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In der Ferne – so nah…. 5. August, 2019

Posted by Rika in aktuell, attentat, flüchtlinge, gesellschaft, medien, migration, politik.
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Gestern Abend schaltete der liebste Gatte die Tagesschau der ARD ein und weil ich keine Lust hatte das gemütliche Wohnzimmer zu verlassen, nahm ich an der abendlichen Belehrung durch die Nachrichtenredakteure teil. (Ja, ich weiß, dass diese Einleitung schon alles andere als objektiv ist hinsichtlich unseres Nachrichtenwesens, aber es ist die „harmloseste“ Beschreibung der Sendung, die mir angesichts meiner gestrigen, augenblicklich auftretenden Gefühle möglich ist.)

In den USA ist es – wieder einmal – zu einem fürchterlichen Verbrechen gekommen, Menschen wurden ohne jeden Grund durch einen Schützen getötet. Es gibt nichts, aber auch gar nichts, was so eine Tat in irgendeiner Form rechtfertigen würde, aber es gibt leider Menschen, die so eine Tat zur Rechtfertigung ihrer Verachtung für den amerikanischen Präsidenten und seine Politik missbrauchen. Ich will und muss das hier nicht näher ausführen.

Die ARD-Nachrichtenredaktion räumte dem furchtbaren Geschehen im fernen Amerika sehr viel Zeit und Raum ein.

Auch in Deutschland kommt es immer wieder zu Verbrechen, die uns sprachlos machen ob ihrer Grausamkeit. Menschen werden hinterrücks und ohne jede Vorwarnung und ohne jeden erkennbaren Grund getötet. Wir haben inzwischen gelernt, dass diese lokalen Einzelfälle nicht oder kaum  von Bedeutung für die wichtigen Nachrichtensendungen sind, vor allen Dingen dann, wenn die an der Tat Beteiligten  unterschiedlicher Herkunft sind.

Ist das Opfer ein Mensch, der im Zuge der großen Fluchtbewegung nach Europa / Deutschland kam, wird ihm große Aufmerksamkeit zuteil – auch in den Medien – sofern der Täter aus dem europäischen / deutschen Kulturkreis stammt.  Die Moderatoren bekunden ihre Fassungslosigkeit und weisen mit dem Richtfinger nach Rechts – auch wenn noch keine abschließende Untersuchung durch die Behörden stattgefunden haben kann.

Ist das Opfer ein Mensch, der im Zuge der großen Fluchtbewegung nach Europa / Deutschland kam und hat der Täter die gleiche Biographie aufzuweisen, wird in den großen Medien gar nicht berichtet, allenfalls findet man eine kleine Notiz in der Tageszeitung der Region über den Vorfall.

Ist das Opfer ein Mensch, auf den die Merkmale „europäischer Abstammung“ zutreffen, der Täter aber ein Mensch, der im Zuge der großen Fluchtbewegung nach Europa / Deutschland kam und hat der Vorfall bereits in den sozialen Medien Aufmerksamkeit erregt, so vermelden die Moderatoren die Tat „kurz vorm Wetter“.

Vielleicht ist meine subjektive Wahrnehmung wirklich sehr subjektiv und kann einer objektiven Statistik (gibt es die überhaupt?) nicht standhalten.

Aber angesichts der sehr ausführlichen Berichterstattung über ein Geschehen, das sich Tausende von Kilometern weit weg ereignete, frage ich mich schon, ob hinter der mir seltsam erscheinenden Auswahl dessen, was der bundesrepublikanischen Fernsehöffentlichkeit dargereicht werden sollte und was nicht, irgendein politisches Kalkül stecken mag. Nein, ich neige nicht zu Verschwörungstheorien, ich bin nur neugierig interessiert an einer sinnvollen  Erklärung.

Meine eigene Vermutung mag keine sinnvolle Erklärung liefern.  Sie sieht folgendermaßen aus:  Die „gefühlte Sicherheit“ früherer Zeiten ist bei vielen Menschen einer leichten Verunsicherung gewichen. Dass die aber nicht wünschenswert ist, bekundete unser Innenminister im November 2017 nach den Anschlägen in Paris, als nämlich in Hannover ein Freundschaftsspiel zwischen der niederländischen Nationalmannschaft und der deutschen sehr kurzfristig abgesagt wurde, weil eine diffuse „Terrorlage“ bestand.

Die Bevölkerung darf und soll in gar keinem Fall beunruhigt oder gar verunsichert werden. Wenn aber jeder bedauerliche „Einzelfall“ eines Tötungsdelikt unter der Beteiligung der oben genannten Personen so ausführlich in den Hauptnachrichten dargestellt würde, wie die Amokgeschehnisse im fernen Amerika, würde das zu einer erheblichen Verunsicherung führen – und müssten die Journalisten dann nicht auch der Regierung sehr unangenehme Fragen stellen, ähnlicher Art, wie man sie viel lieber im Blick auf den POTUS als Tatsache unterstellt – natürlich mit umgekehrten Vorzeichen, denn unsere Regierung ist ja nun gar nicht rechtspopulistisch ausgelegt, wie etwa die ferne Administration in Washington.

Wenn man Herrn Trump den Vorwurf macht, seine Migrationspolitik sei es, die für die neuerlichen Verbrechen verantwortlich ist, was müsste man dann unserer Regierung anlasten hinsichtlich ihrer Politik?  Manche Politiker und manche im Internet zu lesenden Kommentare stellen ja solche Fragen, aber die sind eben „rechtspopulistisch“ und das wollen „wirsindmehr“  ja bekanntlich nicht sein. Ich verstehe das natürlich und nehme auch das Dilemma wahr, mit dem die freundlichen Damen und Herren in den Redaktionen zu kämpfen haben.

Aber ich habe noch gelernt, das „ehrlich währt am längsten“ eine gewisse Grundannahme gesellschaftlichen Zusammenhalts ist – zumindest aber sein sollte. Und deshalb würde ich mir wünschen, dass diese Erkenntnis auch in den Redaktionsstuben der großen Medienanstalten zur Durchsetzung käme und offen die Ereignisse, Zusammenhänge, Folgen und Erkenntnisse daraus zur Sprache gebracht werden könnten.

Noch liegt die Deutungshoheit bei den MSM, aber immer mehr Menschen kehren sich ab, weil sie spüren, dass man sie nicht ernst genug nimmt und nicht für klug genug erachtet, die Geschehnisse im Zusammenhang mit den ungelösten Problemen der Migration zu sehen – denn dass dieser Zusammenhang besteht,  ist nicht länger zu verharmlosen.

Und zum Ende dies noch:  Vielleicht, so denke ich manchmal mit leicht verschwörerisch gerunzelter Stirn, soll uns die Beschäftigung mit Trump und seiner Politik nur davon ablenken, die Missstände im eigenen Land genauer unter die Lupe zu nehmen – nur ja nicht vor der eigenen Haustür kehren – es könnte ein böses Erwachen geben.  Sich an die eigene Nase fassen – es könnte unangenehm werden.

Den Splitter im Auge des anderen sehen und nicht den Balken im eigenen erkennen – ich will mich von der Möglichkeit nicht ausschließen.

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