der UN im Jahr 1947 liegt: Bei den Arabern nämlich, die weder den Staat Israel akzeptieren, noch einen arabisch-palästinensischen Staat NEBEN Israel gründen wollen. Ihnen geht es immer noch um ALLES, das ganze Land zwischen Mittelmeer und Jordan und das möglichst in „bester Nazi-Denke“,  judenrein!

Wer etwas anderes glaubt oder hofft, ist ein mit Blindheit geschlagener Narr.

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Kommentare»

1. Markus - 30. Juli, 2013

Auch Richard C. Schneider hatte gestern Abend seine paar Minuten, um zu erklären, um was es im Nahost-Konflikt eigentlich geht. Natürlich fing das bei ihm erst 1967 mit der „Besetzung“ des WJL und Gz-Streifens an.
Ich habe es so satt, dass unsere Berufsinformierten nicht in der Lage sind, eine Situation sachlich und klar darzustellen. Und kann Deinen Frust verstehen.
Entweder wollen diese Leute oder sie machen – was ich eher vermute – es aus voller Überzeugung, mit „Blindheit geschlagene Narren“. RCS zumindest steht ja ganz offen zu seiner linken Einstellung.
Was mir wirklich Sorgen macht, ist der Einfluss, den diese verschrobene Falschberichterstattung auf unsere Gesellschaft hat.
Jeder, der ein bisschen Ehre hat, einen wenig recherchieren kann und weiß, wo gut und böse hängt, kann die Situation in und um Israel erfassen. Aber viele „Journalisten“ können das nicht. 😦

2. Caruso - 30. Juli, 2013

Liebe Rika, alles was Du in Deinem letzten Beitrag schreibst ist richtig.
Die Berichterstattung den Nahost-Konflikt betreffend ist miserabel. Nur eines möchte ich hinzufügen, nämlich daß nicht nur die Palis ihr Spielchen spielen, sondern auch der Westen, anstatt zuzugeben, daß seiner Ansicht nach Israels Gründung ein Fehler war, den man rückgängig machen soll und/oder will. Denn es ist ein feiger Pack,
wissend daß sie Unrecht haben. Der Westen ist ein Heuchler, wie es früher nie in diesem Maße gab. Ich verachte den Westen (nicht die Menschen, sondern die Politik) viel mehr als die Palis. Denn sie sind zumindest ehrlich und sagen genau, was sie nicht wollen: Israel. —
Ich weiß nicht, ob es klar ist, was ich da verzapfte. Bin alt (82) und es ist spätabends.
lg
caruso

3. Rika - 31. Juli, 2013

Oh, doch, Caruso, ich verstehe Dich vollkommen und muss Dir leider, leider zustimmen. Die westlichen Regierungen würden sich niemals öffentlich von „dem Existenzrecht Israels“ distanzieren, weil sie sich damit in die Reihe der Nazis stellen würden, was ja nach dem Grauen des Zweiten Weltkriegs und der Shoa einfach nicht geht! Aber sie tun nichts, aber auch gar nichts, um das Existenzrecht zu sichern, im Gegenteil, man gewinnt mehr und mehr den Eindruck, als drehten sie an der Schraube, die dem jüdischen Staat langsam aber sicher Freiheit, Sicherheit und die wirtschaftliche Basis rauben soll.

Ich bin der Überzeugung, dass einerseits die arabische Propaganda gegen Israel Wirkung zeigt und sich andererseits auf perfide Weise mit dem immer noch virulenten Antisemitismus in Deutschland (und Europa) verbindet. Der tritt im Gewand der Israelkritik auf und beteuert, gar nichts gegen Juden zu haben, nur der Staat Israel sei irgendwie viel zu zionistisch-imperialistisch, benachteilige die Araber und sei für die Schwierigkeiten im Nahen Osten zuständig.

Zum Glück ist Israels Sicherheit nicht von Europa abhängig, wenn aber die USA sich zurückziehen – und Obamas Politik scheint das möglich zu machen – dann könnte es kritisch werden.

4. AMC - 31. Juli, 2013

In Carusos Beitrag überlas ich zuerst die Wörter „seiner Ansicht nach“ und war entsetzt. Diese drei Wörter geben natürlich einen völlig anderen Sinn, und der stimmt dann genau. Warum die westlichen Staaten Heuchler in einem dermatigen Ausmaß sind, darüber kann man nur nachdenken, findet aber keine Antwort. Die Medien haben eine führende Rolle in der Delegitimierung Israels, insbesondere die öffentlich-rechtlichen. Die Kirchen auch, evangelisch + katholisch.

5. Caruso - 1. August, 2013

Liebe Rika, lieber (oder liebe?) AMC, es ist schön von euch beiden eine Bestätigung zu lesen. Ich bin eine alte Frau (82) und denke manchmal, daß ich eine alte Unke geworden bin. Schön zu wissen, daß es Andere gibt, die so denken wie ich, noch dazu solche, die aller Wahrscheinlichkeit nach wesentlich jünger sind. Ich danke euch!
lg
caruso

6. AMC - 1. August, 2013

Das ist der Vorteil des Internets, dass man Gleichgesinnte findet, liebe Caruso. Es gibt, was Israel, die Juden…… betrifft, zumindest etwas mehr Gleichgesinnte, als es den Anschein hat. Sie melden sich nicht so laut zu Wort, können nicht immer formulieren, sind mit ihren Angelegenheiten beschäftigt. Und leider sind sie oft oft nicht in der Lage, den bösartigen Einflüsterungen der Antisemiten jeglicher Coleur zu widersprechen.
Ich denke oft darüber nach, ob es nicht doch ein Vorteil ist, dass die westlichen Staaten wenigstens zum Heucheln gezwungen sind, so tun müssen als ob… Gezwungen sind, sich eine dünne Schicht von Zivilisation zu bewahren.

7. Caruso - 2. August, 2013

Ja, ich bin immer froh, wenn ich Gleichgesinnten begegne. Dann fühle ich mich nicht so allein mit meinen Ängsten Israel betreffend. – Das andere: Mögest Du recht haben, lieber AMC!!!
lg und Shabat Shalom
caruso

8. Stoff für’s Hirn | abseits vom mainstream - heplev - 4. August, 2013

[…] Verhandlungen: – Rika hat sich ein paar Gedanken zu den „Verhandlungen“ in Washington gemacht. – In Washington feiern sie sich wegen der […]


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