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Unverhoffte Begegnung…. 29. August, 2017

Posted by Rika in aus meinem kramladen, familie.
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Wir sind unterwegs nach Wismar mit unserer Volleyballgruppe.

Völlig außerplanmäßig und darum unerwartet endet der Zug, der uns eigentlich nach Wismar bringen sollte, in Schwerin am Hauptbahnhof. Nach der Durchsage, ein Bus warte auf dem Bahnhofsvorplatz auf die Reisenden, die nach Wismar weiterfahren wollten , entsteht ein mächtiges Gedränge an der Treppe zur Unterführung…

Der Liebste ist mir schon einige Stufen voraus …  ich hatte mich noch um einen Mitreisenden im Zug gekümmert, der offensichtlich – der deutschen Sprache nicht mächtig – die Ankündigung des Endes dieser Fahrt nicht mitbekommen hatte und den ich mit Gesten dazu gebracht hatte, auch das Abteil zu verlassen. Wir waren die beiden letzten.

Der Liebste, am Fuß der Treppe angekommen, blickt sich nach mir um – und schaut unversehens in ein sehr bekanntes Gesicht:

Ebenso überrascht wie der Liebste, sieht sich der Jüngste unserer Familie plötzlich ebenfalls einem sehr  bekannten Gesicht gegenüber:

Der Vater steht vor ihm!

Ich hatte das gar nicht mitbekommen und nach meiner Gruppe Ausschau gehalten. Unten an der Treppe angelangt, macht mich ein energisches Zupfen am Ärmel aufmerksam!

Doch nicht nur der Jüngste schaut mir lachend entgegen, neben ihm –  in der kleinen Gruppe junger Leute – auch R.,  sein guter Freund, dem ich erst zwei Tage zuvor in der großen Stadt an der Elbe  begegnet war…. beim Umzug des Jüngsten nämlich, der von einer kleinen Behausung in die nächste gezogen war. Der Liebste und ich hatten ebenso wie R. beim Umzug geholfen.  Wobei ich ergänzen muss, dass wir uns außer bei der Promotionsfeier des Jüngsten NUR bei dessen Umzügen getroffen haben und dies bestimmt der dritte Umzug war, bei dem wir gemeinsam kräftig halfen, Sack und Pack von A nach B zu transportieren…. wobei ich diesmal nur in B beschäftigt war…. mit Saubermachen der Küche. Kisten kann ich nämlich nicht mehr schleppen…   Aus der heimatlichen Küche hatte ich schon den traditionellen Nudelsalat und Kuchen mitgebracht… 🙂 sehr zu Freude aller beteiligten Helfer.

Es gehört vielleicht zu den schönsten Momenten, wenn man ganz unverhofft Menschen begegnet, die man liebt und die man mag.

So gab es ein fröhliches Hallo  – wir auf dem Weg nach Wismar, der Jüngste mit den Freunden auf dem Weg zu einer Hochzeitsfeier….

Wie schön, wenn „Unverhofft“ zwar nicht oft, aber doch manchmal kommt, besonders dann, wenn alle anderen Umstände ein bisschen chaotisch anmuten….

 

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Was waren das für Zeiten…. 29. August, 2017

Posted by Rika in aus meinem kramladen.
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als man nämlich die Uhr nach den vorbeifahrenden Zügen stellen konnte …. pünktlich auf die Minute.

Die Bahn – damals, in meiner Kindheit und Jugend – fuhr nicht nur bei jedem Wetter, sie war zu nahezu 99,9 % auf die Sekunde genau an ihrem Bestimmungsort. Ich habe oftmals als damalige „Fahrschülerin“ (so hießen die auswärtigen Schüler in der Schule) darauf gehofft, dass der Zug Verspätung haben möge und zwar eine gründliche und ordentliche Verspätung, damit ich eine Mathe- oder Lateinarbeit nicht mitschreiben konnte. Ich hoffte IMMER vergeblich.

Wie seit 31 Jahren   machte sich auch in diesem Jahr unsere Volleyballgruppe (bestehend aus Aktiven und Fans) mit dem sinnigen Namen „VC Grapbsch“  auf den Weg in ein gemeinsames  Wochenende. Die schöne Hansestadt Wismar war unser diesjähriges Ziel. Schon im Februar liefen die Vorbereitungen an. Zwei aus unserem Kreis organisierten die Fahrt, nahmen Kontakt zu Reisebüro und „Deutsche Bahn“ auf, buchten Hotel, Stadtführung, Bötchenfahrt, Gasthaus für  das abendliche Festmenü und eben auch die Bahnreise. Unsere Organisatoren können auf eine langjährige Erfahrung zurückblicken,  sind gewieft und durchaus vertraut mit plötzlich notwendigen Veränderungen in der Planung. Was sie – und wir mit ihnen –  aber in diesem Jahr erlebten, spottet jeder Beschreibung.

Eine knappe Woche vor Reiseantritt teilte die Bahn mit, die Rückreise müsse anders als gebucht verlaufen, da dringend notwendige Umbauten in einem Bahnhof die Fahrt über diese Strecke nicht möglich machen würde. Großzügig buchte die Bahn uns auf einen früher fahrenden Zug um mit den Reservierungen, die unsere Reiseleiter für die eigentliche Rückfahrt vorgenommen hatten. Nun ja, dann mussten wir die Bötchenfahrt durch die Wismarer Hafenwelten eben ein bisschen früher antreten… so what.  (Den Liebsten freute die frühere Rückfahrt, konnte er doch das erste Heimspiel der 96er in Hannover von Anfang an erleben, Beginn 18.00 h!)

Gut gelaunt und mit allen nötigen Reiseutensilien versehen trafen wir uns an Gleis 7 auf dem Hannoverschen Hauptbahnhof. Einigermaßen pünktlich rollte der IC ein, wir nahmen unsere reservierten Plätze ein. Zwei Geschäftsleute mussten dafür das Feld räumen, gaben es aber erst frei, nachdem sie die Bestätigung der Reservierung gelesen hatten. Später entdeckte einer unsere Mitfahrer, dass die Reservierung dieser beiden Plätze wie von Zauberhand an weit entfernt liegenden Fensterplätzen angebracht worden war…. Ein Schelm, der Böses dabei denkt 😉 .

An einem Freitagnachmittag von Hannover nach Wismar zu kommen, liebe Leute, ist nicht ganz einfach. Es gibt nämlich gar keinen durchgehenden Zug. Und so war Umsteigen angesagt: In Lüneburg, in Büchen, in Schwerin. Macht nichts. Zwar sind wir bis auf drei junge Hüpfer schon gut jenseits der 60 – um nicht zu sagen,  mehrheitlich jenseits der 70 -, aber doch so sportlich,  dass das  Rollen und Schleppen  der Taschen und Trolleys über lange Gänge und treppauf und treppab eher als Fitnessübung angesehen werden kann.

Mit einer netten Gruppe gemeinsam  im Zug zu reisen ist einfach wunderbar. Wir haben alle unsere kleinen „Aufgaben“ den Proviant betreffend, denn eine gute Wegzehrung bei einer stundenlangen Fahrt muss einfach sein! Und so delektierten wir uns an Häppchen und Käse, kleinen Buletten, Baguette, Nüssen,  Schokolade, Schlehentrunk und dem Gewächs des Weinstocks (dies natürlich in Maßen, das versteht sich von selbst ♥).

Glücklicherweise hatten wir unser Mahl schon auf dem Streckenabschnitt Hannover-Lüneburg genossen, denn im weiteren Verlauf der Reise war die Zeit für die jeweils zurück zu legende Etappe deutlich kürzer. Für unsere letzte Teilstrecke ab Schwerin fehlte zudem die Reservierung, was dem Gruppenhandeln  nicht unbedingt zuträglich ist.

Der Zug hielt an jedem kleinen Bahnhof …. Mecklenburg ist ein schönes Land….

Kurz vor dem Einlaufen in den Schweriner Hauptbahnhof machte uns der Bahnsprecher in seiner Durchsage nicht nur auf die Ausstiegsseite (beim nächsten Halt befindet sich der Ausstieg in Fahrtrichtung rechts / links) aufmerksam, er wies zudem darauf hin, dass der Zug in Schwerin endete und Schienenersatzverkehr (welch wunderbares Wort!) die Weiterfahrt sichern werde.

Das stand aber so nicht auf unserem Plan!

„Zur Weiterfahrt nach Wismar steht ein Bus auf dem Bahnhofsvorplatz bereit!“

Unseren Reiseleitern verschlug es die Sprache, hatten sie sich doch nach der Information über die geänderte Rückfahrt ausdrücklich bei der Bahn erkundigt, ob die Hinfahrt wie geplant  vonstatten gehen werde. „Sie wird“, hatte man ihnen zugesichert.

Der Zug war voll besetzt und wir konnten uns gut vorstellen, dass außer uns noch weitere Personen die Absicht hatten, nach Wismar oder Rostock weiter zu fahren…

Hektik auf dem Bahnsteig und noch größere an der Bushaltestelle.

Ein einziger Bus stand dort!  Mehr als hundert Menschen drängten sich vor den geöffneten Türen  und alle Leute führten mehr oder weniger sperrige Gepäckstücke mit, die nach dem Entern des Buses schnell den Gang verstopften… Geschiebe und Geschrei….  ein weiterer Bus fuhr vor, was aber Chaos und Gemenge eher noch größer werden ließ, wollten doch einige gegen die Drängelei der Einsteigenden den Bus wieder verlassen, um Platz im anderen zu finden, denn natürlich gab es nicht für alle Reisende genug Sitzplätze und die Aussicht, die Fahrt stehend zu bewältigen, war alles andere als verlockend…

Endlich ebbte das Getöse ein wenig ab, der Bus setzte sich in Bewegung und so etwas wie gemeinsamer Galgenhumor machte sich trotz drangvoller Enge  breit…  Witzeleien und Spott über die „perfekte Organisation“ und bei jedem Stopp an jedem Bahnhof, den der Zug angefahren hätte,  rief irgendjemand in die Menge: „Der Ausstieg beim nächsten Halt befindet sich in Fahrtrichtung rechts!“ Die Örtchen sind klein und die Straßen dorthin schmal und eng, an einer Stelle nicht mehr als ein Feldweg, so dass ein entgegen kommendes Fahrzeug rückwärts  bis zur nächsten Ausweichmöglichkeit fahren musste, um dem Bus Platz zu machen.

Endlich erreichten wir Wismar.

An der Bushaltestelle vor dem Bahnhof machte ein relativ unscheinbarer Aushang darauf aufmerksam, dass auf der Strecke zwischen Wismar und Schwerin am Sonntag „Schienenersatzverkehr“ eingerichtet sei.

Das stand auch nicht auf dem Plan den die Bahn für die Rückfahrt ausgegeben hatte!

11.57 h sollte am Sonntag „unser Bus“ zurück nach Schwerin abfahren. Damit war klar, dass wir wohl auf die Hafenrundfahrt verzichten müssten. Vom Hafen zum Hotel, in dem freundlicherweise unser Gepäck bis zur endgültigen Abreise aufbewahrt werden konnte und von da zum Bahnhof, das war in der vorgegebenen Zeit nicht zu schaffen.  Für den Sonntagmorgen also Plan B.

Ein ruhiger Freitagabend brachte den versöhnlichen Ausklang nach dem Chaos der Anreise und der Samstag verlief wie geplant.

Was soll ich sagen, Wismar ist wunderschön… eine beeindruckende Stadt, die ihren mittelalterlichen Stadtkern bewahrt hat und deren Häuser dank zahlreicher Stiftungen und Fördermittel ansehnlich renoviert und schmuck anzusehen sind.  Und dann die Kirchen…

Staunend standen wir in den hohen gotischen Gotteshäusern, Zeichen von Größe und Wohlstand der alten Hansestadt. Wer von uns wusste schon, dass die Nikolaikirche ein so hohes Kirchenschiff hat, dass es deutschlandweit nur von dem des Kölner Doms, des Ulmer Münsters und dem der Backsteingotik zugehörenden höchsten Kirche im Ostseeraum  – der Marienkirche in Lübeck –  übertroffen wird? Die Kirche Sankt Georg wird nach dem beinahe endgültigen Verfall durch das Bombardement im Zweiten Weltkrieg und der völligen Verwahrlosung zur DDR-Zeit erst seit rund 20 Jahren wieder instand gesetzt. Von der Aussichtsplattform aus hat man einen phantastischen Blick auf Wismar und den Hafen…  Von Sankt Marien steht nur noch der gewaltige Turm, eine einfache wenige Meter hohe Mauer ist auf den einstigen Grundmauern errichtet und zeugt von den gewaltigen Ausmaßen der im Krieg schwer beschädigten Kirche, die in den frühen DDR-Jahren endgültig gesprengt wurde ….  Wie so viele Gotteshäuser in der streng atheistisch ausgerichteten und regierten DDR. Die gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Zwangssäkularisierung sind bis heute spürbar…. der Osten Deutschland ist weitgehend gottlos gemacht worden. Die wenigen bekennenden Christen hatten es zu DDR-Zeiten schwer – und viele Kirchengemeinden leiden immer noch darunter, dass die Mitgliederzahlen klein bleiben.

Doch zurück zur „Bahn“.

Vermutlich ist es nur der  Umsicht unserer Reiseorganisatoren  zu verdanken, dass wir in Schwerin ohne Hektik unsere Weiterfahrt über Hamburg nach Hannover antreten konnten.

Wer Erfahrung mit Gruppen hat  – und ich rede hier nicht von Kindern oder Schulklassen -, der weiß, dass man die Herrschaften ständig antreiben muss, will man zum festgesetzten Zeitpunkt pünktlich irgendwo sein.  Eingedenk dieser Erfahrung blies die Reiseleitung sehr, sehr früh zum Aufbruch vom Hotel. Wir hätten gut 20 Minuten am Bahnhof Zeit gehabt um auf den Bus zu warten.  Zu unserer großen Überraschung kam der Bus aber bereits nach nur wenigen Minuten. Auf unsere Frage „nach Schwerin“ folgte ein eindeutiges „Ja“!  Frohgemut stiegen wir ein… diesmal ohne Gerangel um einen Sitzplatz. Der freundlich Busfahrer erzählte unserer Reiseleitung, er habe den Weg nach Wismar so zügig zurückgelegt, dass er schon vor der festgelegten Zeit den Bahnhof erreicht habe und deshalb sei er eben auch früher als angegeben wieder weitergefahren.

Da bleibt einem doch der Mund offen!

Was, so fragten wir uns, machen nun die armen Menschen, die sich darauf verlassen haben, dass der Bus 11.57  h in Wismar abfährt? Die Frage ging auch an den Busfahrer, der in aller Seelenruhe meinte, dann müssten sie eben den Bus eine Stunde später nehmen.

Ist das zu fassen?

Dank der unvorhergesehen frühen Ankunftszeit in Schwerin, konnten wir noch ein wenig die Stadt erkunden…  und den Drachenbootrennen auf dem Pfaffenteich zuschauen.

Pünktlich fand sich die ganze Gesellschaft im Banhof zur Weiterfahrt nach Hamburg ein. Der Zug stand schon am Gleis bereit. Wir nahmen unsere reservierten Plätze in Beschlag….   dann die Durchsage:

„Die Abfahrt des Zuges verzögert sich, da  auf den Schienenersatzverkehr (Bus) aus Rostock gewartet werden muss und der Lokführer, der den Zug fahren soll, in diesem Bus sitzt!“

Vermutlich, so spekulierten wir, wäre der Lokführer pünktlich gewesen, hätte er nämlich den Bus gekriegt, der fahrplanmäßig in Wismar abfahren sollte…. just der, mit dem wir 20 Minuten früher losgefahren waren. Der arme Lokführer hatte auf den nächsten Bus warten müssen…. und kam so zu spät in Schwerin an.

DAS liebe Leute, wäre in den Zeiten der guten alten Bundesbahn nie und nimmer passiert…. da saßen noch Beamte in Führungsstäben, Fahrkartenausgaben und Lokomotiven, ließen Fahrdienstleiter die Züge zur richtigen Zeit abfahren  und keiner wäre auf die Idee gekommen, eigenmächtig irgendetwas zu verändern. Auf deutsche Beamte war halt Verlass 😉  !

Die Zeiten haben sich geändert….  aber nicht alle von uns konnten die Veränderung so mir nichts dir nichts mitmachen. In vielen Köpfen schlummern noch die Ermahnungen der preußischen Tugenden von Pünktlichkeit, Ordnung  und  Pflichterfüllung und die damit verbundene Erwartung an ein funktionierendes öffentliches Verkehrsmittel und sie sehnen sich nach der guten alten Zeit ….

Manche von uns vergessen dabei, dass es diese „Tugenden“ waren, die die gigantische Maschinerie der Nazis zur europäischen Judenvernichtung erst möglich machte.

So gesehen ist ein bisschen Chaos bei der Bahn geradezu ein beruhigendes  Indiz für die Verfassung eines Gemeinwesens, in dem preußische Tugenden nicht mehr die Hauptsache im Leben sind…

Wobei ich aber doch darauf hoffe, dass Busse und Bahnen nicht VOR der angegebenen Zeit losfahren, weil ich zu den Menschen gehöre, die immer auf den letzten Drücker….. na, Ihr wisst schon!

 

Der Meinige und Liebste freute sich über den Sieg der 96er gegen Schalke… die Partie endete 1 : 0    ! 🙂

 

 

 

 

Weniger ist nicht „Mehr“….. 3. August, 2017

Posted by Rika in gesellschaft, politik.
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Vielleicht, so denke ich gerade, liegt es daran, dass ich als kleines Mädchen so oft aus dem Schlafzimmerfenster meiner Großeltern geschaut habe.

In den ersten Jahren meines Lebens wohnte ich gemeinsam mit meinen Eltern in der „großen“ Wohnung meiner Großeltern… Groß erschien mir diese Wohnung wohl deshalb, weil so viele Leute darin lebten. Omma und Oppa, meine Tante Lisa, Mutti,  Vati und eben auch ich. Die einzige Wasserstelle (kalt, natürlich!) war in der einzigen Küche, die Toilette unten  im Hof neben der Waschküche, „wir“ bewohnten 2 der Zimmer, die Tante schlief im Wohnzimmer, die Großeltern in dem besagten Schlafzimmer, an dessen Fenster ich so oft auf einem Stuhl stehend das Treiben in der Fabrik beobachten konnte, die in direkter Nachbarschaft stand. (Das Haus war für die Arbeiter dieser Fabrik gebaut worden…) Im Sommer stand das riesige Tor sperrangelweit offen und ich konnte die Arbeiter im Walzwerk sehen, mit ihren Lederschürzen und mit bis zu den Knien mit Sackleinen umwickelten Beinen, die Füße in Holzschuhen…

Das Dröhnen der Maschinen war ein Teil der „Musik“ meiner Kindheit …. Tag und Nacht.

Als ich ein bisschen größer war  spielte ich mit anderen Kindern Verstecken  zwischen den großen Draht- und Bandeisenrollen, die,  zum Abtransport bereit,   auf einem großen Platz abgestellt waren. Wir hatten jetzt eine eigene Wohnung oben am Berg, aber ich war immer noch sehr oft unten im Tal bei Omma und Oppa…

Meine Omma kochte auch im Sommer auf einem Kohleherd, so einem schönen großen, mit einer umlaufenden Stange und einem riesigen Kohlenkasten auf Rollen, damit man ihn unter dem Herd hervorziehen konnte. Viel später erst nutze meine Großmutter einen kleinen zweiflammigen Gaskocher. Im Sommer blieb dann die Küche im wahrsten Sinne des Worte kalt….

Im Frühling, Sommer und Herbst machte meine Mischpoke ausgedehnte Sonntagsspaziergänge in den umgebenden Wäldern, die Luft dort roch nach Buchen, Fichten und Tannen, Moosen und Wildblumen.  Im Winter aber roch es im ganzen Tal nach Brikett- und Steinkohlenrauch und mit der Asche aus unzähligen Kohleöfen wurden bei Schnee und Eisglätte die nicht asphaltierten Straßen und die Bürgersteige  „rutschfest“ gemacht. Der Bach in der Nähe der großelterlichen Wohnung war meistens von den Abwassern  der vielen kleinen Fabriken, die sich talaufwärts zogen, zu einer braunen Brühe geworden und floss dann in die ebenfalls braun und dreckig fließende Lenne, die von den vielen Fabriken in den Städten an ihrem Oberlauf schon einen gehörigen Ballast an giftigen Abwässern mit sich führte.  Der Himmel über der Ruhr, in die die Lenne mündete, war grau….

Die Menschen hatten Arbeit…

Meine Kindheit war schön.

Und mit dem, was wir heute „Wirtschaftswunder“ nennen, wuchs auch langsam der Wohlstand vieler Menschen und des Landes. Das Bildungs- und Gesundheitswesen profitierte davon, die Infrastruktur in den Städten und sogar auf dem Land verbesserte sich deutlich, das Konsumverhalten der Bürger kurbelte die Wirtschaft immer weiter an…. Das Renten- und Sozialsystem sicherte auch denen einen Mindeststandard, die aus welchen Gründen auch immer nicht am Arbeitsleben beteiligt waren.  (Ich weiß, dass das eine sehr verkürzte Sicht ist, wie mir der Liebste ein wenig vorwurfsvoll vorhält, und er hat ja Recht damit, aber mein Augenmerk gilt an dieser Stelle  nicht der Kapitalismuskritik… )

Heute ist die Nahmer sauber, um nicht zu sagen „rein“. An ihrem Bachlauf liegen keine Fabriken mehr, die Walzwerke und Drahtziehereien  im Nahmerbachtal sind verschwunden, die wenigen Fabriken, die es in meiner Heimatstadt noch gibt, unterliegen strengen Umweltschutzauflagen … und das ist auch gut so! In der Lenne leben wieder Fische…  Enten und andere Wasservögel an ihrem Ufer ….  für Kanuten ist eine Trainingsstrecke angelegt….  an der Uferpromenade  flanieren  Leute und lassen es sich gut gehen…

Der Himmel über der Ruhr ist blau…

Doch die Arbeitslosigkeit ist hoch an Lenne und Ruhr.

Warum ich das gerade heute mit diesem romantisch-verklärenden Blick auf „Gestern“ schreibe?

In der Zeitung stand ein Bericht über Umweltschutz und  in einem kurzen Nebensatz las ich die Forderung nach „weniger Verkehr und weniger Industrie„…. und ich spürte, wie sich in mir der Widerstand gegen diese einfache Formel regte.

Vor gut 130 Jahren machte sich  einer  meiner Urgroßväter aus seinem Dorf im Hochsauerland in jedem Sommer auf in die Stadt an der Lenne, um dort für sich und seine Familie  den Lebensunterhalt  als ungelernter Maurer zu verdienen, beim Bau der großen Fabriken im Lennetal… bevor er zu Beginn des letzten Jahrhunderts ganz in die Stadt, die ihm Arbeit und Wohnung bot, umsiedelte.  Die Landwirtschaft allein und die Arbeit im Wald als Holzarbeiter reichten nicht aus, seine Frau und die Kinder zu ernähren…   seine Tochter, meine Großmutter, hatte nur wenige Jahre an  der Dorfschule lernen dürfen, bevor sie  als „Hausmädchen in Stellung“ ging… meine Mutter konnte nicht zur höheren Schule gehen, weil die Eltern das Schulgeld nicht aufbringen konnten… Erst die Urenkelgeneration  des Bauern aus dem Hochsauerland kam in den „Genuss“ kostenloser „höherer“ Bildung (wobei der Genuss nicht bei allen Urenkeln als solcher auch begriffen wurde 😉 ) und  konnte sogar studieren.

Daran muss ich denken, wenn es um „weniger Industrie“ gehen sollte.  Wir in Deutschland verdanken „der Industrie“ den allgemeinen Wohlstand heutiger Tage, damit meine ich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in unserem Staat: ein funktionierendes Gesundheitswesen,  Bildung, die allen offen steht, soziale Sicherheit im Notfall, Versorgung der Alten und Gebrechlichen, eine gut entwickelte Infrastruktur, Arbeitsplätze   … und nicht zuletzt gesellschaftlichen Frieden, auch wenn nicht alles optimal geregelt ist und an vielen Stellen deutlich  nachgebessert werden müsste.

Mit  „weniger Industrie“  wird es aber ein „Mehr“ an allgemeinem Wohlstand und den notwendigen Verbesserungen nicht geben können.

Ich will nichts schön reden, die Schattenseiten der Industrialisierung, die frühere schreckliche Armut der Arbeiter in den Städten nicht verschweigen, auch nicht den Machtzuwachs „des Kapitals“, den Reichtum der Industriebarone ebenso wenig , wie die unerhört und absurd hohen Gehälter der Bosse heutzutage …   die immer weiter klaffende  Schere zwischen Arm und Reich, das Bankenwesen, all das gehört mit zu den Folgen  „der Industrie“, wie wir sie kennen. Und doch ist diese Gemengelage die Basis für den Mythos  – oder die Realität – des „reichen Deutschland“, dieses Deutschlands, das auf so viele Menschen so anziehend wirkt, dass sie ihr Leben riskieren, um aus Armut und Not hierher zu gelangen.

 

Es wird wohl immer unsere Aufgabe bleiben, Arbeit und Freizeit, Industrie und Umwelt, Mensch und Natur   in einer guten Balance zu halten oder  in Balance zu bringen und ebenso die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen (sozialer Staat vs Turbokapitalismus).  Das ist die Gegebenheit, der wir uns stellen müssen. Mit  provokativen Formeln  ist das jedoch nicht zu erreichen.

Weniger ist eben nicht in jedem Fall „Mehr“, auch wenn die schöne Floskel uns das vorgaukeln mag.

 

Der Kaltwalzer….

Kaltwalzer-Denkmal im Hagener Stadtteil Hohenlimburg, Stennertbrücke / Urheber ist Klaus Bärwinkel  gefunden und kopiert aus: https://de.wikipedia.org/

 

„Emma“ – eine Leseempfehlung…. 1. August, 2017

Posted by Rika in emanzipation, familie, frauen, gesellschaft.
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Als junge Fachlehrerin legte ich in den frühen 70er Jahren demonstrativ die „Emma“ auf meinen Platz am Lehrertisch… ich war ja so fortschrittlich, emanzipiert und großartig-modern, dem Feminismus nicht abhold….

Wir waren ein überwiegend junges Kollegium mit einem jungen Schulleiter, aber es gehörten auch einige „alte Knaben“ und nicht mehr ganz jugendliche, um nicht  zu sagen  ältere Damen zu unserer pädagogisch wertvollen ( ja, was denn auch sonst 🙂 )  Lehrerriege. Schülerinnen und Schüler gab es noch nicht, Lehrerinnen und Lehrer auch nicht. Man war Lehrer oder Schüler.  Allenfalls gebrauchte  man in der weiteren persönlichen Beschreibung den Ausdruck „die Schülerin xyz“ oder „die Lehrerin xxx“.  In der Vielzahl jedoch waren es Lehrer und Schüler. Basta.

Möglicherweise, das erinnere ich aber nicht genau, kann es sogar das Bestreben der damaligen  „Emma“ gewesen sein, die Geschlechterzuordnung in der Begrifflichkeit deutlich zu machen,  dem gesellschaftlichen Rang der Frauen und Mädchen  einfach mehr Aufmerksamkeit und Gewicht zu geben.

Es waren die Jahre der ersten kleinen – und dennoch so großen –  Veränderungen in der Bewusstwerdung von  männlich/weiblich.  „Der kleine Unterschied und seine großen Folgen“ mischten die wenigen Talkshows auf,  und wir Frauen sollten lernen, dass wir nicht als Mädchen geboren, sondern dazu gemacht würden….  (erschienen als Buch von Ursula Scheu)   eine Behauptung, der ich eine zeitlang widerspruchslos folgte, bis mir nach der Geburt meiner wunderbaren Tochter so sehr  deutlich wurde, dass sie sich doch schon rein äußerlich von ihren ebenso wunderbaren Brüdern unterschied und ich eigentlich nicht wollte,  sie zu einem „Nicht-Mädchen“,  aber eben auch „Nicht-Jungen“  zu machen, denn sie war ja KEIN Junge!  Sie, so wurde mir beinahe schlagartig klar, als ich dieses kleine Wesen eines späten Abends in den Armen hielt und stillte, sollte sich in ihrer Entwicklung  ihrer Weiblichkeit bewusst werden  und sie genießen können, was aber nicht bedeutete, dass sie nicht auch das alles machen und ausprobieren dürfte, was ihren Brüdern in den Sinn kam…  Ich wollte, so nahm ich mir sehr bewusst vor,  unsere Tochter ihren ureigensten Weg gehen lassen….  Und ich glaube, dass sie das bis heute tut.

 

Wie auch immer,

mehrere Jahre war die „Emma“ der Quell meiner weiblichen Weiterentwickelung, bis ich mich schließlich für „genug emanzipiert“ hielt und auf weitere Emmalektüre verzichtete.  Alice Schwarzer war nicht mehr das große Vorbild, sondern eine Frau wie viele andere auch, die im öffentlichen Leben mehr oder weniger deutlich Position bezogen zu den verschiedensten Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Wesentlich  für mich war es in den Jahren der Familienzeit und Kindererziehung eine Balance gefunden zu haben zwischen meiner  „Rolle“  / Arbeit in der Familie (und dem ehrenamtlichen Engagement in Kindergarten, Schule und Gemeinde)  und meiner nach der Kinderpause neu aufgenommenen Berufstätigkeit und darin „meinen“ ureigensten Erkenntnissen und Empfindungen folgen zu können, nicht nach einem Schema leben zu müssen, das mir von außen aufgedrückt wurde. Ich war immer sehr gerne „nur Hausfrau“ in der Zeit, als die Kinder noch klein waren und habe das nicht als einen Makel oder eine Minderwertigkeit hinsichtlich einer wie auch immer formulierten gesellschaftlichen Relevanz erlebt. Im Gegenteil. Ich war – und bin es heute noch – stolz darauf, gemeinsam mit meinem Mann unsere vier Kinder auf ihrem Weg ins Leben und darüber hinaus begleitet und beraten zu haben, und so daran beteiligt zu sein, dass sie einen guten Platz in Gesellschaft und Beruf gefunden haben.  Ich halte das – diese „Familienarbeit“ –  generell für eine große gesellschaftliche Leistung aller Frauen, die in meinen Augen viel zu wenig Wertschätzung durch die Politik und in den Medien  erfährt.

Und nach diesem kleinen Einschub zurück zu  „Emma“.
Ein Artikel nämlich, auf den ich bei facebook aufmerksam wurde,  könnte mich verleiten, wieder einmal eine „Emma“ zu erstehen…

Zumindest aber bringt er mich dazu, ihn  hier als Link weiterzureichen, denn er beschäftigt sich mit einem wundersamen Phänomen unserer Zeit, dem ich so abhold bin, wie man nur sein kann. Ich könnte allerdings mein ablehnendes Unbehagen nicht so präzise begründet in Worte fassen:

Emma:  „Sargnägel des Feminismus“

Daraus dieser kurze Auszug, in dem es um die vermeintliche Wissenschaftlichkeit der sogenannten „Gender Studies“ geht:

Der angestrengte Jargon schaukelt gewichtige Denkleistungen vor, der junge Erwachsene weder zum kritischen Befragen der Gegenwart animiert, noch zu unabhängigen Denkerinnen und Denkern ausgebildet – sie werden vielmehr eingeschüchtert. Weil sie unweigerlich annehmen, dass das, was sie in einem universitären Rahmen zu hören bekommen, intellektuell gewichtig sein muss, wird ihr Verstand nicht geschärft, sondern vernebelt.

Konkreter: Das Studium der Gender Studies macht Studierende oftmals nicht schlauer, sondern in vielen Fragen dümmer. Sie lernen nicht, globale Probleme objektiv zu erfassen, sondern sie durch eine hochgradig antiimperialistische Agenda zu filtern. Ein Workshop, den Dietze zu „Ethnosexismus und Migration“ anbot, befasste sich etwa mit „abendländischen Überlegenheitsnarrativen, zum Beispiel der Demokratie als der besten aller Regierungsformen, der Säkularität als der besten aller Rationalitäten“. Womit „der Überzeugung“ widersprochen werden sollte, dass die westliche Welt über „ein maximal fortgeschrittenes sexuelles Regime“ verfügen. Die Verächtlichkeit gegenüber Rechtsstaatlichkeit und Religionsfreiheit, die sich durch diese Botschaft aus dem akademischen Paralleluniversum zieht, ist ebenso offenkundig wie die subkutane Faszination für religiös legitimierte Diktaturen, in denen es weder das eine noch das andere gibt.

 

 

Mein mütterlicher Rat – etwas salopp formuliert und alles andere als wissenschaftlich begründet, lautet daher:
Liebe Frauen, Mädchen, Männer und Knaben, nehmt Euch diesen Emma-Text zu Herzen, genießt Eure jeweilige biologische Einzigartigkeit ganz ohne jeden politisch-ambitionierten Weltverbesserungswahn….
Und bleibt – oder werdet wieder – ‚ganz normal‘ … ohne jeden Genderquatsch und sprachverhunzende Binnensterne oder Genderneuwortschöpfungen….