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Gestern ging es um Christen… 5. August, 2014

Posted by Rika in aus meinem kramladen, baptisten, christenkram, christsein und glaube, gesellschaft.
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Mission unter falscher Flagge

Während die traditionellen Kirchen Mitglieder verlieren, sind die sogenannten Evangelikalen im Aufwind. Sie leben ihren Glauben entschieden, wollen allen davon erzählen – und möglichst alle Un- und Andersgläubigen missionieren. 

 

 

So die Ankündigung der ARD für einen Beitrag, der in der Reihe „Die Story im Ersten“ präsentiert wurde.

Die Autorinnen Mareike Fuchs und Sinje Stadlich haben sich auf den Weg gemacht, das fromm-bunte Völkchen der „Evangelikalen“ in Augenschein zu nehmen. Sie haben sich große Mühe gegeben, die frommen Leute in einem möglichst  – tja, wie soll ich es nennen? „Gut“ kann man das Licht eigentlich nicht nennnen, in dem sie die „Evangelikalen“ erscheinen lassen, nicht einmal „neutral – objektiv“ wäre eine passende Bezeichnung für den Filmbericht, den sie dem Fernsehzuschauer zukommen lassen   zumuten. Denn eine Zumutung war es schon, die ich am späten Abend über mich ergehen ließ, und es hätte gar nicht der schriftlichen Erklärung  auf der Internetseite des Senders bedurft, um sofort zu merken, welche Zielsetzung die beiden  Frauen verfolgen, die sich solch eine akribische Mühe geben, der ursprünglichen Ankündigung,   „gefährliche Christen seien auf dem Vormarsch“, wie es in einem Trailer der ARD  hieß, gerecht zu werden.

Mission unter falscher Flaggge“ ist der Titel  des Werks.

Im Untertitel heißt es gar:    In den Fängen radikaler christlicher Gruppen

 

In der Tat hält der Film fast alles, was in der Ankündigung schon angedeutet wird. In dieser  wird zunächst grob der Begriff „Evangelikale“ als Schlagwort eingebracht und gesagt:

 

Dahinter verbirgt sich ein breites Spektrum verschiedenster Glaubensgemeinschaften wie Pfingstgemeinden, Freikirchen, Gemeinschaften der charismatischen Bewegung oder Gemeinden evangelischer Landeskirchen.

An dieser Stelle wäre ein kleiner Link im oben genannten Text  angebracht  (z.B. man findet diesen mühelos im Internet), um dem Leser die Möglichkeit zu geben sich einen kleinen Überblick zu verschaffen, der mehr aussagt als:

Gemeinsam ist ihnen ihr Glaube an die Irrtumslosigkeit der Bibel und an Jesus Christus als den einzigen Retter

„Irrtumslosigkeit der Bibel“  kommt nun mal nicht gut an in einer Welt, die „Irrtumslosigkeit“ allenfalls den Sportberichten im Kicker zubilligt, aber keineswegs einem mehrere Tausend Jahre altem Buch. Noch schlimmer als „Irrtumslosigkeit der Bibel“ ist freilich der Glaube an „Jesus Christus“.

Sollte es den Autorinnen vielleicht entgangen sein, das Christen seit knapp 2000 Jahren an Jesus Christus glauben?  Als in dem Filmbeitrag geradezu verschwörerisch davon die Rede war, dass diese Christen an Jesus glauben, musste ich ja beinahe lachen und stellte laut die Frage:

„Ja, an wen denn sonst?  An den Weihnachtsmann vielleicht?“

Ich muss gestehen, diese Szene und Aussage macht mich vollkommen fassungslos. „Christen glauben an Jesus!“  Was haben sich denn Frau Fuchs und Frau Stadlich gedacht als sie ihre Reportage vorbereiteten, falls sie sich überhaupt vorbereiteten in gründlicher Recherche? Dass Evangelikale eine Sonderbotschaft von Gott erhalten haben und diese nun unter das Volk bringen? Haben die beiden überhaupt schon mal etwas von Jesus gehört, etwas über ihn gelesen, zum Beispiel in dem Buch, das sich nicht irrt?

 

Immerhin „wissen“ sie:

Wer Jesus ablehnt, sei verdammt,

und weisen auf die Erklärung der Evangelischen Allianz hin, dem  Dachverband der Evangelikalen, der etwa 1,3 Millionen Gläubige vertritt.

„Verdammt“, sofern  man es  nicht im Alltag mal eben und ganz nebenbei als Fluch gebraucht, hört sich auch sehr konspirativ und gefährlich an, wenn ein Christ das sagt.  Gottes Ewigkeit und im Gegenpart  die Verdammnis, auch „Hölle“ genannt, sind ja in unserem Leben längst aus der Mode gekommen, sofern mit „Hölle“ nicht eine unangenehme Situation, beispielsweise   Stress im Beruf gemeint ist. Es ist schwierig für Leute von heute, sich mit dem Gedanken an die Zeit nach dem Tod, an die Ewigkeit zu beschäftigen und dabei auch über Hölle und Verdammnis nachzudenken – und leider finden viele auch in den Kirchen wenig Hilfreiches zu diesem Thema.

 

Der weitere Text trifft einige Aussagen zu den verschiedenen Gruppierungen innerhalb der Evangelischen Allianz. Die Autorinnen verzichten darauf, diese als Ganzes zu verurteilen, sie weisen vielmehr darauf hin, dass die Allianz  mit „radikalen Gruppierungen am Rand“ ihre Schwierigkeiten habe.

Sowohl der Text als auch insbesondere der Film stellen einige dieser  – nach Ansicht der beiden Frauen wohl schwierigen – Gruppen vor. Was im Text noch lediglich als Information mitgeteilt wird, offenbart sich im Film als eine ziemlich willkürlich aus jedem Zusammenhang gerissene Ansammlung von Mitschnitten von Gottesdiensten, Kurzinterviews junger Leute und  seltsam anmutenden Berichten von sogenannten Aussteigern.  Immer wieder werden die Filmabschnitte unterbrochen von Stellungnahmen verschiedener Personen, denen man entweder  einen offiziellen Status innerhalab der Kirche oder der Allianz zubilligt oder die man als „Experte“ bzw. Mitarbeiter einer Behörde vorstellt. Mit Ausnahme  der von Jürgen Werth, dem langjährigen Direktor des „Evangeliumsrundfunk“, fielen diese  Stellungnahmen negativ aus.

So wurde ein Szenario  vorgestellt, als seien evanglikale Christen „Menschenfänger“, die  gefährlich für die seelische / psychische und geistliche  Gesundheit der betroffenen  „Eingefangenen“  seien und aus deren Klauen man sich nicht mehr befreien könne.

Mit Sicherheit gibt es  – wie in allen Gruppierungen, ob sie nun religiös,  parteipolitisch oder sportlich bis ehrenamtlich aktiv sind, Menschen, die weder mit der Struktur der Gruppe, noch mit deren inhaltlichen  Ausrichtungen  oder menschlichen Gegebenheiten klar kommen und ganz sicher gibt es auch bei Christen Gruppierungen, deren Struktur oder Glaubensweise dazu geeignet  ist, Menschen zu verunsichern, bzw. zu entmündigen. Darauf  muss die Gesellschaft  achtgeben und dagegen muss sie vorgehen. Aber es kann nicht angehen, dass in einem Film die christliche Gruppierungen, die mit Freude und Lust ihr Christsein leben und auch in ihren Städten und Gemeinden sich öffentlich zum Wohl der Bürger engagieren, in Bausch und Bogen verurteilt und unter den Generalverdacht gestellt werden,  „gefährlich“ zu sein.

Ich habe schon mehrmals in diesem Blog über das beinahe bösartig zu nenende Vorgehen vermeintlich „gutmeinender“  Journalisten geschrieben und dabei auch von meinen persönlichen Erfahrungen berichtet. Das muss ich hier nicht wiederholen.

 

Es stellt sich mir aber doch die Frage, warum diese mediale Jagd auf Christen angestellt wird, warum  christliche, singende und betende,  fröhliche Jugendliche als „radikal“ bezeichnet und in einem Atemzug mit radikalen Muslimen genannt werden, die mit Waffengewalt für ihre Religion in den Kampf ziehen.

Natürlich gibt es das Phänomen, dass 2000 oder 3000 junge Leute in einem Gottesdienst ausgelassen singen, sogar tanzen und – wie sie es selbst sagen würden – JESUS  feiern. Nach meinem christlichen Verständnis haben sie Grund, Jesus zu feiern. Das wird man allerdings schwer in einem Filmbeitrag erfahren können, der NUR aus der Sicht des kritischen Beobachters  einen fröhlichen Gottesdienst „erlebt“.

Bei Facebook habe ich einem  Kommentator, der sichtlich erschüttert  und nahezu verächtlich nur noch:  „Armes Deutschland“ angesichts des Films sagen konnte, so geantwortet:

„XXX, ja, den Eindruck konnte man leider gewinnen, der sich Ihnen wohl vor allem eingeprägt hat. Die Frage ist, ob man genau diesen Eindruck auch gewinnen „SOLLTE“?  Ob es genau darum ging, Christen zu diskreditieren?

Ich habe den Beitrag mit sehr gemischten Gefühlen angesehen, einerseits erinnerten mich einige Szenen an meine Jugend (ich bin jetzt fast 65 ) in der ich mit Begeisterung für Jesus auf die Straße ging. Was für ein wunderbarer HERR! Heute bin ich immer noch von Jesus tief beeindruckt, ja, begeistert, aber mein Stil, das mitzuteilen, hat sich verändert. Ich würde gerne mit Ihnen in Ruhe darüber sprechen können, wie es ist, tatsächlich von Gottes Geist, von Jesus berührt zu werden, eine Form der Heilung zu erleben, die nichts mit unserem medizinischen Verständnis von Heilung zu tun hat, aber dafür mein ganzes Menschsein erfasst.

Damit bin ich bei „andererseits“ in meinen Gefühlen angesichts des Beitrags. Für Leute, die nur die Strenge liturgischer Gottesdienste kennen, ist es vermutlich überaus befremdlich Gottesdienste dieser Art via Fernsehen zu „erleben“.  Sie erleben sie ja nicht, sie beobachten ihn nur mit und durch die Augen derjenigen, die die Bilder und die Filme zusammen gestellt haben.

Und da setzt auch meine Kritik an dem Beitrag an: Hintergrundwissen über Freikirchen wurde gar nicht vermittelt, es wurde mit Begriffen hantiert, die für die meisten Leute heute nicht mehr aktuell sind, beispielsweise den „Zehnten zu geben“. (Die Kirchensteuer wird übrigens nach ähnlichen Gesichtspunketen erhoben, nur dass das nicht der „Zehnte“ vom Netto- oder gar Bruttogehalt ist, sondern ein gewisser Prozentsatz von den Steuern, die der Staat erhebt!) In meiner Baptistengemeinde ist es durchaus noch üblich, den „Zehnten“ zu geben, aber wer nichts hat, kann auch nichts geben, so einfach ist das…. Es ist schade, das all das in Bausch und Bogen verdammt und verurteilt wurde. Über die Frage gleichgeschlechtlicher Liebe wurde in diesem Thread schon an anderer Stelle etwas gesagt, auch da versuchte der Beitrag eine ganz bestimmt Stimmung gegen Christen zu erzeugen. Ich finde das sehr schade und möchte Sie darum einladen, einfach mal in einen ganz normalen freikirchlichen Gottesdienst in Ihrem Ort oder in der Nähe Ihres Ortes zu gehen… Vielleicht ändern Sie dann Ihre Meinung von „armes Deutschland“ in „gut für Deutschland, dass es noch Christen gibt, die nicht an den Weihnachtsmann, sondern tatsächliclh an Jesus Christus glauben“.“

 

Das würde ich auch den beiden Autorinnen von Herzen wünschen, dass sie tatsächlich „Jesus begegnen“, wie wir Frommen es nennen und IHN erfahren und erleben als das Beste, was ihnen in ihrem Leben passieren kann.

 

Noch einen Gedanken will  ich zu bedenken geben:

Wir haben gerade eine wunderbare Zeit der Fußballweltmeisterschaft erlebt und dabei gesehen, wie „gottgleich“  die großartigsten Spieler der Welt von ihren Anhängern verehrt wurden, wie begeistert die Leute auf den Straßen getanzt und gesungen haben, wie euphorisch die Massen beim Public Viewing waren.

Warum können nicht Menschen, für die Jesus großartiger ist als Manuel Neuer  oder Messi  auch ihrer Begeisterung über ihren wunderbaren  Gott  Ausdruck geben? Warum rückt man sie in die Nähe gefährlicher Radikaler wenn sie doch nichts anderes tun, als Gott zu ehren und anderen Menschen davon zu berichten?

 

——–

Eine nüchterne Erwiderung auf den Film, die auch auf die dort erhobenen Vorwürfe gegen einzelne Personen oder Gruppen eingeht (was ich nicht leisten konnte),  gibt es hier:

„ARD: Freikirchliche Gottesdienste als ausgeübte Gewalt“

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