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Kein Thema für evangelisch… 6. August, 2013

Posted by Rika in christsein und glaube, gesellschaft, meine persönliche presseschau.
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Eine Kirche ist bei einem Brandanschlag unbekannter Täter vollkommen ausgebrannt. Die Pastorin und ihre Gemeinde sind fassungslos.

Die regionalen Zeitungen berichten moderat und ein bisschen empathisch und halten sich hinsichtlich der Vermutungen über Täter und Motive zurück.

Die großen (Online-) Magazine greifen das Thema so gut wie gar nicht auf, was mich nicht weiter verwundert, sind Angriffe auf Christen oder Kirchen kein Thema, mit dem man Kasse machen könnte (online schon gar nicht, selbst dann nicht, wenn es sozusagen um die Kirche in der  Nachbarschaft hier in Deutschland geht!) und außerdem passen sie vor allem nicht ins Bild von „friedlicher Migration“ und da es vermutlich auch keine Neo-Nazis waren, die da frevlerisch gegen eine nicht-christliche Religionsgemeinschaft gewütet haben, kann man auch keinen Blumenpott mit selbstanklagenden Verweisen auf die üblen Deutschen gewinnen.   (Was bei einem Moscheebrand in Deutschland natürlich ganz, ganz anders wäre.)

Dass aber selbst der Informationsdienst der EKD nicht  einen winzigen Hinweis auf den Brand liefert (man bedenke, dass der Verwaltungssitz der EKD in Hannover ist und die ausgebrannte Kirche in Hannovers Stadtrandgemeinde Garbsen steht), nicht einmal in einem Aufruf zur Solidarität und Besonnenheit, das macht mich schon sehr nachdenklich.

Und auch „evangelisch„, das Internet-Magazin der Evangelen, das sich mit Vorliebe den gesellschaftlich relevanten Themen widmet, hält es nicht für nötig, über den Brand der Kirche in Garbsen zu berichten. Selbst „pro„, das eher dem evangelikalem Spektrum zuzuordnen ist, hält sich mit einem Bericht über eine brennende Kirche in Deutschland zurück….  Und ich frage mich, warum das so ist.

Ich habe die Berichterstattung in meinem heimatlichen Käseblättchen verfolgt und auch ab und zu einen Blick in die Online-Ausgabe des selbigen gewagt und weil es mich so sehr wundert, dass man über eine ausgebrannte evangelische Kirche in Deutschland so wenig Worte verliert, sollen hier nun doch noch die Verweise auf die Berichte der HAZ eingestellt werden. (In der vergangenen Woche war mir der Bericht über „Israel eine alte Wunde“ just bei der Vorbereitung für einen Beitrag über den Kirchenbrand aufgefallen und wichtig geworden, an den folgenden Tagen fehlte mir die Zeit…. wie es manchmal so geht!) Nun denn:

Garbsen nach Kirchenbrand unter Schock

Politik reagiert auf Brandanschlag

Christen und Muslime gedenken Willehardi

Ich entsage mir kritische Anmerkungen oder gar böse Vermutungen hinsichtlich der Täter, ich will mich nicht an Spekulationen beteiligen und auch nicht an Vorverurteilungen. Es ärgert mich allerdings, wenn bereits jetzt von den Tätern überaus verständnisvoll als „von den Opfern“ geredet wird. Noch ist nicht klar, wer den Brand verursacht hat und welche Motive ihn dazu bewegten. Aber niemand muss zwangsläufig eine Kirche anzünden, weil er oder sie von der Gesellschaft nicht die Position eingeräumt bekommt, in der er oder sie sich selbst in völlig falscher Selbsteinschätzung gerne sehen würden. Ich mag es einfach nicht mehr hören, wenn Täter zu Opfern stilisiert und ihr gewalttätiges und kriminelles Verhalten als logische Folge ihrer Sozialisationsbedingungen dargestellt wird. Zu unserer Freiheit und zu unserem Menschsein gehört ganz unabdingbar die Verantwortung für unser Tun und Lassen. Und jedem noch so naiven Menschen müsste klar sein, dass Feuer an Häuser oder Dinge zu legen, die nicht sein Eigentum sind, eine kriminelle Handlung ist, die durch nichts, aber auch gar nichts gerechtfertigt ist.  Hätten die Täter alles aus der Kirche gestohlen, was nicht niet- und nagelfest ist, könnte man ja noch von einem persönlichen Notstand ausgehen…..  aber so?

Es ist ehrenwert, wenn die verantwortlichen Pastorinnen und Pastoren zur Barmherzigkeit aufrufen und einem Nachfolger Jesu allemal angemessen, aber gleichzeitig  macht es mich einfach nur traurig, wie wenig wert das „Eigene“ zu sein scheint…. und ich resigniere ein bisschen angesichts der Tatsache, dass muslimische Erzieherinnen in einer evangelischen Kita oder der Fleischlostag der Grünen mehr Aufmerksamkeit selbst in „christlichen“ Medien finden als die Not und Sorge der Garbsener Gemeinde!

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Kommentare»

1. um - 6. August, 2013

Vielleicht schaffen sich die Evangelischen selbst ab?

2. Caruso - 7. August, 2013

Liebe Rika, selbst bin ich nicht religiös/gläubig, aber ich verstehe es, wenn jemand es ist. Und ich respektiere es. Ich finde es abscheulich, wenn man Kirchen, Synagogen usw. anzündet, Orte, wo man Trost, Orientierung etc. bekommt, wo Gläubige beten. Es gibt keinen Grund, so etwas zu tun, außer Haß und/oder Verachtung für Menschen, die an diesen Orten etwas Spezielles erfahren, bekommen, was ihnen lebens-wichtig ist und/oder sein kann. Bin traurig, wenn ich so was lese.
Herzlichst
caruso


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