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Knabenchöre sollen endlich auch Mädchen zugänglich sein… 14. Februar, 2019

Posted by Rika in aktuell, emanzipation, gesellschaft, meine persönliche presseschau, politik.
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fordert eine Berliner Rechtsanwältin wie das Online-Magazin „Evangelisch“ berichtet.

Rechtsanwältin: Knabenchöre verstoßen gegen Gleichberechtigung

Wenn Mädchen keinen Zugang zu bekannten Knabenchören hätten, die staatlich gefördert würden, sei dies eine Diskriminierung nach Artikel 3, Abs. 3 der Verfassung, der Benachteiligung aufgrund des Geschlechts verbietet, sagte die Juristin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bräcklein beschäftigt sich derzeit mit Fällen, bei denen Mädchen von Spitzenchören abgelehnt wurden, darunter der Leipziger Thomanerchor.

 

Ich bin sehr für die Gleichberechtigung, wirklich.

Aber aus Prinzip die Spezialisierung in Knaben-  und Mädchenchöre aufzuheben, geht doch an dem Thema schlichtweg vorbei. Gäbe es für Mädchen überhaupt keine Möglichkeit, sich in Chören zu organisieren – oder wäre der weibliche Gesang gar verboten, wie etwa in Iran, könnte ich die Aufregung ja noch verstehen, aber so? Gut, sie führt als Argument an, dass die Chöre öffentlich gefördert würden und von daher der Gleichheitsgrundsatz gewahrt sein müsse. Dennoch  habe ich den Eindruck, dass die Anwältin eine richtig gute Möglichkeit entdeckt hat,  zusätzliches Einkommen zu generieren, indem sie nämlich Klage führt gegen Chöre aller Art, die bei öffentlicher Förderung dem scheinbaren Grundsatz von „Gleichberechtigung“ widersprechen.

Zu Frau Bräckleins Gunsten mag man vermuten, dass die Dame nicht zu dem Kreis von Experten im Musikleben gehört, die am Klang eines Chores bereits erkennen können, ob es die Thomaner aus Leipzig, oder die Spatzen aus Regensburg oder die Knaben aus Wien sind, die vielstimmig herrliche Chorwerke intonieren. Ich gebe zu, ich gehöre auch nicht zu dem erlesenen Kreis der Spezialisten, aber ich kann deutlich einen Knabenchor von einem Mädchenchor unterscheiden – und Mädchenchöre gibt es doch auch. Und wenn wir schon vom Gleichheitsgrundsatz reden, der Mädchenchor Hannover wird auch öffentlich gefördert und mir ist nicht bekannt, dass Knaben begehren, dem Chor anzugehören, damit die Gleichberechtigung gewahrt ist.

Die Geschlechter bedingte Spezialisierung der Chöre endet ja nicht mit der Pubertät oder dem Stimmbruch der Knaben. Ich zum Beispiel habe jahrelang in einem „Gemischten Chor“ gesungen, der wiederum eine andere Klangfarbe hatte als der Jugendchor, in dem ich auch etliche Jahre begeistert sang. In meiner Gemeinde gab es neben diesen beiden Chören einen ganz wunderbaren Männerchor – der klag zwar nicht wie der Chor die Don-Kosaken, stellte aber manches Mal den Gemischten Chor in den Schatten, weil , ja weil Männerchöre einfach ganz anders  und auch manche Lieder eben nur von einem Männerchor richtig gut klingen. Neben dem Gemischten-, dem Jugend- und dem Männerchor spielte auch der Posaunenchor eine wichtige Rolle im Gemeindeleben. Wenig  klingt so gewaltig und erhebend wie der vom Posaunenchor geblasene Lobpreis „Großer Gott wir loben dich…“ Mir jedenfalls liefen dann immer die Tränen – was allerdings nicht unbedingt als Kriterium taugt, weil mir schnell mal die Tränen fließen.

Wie nun, dachte ich angesichts des oben angeführten Artikels, mögen sich Cellisten diskriminiert fühlen, weil sie nicht im Posaunenchor mitspielen dürfen – wobei ja auch der Ausdruck „Posaunenchor“ schon diskriminierend ist, erklingen doch auch Trompeten, diverse Hörner und die dicke Tuba im Posaunenchor, warum mancherorts besser vom Bläserchor gesprochen wird, besonders, wenn auch Flöten, Klarinetten, und Oboen mitwirken – aber, wie gesagt, eben keine Geigen oder Celli, Kontrabässe oder Harfen.  Das Gefüge aus all diesen Instrumenten nennt man darum ja auch Orchester…

Doch auch in anderen Sparten des gesellschaftlichen Lebens gibt es die strenge Teilung nach männlich – weiblich. Besonders gut kann man das bei beliebten Sportarten feststellen, jetzt im Winter zum Beispiel bei den Skirennen und den Biathlonwettkämpfen, den Bob- und Rodelwettbewerben. Zwar gibt es auch Mixed-Mannschafts-Wettkämpfe, aber selbst die sehen nicht so aus, dass Männer gegen Frauen antreten und umgekehrt. In den Teamwettbewerben zählen dann nämlich die Einzelergebnisse der männlichen und weiblichen Sportler in der Summe als Mannschaftsergebnis.

Die Gleichberechtigung wird durch diese Form der  Aufteilung nicht infrage gestellt.

Das würde geschehen, ich deutete es schon an, wenn es aufgrund des Geschlechts einem Mädchen oder Jungen, einer Frau oder einem Mann generell verboten wäre, einer Sportart oder einem Hobby wie dem Singen und Musizieren nachzukommen.

Gar noch nicht in den Überlegungen der Anwältin ist das Thema Teilhabe angesprochen, Inclusion nämlich, die sich ja nicht nur auf Bildungseinrichtungen und Berufstätigkeit bezieht…. DAS wäre im Hinblick auf Chöre und Sport ein neues, riesiges Gebiet… wenn eben nicht mehr „Special-Olympics“ – die ich außerordentlich gut finde, ausreichen würden, um dem Gleichheitsgebot zu entsprechen….  Das mag ich  mir gar nicht vorstellen…

Aber vielleicht, so denke ich etwas sarkastisch, entspricht die Forderung der Anwältin einem neuen Trend im Kampf um die Gleichberechtigung von Frauen – konnte man in diesen Tagen doch lesen, dass die Brandenburger zukünftig die Zusammensetzung ihres Parlaments streng danach ausrichten, dass in den Parteien beide  Geschlechter bei der Aufstellung der Kandidaten für die Landtagswahl in gleicher Anzahl berücksichtigen müssen.

So stellt sich mir (Achtung, Ironie) allerdings angesichts von Binnensternen und Toiletten mit der Aufschrift „divers“ die Frage, wie lange dieser soeben postulierte Grundsatz noch zu halten sein wird…..

Und noch ein paar Gedankenzüge weiter könnte dann eine Differenzierung nach Religionszugehörigkeit notwendig werden, damit sich nur ja niemand aufgrund seiner ausgeübten Religion oder seines  bekennenden Atheismus  ausgegrenzt fühlt und sich damit eine weitere Gerechtigkeitslücke in Sachen  Gleichberechtigung  auftut.

Mir – und sicher den meisten Leuten die hier lesen – würden noch unglaublich viele weitere Lücken einfallen, die dringend geschlossen werden müssten…. wenn ich es mir so richtig überlege….

 

 

 

……

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Kommentare»

1. David - 15. Februar, 2019

Naja, wenn schon, dann richtig: Zum Beispiel Frauen zur Müllabfuhr, Straßenbau, als Möbelpacker, paritätische Berücksichtigung der (mindestens) 70 Geschlechter nicht nur in Parteien, sondern auch im Sport, überall, die Liste wird, je länger man darüber nachdenkt, immer länger.

s. hierzu auch: https://www.youtube.com/watch?v=2Wp_YOOv3QQ

Und immer heftiger kommt bei mir nicht die Frage, sondern die Feststellung hoch: DIe haben alle mächtig einen an der Waffel.

Wie sagte kürzlich Henryk Border so schön? Deutschland ist ein Irrenhaus. Wäre ein Dach drüber, wäre es eine geschlossene Anstalt.

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