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Für das Leben… 25. März, 2014

Posted by Rika in familie, gesellschaft, meine persönliche presseschau.
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… zu demonstrieren kann ganz schönen Unmut hervorrufen.

Das jedenfalls mussten einige wenige Demonstranten erfahren, die in Münster für das Leben ungeborener Kinder eintraten und sich gegen Abtreibungen stark machten.

Für „das Leben“  machen sich aber auch diejenigen stark, die anders als die Abtreibungsgegner das uneingeschränkte Recht der Frau auf ein selbstbestimmtes Leben fordern – ein Leben, das vielleicht durch eine Schwangerschaft nicht mehr „lebenswert“ erscheint?

Kann man so Leben gegen Leben aufrechnen?

Als die ersten großen öffentlichen Debatten um die Freigabe des Paragraphen 218   aufbrandeten und prominente Frauen selbstbewusst verkündeten „Ich habe abgetrieben“ oder „Mein Bauch gehört mir!“ war ich selbst eine junge Frau Anfang / Mitte Zwanzig, frisch verheiratet, neu im Job und natürlich unglaublich emanzipiert und aufgeschlossen… so nannte man es damals schon, wenn man zugunsten neuer Ideen oder Denkweisen alte Regeln und Denkmuster nicht nur kritisch hinterfragte, sondern im Überschwang des eigenen modernen Lebensgefühls bereit war diese gleich ganz über Bord zu werfen.

Warum, so argumentierte auch ich, sollte es Frauen nicht vom Gesetz erlaubt sein, eine ungewollte Schwangerschaft zu „unterbrechen“?   Ja, das war damals die Redewendung, so als könne man zu einem beliebigen Zeitpunkt die soeben endgültig beendete Schwangerschaft wieder aufnehmen. Aber „Unterbrechen einer Schwangerschaft“ hörte sich eben viel ziviler an als „Tötung eines ungeborenen Kindes“ . Das, so scheint mir, hat sich bis heute nicht wesentlich geändert.

Was sich aber grundsätzlich geändert hat gegenüber den frühen 70-er Jahren als die Diskussionen und Debatten überaus engagiert und leidenschaftlich geführt wurden, ist die deutlich bessere Aufklärung der Heranwachsenden über den Zusammenhang von Geschlechtsverkehr und Schwangerschaft und die Möglichkeiten, ein nicht ins Lebenskonzept passendes Kind durch wirksame Maßnahmen der Verhütung gar nicht erst zu zeugen, sprich, entstehen zu lassen.  Darum sollte meiner Ansicht nach an dieser Stelle mit allem nötigen Nachdruck  Jungen wie Mädchen, (jungen) Männern wie (jungen)  Frauen bereits die Verantwortung für das, was in unserer Gesellschaft „sexuelle Freizügigkeit“  genannt  (und genossen) wird auferlegt werden.

Geändert hat sich  auch die gesellschaftliche Akzeptanz unehelicher oder vorehelicher Schwangerschaften. Waren diese in meiner Kindheit und Jugend noch Anlass für schamhaftes Verschweigen oder Verschwinden aus der Öffentlichkeit und lastete damit auf den betroffenen Frauen und Familien ein mehr oder weniger schwerwiegender Makel, so ist es heute nahezu „normal“, dass Kinder vor der Eheschließung gezeugt werden, junge Leute bewusst zwar auf die Eheschließung, nicht aber auf Kinder verzichten,   oder Kinder in sogenannten Einelternfamilien heranwachsen.

Dennoch ist das Problem ungewollter Schwangerschaften  keinesfalls aus der Welt, besonders nicht für (junge)  Mütter, die ohnehin in schwierigen sozialen und / oder emotionalen Verhältnissen leben.

Und sicher ist auch eine ungeplante Schwangerschaft für eine Frau, die einem attraktiven Beruf nachgeht oder gezwungen ist, ihren Lebensunterhalt alleine zu verdienen, alles andere als ein Wunschkonzert – und so kann sich schon die Frage stellen: „Mein Leben gegen das des nicht gewollten Kindes?“   Leben gegen Leben?

 

Für mich hat sich mein Leben mit der Geburt des ersten unserer vier Kinder grundsätzlich geändert, besser gesagt meine Einstellung zur Beantwortung dieser Frage. So ist für mich aus dem „Leben gegen Leben“ ein beinahe bedingungsloses „Für das Leben des ungeborenen Kindes“ geworden.

„Beinahe bedingungslos“ sage ich.

Denn ich kann mir vorstellen, dass es tatsächlich Konstellationen gibt, die für eine  Frau derartig lebensfeindlich sind, dass ein Schwangerschaftsabbruch als allerletzter Ausweg offen bleiben sollte. Das aber erst, wenn alle anderen Möglichkeiten der Hilfe und der Solidarität ausgeschöpft sind.  Abtreibungen müssen die absoluten Ausnahmen  bleiben, denn, das ist meine tiefe Überzeugung,  mein Bauch gehört zwar mir und ich bin für ihn verantwortlich, aber ich habe nicht grundsätzlich das Recht, über das Leben eines Menschen zu entscheiden. Ich will hier bewusst NICHT meinen Glauben ins Spiel bringen, weil ich unabhängig von jeder Religion und jedem Glauben das Recht auf Leben als das höchste Gut ansehe, mit dem wir in größter Verantwortung umzugehen haben. Das schließt das Recht der Frau auf ein selbstbestimmtes Leben mit ein, vor allem aber gilt es unterschiedslos allen Menschen, deren Leben mit dem Akt der Zeugung beginnt.

 

 

Wie emotionsgeladen und leidenschaftlich die Debatte immer noch geführt wird, zeigen diese      Berichte  über die Demonstration der Abtreibungsgegner in Münster und die Reaktion der Befürworter.

Man kann sicher darüber streiten, ob ein Einsatz „Für das Leben“ in dieser Weise sinnvoll ist, und es gehört ganz sicher auch in einem Rechtsstaat dazu, dass die unterschiedlichen Meinungen offen ausgetragen werden können und eine Demonstration mit einer  Gegendemonstration beantwortet wird.  Man kann aber wohl kaum darüber streiten, dass diese Auseinandersetzung mit offenem Visier ausgetragen werden muss. Von daher habe ich gar kein Verständnis für die Leute, die zwar ein unbedingtes Recht auf Abtreibung einfordern und sich gegen die Abtreibungsgegner wenden, sich aber vermummen, um entweder grundsätzlich nicht erkannt zu werden oder im Schutz der Vermummung körperliche Attacken gegen die friedlich demonstrierenden Abtreibungsgegner zu führen.

 

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Kommentare»

1. Paul - 26. März, 2014

Liebe Rika,
ich erlaube mir meine Meinung zum Thema zu schreiben. Oft ist mir gesagt worden, dass ich als Mann dazu die Klappe halten müsste, weil es mich nicht betreffen würde.

Zunächst: An der alljährlich in Berlin stattfindenden Demonstration für das Leben nehme ich teil. Die „Gegendemonstranten“ wollen uns unser vefassungsmäßig (Artikel 8 GG) garantiertes Demonstrationsrecht immer wieder streitig machen. Gegendemonstrationen sind m.E. zulässig, aber nicht dann, wenn sie eindeutig das Ziel haben, eine andere Demonstration zu verhindern. Auch Behinderungen und Sabotagen von Demonstrationen sind nicht zulässig.

Nun zum eigentlichen Thema:
„Mein Bauch gehört mir“ ist unbestreitbar richtig. Aber der Embryo gehört nicht der Frau, sondern nur sich selbst. Er ist niemandes Eigentum.

„Denn ich kann mir vorstellen, dass es tatsächlich Konstellationen gibt, die für eine Frau derartig lebensfeindlich sind, dass ein Schwangerschaftsabbruch als allerletzter Ausweg offen bleiben sollte.“
In unserer heutigen Zeit und den Gegebenheiten in Deutschland kann ich mir das nicht vorstellen. (Doch: wenn die Schwangerschaft für die Frau lebensbedrohlich wird. Also wenn das Leben des Kindes gegen das Leben der Frau steht. In diesem Fall und nur in diesem Fall, könnte ich eine Abtreibung rechtfertigen.)
In allen anderen Fällen, ist unser soziales Netzwerk so engmaschig, dass das Austragen des Kindes möglich ist.
Das Kind könnte dann zur Adoption frei gegeben werden. Es sind sogar anonyme Geburten möglich.
Also: Abtreibung – Nein; Freigabe zur Adoption: Ja.

Herzlich, Paul

2. Rika - 26. März, 2014

Lieber Paul,
ich stimme dir in dem vollkommen zu, was du zum Demonstrationsrecht sagst.
Auch deine Einwände, die das soziale Netz betreffen, kann ich genau so teilen.
Ich möchte aber an meiner Formulierung festhalten und neben den lebensbedrohlichen Situationen, in die eine Schwangere geraten kann, auch die nicht minder sehr bedrohliche psychische Situation ins Feld führen, die dazu führen kann, dass eine Schwangere tatsächlich nicht in der Lage ist, ein Kind auszutragen und zu gebären.
Auch Adoption ist ein schwieriges Thema – sowohl für die Mutter als auch möglicherweise später für das betroffene Kind.
Darum bin ich nicht so absolut gegen Abtreibung wie du es formulierst.
Ich trage mich auch sehr mit dem Gedanken der Barmherzigkeit – ganz im Sinne Jesu.

………………………….
Paul, gerade als Mann hast du die Pflicht dazu Stellung zu nehmen!
Sind es nicht Männer, die unbedingt zur Schwangerschaft gehören – und sei es „nur“ in ihrer „Funktion als Zeuger“….
Ich bin darüberhinaus durchaus der Meinung, dass viele Abbrüche vermieden werden könnten, wenn Männer eben nicht nur als „Erzeuger“ funktionierten…. sondern auch wirklich Väter sein wollten.

3. Rika - 26. März, 2014

Gestern war es schon spät und ich war müde, darum jetzt in Stichworten dieser kleine Nachtrag:
Zu den Konstellationen, die einen Abbruch erwägenswert machen, gehört meiner Ansicht nach zum Beispiel die traumatische Erfahrung (ständiger) sexueller Gewaltausübung durch nahe stehende Angehörige und jede Form von Vergewaltigung durch Fremde oder „Freunde“, die zu der Schwangerschaft führten.
Ist es jeder betroffenen Frau wirklich zuzumuten solch eine Schwangerschaft auszutragen? Das finde ich gnadenlos. Ganz sicher kommt es da auf die übrigen individuellen Faktoren an, wie gereift, emotional und psychisch stabil ist ein Mensch, wie gut ist seine Unterstützergruppe – so er eine hat -, wie stark ist eine Frau nach einer traumatischen Erfahrung? Das kann ich doch nicht vom grünen Tisch entscheiden und deshalb masse ich mir in diesen Punkten auch kein Urteil an.
Und „Adoption“ sagt sich so leicht und hört sich nach einer wunderbaren Lösung für alle Betroffenen an. Aber ist sie das wirklich? Schließlich lebt die betroffene Frau mit ihrem sich entwickelnden Kind in einer – zumindest körperlich – absoluten Symbiose aus der sich ganz bestimmt Folgen ergeben, Ich könnte jetzt lange über entsprechende Veröffentlichungen dozieren, will das hier aber nicht tun.

Natürlich ist mir bewusst, dass auch die Folgen jeder (einer) Abtreibung (aus den oben genannten Gründen) für die Frauen dramatisch und psychisch verheerend sein können. Darum ja mein sehr behutsames „beinahe bedingungslos“.
Ich bin sehr entschieden gegen jede Form der Abtreibung, die eigentlich zu einer „Verhütung eines Kindes“ wird. Aber ich bin auch dagegen Frauen in extremer Not zusätzlich zu kriminalisieren.

Darum meine Aussage, dass Heranwachsende heute viel stärker dazu erzogen werden müssen, verantwortungsvoll mit ihrer Sexualität umzugehen – das gilt meiner Meinung nach für junge Männer ebenso wie für junge Frauen – und sexuelle Freizügigkeit nicht auf Kosten des (eigenen) Lebens, das der Partnerin oder des ungeborenen Kindes bis ins Letzte ausgenutzt werden kann / darf / sollte!
Von Erwachsenen erwarte ich das sowieso…. aber das ist wohl eine Illusion angesichts der heutigen gesellschaftlichen Bedingungen.

4. Paul - 27. März, 2014

Liebe Rika,
vielen Dank für deine Erwiderung.
Ja, es gibt Situationen, die eine Abtreibung rechtfertigen können. Deshalb muss ich aber meine grundsätzlich ablehnende Haltung nicht aufgeben. Auch eine große persönliche Reife ist erforderlich, um schwierige Lebenssituationen zu meistern. Nicht jeder ist immer dazu in der Lage. Kein Mensch ist vollkommen. Bei einer Abtreibung hat er Schuld auf sich geladen. Die Schwere der Schuld ist unterschiedlich. Es ist auch möglich Vergebung zu erlangen.
Ich jedenfalls werde niemals jemanden deswegen richten. Urteilen – Nein. Aber beurteilen werde ich es schon.

Vielen Dank auch für das was Du zu uns Männern gesagt hast.
Was die Schuld angeht, hat der Mann die gleiche Schuld wie die Frau.
So manche Abtreibung würde es ohne die Reaktion des Mannes auf eine ungewollte Schwangerschaft nicht geben. Durch den Mann konnte auch so manche Abtreibung vermieden werden.

Ein anderes gutes Beispiel:
Bei uns in der Pfarrei wurde ein 15-jähriges Mädchen schwanger. Der Erzeuger ging stiften. Die Eltern des Mädchens haben angeboten sich um das Kind wie um ein eigenes zu kümmern. Das Mädchen konnte seine Ausbildung ganz normal fortsetzen. Jetzt lebt sie in einer Ehe mit diesem Kind und weiteren Kindern ein normales Leben. Die Eltern des Kindes haben meine Hochachtung, zumal es ihnen wirtschaftlich auch nicht so besonders gut ging. Sie haben es geschafft. Die ganze Gemeinde hat sich darüber sehr gefreut.

Herzliche Grüße, Paul


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