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Die mit dem Fisch… 1. September, 2014

Posted by Rika in christsein und glaube.
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Immer wieder mal sieht man im Straßenverkehr Autos mit einem Aufkleber, der in stilisierter Form einen Fisch zeigt.

Doch die  Vermutung einiger Zeitgenossen, es handele sich bei den Autobesitzern wohl um Mitglieder eines Angelvereins, trifft  nicht zu. Zwar mögen manche Fahrer  der mit einem Fisch geschmückten Autos auch Angler sein, aber der Fisch steht für etwas anderes:  Mit dem Symbol des Fisches geben sich Christen untereinander zu erkennen, bzw. bekennen sie für alle sichtbar, dass sie Menschen  sind, die an Jesus Christus als den Sohn Gottes und Erlöser glauben:

 

Das griechische Wort für Fisch ἰχθύς (ichthýs) enthält ein kurzgefasstes Glaubensbekenntnis (ησοῦς Χριστὸς ΘεοῦΥἱὸς Σωτήρ):

  • ΗΣΟ˜ΥΣIēsoũs (neugr. Ιησούς Iisoús) Jesus
  • ΧΡΙΣΤῸΣChristòs „Christus“ (der Gesalbte)
  • ΘΕΟ˜ΥTheoũ (neugr. Θεού theoú) Gottes
  • ΥἹῸΣ — Hyiòs (neugr. Υιός Iós) Sohn
  • ΣΩΤΉΡSōtér (neugr. Σωτήρας Sotíras) Erlöser

 

siehe Wikipedia

Früher, so sagt die Legende, gaben sich die ersten Christen, die noch dem Druck der Verfolgung ausgesetzt waren, so einander zu erkennen. Der erste malte einen unverdächtig erscheinenden  Bogen in den Sand oder auf die Wand, der andere, so er das Zeichen verstand, ergänzte den ersten Bogen mit einem zweiten zum „Fisch“.   Lange Jahre war das Symbol in Vergessenheit geraten, erst in neuerer Zeit ist es wieder gebräuchlich geworden, als öffentliches Bekenntnis und Erkennungszeichen. (siehe Wiki)

Als die ersten „Fische“ an den Autos aufkamen fand ich das zwar nett, machte aber nicht mit, obwohl ich mich seit ich denken kann zu Jesus bekenne, als den, der mich erlöst.

Aber ich war eben nicht nur eine, die sich zu Jesus bekennt, ich war auch immer ein ziemlich wildes Kind mit eigenem Kopf, ein ungestümer Mensch, wenn es darum ging, etwas, was mir wichtig war, zu „verteidigen“. Mein Mann nannte das immer meinen „missionarischen Eifer“, der sich nun keineswegs in erster Linie auf die klassische Variante von „Mission“ bezog, sondern ganz schlicht auf die Art meiner Meinungsäußerung bei mir wichtigen Dingen. Ihm war dieser Eifer nie so ganz geheuer und das gab er mir auch ziemlich unverblümt immer wieder zu verstehen. Mit der Zeit lernte ich, mich etwas besser zurück nehmen zu können, nicht mehr ganz so eifrig meine Meinung unters Volk zu predigen. Aber ganz ablegen kann ich das Verhalten wohl immer noch nicht, so sehr ich mich auch bemühe.

So wild wie ich als Kind war, so ungestüm wie ich argumentierte, so fuhr ich auch Auto, schnell und manchmal auch herausfordernd – zum Glück aber auch sehr sicher! Beim Wiedereinstieg in meinem Beruf nach der langen Kinderpause, machte es die große Entfernung zu meinem Arbeitsplatz erforderlich, dass wir ein zweites Auto anschafften, „mein Auto“.

Mir gefiel die Sache mit dem  Fisch-Symbol zunehmend besser und ich überlegte, ob ich nicht auch mein Auto so kennzeichnen sollte. Aber, so dachte ich, war dieser Fisch mit meinem Fahrstil überhaupt in Einklang zu bringen? Sollten Christen, wenn sie sich schon als solche zu erkennen geben, nicht ein besseres Vorbild abgeben als ich das mit meiner Fahrerei vermutlich tat? Ich beschloss, zukünftig rücksichtsvoller zu fahren und klebte mir den Fisch an die Heckklappe meines Autos. Und tatsächlich hat mich dieses unscheinbare kleine Zeichen dazu gebracht permissiver zu fahren, weniger wild, weniger herausfordernd, freundlicher im Umgang mit anderen Verkehrsteilnehmern.

Warum ich das hier so ausführlich schreibe?

Weil ich auch im Netz mit dem Fisch unterwegs bin, auch wenn er nicht mehr so gut sichtbar zu erkennen ist, wie an meinem Auto.  Ich schreibe diesen Blog, kommentiere bei anderen Bloggern, bin bei Facebook aktiv. Manchmal gerate ich in hitzige Diskussionen und manchmal passiert es mir, dass mir doch die Gäule durchgehen und ich mich in gleicher unverschämter Weise äußere, wie ich sie bei so vielen Leuten beobachte und gar nicht leiden kann.  Manchmal kostet es mich Mühe, nicht in den schrecklichen Jargon der Schmähungen mit einzusteigen, und eben nicht nur auf die beleidigenden Ausdrücke aus der Tier- und Fäkalsprache zu verzichten, sondern auch mit meinem Schreibstil sorgsam so umzugehen, dass ich zwar meine Meinung sage, mein Gegenüber aber nicht absichtlich herabwürdige oder beleidige.  Es kommt vor, dass ich mich in Grund und Boden schäme, weil ich andere  Menschen mit Verachtung behandelt habe.  

„Die mit dem Fisch“ sind sicher nicht bessere Menschen als alle anderen, aber sie weisen auf den hin, der wie kein anderer Menschen mit Liebe begegnete, sich ihrer annahm und sich selbst nicht scheute, mit als  Sünder verachteten Leuten  Gemeinschaft zu haben.

Christen dürfen, nein, sie sollen sich einmischen, ihre Meinung unters Volk bringen, auch manchmal unnachgiebig sein, wenn es darum geht  die Botschaft Jesu  und seiner  Werte zu verteidigen, sie sollen  aktiv für das einstehen, das ihnen wichtig ist.  Der, auf den der Fisch hinweist, hat sehr eindeutig seine Meinung vertreten, er war immer klar in seiner Rede und in seinem Handeln, aber er begegnete den Menschen mit Geduld, Verständnis und Liebe.

Ich übe mich noch immer darin, Ihm nachzueifern…. mehr kann ich nicht versprechen.

 

 

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Kommentare»

1. Paul - 2. September, 2014

Liebe Rika,
Du hast mich zum Schmunzeln gebracht.

Bei uns haben die Evangelen den Fisch als Symbol.
Wir Katholen haben das SOS-Zeichen, als Hinweis darauf, dass wir in einer Notlage um den Beistand eines kath. Priesters bitten. Ergänzt habe ich es durch das Kolpingzeichen, weil ich dort aktives Mitglied bin.
Zu DDR-Zeiten war es auch noch ein zusätzliches Symbol dafür, dass ich eine andere politische Meinung habe. Wenn ich ehrlich bin, stand das sogar im Vordergrund. Gefahren bin ich aber trotzdem wie ein „Henker“, 😦 weil ich eben auch als Kathole ein sehr unvollkommener Mensch bin. Manchmal habe ich mich für meine Fahrweise geschämt und manchmal habe ich mich auch bewusst gezügelt.

In der DDR bestand sowieso eine starke Neigung die Autos zu bekleben. Bevorzugt auch mit westlichen Reklameaufklebern.

Ausreiseantragsteller haben an die Radioantennen ein weißes Bändchen befestigt. Zunächst haben das nur Brautpaare auf der Hochzeitsreise gemacht. Irgendwann bekam es aber diese andere Bedeutung.

Komischer Weise ist das nach der Wende aus der Mode gekommen. Jedenfalls bei mir. Auch die Fischaufkleber sind seltener geworden, aber noch nicht verschwunden. Das SOS-Zeichen habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

Nach der Wende habe ich ein Betriebsauto gefahren. An das durfte ich nichts ankleben. Inzwischen bin ich Rentner und es ist dabei geblieben. Nur mein Wohnanhänger war noch entsprechend „geschmückt“.

Dein Artikel ist für mich Veranlassung an mein Auto wieder einen Aufkleber anzubringen. Ich habe noch welche zu liegen.

Herzlich, Paul


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