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Bitte bevorraten Sie sich…. 23. August, 2016

Posted by Rika in aus meinem kramladen, gesellschaft, politik.
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Ich gebe es zu, dieser hübsche Satz mit der wunderbaren Verbkonstruktion stammt nicht von mir …. die Eingeweihten werden es wissen.

Auch die Idee, die darin zum Ausdruck gebracht wird, ist nicht neu und auch nicht auf dem Mist des großen Discounters (s.o.) gewachsen:

Menschen legen Vorräte an –

für den Winter

für schlechte und oder lausige Zeiten

aus Bequemlichkeit, weil der Weg zum nächsten Laden einfach viel zu weit ist oder die Zeit nach einem langen Arbeitstag zu knapp bemessen

oder einfach aus Sorge um die Zukunft.

Ich kann mich noch gut an die Zeiten erinnern, in denen ein gut gefüllter Vorratskeller  der Stolz und  „DIE“ Visitenkarte einer jeden guten Hausfrau ( ja, Hausfrau und nicht NUR-Hausfrau)  war. Ab dem Frühsommer, praktisch mit der Ernte der ersten Gemüse- und Obstsorten,  begann das große Einkochen: Möhren, Erbsen, Bohnen, Blumenkohl, Gurken und Mixed Pickles wurden eingeweckt.  Erdbeeren, Stachelbeeren, Kirschen, Pflaumen, Äpfel, Mirabellen, Pfirsiche und Renekloden,  Birnen und selbst Heidelbeeren in Liter- und Halblitergläsern mit Wasser und der Zugabe von mehr oder weniger viel Zucker durch Sterilisieren haltbar gemacht und anschließend  nach Sorten getrennt in eigens dafür gezimmerten Regalen im Keller für die nächsten Wochen und Monate gelagert. Kohl wurde gehobelt, in großen Steinguttöpfen eingelegt und auf diese Weise  zu Sauerkraut. Aus allen möglichen Früchten kochte man Gelees und Marmelade oder gewann den Saft und dickte diesen zu Sirup ein…  für die Bionade der 50er, wenn man so will.

Natürlich wurden auch Kartoffeln zentnerweise eingekellert.

Selbst  die Leute, die mit dem Geld sparsam haushalten mussten und nicht auf die Ernte aus dem eigenen Garten zurückgreifen konnten, legten Vorräte an.

Auf den Dörfern schlachtete man Schweine und Rinder, pökelte und räucherte  Schinken und Würste und kochte selbstverständlich auch Fleich in Weckgläsern ein.

Niemand, wirklich niemand wäre auf die Idee gekommen, daran Anstoß zu nehmen. Es war ganz normal.

Es war vor allem auch notwendig

Die Konservenindustrie lieferte noch nicht die heute verfügbaren Produkte und die verfügbaren auch nicht in guter Qualität.  Tiefkühlgeräte, die heute der Vorratshaltung dienen, waren noch äußerst selten in den Haushalten anzutreffen.

Neben dem Eingemachten und Eingelagertem hortete eine gute Hausfrau selbstverständlich auch Zucker, Mehl, Reis, Grieß, Haferflocken und Nudeln. Auch Fischkonserven gehörten in eine gute Vorratskammer.   Wein und Spirituosen natürlich auch, wobei deren Lagerung meistens den Hausherren oblag.

Mit der Veränderung des „Hausfrauen- respektive Nur-Hausfrauenstandes“ einerseits und der durch die Globalisierung des Handels ständigen Verfügbarkeit aller nur erdenklichen Obst- und Gemüsesorten andererseits, veränderte sich zumindest in den Städten das Kauf- und Konsumverhalten der Verbraucher. „Just-in-time“ ist nicht nur das Zauberwort der großen Automobilhersteller und ihrer Zulieferer, es ist auch in vielen Haushalten das System der Wahl geworden; Einkauf für maximal drei Tage im Voraus.

Es ist nicht verwunderlich, dass in sehr vielen Haushalten – zumeist in den Städten –  kaum Vorräte gehortet werden, die den Bedarf der jeweiligen Haushaltsmitglieder über mehr als zwei Wochen hinaus sicher stellen würden. Ich selbst habe in den Zeiten, als noch alle vier Kinder bei uns im Haus lebten, immer ausreichende Vorräte für einen längeren Zeitraum „gebunkert“ – wohl auch aus der Erfahrung heraus, die ich als Kind im elterlichen Haushalt gemacht hatte, aber auch geprägt durch meinen Beruf als Hauswirtschaftslehrerin „alter Schule“, zu dem es auch gehörte, Schülern die Notwendigkeit eines gut sortierten Vorratsschranks für Grundnahrungsmittle nahe zu bringen.

Die Häme gegen die Empfehlung zur Lebensmittelvorratshaltung kann ich nur schwer nachvollziehen und auch nicht teilen.

Ganz anders sieht es jedoch mit dem übrigen Konzept aus. Darüber kann man hier mehr lesen.

Und ganz sicher  ist die Kritik verständlich und auch dringend geboten, die sich gegen  die geradezu dilletantische mediale und methodische Vorgehensweise der Verantwortlichen richtet.  Als gäbe es nicht genug Grund für Unsicherheit und scheinbar irrationale Ängste in diesen chaotischen Wochen und Monaten, werden durch seltsame Verlautbarungen über und Begründungen für die Bevorratung mit Wasser und Nahrungsmittlen und die weiterführenden Pläne zusätzliche Unsicherheiten und Befürchtungen geschürt und den Spekulationen für die absurdesten Katastrophenszenarien Tor und Tür geöffnet.

 

Ganz offensichtlich hat das Innenministerium seit dem unglückseligen Auftritt des Ministers im vergangenen November – „das würde Sie nur verunsichern“ – nichts, aber auch gar nichts dazu gelernt.

Und so ist es weniger der Aufruf zur Vorratshaltung und mehr, der MICH beunruhigt, als vielmehr der Eindruck von hilfloser Inkompetenz, den die für unsere innere wie äußere Sicherheit zuständigen Behörden mit dieser genialen Strategie hinterlassen.

Würden  die zuständigen Ministerien und Behörden einen Katastrophenfall – sei er durch die Natur***  oder durch Terror hervorgerufen – wirklich bewältigen können? Gibt es ein Krisenmanagement, das dem Anspruch,  eine Krise zu meistern, gerecht werden kann?

Ich fürchte nein.

Darum liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, sorgen Sie selbst für sich  und sorgen Sie vor:

BITTE BEVORRATEN SIE SICH !

 

.

***Ich erinnere mich mit Schaudern an einen Winter, in dem es wintergemmäß heftig geschneit hatte und es weder einsatzbereite Räumfahrzeuge noch ausreichendes Streugut gab….  und übermäßiger Schneefall  ist ja nur eine winzige Naturkatastrophe und meist auch temporär sehr begrenzt. Was aber wäre wenn?

 

 

 

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