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Das Kopftuch, 11. März, 2015

Posted by Rika in gesellschaft, islam, meine persönliche presseschau, migration, politik.
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…. so fordern Muslime, soll  den Lehrerinnen an den Schulen Niedersachsens erlaubt werden.

Herr Weil, seines Zeichens Ministerpräsident des schönen Landes, hatte vor Monaten anlässlich der Bekanntgabe des geplanten Staatsvertrages zwischen dem Land Niedersachsen und den Muslimverbänden eine Lockerung des Kopftuchverbots für Lehrerinnen in Aussicht gestellt. Doch nun tun sich unversehens Probleme auf und der MP kann seine vollmundige Ankündigung nicht wie geplant umsetzen, und auch die Unterzeichnung des Staatsvertrags wird nicht, wie vorgesehen, in absehbarer Zeit (das Frühjahr war dafür in Aussicht gestellt) geschehen, sondern soll auf den Sommer verschoben werden.   In einem entsprechenden Artikel der HAZ heißt es dazu, Zitat: „Bei ‚ganz speziellen Fachgruppen‘ könnte es zu einer ‚veränderten Handhabung“ kommen. (HAZ, 11. März 2015, Titelseite) Siehe dazu auch die Berichterstattung im NDR

Es verwundert vermutlich niemanden, dass das sofort die Verbände der betroffenen Religionsgemeinschaft auf den Plan gerufen und zum Widerspruch und heftigen Protest veranlasst hat.

Ich habe eigentlich nicht vor, die siebenundvierzigtausendste Debatte zum Kopftuchstreit zu führen oder eine weitere Diskussion zu diesem Thema hier zu eröffnen.

Generell halte ich jede Form von übermäßig zur Schau getragenem Bekenntnis für wenig gesellschaftsfördernd oder sozialverträglich und lehne das darum strikt ab, erst recht in solch sensiblen (weil mit anvertrauten Schutzbefohlenen arbeitenden)   Bereichen wie staatlichen  Kindergärten, Schulen oder Krankenhäusern. Das gilt für Thor-Steinar-Klamotten ebenso wie für Kopftücher und buddistische Wallegewänder oder für Kruzifixe an Halsketten in XXL-Format, weil sie eben nicht nur ein schmückendes Beiwerk sind oder ein wenig  bis nicht zu übersehender  Hinweis auf die geistig-spirituelle-ideologische Grundhaltung des jeweiligen Zurschaustellers bedeuten, sondern gleichzeitig ein klares Signal an die  Mitmenschen sind, nicht nur anders sein, sondern sich bewusst abgrenzen zu wollen. Wobei ich es mir nicht verkneifen kann zu schreiben, dass ich Kreuze in XXL-Format außer am Papst und Bischöfen bisher nur an Möchtegernstars oder an „der“ Madonna unserer Zeit wahrgenommen habe, doch während die XXL-Kreuze zum offiziellen Outfit des Papstes oder eines Bischofs gehören, sagen sie bei nicht-theologischen Würdenträgern eher etwas über den (schlechten) Geschmack des Kreuzträgers aus und ganz sicher  eher gar nichts über dessen (ernst zu nehmenden ?) Glauben.

Ein anderes Thema sind Kruzifixe in Klassenräumen und sonstigen öffentlichen Gebäuden. Die müssten meiner Meinung nach nicht sein, können aber nach freundlicher Lesart dafür stehen, dass sich die „Obrigkeit“, die diese Räume verwaltet, darüber im Klaren ist, dass es eine höhere Macht gibt als die, die ihnen die demokratischen Spielregeln unserer bundesrepublikanischen Gesellschaftsordnung zumisst.  Bis vor wenigen Jahren war es Konsenz, diese höhere Macht als Gott zu begreifen, der in Jesus Mensch geworden und am Kreuz starb und wieder auferstand – das Kreuz ist das Symbol dieses Gottes. Dieser Konsenz geht langsam verloren – wenn er nicht gar inzwischen ganz verschwunden ist. Ich bin in einem zwar frommen, aber gänzlich symbolfreien Umfeld aufgewachsen. In meiner Ursprungsgemeinde gab es weder ein Kreuz ohne, noch ein Kruzifix mit dargestelltem Schmerzensmann und schon gar keine Abbildungen von Gottvater oder allen heiligen Aposteln oder sonstigen Gestalten, die die Bibel bevölkern und die Geschichte des Christentums so wunderbar bereichern. Ich halte mich daher für relativ unbelastet und unbekümmert und frei in meiner Argumentation, was das Kreuz im öffentlichen Raum betrifft.  Es muss nicht sein!

Auf der Basis dieser Überlegungen halte ich auch Kopftuchträgerinnen muslimischen Bekenntnisses im öffentlichen Raum für ein „mussnichtsein“! Mehr noch, ich halte sie in Institutionen wie Kindergärten oder Schulen für kontraindiziert, machen sie es doch den muslimischen Frauen und Mädchen schwer, die ohne Kopftuch fröhliche Musliminnen sind, aber zunehmend mehr dem Druck ausgesetzt sind, ihren Glauben gleichsam im öffentlichen Bekenntnis beweisen und mittels Kpftuch als ein – von der Mehrheitsgesellschaft abgrenzendes  – Merkmal zeigen  zu müssen.

Ich denke mit großer Wertschätzung und sehr viel Zugewandtheit an die muslimischen Freundinnen meiner Tochter, die allesamt ohne Kopftuch, dafür  mit sehr viel Engagement  in gesellschaftlich relevanten Berufen arbeiten und vollständig und ohne großes Brumborium in diese Gesellschaft integriert sind und an meine schöne, wunderbare  und kluge Nichte, die ganz sicher  eine nicht weniger gläubige Muslima ist, nur weil sie kein Kopftuch trägt. Ihnen gilt meine uneingeschränkte Solidarität.

Und ich denke an die vielen Frauen vor allem in Iran und Afghanistan, die vor der Machtübernahme durch den politisch-ideologischen Islam ihre Haare frei und unbedeckt Wind, Sonne und Regen  – und  auch und sogar den Blicken muslimischer Männer – preisgeben konnten….

Wir, unsere demokratisch-säkulare Gesellschaft und ihre mit der Regierung beauftragten Personen,   sollten den Forderungen der muslimischen Verbände widerstehen und dabei bleiben: Wenn eine muslimische Frau ein Kopftuch tragen will, um ihren Glauben (und ihre Zugehörigkeit zur Ummah)  damit in der Öffentlichkeit zu demonstrieren, so mag sie das auf der Straße tun, in allen öffentlichen Einrichtungen sollte es bei dem DemosntrationsKopftuchverbot bleiben.

Für die in dem Bericht angesprochenen Probleme der Lehrerinnen, die Islamunterricht erteilen, kann man doch die sehr pragmatische Lösung finden, dass diese Frauen erst im Klassenzimmer, wenn überhaupt (Argument siehe oben) das Kopftuch anlegen. Lehrerinnen, die im Sinne von „demonstrare ad oculi“ ein Kopftuch tragen wollen und damit sehr manipulativ agieren,  halte ich ohnehin nicht  für diesen Beruf geeignet.

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NACHHTRAG

Freitag, 13. März 2015

Welt-online:

Karlsruhe kippt pauschale Kopftuchverbote

Das Bundesverfassungsgericht kassiert die eigene Entscheidung zum Kopftuchverbot bei Lehrkräften. Die Richter halten ein pauschales Verbot für unvereinbar mit der Religionsfreiheit.

Ein pauschales Kopftuchverbot für Lehrerinnen an deutschen Schulen ist rechtswidrig. Nach einer am Freitag vom Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe veröffentlichten Grundsatzentscheidung verstößt das in den Schulgesetzen mehrerer Bundesländer enthaltene Verbot gegen die Religionsfreiheit.

Im konkreten Fall entschieden die Karlsruher Richter über die Klagen zweier muslimischer Pädagoginnen aus Nordrhein-Westfalen. Das Urteil dürfte aber auch unmittelbare Auswirkungen auf sieben weitere Bundesländer haben. Diese hatten in den vergangenen Jahren gesetzlich geregelt, dass Lehrkräfte aus Gründen der weltanschaulichen Neutralität im Unterricht keine Kleidungsstücke als Ausdruck ihres Glaubens tragen dürfen.

Damit hat Karlsruhe seine eigene Rechtsprechung relativiert. 2003 hatte das Gericht noch entschieden, dass auch vorsorgliche Kopftuchverbote zur Wahrung des Schulfriedens möglich sind – wenn es dafür eine gesetzliche Grundlage gebe.

Viele Länder haben Kopftuchverbote im Schulgesetz

„Bringen Lehrkräfte religiöse oder weltanschauliche Bezüge in Schule und Unterricht ein, kann dies den in Neutralität zu erfüllenden staatlichen Erziehungsauftrag, das elterliche Erziehungsrecht und die negative Glaubensfreiheit der Schülerinnen und Schüler beeinträchtigen“,

schrieben die Richter damals. „Es ist zumindest möglich, dass dadurch Schulkinder beeinflusst und Konflikte mit Eltern ausgelöst werden, die den Schulfrieden stören und die Erfüllung des Erziehungsauftrags der Schule gefährden können. Auch die Bekleidung von Lehrern, die als religiös motiviert verstanden werden kann, kann so wirken.“

Die Länder hätten die Möglichkeit, diese „abstrakten Gefahren“ für die Störung des Schulfriedens durch das Kopftuchtragen auszuschließen, indem sie für eine „hinreichend bestimmte gesetzliche Grundlage“ sorgten. Viele Bundesländer schufen daraufhin entsprechende Kopftuchverbote in ihren Schulgesetzen.

Nun aber urteilte Karlsruhe plötzlich, dass so ein pauschales Kopftuchverbot doch nicht mit der Religionsfreiheit des Grundgesetzes vereinbar ist. …“

Die Islamisierung im Namen der Religionsfreiheit schreitet zügig voran…

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Kommentare»

1. Paul - 12. März, 2015

„Ich habe eigentlich nicht vor, die siebenundvierzigtausendste Debatte zum Kopftuchstreit zu führen oder eine weitere Diskussion zu diesem Thema hier zu eröffnen.“

Einverstanden, liebe Rika, deshalb hier meine Zustimmung und keine Diskussion.

2. Paul - 12. März, 2015

Habe zu früh „abgedrückt“, deshalb fehlt

Herzlich, Paul 😦

3. Rika - 13. März, 2015

Nun könnte man, lieber Paul, nach diesem Urteil doch wieder heftig diskutieren….
Zum Beispiel darüber, wie die Richter dazu kommen, den Habit einer Ordensfrau mit dem Kopftuch einer ganz „normalen Muslima“ gleich zu stellen, wie ich es in einem anderen Online-Bericht zum gleichen Urteil las. Schließlich ist das Gewand der Ordensleute Zeichen ihres „geistlichen Standes“, und damit wohl doch eher vergleichbar dem Kopfschmuck eines Mullahs, oder sehe ich das so falsch?
Gibt es eigentlich so etwas wie „muslimische Ordensfrauen“ oder ist die Frau per se für den geistlichen Stand nicht geeignet, weil sie ja im Koran als dem Mann nicht ebenbürtig dargestellt wird? Es soll aber weibliche Imaminnen geben in sehr liberal ausgerichteten Gemeinden. Ob die aber von der Ummah anerkannt werden?
Fragen über Fragen!

Bei spon liest sich die Passage so:
„Die Klägerin mit der Baskenmütze war im Oktober 2008 vor dem Landesarbeitsgericht Hamm in zweiter Instanz unterlegen. Die Frau hatte argumentiert, das Kopftuchverbot verstoße gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz, weil das Tragen der Ordenstracht oder der jüdischen Kippa nicht als religiöse Bekundungen angesehen würden. Dem pflichten die Karlsruher Richter laut „taz“ bei und kippen eine Klausel im NRW-Schulgesetz, die für die „Darstellung christlicher und abendländischer Bildungs- und Kulturwerte und Traditionen“ eine privilegierte Behandlung vorsieht. Diese Privilegierung sei eine Benachteiligung aus religiösen Gründen, zitiert die „taz“ aus dem Richterspruch.“
Über diesen Satz muss ich jetzt erst mal eine Weile meditieren…. 😦

4. Paul - 14. März, 2015

Liebe Rika,
der Vergleich der Ordenstracht mit dem Kopftuch, bzw. die Gleichsetzung ist m.E. falsch.
Die Ordenstracht kann ich mit einer Uniform vergleichen, die eine Zugehörigkeit ausdrückt. Also z.B. auch mit dem Habit eines Imam. Aber nicht mit einem Kopftuch.
Zur Kippa sehe ich eine Analogie. Mir ist aber nicht bekannt, dass ein jüdischer Lehrer darauf bestanden hat mit Kippa zu unterrichten.

Bei den Musliminnen habe ich den Eindruck, dass sie mit der Kopftuchdemonstration die nicht muslimische Umgebung unterwerfen wollen.

Herzlich, Paul

PS: Könnten die Bundesländer nicht ein generelles Verbot aussprechen?
Also nicht nur Kopftuch, sondern auch Kippa und Ordenstracht in staatlichen Schulen verbieten?
Die Privatschulen sollten berechtigt werden, nach eigenem Gutdünken zu entscheiden. Für sie halte ich eine staatliche Regulierung für nicht angebracht.

5. Rika - 14. März, 2015

Ja, Paul,
den Gedanken hatte ich auch…. und habe ihn hier bei mir auch irgendwo so oder so ähnlich geäußert. Bei näherer Betrachtung müsste ich dann aber sagen, dass wir „UNSERE“ Werte und die Darstellung derselben, auf dem heiligen Altar des „gleichesRecht für Alle“ im Namen der Religonsfreiheit geopfert hätten.
Wir verzichten darauf, unsere Symbole, die seit Jahrhunderten in Deutschland gebräuchlich sind, auch öffentlich zu zeigen, nur damit muslimische Lehrerinnen im Kopftuch in die Schule dürfen?
Was für ein Deal, was für ein miser Deal.
Nein, das geht doch wohl auch nicht.

Was die Ordenstracht der Nonnen und Mönche angeht, bin ich ganz Deiner Meinung, aber offenbar können Richter nicht differenzieren zwischen dem religiösen und rechtlichen Status einer Ordensfrau, eines Mönches und dem frommen Gefühl einer ideologisch agitierenden Muslima.
Jetzt bin ich schon wieder kratzbürstig und mache ganz schnell Schluß.
Nicht ohne gute Wünsche für ein ein schönes und gesegnetes Wochenende für Dich….

6. Uta Schmidt - 14. März, 2015

Nun haben die Muslima also erreicht, dass sie ihren Verstand unter dem Kopftuch verstecken dürfen. Wunder bar! Ich bin begeistert. Und wie geht es weiter? Scheint die Sonne nun heller und der Mond bleibt den ganzen Monat voll? Nichts hat sich geändert , außer dass sie sich endlich geschützt fühlen vor dem Bösen. Gegönnt sei es ihnen. Nur bleibt die nagende Frage: was machen sie mit dem bösen Vorurteil das mit unter dem Kopftuch nun noch im eigenen Denken so virulent tobt? Haben sie noch nie einen Menschen getroffen, der für sie zum Mitmenschen wurde obgleich er nicht das Kopftuch trug? Aber das zählt wohl nichts in ihren stolzen Augen. Das fromme Ich wird so gepflegt. Das Umfeld wird zum Diener ihrer Wünsche. So sieht dein Friede also aus? Als Demutszeichen war das Tuch gedacht. Du trägst es um dich zu erhöhen. Du träumst davon die Menschheit zu dominieren. Du benutzt das Kopftuch um das Kainsmal darunter zu verstecken.
Mich beeindruckt dieser Kopfschmuck nicht. Trage es, bis du den Mief darunter selbst nicht mehr ertragen kannst und du dich nach Wahrheit sehnst. Der Tag wird zu dir kommen. Lege schnell das Kainsmal ab dann brauchst deine große Freiheit nicht bei einem Stückchen Stoff zu suchen. Ganz nahe liegt das Glück das ich dir wünsche.

7. Paul - 16. März, 2015

Nee, nee, nee, liebe Rika,…
„Wir verzichten darauf, unsere Symbole, die seit Jahrhunderten in Deutschland gebräuchlich sind, auch öffentlich zu zeigen, nur damit muslimische Lehrerinnen im Kopftuch in die Schule dürfen?“

…Du hast mich falsch verstanden.
Ordenstracht, Kippa und Kopftuch sind an staatlichen Schulen verboten, habe ich geschrieben.
Das war von mir, ich gebe es zu, etwas hinterlistig. Wo unterrichtet schon jetzt jemand an einer staatlichen Schule in Ordenstracht oder Kippa?

Wir geben also nichts auf, sondern stellen nur die gegenwärtige Praxis noch unter ein Verbot, das völlig überflüssig ist.
Dadurch erhalten wir das Kopftuchverbot.

Aber egal, auf mich hört sowieso niemand. 😦

Herzlich, Paul


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