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Haltung bewahren… aber welche? 22. Dezember, 2016

Posted by Rika in christsein und glaube, gesellschaft, politik, terrorismus.
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Man hat es ja kommen sehen….

Ich habe es immer schon gewusst…

Bessere Kontrollen…

Mehr Polizei…

Die Grenzen dicht….

Die Regierung muss weg…

Nur keine Panik….

Kein Generalverdacht gegen Flüchtlinge….

Der Islam hat nichts mit Islamisten zu tun….

Gebt dem Terror keine Chance…

Wir müssen zusammen stehen….

Geheimdienste stärken….

Moscheen überwachen….

Mit Muslimen reden….

Die andere Wange hinhalten…

Nächstenliebe üben…

Den Verfassungsschutz auf die AFD ansetzen….

Lichterketten gegen Hass….

Keine Macht dem / den Bösen….

Von Israel Terrorabwehr lernen…

Man kann ja doch nichts tun…. ist eh alles zu spät…..

Über die Ohnmacht reden….

Ängste eingestehen und nicht wegreden…

Mitten in  all den Fragen, dem Chaos und der Ohnmacht, die ich verspüre, fällt mir dieser eine Satz ein,  Jesus sagte ihn  einmal zu seinen Jüngern.

Unbegreiflich:

Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe; darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.“

Nachzulesen im Matthäus-Evangelium, Kapitel 10, Vers 16

Ich bin keine Theologin, habe von einer „richtigen“ Exegese keine Ahnung, lese die Texte der Bibel mit meinem ganz einfachen Verständnis, das noch dazu abhängig ist von meiner jeweiligen Befindlichkeit, der Umgebung, der Situation in der ich mich gerade befinde.

Heute ist meine Befindlichkeit geprägt von den Eindrücken des Terrors in Berlin    –      und von den  Berichten meiner Zeitung, den Nachrichten im Fernsehen und Radio und den Artikeln, die online standen.

Und natürlich  auch  von den  Kommentaren, die ich zu dem Geschehen bei Facebook gelesen habe.

Aus manchen Worten spricht tiefer Hass, ohnmächtige Wut, Unverständnis für die politischen Entscheidungen der letzten Monate; andere sind geprägt von der Sorge um mögliche  „falsche“ Reaktionen im Hinblick auf Flüchtlinge und Muslime, viele empfinden Mitleid  mit den Angehörigen der Opfer, den betroffenen Schwerverletzten und den Rettungskräften, die vor Ort waren. Es fallen drastische Worte über den Täter, verunglimpfende, ihn jeder menschlichen Natur beraubende Attribute.  Schreie  nach Rache und Vergeltung werden gepostet,  Rufe  nach Abrechnung mit dem System, „unserer“ Regierung  werden laut.

Mahnende Stimmen der Vertreter von Kirchen und Gemeinden mischen sich in den Chor. Viele nehmen Partei für die muslimischen Flüchtlinge, warnen vor Verurteilung und allgemeiner Schuldzuweisung.

Und ich höre mitten im Getümmel diesen Satz:  „Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe; darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.“

Ist er nicht eine Zumutung … dieser Satz? Wir sollen sein wie Schafe – wehrlos –  unter Wölfen, die unser Leben bedrohen…?

Es gibt aber kein „ABER“   in diesem Satz, nur ein „DARUM“.

Und so heißt das für mich, ich drehe mich nicht weg, wende mich nicht ab, sperre mich  nicht ein in meiner sicheren Wohnung und Gewissheit.

„Mischt euch ein!“ könnte Jesus gesagt haben.

Mischt euch ein, aber tut es klug,  so klug, wie die Schlange, die listig ist, die eine Strategie hat für ihr Vorgehen –  in den biblischen Berichten wird sie sowohl als die, die das Verderben bringt, wie die, die Heilung schafft vorgestellt. (Die Schlange als Verführerin Evas…  die eherne Schlange, die Mose auf Gottes Geheiß hin errichtet um die tödlichen Schlangenbisse abzuwehren… )

Kann das Dein Ernst sein, Jesus?

Sollten wir so indifferent wie die Schlangen sein?

Und wie passt das zu der anderen Aufforderung?

„Seid ohne Falsch“.   Verdreht nicht die Tatsachen und  macht euch nicht gleich mit  „den Wölfen“  um euch herum, handelt nicht wie sie, fallt nicht über Wehrlose her, sucht nicht euren Vorteil im Angriff auf den Anderen, macht keine Beute, zieht keinen Vorteil aus dem Unglück anderer,    könnte es heißen, bleibt bei dem, was euch gelehrt wurde:

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.

Die Taube steht im Christentum für das Symbol des Heiligen Geistes. Vergesst nicht, in wessen Geist und Vollmacht ihr lebt.

Dem Satz aus dem Matthäusevangelium folgen weitere Sätze, solche, die beschreiben, dass wir als Christen eben nicht schon hier und heute auf den Gefilden der Glückseligkeit leben, sondern dass wir es mit Problemen zu tun haben, wenn wir Jesus folgen. Es ist die Stelle im Neuen Testament, die ich am liebsten streichen würde, weil sie so ganz anders ist als die Bergpredigt und alle die wirklich schönen Worte von der Liebe, die Jesus immer wieder gepredigt hat.

Doch heute passt diese gesamte Bibelstelle  zu meiner Befindlichkeit nach dem entsetzlichen Anschlag in Berlin.

Und auch dieser andere Satz Jesu  fällt mir ein und gibt mir Hoffnung und Trost:

In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“   (Johannes 16,33)

Nein, das ist keine billige Vertröstung, kein Pfeifen im Wald. Es ist die Hoffnung und die Kraft aus der ich leben kann.

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