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Die Frage, die bewegt…. 8. Januar, 2015

Posted by Rika in gesellschaft, islam, medien, politik, terrorismus.
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Natürlich war es vorauszusehen und natürlich ist es ganz normal, dass die Terroraktion gegen Charlie Hebdo nicht nur Trauer und Bestürzung auslöst, sondern auch ein gewaltiges mediales Echo hervorrufen wird. (In feiner Selbstironie:  Ich reagiere ja auch…)

Bereits gestern liefen viele Sondersendungen zum Geschehen, eilig wurden Experten einbestellt und routiniert nach ihrer Einschätzung möglicher Folgen befragt, die Experten antworteten in der ihnen eigenen Weise und nach dem Maß ihrer Erkenntnis – die zu dem Zeitpunkt allerdings noch weitgehend eher eine Art Vorab-Kalkulation, denn auf Fakten basierendem Wissen sein konnte. In den Foren der Online-Magazine und in den sozialen Netzwerken des Internet wurde heiß debattiert, geballte Wut, ohnmächtige Trauer, Sorge, Schuldzuweisungen, nichts, was nicht gesagt, besser geschrieben worden wäre.

Zu später Stunde traf sich ein besonders netter Club bei Herrn Plasberg zum gepflegten Ansichtentausch.

Ich schaue sonst nie Plasberg oder die anderen Quaselstrippenshows bei ZDF und ARD und ich stand auch schon in der Tür um das Zimmer zu verlassen, als die Sendung anlief und ich unter den Gästen Roland Tichy entdeckte… also blieb ich.

Was mich schrecklich erbitterte war die Tatsache, dass nicht die Toten im Zentrum standen, sondern die Frage nach der Bedeutung dieses Anschlags für  PEGIDA  (als gäbe es keine wichtigeren Fragen)  – Natürlich reiben sich die Leute bei diesem Verein die Hände, ist das Wasser auf ihre Mühle (so mutmaßte Plasberg) –  und die Folgen für die Muslime in Deutschland.

ZWÖLF Menschen sind bei einem Anschlag auf ein Satire-Magazin brutal ermordet worden und die, die sie ermordeten waren keine Mitglieder des Front National oder  Abendländer mit christlichem Hintergrund, keine durchgeknallten Linken und erst recht und vor allem keine Anhänger des  Fliegenden  Spaghettimonsters.  Die Mörder waren Anhänger einer Religion, die sich gerne mit dem Attribut „Frieden“ schmückt und sie beriefen sich ausdrücklich unter Anrufung ihres Gottes auf den größten aller Propheten. Den Propheten nämlich, den die Redakteure und Zeichner von Charlie Hebdo immer mal wieder ins Zentrum ihrer spottenden Karikaturen gerückt hatten: Mohammed.

Nun darf man im europäischen Abendland so gut wie über Alles und Jeden spotten und selbst Gott, Maria  und Jesus genießen weder Immunität noch einen von  Satire freien Sonderstatus. Der Papst wird ebenso durch den Kakao gezogen wie viele andere Vertreter aus Kirche, Kunst und Politik, die meinen, ihr hohes Amt oder ihr hohes Ansehen schütze sie vor beißendem Spott. Das gefällt den Betroffenen nicht immer und manche Prozesse sind geführt worden um die Freiheit der Kunst, der Meinung und der Presse. Niemals aber hat ein Mensch zu einer Waffe gegriffen um die „beleidigte Person“ zu rächen – und zum Glück sind ja auch die Jahre vorbei, in denen man in Europa seine Ehre im Duell wieder herzustellen suchte mit offenem Visier, nach verbindlichen und anständigen Regeln und Mann gegen Mann (haben sich Frauen eigentlich auch duelliert?).

Wenn es aber um den Islam und den Propheten geht, gelten andere Regeln. Wenn der Prophet zur Zielscheibe der Spötter wird, am Pranger der öffentlichen Kritik steht, dann hört jeder Spaß auf. Das musste Kurt Westergaard ebenso erfahren wie Salman Rushdie, die beide mit dem Tode bedroht wurden, weil sie sich,  ihrer jeweiligen Kunstform gemäß, in unziemlicher Weise mit dem Propheten, bzw. Koran auseinandergesetzt hatten. Ein anderer, der auch den Islam / Koran in den Mittelpunkt seines kritischen Interesses gerückt und dies öffentlich dargestellt hatte, musste mit seinem Leben dafür bezahlen,  Theo van Gogh.

Wenn heute davon geschrieben wird, dass die Freiheit durch die Anschläge auf Charlie Hebdo in höchster Gefahr sei, die Freiheit des Geistes, die Freiheit der Kunst, die Freiheit der Meinung, die Freiheit der Presse, so ist das ja nicht erst seit gestern so. Die Freiheit geht schon lange am Gängelband der Rücksichtnahme auf Gefühle. Gefühle, die durch die Aufführung einer Mozart-Oper in Wallung geraten, Gefühle, die von einem Tatort arg strapaziert werden, Gefühle, die der Hymne eines Fußballvereins nicht gewachsen sind, Gefühle, die ins Spiel kommen, wenn die Tochter am Schulsport teilnehmen soll, an einer Klassenfahrt,  die Frauen ins Schwimmbad gehen möchten  und und und … die Liste ließe sich beinahe beliebig verlängern. Wir haben seit Jahren gelernt, auf die „Gefühle“, die Befindlichkeiten vieler (zum glück nicht aller!) Muslime Rücksicht zu nehmen und im beinahe schon vorauseilenden Gehorsam darauf zu verzichten, etwas zu sagen oder zu schreiben oder zu singen oder … oder …  oder zu tun, was diese Gefühle verletzen, die Befindlichkeit beeinträchtigen könnte.

Und so verwundert es nicht wenn auch jetzt, angesichts der Tragödie von Paris,  geradezu reflexhaft in  deutschen Medien und von den meisten  Politikern vor allem „Rücksicht“ auf die Muslime gefordert wird. Man möge sie nicht dafür verantwortlich machen, was in Paris geschah! wird beinahe schon flehendlich erbeten.

Aber wer macht das denn?

WER macht denn die hier lebenden Muslime für den Terror in Paris verantwortlich?

Wenn überhaupt etwas mit dem Terror dort in Zusammenhang gebracht wird, dann ist es  der Islam, der Islam  als die ideologisch-politisch-religiöse Basis derjenigen, die den Terror im Namen Allahs ausüben. Das – die Anrufung Allahs – war in Paris so, das ist so, wenn Selbstmordattentäter sich in einer Menschenmenge in die Luft sprengen und dabei viele Menschen mit in den Tod reißen, das verkünden die mörderischen Krieger des „Islamischer Staat“ (wir kürzen es sicher nicht nur aus Bequemlichkeit in IS ab!), wenn sie einem Ungläubigen vor laufender Kamera den Kopf abschneiden oder andere Muslime, die nicht ihrer Auffassung von Islam folgen wollen, reihenweise erschießen, das brüllen sie, wenn sie Frauen vergewaltigen und kleine Kinder töten, damit rechtfertigt Boko Haram die Entführung christlicher Mädchen und das schreien ihre Kämpfer, wenn sie Christen töten und Kirchen in Brand stecken, das war der Begleitgesang bei der Sprengung der Buddha-Statuen in Afghanistan und der Türme in New York.

Allahu akba ist das letzte, was Schwule hören, wenn sie im Iran an Baukränen aufgehängt werden und das letzte, das eine Frau vernimmt, die zu Tode gesteinigt wird. Allahu akba begleitet die Peitschenhiebe für unzüchtige Kleidung und das Triumpfgeheul der „Palästinenser“, wenn ein blutiger Anschlag gelungen ist oder Juden beim Gebet abgeschlachtet werden.

Allahu akba brüllen sie in den Straßen von Berlin, Frankfurt, Hannover, Duisburg, in Hagen und Hamburg, wenn sie gegen die Politik Israels wettern  und ganz nebenbei deutsche Juden, Staatsbürger  in Deutschland,  dafür mitverantwortlich machen und unter Zuhilfenahme polizeilicher Dienstfahrzeuge und Megafone „Juden ins Gas“ skandieren.  Und ganz sicher werden auch die Predigten in den Moscheen in Deutschland mit der Anrufung Allahs abgeschlossen in denen junge Männer zum Dschihad aufgefordert werden – und sage mir niemand, solche Predigten gäbe es nicht.

Was aber hören wir immer und immer und immer? Der Islam habe mit dem Terror, mit dem Steinigen, mit dem Töten und Morden, mit dem Vergewaltigen und all den Gräueltaten, die in seinem Namen geschehen, nichts zu tun. Das sei Islamismus, aber auch der habe mit dem Islam nichts zu tun. Deswegen kann „man“ ja – und unter dieses „man“ reihen sich die öffentlichen Verlautbarer dessen was Islam sei ebenso ein, wie die meisten Politiker nahezu aller Parteien, die Vertreter von religiösen Gemeinschaften ebenso wie Linke, Atheisten, Agnostiker –   deswegen also kann „man“  ja auch gar nicht verstehen, dass es in Deutschland Menschen gibt, die dem Islam kritisch gegenüber stehen, weswegen „man“ sie lieber als rassistisch, rechts oder islamophob bezeichnet.

Zwölf Menschen wurden in Paris getötet unter der Anrufung Allahs und die Frage aller Fragen, die in Deutschland gestellt wird, ist die, wie es den Muslimen in diesem Land nun geht und wie man sie vor Übergriffen oder Abschieben an den Rand der Gesellschaft schützen kann.

Und auf die einzige  Frage, die in der Plasberg-Runde gestellt wurde,   was die Antwort der Muslime sei,  was sie tun könnten, antwortet Frau Kaddor mit einer Kaltherzigkeit, die ihresgleichen sucht:

„Sollen Muslime jetzt alle auf die Straße rennen, um sich vom Islamismus zu distanzieren?“

Ja, Frau Kaddor, genau das sollten sie tun. Sie, die Muslime sollten in Massen auf die Straße gehen und sagen: Nicht im Namen Allahs darf noch länger gemordet werden, denn auch wir rufen den Namen Allahs an  und wollen nicht, dass er auf diese grässliche Weise missbraucht wird. Es ist falsch, was ihr im Namen Allahs tut, es ist falsch, dass ihr euch auf den Propheten beruft, es ist falsch, dass ihr bei euren widerlichen Gewaltakten den Koran zitiert oder euch auf ihn beruft.

Ihr solltet  um eurer selbst willen auf die Straßen gehen!

Geht für eure jungen Leute auf die Straße und sagt, das ist nicht „UNSER ISLAM“, in dessen Namen ihr für „Islamischer Staat“ in den Krieg zieht, das ist nicht unser Islam, in dessen Namen  Schwule an Baukränen baumeln, das ist nicht unser Islam, in dessen Namen sich Muslime gegenseitig abschlachten, das ist nicht unser Islam, in dessen Namen Christen massakriert werden. Geht, geht auf die Straßen und wehrt euch gegen einen Islam, der die Bosheit seiner Gläubigen mit dem Paradies belohnt!

Irgendwo im Netz las ich, dass die Muslime tatsächlich aufgefordert werden auf die Straße zu gehen. Herr Mazyeck ließ verlauten, er wolle anregen, dass in den Freitagsgebeten in den Moscheen „über den Terror“ gesprochen und auf den Straßen gegen den Terror demonstriert werden soll.

Fast dankbar wurde das in dem Bericht aufgegriffen…. Muslime wenden sich gegen den Terror!

TOLL!

Terror ist ein so de……………..h…………………n…………barer Begriff,  und wer wäre nicht gegen Terror?

Damit dürfen wir uns um unserer gesellschaftlichen Einheit und um unseres Friedens willen nicht zufrieden geben.

So wie der Terror des NSU nicht einfach nur mit einem bedauerlichen „Tut -uns-leid“ aus der Welt geschafft werden kann, so kann auch der Terror im Namen Allahs nicht mit einem allgemeinen „Wir-sind-gegen-den-Terror“ weiterhin verharmlost werden.

DAS, der Widerstand gegen den Terror im Namen Allahs öffentlich zu zeigen,  ist das mindeste, was Muslime jetzt tun müssen und darin liegt der Beginn der Auseinandersetzung mit dem Islam und der Frage, wie aus einer archaischen Stammesreligion eine ethisch-religiöse Basis für das Zusammenleben von HEUTE erwachsen kann.

Es gibt sie doch, die aufgeklärten Muslime, die sich auf den Weg gemacht haben, dieser Frage nach zu gehen.

SIE sollten wir stärken und ermutigen, ihnen  zutrauen, dass sie den Weg in die zeitgemäße Umsetzung des Islam finden.

Aber dazu müssten auch unsere Politiker ihren Teil beitragen und sie darin unterstützen und nicht länger den Beschwichtigungen oder Forderungen der islamischen Verbände das Wort reden!

 

 

 

 

 

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Kommentare»

1. Paul - 9. Januar, 2015

Gefällt mir sogar sehr, liebe Rika, was Du geschrieben hast.

Nur noch ein kleines „Senfchen“ möchte ich dazu geben.

Als Katholik werden mir immer wieder Inquisition, Hexenverbrennung und Ablasshandel vorgehalten. Obwohl das schon vor einigen 100 Jahren war.

Als Deutscher wurde ich, trotz der Gnade der späten Geburt, im Ausland als Nazi bezeichnet. Obwohl WK2 vor 70 Jahren war.

Muslime darf ich nicht mit Terror in Verbindung bringen, obwohl der erst gestern war?

Herzlich, Paul

2. Rika - 9. Januar, 2015

Dein Senf zu meinem Salat…

Du hast die Kreuzzüge vergessen….. (Achtung, Sarkasmus!)

3. Stoff für’s Hirn | abseits vom mainstream - heplev - 11. Januar, 2015

[…] schöner Kommentar von Rika zum deutschen medialen und politischen Umgang mit den Morden von […]


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