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Gefühlte Wirklichkeit…. 14. August, 2013

Posted by Rika in aus meinem kramladen, familie, gesellschaft, meine persönliche presseschau, schule - kinder.
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Das mit den gefühlten Temperaturen gibt es ja schon länger. Das Thermometer misst   -3°C aber wir empfinden es mindestens   -10°C kalt, weil, so wird das Phänomen erklärt, Wind und Luftfeuchtigkeit mit dazu beitragen, die Umgebungstemperatur als kälter wahrzunehmen als sie ist.

Dennoch wird der Wetterbericht immer die tatsächlich gemessene Temperatur mitteilen und allenfalls  die „gefühlte“ als zusätzliche Information mitliefern.

Daran musste ich denken als ich heute in meiner Tageszeitung und in den Online-Medien einen Bericht über die Diskriminierung von jungen Menschen in Schulen, Universitäten und Ausbildungsstätten las.

Ich bin davon überzeugt, dass es diese Diskriminierung tatsächlich gibt, unser menschliches und mitmenschliches Verhalten ist leider von Natur aus nicht einfach nur „gut“, wir alle haben unsere Schattenseiten, Abgründe und weniger angenehme Eigenschaften, die dazu beitragen können, andere Menschen auszugrenzen aufgrund unterschiedlichster Kriterien. Das ist beklagenswert und natürlich ist es eine gesellschaftliche Herausforderung und Aufgabe, diese Ausgrenzungen und Diskriminierungen wahrzunehmen und dagegen anzugehen. Insofern finde ich es absolut richtig, eine Studie aufzulegen, die sich dieses Themas annimmt.

Ich habe die Studie nicht  gelesen, kann also nicht wirklich zu ihr Stellung nehmen. In den Artikeln, die über sie berichten, wird fast einheitlich getitelt:

Viele Migranten fühlen sich diskriminiert

Menschen mit ausländischen Wurzeln, aber auch Behinderte, Schwule und Lesben klagen über Benachteiligungen im Bildungsbereich und im Berufsleben.

Mit Sicherheit geben die Betroffenen Auskunft über ihre „gefühlte“ Situation, mit Sicherheit leiden sie unter der Situation, mit Sicherheit ist es ihr berechtigtes Anliegen, ihre Situation so zu verbessern, dass sie sich nicht mehr diskriminiert „fühlen“ müssen.

Die Frage aber, die sich mir stellt, ist die: Stimmt die eigene Wahrnehmung, diskriminiert zu sein, schlechter behandelt zu werden, ausgegrenzt zu werden, mit den tatsächlichen Bedingungen vor Ort überein? Tut die Gesellschaft – im Bildungssystem wie in den Betrieben und Geschäften –  wirklich zu wenig für diejenigen, die als Migranten, Behinderte, Homosexuelle unter uns leben, um ihnen das Ausgegrenztsein zu ersparen?

Seit meinem Studium vor gut 40 Jahren, als ich mich zum ersten Mal mit dem Thema Selbstwahrnehmung / Fremdwahrnehmung beschäftigte und mir dabei ganz Seifensieder aufgingen hinsichtlich meiner eigenen „Betroffenheit“ bei Gefühlen des Ausgegrenztseins, der Missachtung meiner Person und Bedürfnisse, stelle ich mir immer wieder die Frage: Ist das tatsächlich so, wie ich die Situation wahrnehme und welche Rolle spielen meine eigenen persönlichen Anteile sowohl bei meiner Wahrnehmung als auch bei der Einschätzung der Situation.

Dieses Abklopfen auf die „eigenen Anteile“ war mir immer wichtig in Bezug auf meinen Beruf als Lehrerin und bei der Erziehung unserer vier Kinder, und zwar sowohl hinsichtlich „meiner“ Rolle und Anteile, als auch als Frage an die Schüler und Kinder gerichtet, die mir eine Situation schilderten, in der sie sich falsch oder ungerecht behandelt fühlten oder wenn sie mir über einen Konflikt mit einem anderen Kind / Schüler berichteten und sich über andere beschwerten.

Was ist MEIN, was ist DEIN Anteil an der Situation?

Ist es wirklich so, wie ich oder du es wahrnehme / wahrnimmst?

Welche Erwartungen hege ich, hegst du an deine Mitmenschen, deinen Lehrer, Vater, Chef, die Mutter oder Freundin, an die Bedingungen, mit denen ich, mit denen du leben musst?

Wie sehr bestimmen die Erwartungen die Wahrnehmung der Realität?

Was kann ich, was kannst du  zur Lösung beitragen?

Ich hoffe sehr, dass der Bericht in diesem Sinn abgefasst ist und es nicht nur um eine „gefühlte Wirklichkeit“ geht, die mit der Realität nur bedingt übereinstimmt.

Und natürlich hoffe ich darauf, dass sicherlich vorhandene Missstände aufgedeckt, Konflikte offen benannt und Lösungen erarbeitet werden, die nicht nur die gefühlte, sondern die tatsächliche Situation der Betroffenen spürbar und effektiv verändert …. zum Besseren!

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