jump to navigation

Der Begriff ist das Problem: RASSISMUS 28. Februar, 2020

Posted by Rika in antisemitismus, einwanderung, flüchtlinge, gesellschaft, integration, islam, migration, politik.
Tags: , , , , , , , , ,
add a comment

Den nachfolgenden hierher kopierten  Kommentar schrieb ich heute bei Facebook zu dem entsprechenden Beitrag der „ZEIT“.

Ich komme im Moment aus Zeitgründen leider nicht dazu, das näher auszuführen. Es ist mir aber wichtig zu warnen, mit dem Begriff „Rassismus“ sorgfältiger umzugehen , als wir es gemeinhin tun.

„Deutschland habe ein Rassismusproblem, meint die Zeit und lässt Menschen zu Wort kommen, die diesen Rassismus erlebt haben.
Ich halte die Formulierung „Rassismusproblem“ für problematisch.
Es gab immer eine Form der Abgrenzung von „Fremden“, das galt nach dem Krieg sogar für die Deutschen aus den deutschen Ostgebieten, sie wurden nicht mit offenen Armen aufgenommen, man sah sie vielerorts als unerwünschte Eindringlinge an, die den Ortsansässigen die bisherigen Privilegien streitig machen „wollten“, beispielsweise durch den Erwerb von Wohnungen, die ohnehin knapp waren oder man neidete ihnen die „Vergünstigungen“, die sie als Flüchtlinge hatten, ohne darüber nachzudenken, dass diese Menschen alles verloren hatten und nun darauf angewiesen waren, dass ihnen die Eingliederung in die westdeutsche Gesellschaft gut gelang.
Wenn sich in der Mehrzahl muslimische Migranten gegen „Rassismus“ wehren, so muss doch die Frage erlaubt sein, seit wann die Religionszugehörigkeit als „Rasse-Merkmal“ betrachtet wird, ein ursprünglich von den Nationalsozialisten zur Abgrenzung von der „deutschen Volksgemeinschaft“ verwendeter Begriff.
Wir haben hier in Deutschland das große Problem, dass über den Islam in seinen vielfältigen Facetten nicht kritisch gesprochen werden kann, ohne dass sofort das Totschlagargument „Rassismus“ zum Einsatz kommt. Meiner Wahrnehmung nach besteht dieses Problem seit der damalige Bundespräsident Wulff völlig ohne Not erklärte, der Islam gehöre zu Deutschland und in der daraufhin einsetzenden Auseinandersetzung Kritiker dieser Aussage sehr schnell mit eben diesem Begriff mundtot gemacht wurden, bzw. gemacht werden sollten.
Eine offene Diskussion ist seitdem hierzulande nicht mehr möglich, der Begriff „Rassismus“ wird inflationär benutzt, um jede Auseinandersetzung von vornherein abzuwürgen.
Man sollte doch gerade in dieser Zeit sorgfältiger mit diesen Begrifflichkeiten umgehen und man sollte auch endlich ohne Scheu dem Islam an den Stellen kritisch begegnen, an denen seine Vertreter – ob im privaten Bereich oder in offizieller Mission – sich durch ihr Verhalten grundsätzlich von der Mehrheitsbevölkerung abgrenzen wollen. Das hat mit der Kopftuchdebatte begonnen, findet die Fortsetzung in der Debatte um Kantinenessen oder im (freiwilligen) Verzicht auf bislang typische – auf der christlichen Religion basierenden – kulturelle Feste und Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkten (umbenannt in Lichtermärkte), Weihnachts- oder Osterfeiern in Kindergärten und Schulen.
All das hat nicht das Geringste mit „Rassismus“ zu tun.
Es ist vielmehr die Wahrnehmung der Unterschiede zwischen den seit ewig scheinenden Zeiten hier lebenden „Deutschen“, die dem christlich geprägten Kulturkreis angehören und den neu hinzugekommenen Menschen, die ihre ebenfalls religiös geprägte Kultur mitbrachten und sie erkennbar weiterhin pflegen.
Hört endlich damit auf, uns ein Rassismusproblem anzudichten an Stellen, an denen es um eine völlig andere Gemengelage geht.

Die RASSISMUSDEBATTE spaltet nämlich diese Gesellschaft mehr, als alle Unterschiede selbst.“

 

Was ich aber nach wie vor für die weitaus wichtigere Aufgabe halte, ist den Antisemitismus in allen seinen Formen und Facetten aufzudecken und engagiert zu bekämpfen.

Denn meine Beobachtung geht leider auch dahin, dass die Bekämpfung des ausdrücklich gegen Juden und Israel gerichteten Antisemitismus allzu leicht mit der Verhinderung eines kritischen Umgangs mit dem Islam vermischt wird, eben in der Zuweisung der islamkritischen Haltung als „Rassismus“.

Nach wie vor stehe ich zu dieser Aussage:

Zu behaupten, Islamkritik – auch Islamophobie genannt – sei im Kern identisch mit Antisemitismus halte ich für eine besonders perfide Form des letzteren.

Substitution – zur seltsamen Lage in Deutschland… 27. Februar, 2020

Posted by Rika in aktuell, antisemitismus, attentat, aus küche und keller, aus meinem kramladen, gesellschaft, Grüne Ideologen, integration, medien, meine persönliche presseschau, mord, politik, presse.
Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
add a comment

Substitution

Ich habe schon einmal eine ähnliche Überschrift für einen Beitrag gewählt… damals ging es um eine Linsensuppen-Substitution https://himmelunderde.wordpress.com/2012/03/01/linsensuppensubstitution/ .

Heute wollte ich mir mit dem Posten eines Suppenrezeptes eine kleine Ablenkung verschaffen, um von den merkwürdigen Zuständen in Deutschland  Abstand zu gewinnen.
Abstand zu der von mir wahrgenommenen Gemengelage hierzulande, dazu gehören – in Stichworten – die seltsamen Vorgänge bei der Wahl des Ministerpräsidenten in Thüringen und die nicht weniger irritierend anmutenden Reaktionen der Kanzlerin und aller rechtschaffenden – nicht zu verwechseln mit rechten – Parteien von tiefrot über rot bis grünlich, wobei „grünlich“ dafür steht, dass die Partei zwar einen frühlingsfrischen grünen Anstrich hat, aber bei näherer Betrachtung doch schon Flecken des rückwärtsgewandten Verfalls aufweisen, warum sich diese Grünen in Thüringen selbst eher vornehm zurückhalten und lieber den grünen Oberphilosophen und schriftstellernden Märchenonkel für sich reden lassen.

Ob man die FDP zu den rechtschaffenden Parteien zählen darf, ist zur Zeit noch nicht ausgemacht, hat sie es doch zugelassen, dass der als Gegenkandidat für den roten Bodo angetretenen Herrn Kemmerich auch (!) und zudem vielleicht mehr aus Versehen von den Mitgliedern der Partei gewählt wurde, die neuerdings in einem Atemzug mit Adolf und Auschwitz genannt wird, was ich persönlich für eine Relativierung der Verbrechen der Nationalsozialisten halte – und zwar für eine von der übelsten Sorte, nicht weil die besagte Partei als ein Ausbund an Freiheit und Hort der Demokratie angesehen werden kann, sondern weil man mit diesem Vergleich die Verbrechen der Nationalsozialisten klein redet und sie so zu dem „Fliegenschiss“ degradiert, den vor nicht allzu langer Zeit einer der Repräsentanten selbiger Partei für die gesamte Zeit  des Tausendjährigenreiches auszumachen glaubte. Ich halte das für eine Scheußlichkeit sondergleichen.

Die anderen Wähler des Herrn Kemmerich sind ganz offenbar in der Thüringischen CDU beheimatet. Hier macht es Sinn, die ThCDU von der Bundes-CDU zu unterscheiden, denn diese brachte  –  sofort nach dem Startschuß von der in Afrika weilenden Kanzlerin –  ihr größtes Missfallen an diesem inakzeptablen Vorgang zum Ausdruck und stellte sich konsequent hinter Frau Dr. Merkel und ihre undemokratische Forderung, das Ergebnis dieser Wahl sofort rückgängig zu machen.  Nun kann man eine Wahl nicht so mir nichts dir nichts rückgängig machen. Immerhin trat Herr Kemmerich von seinem Ministerpräsidentenposten auch aufgrund des Drängens der Bundes-FDP zurück. Nun hat das Land weder eine regierungsfähige Regierung, noch ist ein Ausweg aus dem Dilemma, der nach demokratischen Regeln zustande kommen könnte, überhaupt absehbar. Was dann allerdings ebenfalls  rückgängig gemacht wurde, war die Stellung von Frau AKK als Parteichefin und Kanzleraspirantin, Annegret Kramp-Karrenbauer kündigte ihren geordneten Rückzug und den Verzicht auf alle ihre Parteiämter an, nur die Verteidigungsbereitschaft Deutschlands will sie auch weiterhin als Ministerin koordinieren (da gibt es vermutlich nur noch wenig falsch zu machen, weil alles, was je falsch laufen konnte, falsch gelaufen ist).

Nun streiten sich dreieinhalb Herren darüber, wer die Rechtschaffenheit der CDU auch in Zukunft glaubhaft nach innen und außen vertreten soll. Das „dreieinhalb“ bezieht sich nicht auf einen halben Mann, sondern auf einen halben Posten als Kanzleraspirantenkandidat, will doch Herr Spahn nicht selbst den Thron des Regierungschefs besteigen, sondern Herrn Laschett als Steigbügelhalter dienen und dafür den Vize machen. Die anderen beiden Herren, Herr Röttger und Herr Merz, haben ihrerseits schon interessante Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Frau Dr. gemacht, dem einen machte sie einst den Fraktionsvorsitz abspenstig, den anderen feuerte sie als Umweltminister. Man darf gespannt sein, welchem der Herren ihre größere Abneigung gilt und wer darum mit dem höchstmöglichen Sperrfeuer aus der Zentrale der Macht zu rechnen hat, das natürlich nach Kräften mit der geballten Kompetenz an Demagogie und Verunglimpfung einhergehen wird, die die Medien aufzuweisen haben. Im Moment scheint die Medienmeute Hatz auf, bzw. gegen Merz zu machen.

Die Thüringer Inszenierung einer Regierungskrise geriet vorübergehend in den Hintergrund der Berichtertattungen. In Hanau ereignete sich eine furchtbare Tragödie, als ein unter schwerer schizophrener Paranoia leidender Mann neun ihm fremde Menschen, seine eigene Mutter und sich selber erschoss. Der in einem sogenannten „Manifest“ des Täters anklingende,  aber keineswegs als solchen auch ursächlich hinreichend bewiesene „Rassismus“, löste eine Flut von Reaktionen aus, die alle einen gemeinsamen Schwerpunkt  bis heute aufweisen: Die rechte Partei am äußersten rechten Rand muss geächtet, vom Verfassungsschutz überwacht und am besten gleich ganz verboten werden. Zu sagen, es wäre sinnvoll zunächst einmal die polizeilichen Ermittlungen abzuwarten, gleicht schon einem Anfall von Masochismus. Es steht unumstößlich fest, dass solche Taten nur und ausschließlich im bewusstem Hass auf Fremde und Rassismus begangen werden können. Eine schwere psychische  Störung mag man allenfalls bei traumatisierten Menschen annehmen, die aus kulturfremden Ländern hierher kamen und schwere Straftaten begingen, für Menschen aus unserem allgemeinen  kulturellen Umfeld gilt das nicht.

So bleibt auch die Berichterstattung über eine weitere tragische Tat in einem seltsam-nebulösem Dunkel. In dem kleinen nordhessischen Ort Volkmarsen fuhr ein junger Mann seinen Wagen in eine fröhlich feiernde Menschmenge, die den Weg des Karnevalzuges säumte. Bisher ist von 60 Verletzen die Rede, einige von ihnen sehr schwer verletzt, unter ihnen sehr viele Kinder.

Und während  die gesamte politische Elite den Opfern und Angehörigen von Hanau unmittelbar ihr tiefstes Mitgefühl ausdrückte, es in vielen Orten Deutschlands „Demonstrationen gegen Rechts“ gab, Sondersendungen und Talkshows sich des Dramas annahmen, blieb es um Volkmarsen ziemlich still. Der Bundespräsident reiste nicht an, um an Krankenbetten sein Mitgefühl auszudrücken, auch habe ich noch nichts davon gehört, dass den Geschädigten von Volkmarsen eine Entschädigungszahlung zugesagt wurde, wie man sie den Familien der Opfer von Hanau versprach.

Aber vielleicht habe ich auch nicht mehr richtig zugehört oder nachgelesen. Irgendwann schaltet nämlich mein Selbsterhaltungstrieb auf „Abstand und Ruhe“, weil ich es einfach nicht mehr ertrage, mich mit den Ereignissen selbst, aber auch mit den Reaktionen darauf intensiver zu befassen.

Heute, „nach Hanau und Volkmarsen“, beherrschen wieder die Umtriebe der CDU-Granden die Zeitungen.

Und so ganz am Rande nimmt auch langsam die Berichterstattung über die Gefahr, die von einem in China ausgebrochenen Virus ausgeht, Fahrt auf…. allerdings will es mir scheinen, dass nicht Corona selbst  im Mittelpunkt des Interesses steht, sondern die unglückliche Figur, die der Herr Minister Spahn dabei macht, hatte er doch bei ersten vorsichtigen Meldungen die Gefahr für uns hier in Deutschland heruntergespielt, inzwischen mehren sich aber die Stimmen, die sogar eine Pandemie nicht ausschließen wollen und sorgenvoll darauf hinweisen, dass die medizinischen Einrichtungen möglicherweise auch hier bei uns nicht allzu gut darauf vorbereitet seien.

In Krisenzeiten kann eine gute Suppe durchaus über augenblickliche Sorgen hinweghelfen, hier geht es jetzt zur Suppe: Aber Achtung, sie ist nicht vegan, nicht einmal vegetarisch!

Man nehme

500 g Gehacktes halb und halb (natürlich nur vom Biobauern)

2 Stangen Porree (schön kräftig biodynamisch gewachsen)

3 große Zwiebeln

2 säuerliche Äpfel

1 Pck passierte Tomaten (500 g)

200ml Sahne

1 gehäuften El Rosenpaprika

Salz und Pfeffer nach Geschmack

1El Zucker-Zimt-Gemisch

1 Bechertasse Basmatireis

Zubereitung:

Porree sehr gründlich waschen, die äußeren Blätter entfernen, das dunkle Grün abschneiden, die Porreestangen der Länge nach halbieren und in  in sehr feine Halbringe schneiden.

Die Zwiebeln schälen und in grobe Stücke schneiden

Die Äpfel schälen und grob raffeln

Den Basmatireis in einem Sieb unter kaltem Wasser abspülen und mit der doppelten Menge Wasser und einem Teelöffel Salz in einem hohen und großem Topf zum Kochen bringen, auf die kleinste Energiezufuhr schalten und den Reis ausquellen lassen.

Das Gehackte in einer Pfanne mit hohem Rand gut anbraten, danach die Zwiebeln hinzufügen und glasig werden lassen, beide Zutaten gut vermischen, die geraffelten Äpfel auf die Hackfleisch-Zwiebel-Mischung geben und die Zucker-Zimt-Mischung  darüber streuen und unterheben. Danach den Porree hinzufügen.  Alles gut vermischen und mit Salz, Pfeffer und Rosenpaprika würzen,  einige Minuten leicht köcheln lassen.

Die passierten Tomaten zu dem ausgequollenem Reis geben und gut verrühren, anschließend den Pfanneninhalt zu dem Reis geben, alles gut vermischen,  gekochtes Wasser zugeben, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist  und mit Sahne verfeinern.

Ich habe noch eine Handvoll eingeweichter Rosinen zugegeben, das ist aber  nicht jedermanns Geschmack. Mir schmeckt das allerdings sehr gut…

 

 

 

Das Motiv ist klar…. oder vielleicht doch nicht? 20. Februar, 2020

Posted by Rika in attentat, aus meinem kramladen, gesellschaft, mord, politik, presse, terrorismus.
Tags: , , , , , , , , ,
2 comments

Das Bekennerschreiben weise auf mögliche rechtsradikale Motive hin, sagte die Stimme aus dem Off beim HR.
Und der Tagesschausprecher sagt soeben, die Bundesanwaltschaft gehe von einer zutiefst rassistischen Gesinnung aus.

Wie sollte man es auch anders darstellen. Alle Videobotschaften und schriftlichen Bekenntnissen des Täters  scheinen auf eben diese Einstellungen hinzudeuten.

„Und dennoch“ sage ich sehr entschieden.

Dennoch wäre es doch an der Ordnung gewesen, zunächst einmal sorgfältig zu prüfen, ob diese Einstellung ursächlich für die „kruden Ideen“ sind, die sein Text aufweist, oder ob nicht eine massive Störung seiner Persönlichkeit ihn immer tiefer in die (durch ihn selbst dokumentierte)  Wahnwelt trieben, der zu entkommen vielleicht nur durch das Morden und die anschließende Selbsttötung möglich war.

Haben sich Psychiater mit den Texten und der Videobotschaft beschäftigt? Kamen sie zu Wort in diesem öffentlich ausgetragenen Tribunal der Verlautbarungen und Verurteilungen?

Die Tat ist schrecklich, das ist gar keine Frage.

Mein Mitgefühl gilt den verwundeten Opfern und den Angehörigen der Getöteten.

Aber mein Mitgefühl gilt auch dem Täter, wohl gemerkt, diesem von seiner Paranoia getriebenem Menschen, der zur Waffe griff und zehn Menschen und sich selbst tötete.
Warum?
Mir geht es wie nach dem Amoklauf von Winnenden, wie nach dem am Erfurter Gymnasium: Menschen kommen nicht so einfach mir nichts dir nichts auf die Idee, andere zu töten. Am Anfang steht doch zumeist eine tiefe Kränkung des eigenen Selbstwerts, hervorgerufen durch andere Menschen oder aber, wie in diesem Fall anzunehmen ist, die bereits erkennbare Fehlentwicklung in der Pesönlichkeit, unabhängig von dem realen Verhalten der nächsten Bezugspersonen und der Umwelt.

Ich kann natürlich nicht darüber urteilen wie es im Fall des Tobias R. tatsächlich gewesen sein mag, aber ich habe den von ihm verfassten Text gelesen und kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass dieser Mensch im Vollbesitz seiner geistigen und psychischen Kräfte gewesen sein konnte.  Wie sehr er darüber hinaus negativen Einflüssen durch andere ausgesetzt gewesen sein mag, das festzustellen, ist nun Sache der ermittelnden Behörde.

Ich schreibe diese Stellungnahme, weil ich es unerträglich finde, wie der Schrecken dieser Tat sofort umgesetzt wird in politische Münze und nahezu alle Kommentare, die ich bisher hörte oder las, so sicher davon ausgehen, dass der Mann ein hasserfüllter Rassist mit extrem rechter Gesinnung gewesen sei.

Seinem Manifest nach zu urteilen, war er aber ein Mensch, der hoffnungslos von seinem unheilvollen Wahn, seiner Psychose geknechtet wurde, dies wird in seinem Text überaus deutlich.

Den Text seines Bekenntnisses kann man unter diesem Link finden.

Dieses „Manifest“ liest sich wie eine horrorvolle Eigenauskunft über die Entwicklung, die Tobias R. zu dem Mann werden ließ, der zu einer Waffe greift, um in seinem Wahn die Welt vor Übeltätern zu retten und so selber zum Mörder unschuldiger Menschen wird.

Der Blog ScienceFiles nimmt sich des Manifests kommentierend an. Ich gebe hier nur die Einleitung im Wortlaut wieder:

Wir geben im Folgenden die wesentlichen Inhalte des Manifests, das der Hanauer-Attentäter, Tobias Rathjen, quasi als sein Vermächtnis hinterlassen hat, wieder. Es ist nach unserer Ansicht wichtig, den Inhalt dieses Manifests einer großen Leserzahl zugänglich zu machen, um der politischen Instrumentalisierung des Attentäters entgegen zu wirken.

Hier die wichtigsten Punkte als Zusammenfassung vorweg:
Der Attentäter aus Hanau heißt Tobias Rathjen.
Er ist 1977 geboren und war zum Zeitpunkt seines Todes demnach 42 Jahre alt.
Rathjen hat wohl eine Lehre als Bankkaufmann und ein Studium der BWL absolviert (bzw. begonnen).
Sein Manifest ist das Dokument eines paranoiden Psychopathen, von dem man sich fragen muss, wie er so lange unter Anderen leben konnte, ohne eingeliefert zu werden.
Er ist überzeugt, vom Geheimdienst überwacht zu werden und hält sich für ein “Genie”, weshalb er u.a. eine Strategie für die USA und eine für den DFB entwickelt hat.
Rathjen ist xenophob, seine Xenophobie ist jedoch eine abgeleitete Xenophobie: Wie die Klimahysteriker, so denkt auch Rathjen, dass die Menschheit vor der Katastrophe gerettet werden muss – nicht wegen der Globalen Erwärmung, sondern weil sie nach seiner Ansicht unausweichlich zur Zukunft der Erde gehört.
Die Rettung kann nach seiner Ansicht nur von Völkern kommen, die sich durch Ideen hervorgetan haben. Das schließt eine breite Gruppe von Völkern aus, die nach seiner Ansicht nicht nur keine Ideen produzieren, sondern sich destruktiv auf die Menschheit auswirken und somit die Rettung derselben gefährden. Deshalb müssen diese Völker nach seiner Ansicht eliminiert werden.
Rathjen ist nicht in der Lage, Individuen in Rechnung zu stellen, er ist Kollektivist und kann nur in Gruppen denken. Nicht einmal seine eigene Person kann er unabhängig von einer Gruppe definieren. Er ist mit dem Versuch, eine personale Identität zu entwickeln, gescheitert.
Die interessante Frage, die sich mit Rathjen verbindet, ist nicht, ob er Fremdenfeind war oder nicht. Er war ein Fremdenfeind. Die interessante Frage ist, warum er übergeschnappt ist, denn das paranoide Überzeugungssystem, das er sich zugelegt hat, ist nichts, was ihm alleine zueigen wäre. Paranoide Überzeugungssysteme sind heute weitverbreitet: Klimahysteriker, die die Welt in 10 Jahren untergehen sehen, haben ein paranoides Überzeugungssystem. Linke Gewalttäter, die gegen Unternehmen oder Privatpersonen vorgehen, weil diese als Agent des Kapitals angesehen werden, haben ein paranoides Überzeugungssystem. Die Frage ist, warum wird Rathjen, der ansonsten in keiner Weise bemerkenswert ist, zum Amokläufer? Die Antwort auf diese Frage ist eine gesellschaftliche und keine, die man in Deutschland hören will.

(Hervorhebungvon mir)

Elf Menschen hat der Attentäter von Hanau ermordet und ein Manifest hinterlassen, das ihn als einen kranken, einen paranoiden Psychopathen ausweist. Man muss seine Tat also vor dem Hintergrund seines Wahnsinns sehen.
Wir haben das Manifest gelesen und geben unseren Lesern eine Zusammenfassung der nach unserer Ansicht wichtigsten Stellen.
Das Manifest ist 24 Seiten lang und enthält schon auf Seite 3 die folgende Passage, die das Leben des Attentäters nach seiner Ansicht geprägt hat. Er sei, so schreibt er, 3, 5 oder 11 Tage alt gewesen als sich Folgendes ereignet habe:

Tobias Rathjen
“Parallel zu diesen ersten Eindrücken vernahm ich eine Stimme in meinem Geist, der nun zum ersten Mal einsetzte, die allerdings nicht freundlich war und lautete: „Oh, das ist ja blöd, ich bin in die Falle gegangen“. Ich erwiderte auf diese Frauenstimme unmittelbar mit „Nein“ und schlief kurz darauf wieder ein.”
Dieser Eindruck, der sich im Gehirn des damals maximal Elftägigen nach seiner eigenen Aussage eingegraben hat, ist eingebettet in eine Rahmengeschichte, die auf der Überzeugung gründet, dass tausende Bürger in Deutschland von einem Geheimdienst überwacht werden.

Ich empfehle dringend, sowohl das von mir verlinkte Original, als auch die von ScienceFiles vorgenommenen Erklärungen und Anmerkungen zu lesen.

Aufgrund des Originaltextes kann ich den Täter NICHT für einen Rechtsextremen halten, der lediglich seinem infernalischen und rassistischen  Fremdenhass folgt, wie allzu leichtfertig von vielen politischen Stimmen und den berichtenden Medien zu erfahren ist.

Wir müssen aber Menschen wie Tobias Rathjen sehr ernst nehmen, sie sind in ihrem Wahn unberechenbar und gefährlich.

Und sicher ist die Frage berechtigt, die die Autoren von ScienceFiles am Ende ihres Beitrag stellen, wie es sein kann, dass niemand zuvor den Wahn erkannt habe.

 

Auf gar keinen Fall darf aber dieses schreckliche Verbrechen dazu führen, das, was wir Freiheit nennen, in der vermeintlich dringend gebotenen  Abwehr des Bösen immer weiter  zu beschränken.
Es könnte sich als größter Fehler unserer demokratischen Gesellschaft herausstellen.

Ich hoffe sehr, dass dieser schreckliche Fall trotz allem dazu beiträgt, neben dem üblichen Einteilen in Rechts und Links auch noch zu differenzierter Wahrnehmung fähig zu sein und auch zu kommen.

NACHTRAG am 21.Februar
Prof. Dr. Meins nimmt bei Achgut Stellung zu „Hanau“
https://www.achgut.com/artikel/der_taeter_von_hanau_eine_diagnose

Aus dem Text zitiert:
„Aber dass es hier sich wiederum um einen Täter handelt, der unter dem Einfluss von wahnhaftem Erleben – oder wie es formal heißt: einer krankhaften seelischen Störung – stand und deswegen unfähig war, das Unrecht seiner Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln, sollte zumindest dem psychiatrisch etwas Vorgebildeten bereits nach kurzer Lektüre des wirren Manifests des Täters klar sein. Da gibt es auch aus der Ferne kein Vertun.
Und dementsprechend ist es schlicht Unsinn, zu behaupten, der Täter habe aus fremdenfeindlichen Motiven gehandelt oder – wie der Generalbundesanwalt meint – habe eine „zutiefst rassistische Gesinnung“. Welche Gesinnung der Täter tatsächlich hatte, muss gegenwärtig offen bleiben. Denn dazu muss in Erfahrung gebracht werden, wie dessen Einstellungen und Überzeugungen zu Zeiten waren, wo Denken, Fühlen und Handeln noch nicht unter dem Einfluss seiner krankhaften seelischen Störung standen. Das Manifest des Täters ist deshalb völlig ungeeignet, um auch nur halbwegs sichere Informationen über die „eigentliche“ – die nicht krankhaft bedingte – Gesinnung zu erlangen. Die bisher bekannten Einlassungen von Mitgliedern seines Sportschützenvereins ergeben keine Hinweise auf eine fremdenfeindliche Gesinnung. Aber diese Frage kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt aufgrund der mageren Quellenlage noch nicht abschließend beantwortet werden.“

und weiter:
„Auch wenn der Täter von Hanau aufgrund einer schweren psychischen Erkrankung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht in der Lage war, das Unrecht seiner Tat einzusehen, bleibt es eine furchtbare Tat. Wenn Mainstream-Politiker und -Medien sowie neuerdings auch der Generalbundesanwalt diese Tat als Ausdruck einer rassistischen oder fremdenfeindlichen Gesinnung bezeichnen, dann folgen sie bloß ihren niederen politischen Instinkten und ihrem Kalkül – wie es sich in den letzten Jahren eben so eingeschliffen hat.“

Ramelow hat einen Plan…. 13. Februar, 2020

Posted by Rika in aktuell, aus meinem kramladen, gewerkschaft, politik, presse.
Tags: , , , , , , ,
2 comments

Bodo Ramelow hat einen Plan.

Darin verspricht er hoch und heilig, nach seiner –  nur mit einem taktischen Wahlmanöver zu erreichenden  –  Wiederwahl zum Thüringischen Ministerpräsidenten umgehend den Landtag aufzulösen, um durch Neuwahlen die „richtige“ Regierung Thüringens ermitteln zu können.

Ich bin gestern einer Empfehlung des liebsten Gatten gefolgt und habe „Maischberger“ gesehen, was ich schon seit Jahren nicht mehr mache. Über die Qualität der Sendung, über die geladenen Experten – Politiker wie Journalisten – will ich mich hier nicht äußern, wohl aber über die Show des Bodo Ramelow, der sich gewaltig ins Zeug legte und alle Register zog, um die versammelte Fernsehgemeinde davon zu überzeugen, dass mit ihm ein nicht nur ehrenwerter Mann die Verantwortung in Thüringen übernehmen würde, sondern er selbst, Bodo Ramelow, die einzig machbare Lösung des Problems herbeiführen könne, wollte man nur seinem Plan folgen. Der Plan sieht vor – siehe oben – ihn mit Hilfe der benötigten  Stimmen der anwesenden Abgeordneten der CDU direkt im ersten Wahlgang zu wählen, oder durch Abwesenheit der entsprechenden Anzahl von Abgeordneten der CDU im dritten Wahlgang die einfache Mehrheit für Ramelow zu sichern.  Letzteres Szenario wurde in der Bildzeitung offenbar als „Klo-Deal“ verhandelt und so dargestellt, als habe es eine entsprechende Vereinbarung darüber  mit der CDU bereits gegeben. Diese Vereinbarung wird jedoch von Herrn Ramelow heftig bestritten.

Auf Maischbergers vorsichtig vorgetragenen Vorschlag, selbst auf die Kandidatur zu verzichten, um so den beschriebenen Weg zu Neuwahlen zu ermöglichen, geht Ramelow mit einer emotional vorgetragenen „Wahlkampfrede“ ein, in der er nochmals seine Bemühungen im Vorfeld der Wahl des Ministerpräsidenten in der vergangenen Woche aufführt und vehement die Vorstellung zurückweist, eine andere Person als er – der doch von den Bürgern Thüringens zum  Ministerpräsidenten erkoren sei, weil RRG den höchsten Stimmenanteil errungen habe – solle nun zum MP auf Abruf gewählt werden.

Und an dieser Stelle setzt mein Nachfragen ein.

Wenn, lieber  Herr Ramelow, es ihnen so ernst ist mit der Strategie, den Landtag aufzulösen um Neuwahlen zu ermöglichen, warum überlassen sie dann dieses nicht ungeschickte Manöver nicht einer „neutralen“ Person, die nicht dermaßen viel an Widerspruch bei den Parteien CDU und FDP hervorruft, wie sie? Warum nicht einen x-beliebigen Abgeordneten der Linken Nachfolgepartei der Mauerschützengesellschaft aufbieten oder besser noch einen Abgeordneten der  SPD – immerhin regiert die CDU in Berlin mit der SPD, das dürfte auch in Thüringen weniger Widerstand hervorrufen –   und das Prozedere dann genau so wie geplant durchführen? Ihre ebenso heftig wie emotional geführten Auslassungen zu dieser Strategie machen mir jedenfalls deutlich, dass ihr Plan nur mit äußerster Vorsicht zu behandeln ist.

Ich empfand es widerwärtig und verlogen, als sie auf die Frage, was ihnen bei der Wahl Kemmerichs durch den Kopf gegangen sei, antworteten, sie hätten in dem Moment daran gedacht, wie nur eine Woche zuvor der Opfer des Nationalsozialismus in Buchenwald gedacht worden sei und nun sei Herr Kemmerich von den Nachfolgern der Nazi-Mordgesellen gewählt worden.

Das, Herr Ramelow, nehme ich ihnen nicht ab.

Hätten sie ehrlich gesagt, ‚ich fand das Schei–e und mir war zum Heulen‘, hätte es wirklich jeder verstehen können, sogar ich, die ich ihnen nur wenig Sympathien entgegen bringe. Aber jetzt, eine Woche später, sich mit dieser Behauptung  als antifaschistischer Saubermann zu präsentieren, das nehme ich ihnen übel. Das war eine Showeinlage für die Galerie, die Selbstdarstellung eines von sich durch und durch überzeugten Mannes, der sich auf der richtigen Seite der Geschichte sieht, dabei aber beide Augen fest zukneift, wenn es um die Geschichte geht, die noch nicht so lange zurück liegt wie die des Tausendjährigenreiches, einer Geschichte von Bespitzelung, Verfolgung, Unterdrückung, Freiheitsberaubung und Ermordung derjenigen die dem Teil Deutschlands den Rücken kehren wollten, in dem ihr schöner Freistaat Thüringen liegt. Es war die Show eines Mannes der sich weigert, die DDR als Unrechtsstaat zu bezeichnen. Immerhin ließen sie sich zu der Bemerkung herab, in der DDR habe es auch Unrecht gegeben… Sollte das ein Friedensangebot an alle diejenigen sein, die noch vor Jahren der Losung gefolgt sind „Freiheit statt Sozialismus“, die es der SPD-Führung damals sehr übel nahmen, auch nur den kleinsten Schritt zu tun, der einer staatlichen Anerkennung der DDR gleichkommen würde?

Ich glaube ihnen kein Wort. Und schon gar nicht haben sie mich mit dieser Show davon überzeugt, nach ihrer Wahl wirklich den Landtag auflösen zu wollen.

Welche Garantie bieten sie an? Ein Schriftstück mit entsprechender Formulierung? Hätte das juristisch Bestand?

Ihr Ehrenwort?

In der Politik auf das Ehrenwort von Politikern zu vertrauen, käme der Geschichte vom Wolf und den sieben Geißlein gleich.

 

%d Bloggern gefällt das: