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Hannover, der Terror, ein abgesagtes Fußballländerspiel …. 18. November, 2015

Posted by Rika in aktuell, attentat, hass, politik, presse, terrorismus.
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und viele Fragen.

Es ist kurz nach halb acht. Der Liebste steht im Flur und macht sich startklar für die Fahrt zum Stadion in Hannover.

Länderspiel…  ein Klassiker…  Deutschland gegen Holland, pardon, gegen die Niederlande.

Das Telefon klingelt. Unser Sohn ist am Apparat: „Papa, hast du es schon mitgbekommen? Das Länderspiel ist abgesagt wegen einer Terrorwarnung!“

Nein, Papa hatte es nicht mitbekommen, ich übrigens auch nicht, obwohl ich (das muss ich hier etwas schamhaft  bekennen) vor der Glotze saß und mich an den Rosenheimcops amüsierte. Kein Balken unter dem Bild, der die wichtige Eilmeldung verkündet hätte. Das Smartphone wusste bereits mehr. „Wegen akuter Gefährdungslage ist das Länderspiel in Hannover zwischen  Deutschland und den Niederlanden abgesagt.“

Aha.

„Oh“, dachte ich, „dann  war die Besorgnis also doch nicht nur ein irreales Hirngespinst, sondern durchaus berechtigt.“  Und ich war froh, dass der Liebste nicht meinem Vorschlag entsprechend schon früher losgefahren war und noch heil und sicher mit mir nun auf weitere Informationen wartete.

Die Rosenheimcops wurden für eine Minidurchsage unterbrochen. Claus Kleber teilte mit bedeutungsschwerer Stimme mit was mir bereits wussten. Spiel abgesagt…. in Kürze mehr Informationen. …      Dann durften die Cops in Rosenheim weiter ermitteln.

Ich begann mit meinen eigenen „Ermittlungen“ via PC und Internet, wurde aber nicht wirklich schlauer. Von einem Gegenstand war die Rede, der  bereits eine Stunde zuvor eine erste Reaktion der Sicherheitskräfte verursacht hatte…. herrenloser Koffer, harmlos. …  Seltsam dann die Bemerkung in einem weiteren ZDF-Spezial über eine Gefährdung, die aus den „eigenen Reihen“ käme,  im Internet wusste der „Mirror“ inzwischen von einer Ambulance zu informieren, die voller Sprengstoff sei.

„Große Güte“, dachte ich… „das wäre ja entsetzlich geworden.“

Kathrin Müller-Hohenstein berichtete  über ihre verschlungenen Wege zum ZDF-Studio…. was ich etwas seltsam fand, liegt das Studio doch direkt am Maschsee und ist in wenigen Minuten vom Stadion aus zu erreichen… aber vielleicht hatten die Sicherheitskräfte ja die direkte Straße gesperrt. Das ZDF spielte einen Kurzbericht über mutige Hannoveraner ein, die mit Kerzen in der Hand vor dem Neuen Rathaus stehend dem Terror die Stirn bieten wollten ….   die Sicherheitskräfte …    und die Fans, die enttäuscht die Arena und das Stadiongelände verließen.  Beeindruckende Bilder, aber keinerlei erhellende Information.

Die lieferte auch die später am Abend angesetzte Pressekonferenz mit dem Bundesinnenminister und dem Landesinnenminister nicht.

Es sei im Laufe des Abends zu einer Zuspitzung in der Gefährdungslage gekommen, ließ der Bundesminister verlauten  und  man habe reagieren müssen. Der Landesminister hob hervor, es habe keine Verhaftungen gegeben und Sprengstoff sei nicht gefunden worden.  Die Herren schienen bedrückt und irgendwie ziemlich kleinlaut, jedenfalls interpretierte ich ihren Gesichtsausdruck so.

Man habe mit dem Spiel ein Zeichen setzen wollen, dass man sich vom Terror nicht kleinkriegen lasse, nun aber, angesichts der Gefährdungslage das Zeichen gesetzt, dass man stark sei, dem Terror zu begegnen. Wirklich überzeugend klang das für mich nicht.

Der Innenminister der Bundesrepublik bat die Zuschauer um Vertrauen, man wolle nicht mehr Informationen preisgeben, um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen und darüberhinaus den Terroristen keinen Hinweis darauf zu geben, wie man ihnen auf die böse Schliche gekommen sei.

Ausgerechnet der Innenminister, der wie kein anderer in den letzten Wochen um Verwirrung bei den chaotischen Bedingungen der Flüchtlingssituation gesorgt hatte, wirbt um Vertrauen. Da bleibt einem selbst der Spott im Halse stecken.

Wie ein kleines Kind fühle ich mich von dem Herrn Minister  behandelt und ich muss daran denken, wie ich damals meinen noch sehr kleinen Kindern die Angst vor dem Gewitter nahm: Wetterleuchten am Horizont, Donner ist zu hören…  „Seht mal, wie schön es aussieht, wenn der Himmel plötzlich so hell aufleuchtet …. und stellt euch vor, da oben sitzt einer und schlägt eine große Pauke (einer unserer Söhne trommelte schon als Kleinkind für sein Leben gern, heute spielt er Schlagzeug!)  Das fanden die Kinder irgendwie lustig….

Ich bin aber kein kleines Kind und lustig finde ich die Ausflüchte der beiden Innenminister ganz und gar nicht.

Sie wollen mir weißmachen, sicherheitsmäßig alles im Griff zu haben.

Haben sie?

Trauen sie am Ende ihren eigenen Sicherheitskräften nicht? Wie kann es sein, dass man darüber spekuliert, in einem der Einsatzwagen vor Ort sei ein Sprengsatz deponiert .    Laut K.M.H. wurde sogar der Ü-Wagen des ZDF für eine gründliche Untersuchung konfisziert,   soll mich das beruhigen?

Sicherheit geht anders.

Wer je mit einer israelischen Maschine nach Israel geflogen ist, kennt das Prozedere. Nette Menschen stellen Fragen. Einige der Fragen lauten: „Wer hat Ihren Koffer gepackt? Hatte jemand Zugang zu Ihrem Gepäck? Hat Ihnen jemand etwas mitgeben wollen? War Ihr Gepäck beaufsichtigt, konnte jemand sich an Ihrem Gepäck zu schaffen machen?“ Mit anderen Worten, konnte irgendein Bösewicht einen Sprengsatz im Gepäck deponieren, der zu einer ganz bösen Überraschung der Passagiere führen könnte.

Hatten die Sicherheitskräfte ihre Polizei- und sonstigen Einsatzwagen vor dem Einsatz überprüft?  Gab es die Möglichkeit für fremde Personen sich den Einsatzwagen zu nähern, sie gar zu betreten? Waren sie beaufsichtigt? Die ganze Zeit?

Ja? Dann ist ja alles im grünen Bereich.

Nein?  Warum nicht?

Es muss wohl das „Nein“ gewesen sein, warum sonst hätte man  nach der Absage des Spiels damit begonnen, die Einsatzwagen nach Sprengstoff zu  durchsuchen?  Nur weil man einen entsprechenden Hinweis von „den Diensten“ erhalten hat? Wenn man doch so sicher ist, alles Notwendige für die Sicherheit getan zu haben, warum dann diese Reaktion?

Es blieb alles ruhig. Nur am Bahnhof erschnüffelte ein auf Sprengstoff spezialisierter Hund ein verdächtiges Gepäckstück. Heute steht in der Zeitung, es sei „im ZUG“  kontrolliert gesprengt worden.  „Vermutlich war es ein Chinaböller, den verschreckte Fans im Zug vergessen hatten“, ist meine ganz despektierliche Annahme.

Was ein mutiges Zeichen gegen den Terror hätte werden sollen, ist ein Zeichen wachsweichen Einknickens vor dem Terror geworden. Um nicht missverstanden zu werden, die Ordnungskräfte haben sich vorbildlich verhalten und die Entscheidung, das Spiel abzusagen, war nach Lage der Dinge sicher richtig.

Aber die Fragen an unsere Sicherheitsbehöden bleiben. Die Frage auch, wie wir zukünftig informiert werden über relevante Fragen unserer Sicherheit.

Haben die Terroristen des „Islamischer Staat“ nicht mit ihrer Taktik, uns hinter die Fichte zu führen und mit der Finte rechts anzutäuschen und links zuzuschlagen nicht bereits ihr Ziel erreicht unsere Freiheit zu beschneiden?

Bleibt nicht  die Frage, ob das Einknicken gegenüber den Terroristen nicht schon damit beginnt, dass man  jede ihrer Drohungen zum Anlass nimmt, den eigenen Lebensstil zu überprüfen, sich dem Zwang ihrer Drohgebärden zu beugen, selber auf klare Argumente und deutliche Ansagen zu verzichten, um „sie nicht zu provozieren“?

Wenn es „nach Paris“ reicht, eine Drohung zu lancieren, um uns  in Angst und Schrecken zu versetzen und uns in unserer Lebensweise extrem zu stören, was ist dann die Antwort darauf?

Was ist z.B. mit den Bundesligaspielen am Wochenende??? Was mit Konzerten in den Sälen undArenen unserer Republik??? Was mit Diskotheken???

Vielleicht sollten sich unsere Sicherheitsorgane  von Israelis beraten lassen… die sind seit Jahr und Tag dieser Art des Terror ausgesetzt … und bislang hat die deutsche Regierung nur wenig Verständnis für das unnachgiebige Vorgehen der israelischen Regierung gezeigt, keine Handbreit dem Terror nachzugeben. Aber das wird sich vermutlich ändern.

Helmut Schmidt, der in der vergangenen Woche starb, hat das „unseren“ Terroristen gegenüber durchexerziert: „Wir lassen uns von Terroristen nicht erpressen!“ Es waren furchtbare Tage. Aber ohne seinen mutigen Entschluß, sich der RAF und ihren palästinensischen Helfershelfern nicht zu beugen, wären die Zeiten für uns noch schlimmer geworden, dessen bin ich mir ziemlich sicher.

Was bleibt also nach diesem „Spiel in Hannover“   –  einem Fußballspiel, das nicht gespielt wurde – und einem  Katz-und-Maus-Spiel, auf das sich die Regierenden einließen?

Fragen…. zu viele unbeantwortete Fragen….

 

 

 

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Kommentare»

1. eckenberlins - 18. November, 2015

Hallo Rica, ich gebe dir Recht, dass viele Menschen seit Samstag in einer Art Dauerpanik verfallen sind und dass das nicht sein kann, weil gerade das möchten diese Schweine erreichen, dass wir permanent Angst haben. Wir werden nicht drum herum kommen, unsere Sicherheitsvorkehrungen bei solchen Massenveranstaltungen zu verschärfen (warum konnten die Attentäter so leicht eine Konzerthalle stürmen? ), aber wir sollen nicht alles absagen aus einer unbestimmten Angst, es könne was passieren. Aber die Attentate von Paris sind noch viel zu frisch. Ich denke, in einem Monat wird das Ganze anders aussehen. Liebe Grüße, Silvia http://www.eckenberlins.wordpress.com

2. Rika - 18. November, 2015

Liebe Silvia,
keine Beleidigung der Schweine bitte!
Das Massaker wurde von Menschen angerichtet. Menschen!

3. Paul - 19. November, 2015

Liebe Rika,
alle Gedanken die Du aufgeschrieben hast, habe ich auch gehabt.

In Anbetracht der gegenwärtigen Politik unserer Regierung empfand ich die Bitte um Vertrauensvorschuss als eine Zumutung.
Die kryptische Aussage, dass er nicht alles sagen könne, was er weiß, um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen, hat bei mir gerade das Gegenteil bewirkt: eine große Beunruhigung und Verunsicherung erzeugt.

Meinen Kindern habe ich in bestimmten Situationen manchmal gesagt, weil ich sie nicht belügen wollte, dass ich ihnen das nicht sagen könne, weil sie es nicht verstehen würden.
Von de Maizière fühlte ich mich als Kind behandelt. Kein gutes Gefühl für einen mündigen Staatsbürger.

Ja, wir sind vor dem muslimischen Terrorismus eingeknickt. Wir knicken auch sonst ein. Ich erinnere an ein Kosmetikprodukt bei Aldi, das wegen Beanstandungen durch Muslime aus den Regalen genommen wurde. Beanstandet wurde die Abbildung einer Moschee.
Weiter erinnere ich an einen Karnevalswagen im Rosenmontagszug in Köln, der nicht gebaut wurde. Ein anderer Karnevalsumzug wurde gänzlich abgesagt.

In den Augen der Muslime sind wir schwach und jederzeit zum Einknicken bereit.
Das Problem wird dadurch unsere Haltung nicht beseitigt.

Richtig, unter Schmidt wäre das sicher nicht passiert. Durch den Doppelbeschluss hat er mit dazu beigetragen, dass die Sowjetunion in eine Rüstungsspirale getrieben wurde, die sie wirtschaftlich ruiniert hat.

Kann es sein, dass uns die Terrorismusabwehr, Bekämpfung ist das nicht, in eine Sicherheitsspirale treibt, die so teuer wird, dass es den Standort Deutschland empfindlich schädigt? Hinzu kommen dann noch Millionen von Flüchtilanten (so nannte Pirincci sie treffend), die auch erhebliche Kosten verursachen.

Aber, unsere „Pippi Strumpfhose“, die sich ein Deutschland schafft, wie es ihr gefällt, meint, dass wir das schon schaffen.
Wer’s denn glaubt? Ich nicht.

Herzlich, Paul

4. caruso - 19. November, 2015

Nicht sehr beruhigend,, was Du, liebe Rika, beschreibst. Eure Staatsorgane – Regierung und abwärts – scheinen nicht viel besser zu sein als unsre, hier in Österreich. Ich beneide die führende Personen nicht, die Lage ist – auch wenn teils selbstverschuldet – schlimm. Aber am schlimmsten empfinde ich, und zwar seit langem, daß es so scheint, als würde diesen Personen an Denkfähigkeit mangeln. an Voraussicht, an geschichtlichem Wissen, an Einfühlungsvermögen in eine andere Kultur, die so anders ist als die unsere. Das erstemal fiel mir das bei den letzen Balkankriegen auf. Seitdem empfinde ich, das alles noch schlimmer geworden ist. Obwohl ich (ungewollt) kinderlos bin, beschäftigt mich die Frage, wie es den nachfolgenden Generationen ergehen wird, ständig. Es schaut nicht sehr rosig aus und das bedrückt mich. Ich bin, wie Du es weißt, ein ungläubiger Hund, doch denke ich manchmal, vielleicht geschieht ein Wunder. Schön wär’s!
lg und gute Nacht
caruso

5. einsiedler - 22. November, 2015


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