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Wir sind durch Deutschland gefahren… 24. Mai, 2016

Posted by Rika in aus meinem kramladen.
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…. in der vergangenen Woche.

Nein, nicht durch ganz Deutschland, nur durch einen sehr kleinen Teil, von der Leine, an Harz und Werra vorbei nach Eisenach, um  Luther und Bach zu besuchen.

Deutschland im Frühling ist einfach wunderschön – noch jung und vieltönig das Grün der Laubbäume und Büsche, dunkel die Fichten und Tannen, zwischen sattgrünen Wiesen und Getreidefeldern das leuchtende Gelb des blühenden Raps. Sollte man da nicht begeistert sein von dieser herrlichen Natur?

Und gilt das nicht auch für die wunderbare Musik, die Johann Sebastian Bach geschaffen hat, für die Begeisterung über einen schier unerschöpflichen Genius und sein Werk?

Bach haben wir zunächst unsere Aufwartung gemacht im „Bachhaus“ von Eisenach, das wirklich jeden Besuch lohnt. Herr Fischer lässt die Zeit lebendig werden in der Bach gelebt hat, er bietet eine  kleine musikalische Kost- und Klangprobe von Haus- und kleiner Kirchenorgel, Cembalo, Clavichord und Spinett, die zum Teil noch aus Bachs Zeit stammen; die Einrichtung des Hauses mit Möbeln aus Bachs Epoche, die Sammlung der Instrumente   im „alten“ Haus und die großartigen Hörbeispiele im Medienraum des Neubaus…. da könnte mir „der Mund über gehen“, weil mir das Herz so voller Bewunderung ist.

Wem das Herz voll  ist, dem geht der Mund über.“  Wer kennt es nicht dieses Sprichwort.

Im Lutherhaus ist es mir über den Weg gelaufen, bzw. ins Ohr gedrungen. In der neu konzipierten Ausstellung gibt es viele Audiostationen, an denen man unter  anderem etwas erfährt von der Mühsal lateinische, griechische oder hebräische Bibeltexte so zu übersetzen, dass sie einerseits dem Volk verständlich sind und andererseits den Sinn des Ursprungstextes wiedergeben. Was aber ist der ursprüngliche Sinn eines Textes? Luther selbst gibt in seinen Schriften Auskunft darüber, dass er und seine Helfer manchmal Tage oder Wochen darüber gebrütet haben, wie sie eine Bibelstelle übersetzen sollten. Theologische Kollegen, jüdische Gelehrte haben das Ringen um die Genauigkeit des „Dolmetschens“, wie Luther es auch nannte,   unterstützt.   Und dennoch haben Luther und seine Mitarbeiter  ihr Werk niemals  als vollendet und letztgültiges Wort betrachtet. Bis zu seinem Tod hat Luther an den biblischen Texten gearbeitet und gefeilt und war sich immer dessen bewusst, dass er eine hohe Verantwortung für das hatte, was wir gerne mit „Gottes Wort“ bezeichnen. Die Bibel als das von Gott inspiriertes Wort ist nach diesem Verständnis eben nicht ein in Stein gemeißelter Text. Sie hat in allen Jahrhunderten viele Dispute darüber ausgelöst, was ihre Kernaussagen seien und sie wird bis heute immer wieder abgeklopft auf das, was Gottes Geist oder menschliches Wort ist. „Wort des lebendigen Gottes“, wie es in der Liturgie zur Schriftlesung heißt… und doch  menschliche Worte, aber von Gottes Geist bewegt.

Das wird  deutlich im Lutherhaus in Eisenach.

Der ebenfalls unglaublich wichtige Beitrag Luthers zu dem, was wir „deutsche Sprache“ nennen, wird an einer Hör-Station erkennbar: Auf der interaktiven Landkarte sind die Gebiete der damals hauptsächlich gesprochenen Dialekte skizziert. Durch Anklicken der Gebiete hört man über Kopfhörer eben jene dort gesprochenen Dialekte, viele von ihnen sind für mein an modernes Hochdeutsch gewohntes Hören und Sprechen kaum bis gar nicht verständlich. Für alle diese verschiedenen Sprechgwohnheiten hat Luther eine gemeinsame Sprache für die Bibel entwickelt. Das babylonisch anmutende „deutsche“ Sprachgewirr noch im Ohr, macht seine Leistung umso bemerkenswerter.

Natürlich waren wir auch auf der Wartburg, Inspiration für das wohl bekannteste Lied Luthers „Ein feste Burg ist unser Gott“,  Trutz- und Schutzburg, Dokument mittelalterlicher Baukunst und Stein gewordene Geschichte. Vom Söller aus hat man einen weiten Blick in die thüringische Landschaft…. Berge und Wälder so weit das Auge reicht, als gäbe es neben Eisenach keine menschlichen Behausungen in der Gegend.

Dass am vergangenen Wochenende ein großes Burschenschaftstreffen in Eisenach stattfand, wussten wir vor Beginn unserer Reise nicht, trafen aber in unserem Hotel auf Gäste, die durch ihre Kleidung als Burschenschaftler zu erkennen waren. Bevor wir am Freitag den Heimweg antraten, fuhren wir noch hinauf auf die Göpelskuppe, auf der das Burschenschaftsdenkmal  steht, gegenüber der alten Trutzburg auf der anderen Seite des Tals.

Das auch in Eisenach ansässige Automobilmuseum  haben wir uns  erspart, obgleich  das sicher eine nicht zu vernachlässigende Komponente dessen ist, was Deutschland heute ausmacht….  Deutschland, deine Autos…. Autofahrer und Fabriken,  Diesel inklusive 😉

Eisenach …

Was ist schon Eisenach neben solchen Städten wie Köln, Mainz, Hamburg, Leipzig oder Berlin, mag man denken. Und doch wird in dieser kleinen Stadt alles das an Geschichte lebendig, was Deutschland zu Deutschland werden ließ und ausmacht … Natur, Kultur, Religion, Staatsmacht und Status mit allen Schönheiten, aller Genialität und allen Abgründen und Verwerfungen.

 

„Wir sind durch Deutschland gefahren….“

Die Überschrift über diesem Blogbeitrag ist der Anfang eines Liedes, das ich als Jugendliche begeistert gesungen habe, Ausdruck romantischer Gefühle und Sehnsüchte…..   ich singe es immer noch gerne, wohl wissend, dass es nicht nur die Romantik gibt, auch die Schrecken und Abgründe.

Dennoch, Deutschland – schönes Heimatland.

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Fremde Feder: Soll und haben nach Torsten Teichmann 1. Mai, 2016

Posted by Rika in aktuell.
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Nichts, aber auch gar nichts hat sich bei den mit unseren Gebühren finanzierten öffentlichen Qualitätsmedien geändert. Die Damen und Herren Nah-Ost-Journalisten stellen Mutmaßungen an, wenn es sich um palästinensisch-arabische Terroraktionen handelt, aber sie berichten mit größter Gewißheit von israelischer Terrorabwehr, die sie dann gerne als „unverhältnismäßig“ darstellen…. mit all den vernebelnden Satzhülsen, die sie im Reservoir ihres journalistischen Sprachgepäck haben.

Spirit of Entebbe

Wenn es darum geht, die verhassten Juden vom Leben zum Tode zu befördern, waren palästinensische Terroristen noch nie wählerisch. Seit ihre Sprengstoffgürtelträger wegen der furchtbaren Apartheidmauer nicht mehr in israelische Städte gelangen und ihre Raketen vom Iron Dome abgefangen werden, setzen sie notgedrungen – oder inspiriert vom Islamischen Staat – wieder auf Attacken mit traditionellen Waffen wie Messer und Beil. Groß in Mode ist schon länger, mit Fahrzeugen aller Art, vom Bus über den Bagger (im SPIEGEL, der wenigstens da mal richtig korrekt sein will: „Radlader“) bis zum Pkw, Menschen zu überfahren, was dann bei SpOn verkehrsunfallverdächtig mit „Autofahrer steuert in Menschenmenge“ umschrieben wird.

Von Terror mag auch Torsten Teichmann nicht reden, schließlich hat er das, was von Matti Friedman die „Israel Story“ genannt wird“, ebenso verinnerlicht wie die versammelte Pressemeute vor Ort, weshalb er sich strahlend neben dem „großartigen“ Etgar Keret ablichten lässt und mit säuerlicher Miene neben…

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