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Aus dem Nähkästchen geplaudert…. 9. März, 2015

Posted by Rika in antisemitismus, araber-"palästinenser", gesellschaft, israel, judentum, medien, politik, terrorismus.
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Um es gleich ganz klar zu sagen: Es geht nicht um mein Nähkästchen, weder um dessen Inhalt, der ist zwar  mannigfaltig und interessant, noch  um dessen Anwendung im Hause Rika. Es geht auch nicht um Klatsch und Tratsch, mit dem man den Begriff „Nähkästchenplauderei“ am ehesten in Verbindung bringt.

Ich wähle diese Überschrift –  und damit verbinde ich gleichsam ein Gefühl der Ohnmacht, das ich seit Jahren empfinde – für den Hinweis auf einen Artikel, in welchem  ein Insider  die seltsam anmutende Übereinkunft beschreibt, mit der Medien sich eines Landes annehmen, das im Vergleich zu den meisten Ländern dieser Erde winzig ist, dessen Bevölkerung und  Politik aber mit Argusaugen beobachtet, beschrieben und damit gleichzeitig  zum Zentrum des weltpolitischen Interesses gemacht wird:

ISRAEL

Keinem anderen Land der Welt wird eine derartige Aufmerksamkeit zuteil, wie dem kleinen Staat im Vorderen Orient. Kaum ein anderer Politiker steht so sehr im Focus der öffentlichen Kritik, wie der jeweilige Ministerpräsident des Staates Israel – unabhängig davon, welcher politischen Partei und Richtung er jeweils angehört. Denn eines ist so gewiss wie das Amen in der Kirche: Ein israelischer Ministerpräsident kann nach den kommentierenden Medien – vor allem unseres Landes – eigentlich NICHTS richtig machen, vielmehr ist davon auszugehen, dass er grundsätzlich ALLES falsch macht. Das jedenfalls ist die betrübliche Quintessenz meiner höchst eigenen Beobachtung der grundsätzlich „kritischen“ Berichterstattung aus Nah-Ost, die an Israel und seiner Politik immer das bekannte Haar in der Suppe findet und mit schönster Regelmäßigkeit aus der „Brühe“ zieht und geradezu genüsslich betrachtet, während die Herren von Fatah und Hamas so etwas wie Narrenfreiheit genießen. Meine Tochter würde stattdessen wohl eher  den Begriff „Welpenbonus“ wählen, bedeutet der doch, dass man jemandem – entsprechend einem  jungen Tier,  ganz  egal ob Wolf oder Schaf –   den Status  des zu Schützenden   zubilligt.  Und das ist es doch, was man den mörderischen Terrortruppen von Hamas oder Fatah  zugesteht: Schutz vor Kritik, völlig egal, wie grausam und fürchterlich ihre Aktionen gegen die ansonsten doch so beschworene „Menschlichkeit“ sind. Geht es um oder gegen Israel, hat ein kleines Kind, das von Steine werfenden Arabern so schwer verletzt wird, dass es an den Folgen stirbt, jedes Recht auf „Menschlichkeit“ verwirkt, spielt „Angriff gegen die Menschlichkeit“ keine Rolle, wenn Rabbiner beim Morgengebet in ihrer Synagoge abgeschlachtet werden. Dann – wenn es gegen Israel geht – sind diese Angriffe „Ausdruck der unterdrückten Minderheit“, die mit dem Mantra von der „Besatzung durch Israel“ allemal gerechtfertigt werden.

Mich hat das – und man kann es in allen meinen Stellungnahmen dazu hier bei „himmel und erde“ (exemplarisch hier) nachlesen – immer schon sehr irritiert und immer wieder fassungslos gemacht. Ich konnte und kann nicht verstehen, dass kluge Menschen (ich halte Journalisten zumindest nicht für dumm) so einseitig über einen Konflikt berichten, der doch alles andere als eindimensional zu betrachten und zu bewerten ist. Es hat mich wütend gemacht – und macht es mich noch – dass „die Siedlungen“ zum Gradmesser der Friedfertigkeit erklärt werden, der Charta der Hamas aber gar keine Beachtung geschenkt wird und auch das öffentliche Gerede des Herrn Abbas von einem zu bildenden „judenreinen Palästina“ niemanden der kritischen Journalistengarde auf die Idee bringt, DAS für zutiefst rassistisch zu halten und dem Tatbestand der Apartheid entsprechend zu beschreiben und zu verurteilen, wo hingegen Israel immer wieder als „Apartheidsstaat“ diskriminiert wird, obwohl arabische Bürger in Israel   die gleichen demokratischen Rechte und Freiheiten genießen wie die jüdische Bevölkerung.

Nicht erst nach der Lektüre des oben bereits genannten und unten verlinkten Artikels, aber durch ihn  ist  mir aufs Neue klar geworden, dass es nur einen einzigen Grund geben kann, der Menschen, die ansonsten durchaus zu differenzieren verstehen, zu dieser einseitigen Haltung gegenüber Israel veranlasst: Israel ist der Staat des jüdischen Volkes.  Es sind JUDEN gegen die sich die manchmal nur dürftig verschleierte Wut und Verachtung richtet. Seit Israel aus der Knechtschaft Ägyptens befreit wurde und sich durch seine monotheistische Gottesbeziehung und die damit verbundenen kultischen Erfordernisse und Gesetze von seinen umgebenden Nachbarn deutlich unterschied, ist es – wie die Propheten der Bibel sagen – zum Stein des Anstoßes und zum Zankapfel der Mächtigen der Welt geworden. Sie, die Menschen, wurden verfolgt, gedemütigt, gemordet und verbannt, weil sie Juden waren.  Ich habe lange in der Annahme gelebt, dass diese anti-jüdischen Ressentiments und die daraus resultierenden Haltungen und Handlungen nach der Shoa nicht mehr das vorherrschende Element in der Beziehung zu Juden (und damit vor allem auch zu Israel)  sein könnten, sein würden…..  Ich habe mich getäuscht. „Leider“ zu sagen, drückt nur unzureichend aus, was ich dabei empfinde und was mir durch den Kopf geht. Es ist entsetzlich!

Hier nun, nach dieser langen Vorrede, der Link zum oben genanten Artikel Matti Friedmans, den ich bei heplev entdeckte und der in der „Jüdische Allgemeine“ erschienen war:

„Reporter mit Grenzen“

Daraus dieses Zitat:

In meiner Zeit als Korrespondent habe ich erlebt, wie Israels Mängel überzeichnet wurden, während die Fehler seiner Feinde nicht vorkamen. Ich habe miterlebt, wie die Gefahren für Israel ignoriert oder als Fantasieprodukte verhöhnt wurden, sogar, wenn diese Gefahren sich immer wieder ganz real manifestierten. Ich habe gesehen, wie ein fiktionales Bild Israels und seiner Feinde produziert, gepflegt und verbreitet wurde, indem bestimmte Einzelheiten aufgebauscht, andere ignoriert wurden und das Gesamtergebnis als akkurates Bild der Wirklichkeit verkauft wurde.

Das entspricht genau meiner Wahrnehmung der Berichterstattung durch die Medien, die für mich ja – zum Glück – inhaltlich immer wieder durch Bloggerinnen vor Ort in Israel  (und die guten Blogs hierzulande)  „nachjustiert“ wurden.

Und auch die Aussage dieses Zitats ist leider zutreffend:

Die einzige Gruppe, die derzeit in der westlichen Welt Objekt eines systematischen Boykotts ist, sind die Juden – heute unter dem bequemen Begriff »Israel«. Der einzige Staat der Welt, dem Unis eigene »Apartheidwochen« widmen, ist der jüdische Staat. Gegen kein anderes Land und kein anderes Volk werden heutzutage derartige Taktiken eingesetzt, gleich wie ungeheuerlich die ihnen zugeschriebenen Menschenrechtsverletzungen sind.

Der Antisemitismus, der niemals verschwunden oder gar „besiegt“ war, zeigt  im Umgang mit Israel sein erschreckend aggressives Gesicht und wird – zu meinem Entsetzen – mit jedem Artikel in den Zeitungen und Magazinen,  mit jeder Nachricht und nahezu jedem Kommentar in unseren Gebühren finanzierten „Staatsmedien“ von ARD und ZDF hoffähiger gemacht.

Es ist nicht verwunderlich, dass Matti Friedman mit dieser Aussage seinen Artikel schließt:

Man sollte denken, dass die Entwicklung neuer und komplexer Konfliktlagen im Nahen Osten die Fixierung der Medien auf Israel etwas abgemildert hätte. Israel ist schließlich nur ein Nebenkriegsschauplatz. An einem Vormittag im Irak sterben mehr Menschen als im Westjordanland und Jerusalem im ganzen Jahr. Stattdessen hat sich die Israel-Obsession der Medien gerade in den vergangenen Jahren paradoxerweise noch weiter verfestigt. Dafür steht der BBC-Reporter, der eine jüdische Frau in Paris nach dem mörderischen Anschlag auf einen koscheren Supermarkt Anfang Januar live auf dem Sender wissen ließ: »Viele Kritiker der Politik Israels würden sagen, dass auch die Palästinenser sehr unter Juden zu leiden haben.« In anderen Worten: Alles kann auf die Besatzung zurückgeführt werden, und Juden sind im Zweifelsfall an Mordanschlägen gegen sie selbst schuld. Kein Wunder, dass so viele Juden in Westeuropa inzwischen wieder nach den Koffern schauen.

Hervorhebung von mir…..  übrigens ist dies, die Rückverweisung der Verantwortung an die Juden selbst für das, was man ihnen antut, schon eine offen angewandte Taktik solcher Geistesgrößen wie Goebbels oder dem „Gröfaz“ selbst. „Beste“ Nazi-Strategie und Stürmer-Rhetorik.   Ob sich die Medienschaffenden dessen eigentlich bewusst sind?

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