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Der Nachteil des Alters…. 31. März, 2020

Posted by Rika in aus meinem kramladen, berufstätigkeit, gesellschaft, lesen, politik.
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Der Nachteil des Alters wird in Zeiten der durch die Corona-Krise geschlossenen Buchhandlungen und des Liebsten und meiner  eigenen strikten Verweigerung, Bücher und ähnliche“ Dinge über Amazon zu beziehen, zu einem unschätzbaren Vorteil.

Wie das?

Wir zwei Alten haben in unseren Arbeitszimmern gut gefüllte Bücherregale. Sach- und Fachbücher aus den diversen Studien- und Berufsjahren ruhen dort seit den Zeiten ihres regen und auch notwendigen Gebrauchs. Aber auch solche Bücher, die nur der Unterhaltung dienen ohne jeden Bildungsanspruch an den Leser.

Heute Morgen saß der Liebste höchst vergnügt an seinem Schreibtisch und hielt mir ein schmales Bändchen entgegen: „Johann August Schülein – Psychotechnik als Politik – Zur Kritik der Pragmatischen Kommunikationstheorie,  Syndikat, Frankfurt 1976

Nach eigenem Bekunden hat der Liebste nur noch den Schimmer einer Ahnung davon, was ihn bei der nunmehr wieder aufgenommenen Lektüre  dieses wichtigen Werkes erwarten wird.

Ist das nicht wunderbar?

Das Alter hat die Erinnerung an den Inhalt fast vollständig getilgt und nun erwarten ihn völlig neue Höhen der Erkenntnis. Das ist doch großartig.

Ich überlege deshalb, ob ich es ihm gleichtun und  auf die so wenig erfreuliche „Berichterstattung“ verzichten soll, die mir in unzähligen Posts und unglaublichen pseudo-wichtigen Beiträgen bei Facebook ungefragt ins Haus kommen und ob ich die Zeit nicht viel lieber nutzen sollte, mich mit meinen alten Lehrbüchern zu befassen, die ebenso wie die des Liebsten in jetzt zwar sanfter Ruhe, aber wie zuvor stets griffbereit – angefangen seit dem Beginn des Studiums Ende der 60er Jahre –  und immer noch aufrecht im  Regal  stehen….

Dass sie dennoch auch HEUTE  von Nutzen sein könnten, mag man an den wenigen  Titeln ablesen, die ich hier exemplarisch aufliste:

Angesichts der Zahlenspiele,  denen wir  in diesen Tagen ausgesetzt sind, wäre doch „Statistische Methoden und ihre Anwendung, Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen, 1973“ eine lohnende Lektüre…

Nicht minder wichtig – „Erziehung zur Anpassung, Politische Bildung in den Schulen, Wochenschau Verlag Schwalbach 1967“ –  wenn man bei diesem Exemplar nur vom Titel ausgeht und den Inhalt außen vor lässt 😉 Manchen Leuten stünde ein wenig mehr Anpassung an die Erfordernisse der Zeit gut zu Gesicht…

Gut zu gebrauchen sicher auch eine Auffrischung dieses Themas: „Frustration und Aggression, Beltz Studienbuch, Weinheim 1971“ Sind wir nicht alle in dieser Zeit mehr oder weniger frustriert und neigen nicht wenige von uns dazu, darauf mit Aggression zu reagieren? Jedenfalls ist die verbale Aggression, der man bei Facebook mitunter begegnet, erheblich, fast schon eine Straftat.

Im Sinne „unserer“ Altersschwäche hinsichtlich des Gedächtnisses könnte man vielleicht auch von diesen Erkenntnissen profitieren, die einst Jürgen Bredenkamp und Werner Wippich (die ich  während meines Studium in Vorlesungen und Seminaren live erlebte) in Buchform weiterreichten: „Lern- und Gedächtnispsychologie Band I, Kohlhammer, Berlin 1977 Es könnte mir allerdings passieren, dass ich nach der bearbeiteten Hälfte der Lektüre feststellen würde, dass ich zum weiteren Verständnis derselben noch mal kurz auf den voran gegangenen Seiten nachschlagen müsste… 🙂

Sehr zu empfehlen ist auch: „Helmut Thielicke, Von der Freiheit, ein Mensch zu sein, Herder, Freiburg 1981“    Daran, an der Freiheit,  ein Mensch zu sein, hapert es nicht nur in diesen  Zeiten an allen Ecken und Enden.   Vielleicht sollte ich darum mit diesem Buch beginnen und  Statistik,  Gedächtnis und die „Anpassungerziehung“ erst mal außen vor lassen. Ich habe mich noch nie sonderlich gerne kritiklos irgendwem und irgendwas angepasst und werde im Alter bestimmt nicht mehr damit anfangen, schon gar nicht werde ich versuchen, das mit anderen Leuten zu exerzieren…

Meine ca. „Elfundneunzig“ Kochbücher könnten mit den hübschen Bebilderungen meinen Appetit und die Lust zu kochen anregen. Rezepte brauche ich eigentlich nicht (mehr), ich koche nach der Nase und lasse mich von dem inspirieren, was mir an Lebensmitteln gerade unter die Augen kommt…. Wobei mein Vorratsschrank zwar gut gefüllt, die genussvolle Zusammenstellung der Vorräte aber schon meine Kreativität herausfordert, soll nicht ein langweiliges Allerweltsessen dabei heraus kommen.

Vielleicht mache ich es aber mit Rücksicht auf meine Nerven, mein Gedächtnis und meinen Seelenfrieden wieder so wie vor einem Jahr, als ich in des Liebsten großem Arbeitszimmer mit einem gebrochenem Bein im Pflegebett lag und las….  nämlich alle mir verfügbaren Bücher von Jane Austen. Keine Weltrettung wird mir auferlegt, eine zuweilen aufblitzende psychologische Tiefgründigkeit regt meinen Geist an,  fordert mich aber niemals drohend mit dem erhobenen Zeigefinger zur Besserung des eigenen  Charakters auf… Es ist einfach nur genussvolles Eintauchen in eine alte Welt – mit durchaus gegenwärtigen Fragen des Lebens.

Wie auch immer.

Es ist doch wunderbar, dass der Nachteil unserer leichten Vergesslichkeit zum Vorteil wird.

So können wir Zwei in unserer häuslichen Quarantäne noch Tage, Wochen und Monate mit Büchern zubringen, die wir alle schon einmal zumindest in Teilen gelesen, aber deren Inhalt wir zu unserem heutigen Glück dem Wortlaut und den logischen Ausführungen nach  fast gänzlich vergessen hatten…  Wir betreten immer wieder Neuland…

Ich muss allerdings ergänzend hinzufügen, dass  der Liebste, im Gegensatz zu mir***,  immer noch brandaktuelle Fachbücher liest, sofern sie in unserer Lieblingsbuchhandlung wieder an Ort und Stelle zu haben sind,  nicht dass jemand auf den Gedanken kommt, er sei nun ein ganz und gar versponnener Professor geworden, der nur noch in der Vergangenheit lebt.

Lesen in Zeiten des Virus…. ein Abenteuer … in jeder Hinsicht.

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***Zur Erklärung: Ich habe das Psychologiestudium, das ich nur neben meiner eigentlichen  Arbeit als Fachlehrerin an einer Sonderschule in Nordhessen betreiben konnte,  durch den Umzug von Göttingen nach Hannover und die Geburt unsere Kinder nicht mehr beendet. Mir fehlten am Ende 2 Semester und die Prüfungen zum Diplom.  Meine später wieder aufgenommene   berufliche Arbeit als Fachlehrerin für Werken und Hauswirtschaft an der Förderschule für Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten diente vor allen Dingen der praktischen Ausbildung unserer Schüler, der pädagogisch-psychologische  Aspekt meiner Arbeit war zwar für die  persönliche  Kompetenz sehr wichtig, stand aber, anders als bei meinem Mann, nicht   als „Lehrgegenstand“ im Mittelpunkt meiner Aufgabe.

 

 

 

 

 

 

 

Alles zum Schutz der Bevölkerung… 29. März, 2020

Posted by Rika in aktuell, familie, gesellschaft, politik.
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ALLES?

Tun die Verantwortlichen in der Regierung, allen voran der Minister für das Gesundheitswesen, wirklich alles für den Schutz der Bevölkerung?

Ich muss sagen, da mehren sich mit jedem Tag meine Zweifel.

Hätte, wenn und aber auf die Vergangenheit zu beziehen, ich sagte es ja schon, ist ein gänzlich sinnloses Unterfangen. Aber „hätte“ oder „müsste“ in der Gegenwart, machte durchaus Sinn.

Müsste man nicht noch strengere Maßnahmen ergreifen?

Hätten nicht noch mehr Kontrollen einen Sinn und positiven Effekt?

 

Ein Beispiel gefällig?

Ich schrieb ja von den jungen Leuten, die ihre Reise so unerwartet plötzlich abbrechen mussten. Von Madagaskar aus waren sie mit dem letzten Flieger nach Addis Abeba gelangt  (der Flug war ohnehin für ihre Weiterreise von Madagaskar aus gebucht gewesen und konnte zum Glück umgebucht werden) um von dort aus den Heimflug nach Deutschland antreten zu können.

Während sie bei der Einreise in Addis Abeba Angaben über ihren letzten Aufenthaltsort und ebenso über den Aufenthalt in Äthiopien machen mussten und ihr Fieber gemessen wurde, passierte nach der Landung in Frankfurt NICHTS.
D.h. so ganz stimmt es nicht. Die Passagiere, die 7 Stunden lang mit rund 300 anderen an Bord der Maschine gewesen waren, durften aus Sicherheitsgründen nur Gruppenweise das Flugzeug verlassen, durchliefen dann die Einreisekontrolle – lediglich der Pass war vorzuweisen – und fanden sich dann in der gleichen Menschenmenge wie im Flieger am Gepäckband wieder. Keine weiteren Kontrollen, keine Fragen, kein Fiebermessen, nichts dergleichen, womit man zumindest den Anschein hätte wahren können, man habe alles für die gesundheitliche Sicherheit sowohl der einreisenden wie der anwesenden Menschen in Deutschland getan.

Addis Abeba, so erzählte es unser Sohn, ist in diesen Tagen ein Drehkreuz im internationalen Luftverkehr. Menschen aus allen möglichen Ländern Asiens, Indonesiens und Afrika landen dort, um in alle möglichen Länder den Weiterflug anzutreten.  Neben der Warteschlange zum Check-In, in der die jungen Leute standen, warteten auch  andere  Reisende auf ihre Abfertigung, die augenscheinlich zum Weiterflug in asiatische Gegenden bereit waren, und für  größtmögliche Sicherheit durch Ganzkörperschutzanzüge und Atemschutzmasken gesorgt hatten.

Überhaupt, so berichteten es Sohn und Freundin, war in Addis Abeba deutlich mehr an Aufwand zum Schutz der Bevölkerung zu sehen als hier in Deutschland. Vor jedem Geschäft, jedem Restaurant standen große Wasser- und Seifenbehälter, die man vor dem Betreten und nach dem Verlassen des Gebäudes zu nutzen hatte. Und so wunderten sich die beiden sehr, dass am Frankfurter Flughafen nichts, aber auch gar nichts zu sehen war, das zumindest der Handhygiene hätte dienen können.

Mein Mann und ich waren in den Tagen vor der Ankunft der Weltenbummler davon ausgegangen, dass sie unter Umständen in Frankfurt zunächst eine Quarantänestation durchlaufen müssten, zumindest aber Angaben darüber zu machen hätten, wo sie sich in Zukunft aufhalten würden, um dort in Quarantäne abzuwarten, ob sie sich bereits im Reiseland oder aber im Flugzeug den Virus eingefangen hatten oder nicht.

Im Sinne  einer Verhütung der Ausweitung des Virus war ich zudem davon ausgegangen, dass die jeweiligen Passagiere eines Flugzeugs als Gruppe /Kohorte erfasst und man so in der Lage sein würde, im Fall der Infektion Einzelner diese Infizierten einerseits zu isolieren und andererseits rasch und zeitnah ihre möglichen Kontaktpersonen im Flieger zu informieren und zu testen.

Wird uns nicht immer in den Nachrichten und Sondersendungen erzählt, in Deutschland sei die Rate der Infizierten deshalb vergleichsweise niedrig, weil so intensiv getestet würde, also vielmehr Personen durch Tests erfasst würden als in unseren so geplagten Nachbarländern? Warum verzichtet man dann darauf die Ankömmlinge aus der ganzen weiten Welt zu testen? Weil sie möglicherweise noch keine deutlichen Anzeichen der Krankheit haben?

Mir ist das unbegreiflich.

Allerdings könnte es verständlich werden wenn man davon ausgeht, dass an Testmaterial ähnlich großer Mangel herrscht wie an Atemschutzmasken und Schutzkleidung. Und meine stille Befürchtung ist, dass auch die so sehr gepriesene Anzahl an „ausreichenden“  Intensivbetten und Beatmungsgeräten sich  in letzter Konsequenz als frommer Traum herausstellen wird, die Aussage zwar stimmen mag, dass wir in Deutschland mehr Einrichtungen zur Verfügung haben als andere Länder, aber die Befürchtung ist doch, dass diese bei weitem nicht ausreichend sein werden…. das wird ja mittlerweile auch von offiziellen Stellen leise angemahnt, warum es so dringend ist, die Kontaktsperre aufrecht zu halten.

Wobei ich wieder bei der Ausgangsfrage bin:

Warum wird dann aber bei der Einreise nach Deutschland nicht getestet.

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Um es aber ganz deutlich zu sagen:

Ich bin sehr froh über alle Anstrengungen die unternommen werden, „den Laden am Laufen zu halten“, wie ich es erst  heute in einem Text las. Versäumnisse und Fehler zu machen sind auch Teil der menschlichen Natur, das ist nicht der Punkt meiner Klage.

Ich beziehe mich darauf, dass beschwichtigende Parolen ausgegeben werden, die näherer Betrachtung nicht standhalten. Es würde mich weniger ärgern, dass bei der Einreise nicht getestet wird, wenn offen darüber geredet würde  – auch und gerade von den Verantwortlichen – dass die von mir angesprochenen Maßnahmen alle vorhandenen Kapazitäten an Personal wie Material hoffnungslos sprengen würden und man sich wirklich  auf die aller notwendigsten Sicherheitsmaßnahmen beschränken MUSS.

Ich bin sicher, dass das Verständnis für die Ausgangssperre angesichts  mangelnder anderweitiger Möglichkeiten und Kapazitäten größer wäre, wenn das genau so auch kommuniziert würde.  Aber so, wie wir schon in einem noch sehr frühen Stadium der Pandemie beschwichtigt wurden, hier sei ja alles bestens im Griff, so werden wir auch jetzt nach dem Motto informiert:

Alles, was das ganze Ausmaß der Krise offen legen würde, könnte die Bevölkerung verunsichern.

Damit wird der angeblich „mündige Bürger“ aber entmündigt, ihm wird eben nicht zugemutet, selber im größtmöglichen Maße Verantwortung zu übernehmen und  Sorge für sich und andere zu tragen.

Dass die „systemrelevanten Personengruppen“ über jedes Maß hinaus belastet werden, hängt zu einem nicht unwesentlichen Teil damit zusammen, dass sich große Teile der Bevölkerung immer noch aufgrund unzureichender Information in einer trügerischen Sicherheit wiegen und entsprechend unsinnig verhalten.

 

 Ihr, die IHR nicht unbedingt zur Arbeit gehen müßt,  BLEIBT ZU HAUSE !

Bleibt noch hinzuzufügen, dass „unsere Weltenbummler“ sich jetzt natürlich in Quarantäne befinden, zum eigenen Schutz und dem ihrer Familie.

Ja nicht schlafende Hunde wecken…. oder lieber doch? 24. März, 2020

Posted by Rika in christsein und glaube, eltern, familie, familienpolitik, freunde, gesellschaft, Kinder - Famile, medien, politik, presse, soziale arbeit.
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Man findet in Zeiten der Krise die abenteuerlichsten Ideen, Theorien, Hypothesen und entsprechend viele Vorschläge zur Bewältigung derselben.

Einer dieser Vorschläge veranlasst mich zu diesem Gedanken, den man getrost zur Spezies der Verschwörungstheorien  zählen könnte, dessen Umsetzung für manche Menschen allerdings  gefährlicher wäre, als in der Realität schlafende (bissige)  Hunde zu wecken.

Am 26. 2., also vor weniger als einem Monat, erging folgende Nachricht in der Sendung der ARD an die Zuschauer an den Bildschirmen:

Das Bundesverfassungsgericht hat das Verbot der „geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung“ in Paragraf 217 Strafgesetzbuch für nichtig erklärt. Der Staat und die Gesellschaft müssen akzeptieren, wenn Einzelne nicht mehr leben wollen.

In den folgenden Sätzen erläutert der Autor, Kolja Schwarz,  die nähren Bedingungen und Schlussfolgerungen des Gerichts, dessen Urteil man hier nachlesen kann.

Das im Grundgesetz verankerte Persönlichkeitsrecht garantiert ein Recht auf selbstbestimmtes Leben. Daraus ergibt sich auch ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben. Das ist die zentrale Botschaft des Urteils. „Dieses Recht schließt die Freiheit ein, sich das Leben zu nehmen, hierfür bei Dritten Hilfe zu suchen und diese in Anspruch zu nehmen“, führt Gerichtspräsident Andreas Voßkuhle in seinen einführenden Worten aus.

Das Urteil ist eindeutig. Die Achtung und der Schutz der Menschenwürde und der Freiheit seien so grundlegende Prinzipien der Verfassung, dass Staat und Gesellschaft akzeptieren müssten, wenn Menschen sich als Akt autonomer Selbstbestimmung das Leben nehmen wollen. Sie dürfen selbst entscheiden, wann sie ihr Leben für lebenswert halten. Eine Bewertung dieser Entscheidung anhand allgemeiner Wertvorstellungen, religiöser Gebote, gesellschaftlicher Leitbilder oder Überlegungen objektiver Vernünftigkeit verbiete sich.

Es geht mir in diesem Beitrag allerdings nicht um die Diskussion „Sterbehilfe ja oder nein“, „selbstbestimmtes Sterben – Für und Wider“.

Meine Haltung ist zwar an dieser Stelle sehr eindeutig, soll aber jetzt nicht Gegenstand einer längeren Debatte oder Diskussion sein.

Nur zur Klarstellung: Ich lehne die Freigabe der Sterbehilfe im Grundsatz ab, befürworte dagegen den Ausbau der Palliativmedizin und der Hospize, schließe aber im genau zu prüfenden Einzelfall nicht aus, dem Sterbenden zu ermöglichen den Tod zu erleichtern und  den bereits begonnenen Sterbeprozess zu verkürzen. Immer bezogen auf die letzte Phase eines ungewöhnlich lang andauernden Sterbens und nach Ausschöpfung aller palliativen Mittel.

Zur weiteren Erklärung: Ich engagiere mich ehrenamtlich in der Hospizarbeit und kann aus dem ergangenen Urteil für mich und diese Arbeit keine andere Haltung einnehmen.

Die Gefahr, die ich in diesem Urteil für die Zukunft aber bereits schon in den den Urteil vorausgehenden   Diskussionen  gesehen habe, lautet auf einen knappen Nenner gebracht:

Schwer und schwerst erkrankte Menschen, hochbetagte und / oder an Demenz leidende Menschen bedeuten nüchtern betrachtet  einen enormen Aufwand an Pflege, Personal, Zeit und Geld. Noch kann sich unsere Gesellschaft diesen Aufwand leisten, noch können sich vielleicht Familien und Angehörige diesen Aufwand mit Hilfe von Pflegediensten und  Hospizen leisten, selbst wenn es trotzdem noch eine riesige Belastung – auch finanzieller Art – für die Betroffenen darstellt.

Wie leicht aber kann eine Situation eintreten, in der sich weder die Einzelnen in den Familien, noch die Gesellschaft insgesamt einen hohen Aufwand für Kranke, Alte, Demente leisten können oder wollen. Und können wir ausschließen, dass so eine Situation jetzt, in naher oder ferner Zukunft eintreffen wird, so meine Frage. Könnte dann dieses Gesetz nicht dazu führen, Alte, Kranke, Demente noch weit vor dem Sterbeprozess mit sanftem Druck davon zu überzeugen, dass ihr Leben doch nicht mehr wirklich lebenswert sei, die zu erwartenden Schmerzen oder Schwierigkeiten ihnen auch das letzte bisschen an Würde rauben könnte und es doch ein Leichtes sei, diesen Schwierigkeiten  mit Hilfe eines „Medikaments“ zu entgehen (diese Art von pharmakologischer Mixtur verdient eigentlich den Namen Medikament nicht, da es nicht der Gesundung eines Menschen, sondern dessen Tötung dient)?

Die Eröffnung eines sanften Weges in einen schnellen und leichten Tod kann gleichzeitig auch zur Lösung dringender und drängender Probleme in Familien, Pflegheimen und nicht zuletzt in den  zuständigen Versorgungskassen dienen.

Die Gefahr – so scheint es jetzt – war keineswegs nur hypothetisch.

Im Netzt kursieren schon seit ein paar Tagen seltsame Umschreibungen, wonach man den alten und hochbetagten an Covid 19 erkrankten Menschen doch nicht mehr helfen könne.  Aus Italien erreichen uns Berichte, in denen Mediziner unter Tränen davon erzählen, dass sie die Alten abweisen und sie in den sicheren Tod nach Hause entlassen müssen, um die wenigen Kapazitäten, die den Kliniken noch bleiben, den jüngeren zu überlassen, denen , die nach ihrer Gesundung noch eine gesellschaftlich relevante Arbeit ausführen können.

Im Internet ist gleichfalls ein  Artikel über D.R. Precht zu finden, da philosophiert der Haus- und Hofphilosoph der öffentlich-rechtlichen Sender  über die schwierige Frage, ob die egoistische Natur des Menschen dem Fortbestand der Menschheit entgegenstünde. Manche der im Internet kursierenden Statements offenbaren eine Herzlosigkeit und emotionale Kälte, dass einem das Blut in den Adern gefrieren könnte… wie z.B. das der Ehefrau eines ebenfalls in den öffentlich-rechtlichen Sendern häufig gesehen bunten Vogels, die munter darüber plappert, dass man Alte ohnehin nicht mehr brauche…. ergo, auch nicht mehr päppeln und behandeln müsse.  Eine andere interessante Gruppe hält das Sterben der Alten in der Corona-Pandemie für einen Fehler der Dokumentation und Statistik und somit seien alle getroffenen Maßnahmen einer falschen Voraussetzung gefolgt, denn eigentlich seien die armen Menschen ja nicht dem Virus zum Opfer gefallen, sondern wären sowieso gestorben. Und noch andere sehen in den hohen Opferzahlen unter alten Menschen eine durchaus erwünschte Entlastung der Kranken- und Pflegekassen.

Es macht mich ziemlich sprachlos – oder sehr zornig – wie man überhaupt zu so einer Haltung kommen kann. Dieses empathie- und würdelose Umgehen mit alten Menschen in der jetzigen Krisensituation macht mir deutlich,  zu welchem  Denken der Mensch, wenn es ihm selbst an den Kragen geht, fähig ist und dass es gar nicht unwahrscheinlich ist, dass diesem Denken auch die Taten folgen.

Solange aber die Politik nicht auch in diesem Modus ist, beschwichtigte ich meine Sorgen, wird es nicht zu dem kommen was ich im Stillen doch befürchten muss, nämlich zu einer gezielten Nichtversorgung und damit einem Sterbenlassen von Menschen, deren Leben für die Gesellschaft nichts mehr einbringt, sondern nur kostet: Kraft, Zeit, Arbeit, Plätze im Gesundheitswesen und vor allem GELD.

Aber auch in dieser beschwichtigenden  Annahme sehe ich mich bereits getäuscht.

In den USA soll es angeblich diesen Politiker geben, der diese Forderung stellt:

Coronavirus in den USA: Vize-Gouverneur von Texas fordert Großeltern auf, für ihre Enkel zu sterben

Texas Vizegouverneur: Großeltern sind bereit, für ihre Enkel zu sterben
Alle müssten in der Coronakrise Opfer erbringen, sagte Vizegouverneur Dan Patrick. Aber die Wirtschaft müsse weiterlaufen. Er selbst sei bereit, dafür sein Leben zu geben.
24.03.2020, 11:43 Uhr

Dan Patrick Bob Daemmrich/ imago images / ZUMA Press
Wohl kaum eine andere Frage wird derzeit so stark debattiert: Wie lautet die richtige Strategie im Umgang mit der Coronakrise? Während Regierungen auf der ganzen Welt auf strikte Isolation von Infizierten und Ausgangssperren setzen, fordert der amerikanische Vizegouverneur Dan Patrick nun einen anderen Weg – und vertritt eine absurde These.

Es könne nicht sein, dass die Wirtschaft der Coronakrise geopfert werde, sagte der Politiker aus Texas in einem Fernsehinterview auf Fox News. Man müsse wenigstens diskutieren, ob nicht die älteren Bürger geopfert werden sollten. „Ich denke, es gibt da draußen viele Großeltern wie mich, ich habe sechs Enkel. Ich will nicht, dass das ganze Land geopfert wird“, so Patrick.
Es habe ihn als älteren Bürger niemand gefragt, ob er sein Leben im Tausch gegen das Amerika riskieren würde, das alle liebten – um es für seine Enkel zu erhalten. Er selbst sei bereit, sein Leben zu geben.
Der Moderator hakte nach: „Sie sagen, dass dieses Virus Ihnen das Leben nehmen könnte. Aber es gibt für Sie etwas, das schlimmer ist als der Tod?“ Patricks Antwort darauf war kurz. „Ja“, sagte er.

Sind das die schlafenden Hunde, die man besser nicht wecken sollte?

Oder MUSS man die Gefahr sehr laut benennen, um sie rechtzeitig abwehren zu können?

Und wird die so nett formulierte  Forderung des amerikanischen Politikers auch hier Nachahmer unter unseren Politikern finden?   Gedacht werden diese Optionen ja auch hier schon und sogar nicht nur hinter der hohlen Hand dem Nebenmann ins Ohr getuschelt.

„Opa, Oma, macht Euch bereit zugunsten Eurer Kinder und Enkel ins Paradies zu gehen… hier die Pille für den Weg.“ 

Welches Monster haben wir gefüttert….?

Es graust mich vor so einer Gesellschaft.

DAS VIERTE GEBOT

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren,

auf daß dir’s wohlgehe und du lange lebest auf Erden.

Hier in diesem wunderbaren Land… 23. März, 2020

Posted by Rika in aktuell, gesellschaft, medien, politik.
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Eigentlich – ja,  jetzt folgt sofort die Einschränkung – eigentlich schätze ich „Achgut“ und teile meistens die Ein- und Ansichten der Autoren zu den Plagen und Problemen der Zeit.

Natürlich gilt das auch für diesen Artikel und seinen Autor und die Veröffentlichung von Meinung und Bedenken. Das ist gar keine Frage.

Aber in der gegenwärtigen Lage möchte ich doch lieber das Heft des Handels den Medizinern überlassen, statt den Bedenkenträgern zu folgen, die unsere Freiheitsrechte in Gefahr sehen; ich bin nämlich davon überzeugt, dass eine Ausnahmesituation auch Ausnahmemaßnahmen erfordert und dass wir mit dem Ende des Ausnahmefalles auch wieder zur demokratischen Normalität zurückfinden werden.

Aber vorerst unterstütze ich alle dringend erforderlichen Maßnahmen, die allerdings meiner unmaßgeblichen Meinung nach ohnehin zu spät kommen:

Hier, in diesem wunderbaren Land, geht es angesichts der Krise durch Corona nämlich höchst sonderbar zu.

Hier, in diesem schönen Land, können immer noch Menschen aus aller Herren Länder einreisen, ohne in den Flughäfen befragt und möglicherweise getestet zu werden – aus sicherer Quelle weiß ich, das  sogar in Addis Abeba ein Fragebogen ausgefüllt werden muss und auf Fieber getestet wird… (Einige werden jetzt sagen, das sei nur für die Galerie.)

Hier, in diesem Land mit den angeblich höchsten Standards im Gesundheitssystem, gibt es gar nicht ausreichend genug Tests, um jeden möglichen Verdachtsfall zu überprüfen. (Und vermutlich gibt es auch gar nicht genug medizinisch geschultes Personal, das die Tests durchführen könnte.

Hier, in diesem wunderbaren Land, gibt es für das medizinische und sonstige Personal in Krankenhäusern und Praxen weder genug Schutzanzüge noch ausreichende Mengen an Atemmasken, weshalb in einigen abgelegenen Orten die Ärzte schon zu Maleranzügen greifen, um halbwegs sicher zu sein…

Hier, in diesem besten aller demokratischen Länder, zanken sich die Verantwortlichen von Bund- und Landesregierungen darum, welche Maßnahmen sofort ergriffen und welche auf die lange Bank geschoben werden können und in ihrer Eitelkeit einerseits und dem Run auf die Kanzlernachfolge andererseits, lassen sie jedes vernünftige Zusammenarbeiten vermissen.

Hier, in diesem herrlichsten aller sozialen Länder, gibt es Leute, die es natürlich finden, alte Menschen, die ohnehin die Sozial-, Renten- und Krankenkassen unnötig belasten, ruhig dem „normalen“ Verlauf einer durchaus möglichen, tödlich ausgehenden Infektion mit Corona zu überlassen…. „Ein bisschen Schwund ist immer“, mag der Vater des Gedanken sein oder schlimmer noch „Besser die als ich!“

Hier, in diesem großartigen Land, streiten sich die Dichter und Denker um die Deutungshoheit ihrer (oftmals komplett unwissenschaftlichen) „Analysen“ und mehren sich die aberwitzigsten Theorien und Erklärungen der Art von „wieso-weshalb, warum die Lage sei wie sie ist und was weshalb deshalb zu tun sei“.  Eine Kakophonie selten vernommenen Ausmaßes ertönt im Land.

Hier, in diesem Land mit dem besten öffentlich-rechtlichen Rundfunk der Welt, machen sich Journalisten zunächst über die Maßnahmen anderer Länder lustig, um sie alsbald nach Eintreten der Besorgnis erregenden Umstände auch hierzulande zu bejubeln und der großen Dame im Kanzleramt, die wochenlang nichts von sich hören ließ, ihre untertänigste Referenz und Lobeshymnen zu erweisen.

Hier, in diesem Land in dem ich geboren bin und wirklich gerne lebe, wünsche ich mir sehr, dass „wir schaffen das“ nicht nur eine längst verbrauchte Floskel ist, sondern wir solidarisch miteinander umgehen, die Schwachen stützen – gerade auch mit finanziellen Mitteln -, die Regeln zum Wohle aller Menschen einhalten und endlich aufhören, denen das Leben unnötig durch seltsame Beiträge in den sozialen Medien schwer machen, die zum Teil bis an die Grenzen des Erträglichen und bis zur eigenen Erschöpfung daran arbeiten, dass wir heil durch diese Krise kommen, den Ärzten, Krankenpflegerinnen und Pflegern, den Laboranten, Pharmakologen, aber auch  den Putzkolonnen, Müllwerkern, Polizisten, Feuerwehrleuten und  Rettungsdiensten, den Mitarbeitern in den Verwaltungen und Verkehrsbetrieben und den vielen Menschen, die für den Nachschub an Lebensmitteln und all der Dinge sorgen, die wir trotz oder gerade auch in Quarantänezeiten benötigen….

Danach, da bin ich sicher, wird es um Analyse und Bewertung der Mittel und Maßnahmen gehen, die trotz eines bestehenden Unsicherheitsfaktors getroffen wurden.

Wir können nicht sicher sein, welche Faktoren zur Bewältigung einzig und allein ausschlaggebend sind, aber wir können ganz sicher sein, dass Nichtstun, ja selbst  Zaudern und  Zögern nicht zur Linderung  der Folgen dieser Pandemie beitragen werden.

Das gilt sowohl für die medizinischen, wie für die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen  Aspekte dieser Situation, die ja nicht nur unser schönes Land betreffen, sondern die weltweit Auswirkungen auf das Zusammenleben der Menschen wie der Völker haben werden.

 

 

 

 

 

 

Der Abbruch einer Reise tut weh… 22. März, 2020

Posted by Rika in familie, gesellschaft.
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Es ist so bitterschade!

Da haben die jungen Leute lange geplant, zielstrebig auf das große Abenteuer hingearbeitet, jeden müden Pfennig, bzw. Cent gespart, alles gut organisiert…

Und nun das.

Bei ihrem Abflug zur großen Reise war Corona noch weit entfernt in China und die Medien berichteten äußerst verhalten, jedenfalls kann ich mich persönlich nicht an irgendwelche öffentlichen Verlautbarungen über Befürchtungen für Deutschland und den Rest der „nicht-chinesischen-Welt“ erinnern – und China war auch nicht im Reiseprogramm enthalten…

Als sie in Brasilien waren, wurden erste leise Befürchtungen ausgesprochen….

In Südafrika dann doch schon die Ratschläge des Reisebüros und des AA zum Verhalten in der Öffentlichkeit…

Auf Madagaskar nach einer Woche die Befürchtung, es könne auch auf der Insel schwierig werden. Dann der Schock:  Madagaskar wird ab Freitag, den 20. März alle Flugverbindungen kappen.

Der geplante und bereits gebuchte Weiterflug musste umgebucht werden… aber wie bei instabilem Netz?

Freunde halfen und konnten es regeln.

Mittwochmorgen Start einer  abenteuerlichen Rückfahrt  zu Hauptstadt und Flughafen.

Ein 27 Stunden-Ritt mit unfreiwilligen Unterbrechungen durch Reifenpannen (es waren tatsächlich 2! ) – aber rechtzeitige Ankunft am Flughafen und Weiterflug nach Addis Abeba…

Zunächst große Hoffnung auf die Fortsetzung der Reise, die ja erst im Juli enden sollte…

Aufforderung des Auswärtigen Amtes an alle Deutschen in Äthiopien das Land zu verlassen und nach Deutschland zurückzukehren, da es weltweit keine Gewährleistung für  Flüge in der nächsten Zeit geben werden…

Corona oder Covid 19 ist auch in Äthiopien angekommen…

Sie kommen nach Haus.

So schade, so bitter, so frustrierend.

Und doch die richtige Entscheidung – auch wenn nicht klar ist, wie es jetzt in Deutschland weitergehen wird….

 

 

 

Und auch diese Möglichkeit ist leider versperrt….

Sinn … Irrsinn … Unsinn…? 21. März, 2020

Posted by Rika in aus meinem kramladen, gesellschaft, politik.
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Sinn oder Unsinn, gar Irrsinn?

Wer kann das  heute noch sicher sagen?

Kleines Beispiel gefällig?

Manche von denen die hier lesen haben es ja sicher schon mitbekommen, wir haben eine kleine Wiese am Meer, sie ist unser Refugium und Rückzugsort.

Als nun die ersten Vermutungen aufkamen, es könne zu einer allgemeinen Quarantäne für uns alle kommen,   glaubten wir mit unserer Wiese einen Platz zu haben, an dem wir weit weg von Hannover die Krise phasenweise und in aller Ruhe aussitzen  könnten.

Doch dem ist nicht so.

Eigentlich hätte  mich ja schon gestern oder vorgestern die Nachricht stutzig machen sollen, wonach alle friesischen Inseln im Norden und „Osten“ der Republik für Touristen gesperrt werden und auch die Feriengebiete in Schleswig-Holstein dicht gemacht würden. Ich hatte aber nicht weiter darüber nachgedacht.

Gestern nun erreichte uns die Nachricht unseres Wiesennachbarn die besagte, dass der längere Aufenthalt in unserem geliebten Kaff hinter dem Deich verboten sei, bereits dort anwesende Touristen den Ort verlassen müssten und ganz sicher auch vor Ostern nicht wieder kommen dürften.  „Aber das gilt doch sicher nicht für uns!“ war meine entgeisterte Reaktion, wir sind doch keine Touristen, die Wiese ist doch quasi unsere zweite Wohnung, wir bezahlen Steuern, die Müllabfuhr, Wasser, Abwasser und Stromversorgung, auch die Deichsteuer entrichten wir pünktlich und die Kurkarte, die uns den Zugang zu den kostenpflichtigen Stränden in der Gegend ermöglicht, haben wir auch schon bezahlt. Also wir sind davon doch gewisse nicht betroffen.

Eine kurze Internetrecherche  ergab zu meiner grenzenlosen Erleichterung, dass es „nur“ Touristen und Besucher beträfe, Ferienwohnungen und Häuser nicht vermietet werden dürfen und Hotels, Pensionen und Privatquartiere nicht mehr länger „Gäste“ aufnehmen und beherbergen dürfen. Na also. Wir sind aus dem Schneider.

Aber da gibt es noch dieses berühmte weiße Tier, das wieherte hörbar auf! Richtig, der Amtsschimmel meldete sich zu Wort in einer ergänzenden Ankündigung zu den bereits erlassenen Verfügungen:

Aktuelles
Stand: 20.03.2020, 16:30 Uhr
Auf der Seite „Informationen zum Corona- Virus COVID-19“ finden Sie alle Pressemitteilungen, Allgemeinverfügungen, Informationen im Bereich Schulen & Schülerbeförderungen und allgemeine Informationen, die bisher auf den Seiten des Landkreises Cuxhaven veröffentlicht bzw. bekannt gemacht wurden.

Und unter dem Link diese Ansage:

Zweiten Allgemeinverfügung des Landkreises Cuxhaven vom 18.März 2020
zur Beschränkung von sozialen Kontakten im öffentlichen Bereich, hier Zweitwohnungsinhaber, angesichts der Corona-Epidemie und zum Schutz der Bevölkerung vor der Verbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 auf dem Gebiet des Landkreises Cuxhaven.

Gemäß § 28 Absatz 1 Satz 2 lnfektionsschutzgesetz (IfSG) in Verbindung mit § 1
Abs. 1 Niedersächsisches Verwaltungsverfahrensgesetz in Verbindung mit § 35
Satz 2 Veiwaltungsverfahrensgesetzwird folgende Ergänzung zur 2.Allgemeinverfügung vom 1&März 2020 erlassen:
1. Personen mit erstem Wohnsitz außerhalb des Landkreises Cuxhaven ist die Nutzung einer Nebenwohnung (sogenannte Zweitwohnung) im Sinne des Bundesmeldegesetzes untersagt.
Hiervon ausgenommen sind Nutzungen aus zwingenden beruflichen sowie aus ehe-,
Sorge- und betreuungsrechtlichen Gründen nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch.

Personen, die sich bereits in einer Nebenwohnung im Gebiet des Landkreises
Cuxhaven befinden, haben ihre Rückreise an ihren ersten Wohnsitz unverzüglich, spätestens bis zum 22. 3. vorzunehmen.

 

(Die seltsame Formatierung habe ich nicht zu verantworten… sie liegt an der Übernahme des Dokuments.)

Peng. Da haben wir den Salat.

Nix da mit „geht uns nichts an, betrifft uns nicht!“

Unser freundlicher Nachbar rief persönlich die eingerichtete Beratungsnummer an und erfuhr, dass man dringend notwendige Dinge in der Zweitwohnung selbstverständlich erledigen könne, auch die Wiese dürfe gemäht werden und einem Spaziergang auf dem Deich stünde nichts im Wege. Man dürfe allerdings in keinem Fall in der Wohnung oder dem Haus übernachten.

Diese Erklärung ist es, die mich zu diesem Beitrag geradezu inspirierte.

Ich kann also die schlappen 220 km zur Wiese hinter dem Deich fahren, gucken, ob die Spinnen im Haus ihr Unwesen treiben oder Ameisen inzwischen eingedrungen sind, um an meinen Zuckervorräten zu naschen, ich darf auch die Wiese mähen oder die Tulpen begießen, mich sogar auf der Wiese in die Sonne legen und natürlich ist ein Spaziergang auf dem Deich nicht nur gesund, sondern auch nicht untersagt… Aber bitte – nein, das BITTE ist kein Bitte, sondern ein knallhartes Verbot –  übernachten darf ich in dem Haus nicht! Ob der Landrat Sorge hat, ich könnte die Spinnen und Ameisen infizieren?

Es leuchtet mir natürlich total ein, dass man das Virus nicht von Hannover an die Deiche trägt… Wenn aber einem Gang über den Deich nicht der Riegel vorgeschoben wird, wieso darf man sich dann im eigenen Haus nicht ausruhen, aufhalten, übernachten, die Quarantäne aushalten?

Ich verstehe ja auch, dass man das Haus nicht  weiteren Besuchern überlassen darf, um das Virus nicht durch ungereinigtes Inventar weiterzugeben, aber  wir vermieten es ja ohnehin nicht, allenfalls überlassen wir es Familienangehörigen und lieben Freunden – aber das ließe sich ja für kurze Zeit vermeiden.

Es stimmt natürlich auch, dass dann überprüft werden müsste, ob die Eigentümer gerade das Haus bewohnen oder irgendwelche anderen Personen.

Das allerdings, liebe geneigte Leserschaft, macht der Landkreis ohnehin.

Während der Saison schaut nämlich in regelmäßigen Abständen ein netter älterer Herr vorbei und kontrolliert, ob die Besitzer mit gültiger Kurkarte vor Ort sind oder einfach nur Besucher, die natürlich auch den Kurbeitrag zu entrichten haben. Mit Besuchern sind aber nicht nur die Personen gemeint, die als Nichteigentümer das Haus beleben, sondern tatsächlich auch die Menschen, die während unserer Anwesenheit zu Besuch sind und – Trommelwirbel – auch bei uns übernachten. Tagesbesucher, die abends wieder abreisen, müssen nämlich in unserem Kaff keine Kurtaxe entrichten, weil unser Strand (noch) kostenlos zu erreichen ist. Sie müssten allerdings in den Nachbarorten für das Betreten der Strände den Eintritt entrichten. So will es die Kurverwaltung und vermutlich auch das Gesetz.

Ich habe mich  schon  oft über dieses Verfahren gewundert.

Aber wir leben in Deutschland, da ist alles bestens geregelt und für alles gibt es Vorschriften, Anweisungen, Ge- und Verbote.

Nur Ausnahmen – das ist in diesen Tagen auch eine interessante Erkenntnis, die ich hier aber nicht weiter vertiefen will – bestätigen die Regel.

 

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Um nicht missverstanden zu werden:
Natürlich werden wir uns an alle diese Vorgaben halten, auch wenn sie an manchen Stellen unsinnig erscheinen mögen.
Unsere Siedlung an der Nordsee ist klein, die Anzahl der Bewohner überschaubar… man bekommt mit, wenn neue Leute auftauchen.

Aber die Regelungen gelten ja nicht nur für das „Kaff“, sie gelten für den gesamten Landkreis und wohl auch für die Stadt Cuxhaven selbst. In den größeren Orten sind natürlich viel mehr Menschen betroffen und der Schutz der Bevölkerung hat nun mal Vorrang vor den Befindlichkeiten der „Rika von der Wiese“…

In diesem Sinne:
Wir halten Abstand und bleiben zu Hause.

Corona – hätte, hätte…. 20. März, 2020

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Es gibt tausend Gründe diese schönen Formulierungen zu nutzen…. hätte, hätte, wenn und aber…

Aber es macht eigentlich und jetzt schon gar keinen Sinn …. und dennoch muss dieses „hätte“ thematisiert werden.

Seit Tagen und Wochen kann man über Facebook und ähnliche soziale Netzwerke Informationen über Corona –  das Virus Covid 19 – einerseits und die Maßnahmen in diversen Ländern andererseits erhalten. Und seit Tagen und Wochen gab und gibt es Leute, die ein rasches Handeln hier in Deutschland anmahnten und immer noch anmahnen. Sie wurden zunächst nur belächelt, dann in die Ecke der Fake-News-Verbreiter gestellt, offizielle Regierungsvertreter wiegelten ab, verharmlosten, behaupteten gar, „WIR“ seien dem Virus besser als alle anderen Staaten auf der Welt doch hervorragend gewachsen und überhaupt bestünde nicht der leiseste Grund zur Panikmache.

PANIKMACHE  wurde das genannt, was eigentlich Aufgabe der Regierung und Gesundheitsbehörden gewesen WÄRE.

Man nennt das  AUFKLÄRUNG ZUR GEFAHRENABWEHR

Oder – und das ist noch ein weit wichtigeres Verfahren – Organisation und Durchführung von Notfallplänen.

China – das Ursprungsland der sich entwickelnden Pandemie – hat es vorgemacht, ebenso Südkorea, Taiwan, Singapur.  Absolut strikte und sofortige Bekämpfung des Virus mit allen verfügbaren Mitteln. Dazu zählte die schnelle Feststellung einer Infizierung durch Massentests  ebenso wie die Quarantäne, unter die die Betroffenen gestellt wurden. Selbst die Abriegelung eines ganzen Bezirks und die Stilllegung sämtlicher öffentlicher Aktivitäten – Arbeiten in den Fabriken und Geschäften eingeschlossen – zählten zu den drakonischen Maßnahmen. Und diese hatten und haben Erfolg.

Und bei uns?

NICHTS

Jedenfalls NICHTS in einem noch frühen Stadium der Ausbreitung.

Der Bundesgesundheitsminister riet zum gründlichen Händewaschen und Abstand halten – so ungefähr 1 bis 2 Meter.  Die ersten Fälle von Infektionen wurden nicht ernst genommen. Dann hieß es, betroffen seien ja nur die Alten und Leute mit Vorerkrankungen, für alle anderen bestehe so gut wie keine Gefahr. Es war erschreckend, manche Kommentare zu lesen, in denen  die an Coron Verstorbenen im Nachhinein als „vorerkrankt“ vermerkt und so nicht als Opfer der Seuche geführt wurden, als wären sie auch ohne Vorerkrankung zeitnah verstorben. Zynischer kann man kaum mit den Toten und deren Angehörigen umgehen. Corona wird bagatellisiert, Schuld ist die Vorerkrankung, nicht das Virus. So kann man auch die Opferzahlen manipulieren und die Toten in der Statistik als Herzkranke oder Diabetiker verbuchen.

Der oberste Gesundbeter rühmte sich der Tatsache, dass Deutschland ja doppelt oder dreifach so viele Intensivbetten habe wie Italien, in dem das Virus inzwischen fürchterlich wütete und Ärzte und Pflegekräfte bis zur Erschöpfung versuchten, der Lage Herr zu werden. In Italien starben viele, sehr viele Menschen und hier passierte immer noch NICHTS.

Aber hierzulande sickerte entgegen aller Beteuerungen des Ministers durch, dass es möglicherweise nicht genug Schutzkleidung geben könnte – für die Ärzte und alle Personen die im medizinischen Bereich tätig sind. Der Verdacht hat sich inzwischen bestätigt… Schutzkleidung und Mundschutz sind sogar für Kliniken kaum noch zu bekommen.

Selbst als abzusehen war, dass die Entwicklung in Deutschland in einem Abstand von nur 8 – 10 Tagen den italienischen Ereignissen folgte, wurde immer noch nicht energisch genug gehandelt.

Mir blieb mehr und mehr die Spucke weg, ich konnte es nicht fassen. Da lese ich Tag für Tag, was dieses Virus anrichtet, wie schnell es sich verbreitet und die Profis (Spahn ist allerdings kein Mediziner) in diesem Land kommen nicht in die Gänge.

In Südtirol wurde am Montag, den 9. März mitgeteilt, dass aufgrund der Ausbreitung des Virus die Skigebiete schließen. Eine überaus vernünftige Maßnahme  – aber auch sie vermutlich um Tage zu spät beschlossen. Eine große Rückreisewelle aus den Skiparadiesen zog durch Deutschland und brachte den blinden Passagier mit. Schulklassen mussten unter Quarantäne, einige Schüler und auch Lehrer  hatten sich infiziert.

Und immer noch keine erkennbaren drastischen Maßnahmen zum Kampf gegen die Epidemie, die am 11. 3.  – das war vor gut einer Woche  – von der WHO zur Pandemie hochgestuft wurde.

Die deutsche Regierung versteckte sich hinter einer gesamteuropäischen Lösung, die  zu dem Zeitpunkt aber schon längst nicht mehr möglich war und übte sich ansonsten weiter in Beschwichtigungen und episch langen Krisensitzungen, die aber zunächst  nur die üblichen Formulierungen und Ratschläge an das Volk weiter zu geben in der Lage waren.

Den ersten Landsleuten schien aber inzwischen zu dämmern, dass das alles kein gutes Ende nehmen würde, sie begannen, sich mit Vorräten einzudecken. Warum diese Vorratshaltung ausgerechnet Toilettenpapier in solchen Maßen betraf, dass zum Ende der vergangenen Woche binnen Stunden in nahezu allen Geschäften  nicht nur dieser Hygieneartikel komplett ausverkauft war, wird wohl eines der größten Rätsel der gesamten Corona-Misere bleiben.

Ebenfalls gegen Ende der vergangenen Woche beschloss der DFB alle Erst- und Zweitligaspiele komplett abzusagen – zuvor hatten bereits Europaligaspiele vor leeren Rängen stattgefunden, auch diese Vorsichtsmaßnahme war nicht auf deutschem Mist gewachsen, Dank darum an die europäischen Fußballverbände, die vorausschauender gewesen waren als ihr deutscher Mitspieler. Nach und nach zogen alle anderen Sportverbände nach. Trainingseinheiten wurden gestrichen, Sportstätten geschlossen.

Inzwischen hatte man auch festgestellt, dass zwar jüngere Menschen auch Träger des Virus sein können, aber nicht so leicht akut daran erkranken wie ältere Leute. Doch als Überträger kamen selbst die kleinen Kinder, die Schüler und Jugendlichen infrage. Erste Überlegungen wurden am Freitag der vergangenen Woche laut – und mit Beginn dieser Woche auch umgesetzt –  darum Schulen und Kindergärten  zu schließen, bzw. geschlossen zu halten in den Ländern, in denen gerade die Frühjahrsferien zu Ende gegangen waren. Und es wurde dringend darum gebeten, den Kontakt zwischen Kindern / Jugendlichen und den Großeltern zu vermeiden.

Dass das für die allermeisten Familien extreme Problem mit sich bringt, ist ganz sicher selbst  für die, die davon nicht betroffen sind, begreifbar. Besonders schwierig ist es für die Eltern, die nach wie vor ihrer Berufstätigkeit nachgehen müssen. Notgruppen in Kitas und Horten können wirklich nur notdürftig Abhilfe schaffen. Die Großeltern und andere ältere Verwandte fallen als Betreuer für die Kinder ja aus den genannten Gründen aus.

Der Ministerpräsident Niedersachsen veröffentlichte am Montag, den 16. 3. einen Maßnahmenkatalog zur Eindämmung und Bekämpfung des Virus. Aber vermutlich läuft die Befolgung dieser Maßnahmen viel zu langsam an.

Als schließlich die Kanzlerin in einer emotional-emotionslosen Rede zu ihrem Volk sprach, gab es eigentlich niemanden mehr, der nicht ausreichend über die Situation informiert gewesen wäre. (Die Rede hatte große emotionale Anteile der Besorgnis und Fürsorge, wurde jedoch mit der größtmöglichen Emotionslosigkeit vorgetragen – ja, vorgetragen wie von einem –  zudem auch schlechten  – Laiendarsteller.) Die Presse sah das am nächsten Tag ja ganz anders. Endlich, jubelte  sie, stelle sich die Kanzlerin an die Spitze des Kampfes gegen Corona.

Da ging mir der Hut hoch.

Wochenlang hatte sie sich verkrochen. Nicht nur das, sie hatte sogar darauf bestanden, dass die Grenzen allesamt geöffnet blieben, um nach wie vor auch Migranten aufnehmen zu können. Dass „Deutschland“ schließlich doch seine Grenzen fast ganz dicht machte, lag aber nicht an der Entschlusskraft der obersten Krisenbewältigerin, es lag schlicht daran, dass unsere europäischen Nachbarn bis auf Belgien und die Niederlande allesamt schon ihre Grenzen nach Deutschland geschlossen hatten. Nun konnte auch Frau Merkel ihre Tatkraft beweisen und ihrerseits Grenzschließungen erklären.   – Für wie dumm hält sie eigentlich die Bevölkerung dieses Landes?  Oder auch nicht ganz falsch gefragt: Wie leicht ließ sich die Bevölkerung dieses Landes für dumm verkaufen?  Und welchen Anteil hatten die Medien an diesem Prozess der Volksverdummung mit ihren Beschwichtigungen, ihren seltsamen Moderatoren, die selbst dann noch lieber Herrn Trump mit Häme und Spott bedachten, als wir doch schon mitten in dem rasanten Prozess steckten, dessen Folgen aus den Fehleinschätzungen der Verantwortlichen zu Beginn der sich ausbreitenden Epidemie / Pandemie jetzt auf so dramatische Weise sichtbar werden.

Nun endlich werden zusätzliche Krankenstationen eingerichtet – wobei ich mich frage, woher denn das dazu gehörige Pflegepersonal kommen soll, die Belegschaft der Krankenhäuser arbeitet doch schon seit Monaten, um nicht zu sagen seit Jahren am Limit. Vom Einsatz der Bundeswehr ist die Rede, davon, dass Hotels und Messehallen zu Notquartieren für betroffene Patienten ausgebaut werden sollen, die noch nicht auf Intensivbetten und Beatmungsgeräte angewiesen sind.

Aus Fürsorge für Patienten in den Krankenhäusern und für die Bewohner in Pflege- und Altenheimen sind alle Besuche in den Einrichtungen untersagt. Für viele ältere Leute, besonders für diejenigen, die von einer Demenz betroffen sind, sind das dramatische Eingriffe in ihr gewohntes Leben. Sie können nicht begreifen, warum der Partner, die Kinder oder Enkel, Freunde oder Verwandte nicht zu Besuch kommen. (So habe ich es heute bei einem Telefongespräch mit einer hochbetagten Freundin erlebt, die die Information, die sie ja bekommen hat, nicht mehr speichern kann und sich so verloren und verlassen fühlt.) Und dennoch ist diese Maßnahme extrem wichtig und richtig.

Die Krise schlägt natürlich voll auf die Wirtschaft durch. Betriebe werden geschlossen, sei es aus Schutzgründen für die Werktätigen, sei es, weil kein Nachschub aus den Nachbarländern mehr über die Autobahnen rollen. VW macht dicht, ebenso andere große Unternehmen der Automobilbranche.

Theater, Opernhäuser, Kinos, Bars, Diskotheken, Gaststätten, Hotels sind seit Tagen geschlossen, der Handel extrem eingeschränkt.  Niemand darf mehr auf die nord- oder ostfriesischen Inseln reisen, Sportanlagen und Schwimmbäder sind dicht, Spielplätze dürfen nicht mehr betreten werden. Alles Maßnahmen, die man schon Anfang Februar vorsorglich hätte treffen können.

HÄTTE

Aber es hätte ja sein können, dass das Virus ausgerechnet um Deutschland einen großen Bogen macht und dann hätte man ja mit diesen Maßnahmen der Wirtschaft einen großen Schaden zugefügt… der kommt nun doch und der Schaden für die Kranken ist ebenfalls hoch.

Ja, und dann geht es auch noch um die Beschneidung unserer Freiheit.

Und die darf natürlich in keinster Weise  beschnitten werden (Achtung, Ironie), weshalb sich die meisten Bundesländer gegen eine umfassende Ausgangssperre wehren, wie sie beispielsweise in Österreich und Frankreich bereits beschlossen wurde. Noch!

Denn es sind die Unbekümmerten hier im Lande, die sich nicht an die Empfehlung halten, einander möglichst aus dem Weg zu gehen, alle direkten Sozialkontakte zu meiden, sich nicht in Gruppen zu versammeln, um den Frühling zu genießen. Aber die Leute sind deppert. Sie sitzen in den Münchener Biergärten beieinander und flanieren in Gruppen über den Jungfernsteg, bevölkern in Schwärmen die Parkanlagen in Berlin und anderen Großstädten und pfeifen auf Mindestabstand und soziale Isolation.

Es gibt sogar Jugendliche, die stolz ihren Widerstand in die Kameras der öffentlich-rechtlichen Sender plärren und sich supercool und toll fühlen. Und die Interviewer lassen ihnen das ohne zu zucken sogar durchgehen…. und tragen so dazu bei, dass dieses asoziale und egoistische Treiben als „Recht der Jugend“ wohlgefällig entschuldigt wird.

Da fällt mir nicht mehr viel dazu ein… Es werden Corona-Partys gefeiert, als gäbe es keinerlei Gefahr.

So wird wohl auch in ganz  Deutschland, wie bereits in Bayern,  bald die allgemeine Ausgangssperre verhängt.

Ach ja…. deutsche Touristen sind weltweit von Schutzmaßnahmen betroffen… sie werden ausgewiesen und sind darauf angewiesen, in einer beispiellosen Rückholaktion mit gecharterten Maschinen aus ihren Urlaubsgebieten ausgeflogen zu werden, weil die meisten Airlines Deutschland nicht mehr anfliegen.  Über 100000 Personen sind davon betroffen.

Das Robert Koch Institut veröffentlichte heute diese Stellungnahme:

Covid-19
Coronavirus-Krise hat laut RKI-Chef „unvorstellbares Ausmaß“ angenommen
Angesichts der weiter schnell steigenden Zahl der Corona-Fälle zeigt sich der Chef des Robert-Koch-Instituts alarmiert.
Die Krise habe ein Ausmaß angenommen, das er sich selbst nie habe vorstellen können, sagte Wieler in Berlin. Die Krankenhäuser müssten jetzt vorbereitet sein. Die Zahl der vom RKI registrierten Corona-Fälle stieg innerhalb eines Tages von 11.000 auf rund 14.000. Die Zahl der Toten lag demnach bei 31.

Die amerikanische Johns Hopkins Universität nennt noch höhere Zahlen. RKI-Präsident Wieler sprach von einem „exponentiellen Wachstum“. Man könne die Corona-Epidemie nur verlangsamen, wenn man vor allem die Regel beachte, Abstand zu halten.

In Österreich werden die Ausgangsbeschränkungen im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus um drei Wochen verlängert. Sie gelten damit bis Ostermontag, dem 13. April.

 

Als ich diese Nachricht bei Facebook las, kam mir die Galle hoch.

Mein Kommentar zu diesem Artikel:

„Immer wieder mein Erstaunen, dass diesen Fachleuten offenbar verborgen blieb, was mir als Laie schon seit Anfang /Mitte Februar klar vor Augen lag.
Ich verstehe nicht dass man nicht beim ersten Bekanntwerden der Epidemie in China Notfallpläne auch für Deutschland entwarf.
Man will um 2° die Erderwärmung steuern, kriegt aber nicht mal die ausreichende Versorgung mit Schutzkleidung für die Mitarbeiter in den Kliniken hin…“

Dieses Erstaunen geht in eine große Fassungslosigkeit über, in Unverständnis, Ärger, ja sogar Wut.

Und dies noch: Der Papst betet öffentlich für die baldige Beendigung der Corona-Welle …. und wird ebenso öffentlich dafür belächelt, sogar gescholten.

Gebe Gott, dass selbst den Lästerern nicht das Lachen vergeht….

Und uns allen nicht die Hoffnung auf Gesundung und das Ende der Krise.

HERR erbarme dich.


Nachtrag

Gerade in der Sondersendung des ZDF: Die Ministerpräsidentin des Bundeslandes Rheinland-Pfalz lamentiert darüber, dass Bayern mit der Ausgangssperre vorgeprescht sei, man habe sich doch bei der Ministerpräsidentenkonferenz darauf geeinigt, eine gemeinsame Entscheidung zu treffen….

W A N N   hätte das denn passieren sollen?

Es entsetzt mich einmal mehr, wie in diesem Land regiert wird und wie geradezu eifersüchtig die Politeliten  auf ihr Prestige achten – und das in einer Krise wie dieser.

Wir alle aber können etwas tun. Wir alle müssen etwas tun.

Darum auch hier der dringende Appell:
B L E I B T . Z U . H A U S E

IHR zumindest, die Ihr nicht zur Arbeit gehen müsst

 

 

 

 

 

 

Politische Nachtgedanken – oder auch … 9. März, 2020

Posted by Rika in aktuell, asyl, christsein und glaube, flüchtlinge, frauen, gesellschaft, hass, integration, migration, politik, terrorismus.
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ein Hasswort zum Sonntag.

Auch am Samstag, den 7. März wurde wie an jedem Sonntag bei der ARD das Wort zum Sonntag ausgestrahlt, dieser eigentlich als christliche Botschaft gedachte MiniClip am Ende der Woche. Traten vor vielen Jahren noch Pastoren im würdevollen pastoralen Outfit vor die Fernsehgemeinde und stellten das Evangelium in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen, so hat heutzutage auch in dieser ehrwürdigen Institution der Zeitgeist das Sagen und locker-freundliche Geistliche aller Denominationen nutzen die Gelegenheit, um die politische Sicht auf die Lage der Welt aus christlicher Perspektive zu beschreiben.  (Erinnert sich noch jemand an Dorothee Sölle, die diese Art des Nachtgebets aus der Taufe hob?)

In diesen Tagen und Wochen  wiederholt sich an den Grenzen der EU das dramatische Geschehen, das schon 2015 für herzzerreißende Szenen sorgte und dazu beitrug, dass unsere Regierung nicht nur kurzerhand das Schengen-Abkommen außer Kraft setzte, sondern in Folge der unvorhersehbar großen Flüchtlingszüge – aus Syrien vor allem – mit der Türkei, bzw. dessen Alleinherrscher ein Abkommen schloss, um exakt diese wenig schönen Bilder an den Grenzen  zu vermeiden. Gegen sehr viel Geld versprach Erdogan die Flüchtlinge aus Syrien in der Türkei zu versorgen und sie von der EU fern zu halten. (Ich weiß, dass das eine sehr verkürzte Darstellung ist, aber ich will nicht bei „Adam und Eva“ in diesem konfliktträchtigen Thema anfangen.) Die Vereinbarungen, die die EU mit der Türkei vertraglich aushandelten, waren jedoch auf 4 Jahre begrenzt. Diese Zeit ist abgelaufen. Ein Nachfolgevertrag wurde nicht abgeschlossen.

Gleichzeitig hat Erdogan strategisch geschickt damit begonnen, sein Hoheitsgebiet Richtung Syrien auszudehnen, mit der vorgeschobenen Begründung, er wolle dazu beitragen den Bürgerkrieg in Syrien zu befrieden.  Seine Forderung, darin auch von der EU mit weiteren Zahlungen unterstützt zu werden, lief zunächst ins  Leere, bis er auf die glorreiche Idee kam, die in der Türkei bisher versorgten Flüchtlinge auf den Weg in die EU zu schicken. Das Ergebnis sind die Krawalle an der Grenze zu Griechenland. Flüchtlinge versuchen (durchaus mit Unterstützung der türkischen Behörden) die Grenze zu überwinden, die griechischen Grenzbeamten bemühen sich unter Einsatz von Tränengas und mit Hilfe des Militärs das zu verhindern.

Die Bilder an der Grenze sind nicht schön – ja, es ist zynisch, das so zu sagen und doch enthält diese Bemerkung sehr viel Bedenkenswertes.

Offenbar hat dieses Bedenkenswerte auch Frau Pastorin Behnken zu ihrer geharnischten nächtlichen Politpredigt veranlasst. Hier kann man sie nochmals hören und auch sehen – solange das Video online gestellt bleibt.

 

 

 

 

Ich habe die Wut- und Hassrede nicht live gesehen, sondern bin erst durch Facebook und die dort geschriebenen Kommentare darauf aufmerksam geworden – und habe mir deshalb die Aufzeichnung angesehen.

Mir verschlug es beim Betrachten die Sprache.

Bei Facebook kommentierte ich so:

Es stimmt ja, wir sehen Not und Elend an den Grenzen Europas.
Wir sehen Not und Elend in Afrika, in Afghanistan, in Syrien, in Irak, in viel zu vielen Ländern der Welt.
Und natürlich sind wir auch gefordert zu helfen.
Und die meisten Menschen, die ich kenne, wollen auch helfen, aber sie sind sich nicht sicher, ob die propagierte Art und Weise wie die Hilfe geschehen soll, die richtige ist.
Wie schon im Herbst 2015 so stellt sich mir auch jetzt wieder die Frage, was wir wirklich tun sollen. Alle, die nach Europa und vor allem nach Deutschland wollen wirklich aufnehmen? Überfordert uns das nicht? Ich sagte auch damals schon, dass ich nicht daran zweifle, die finanziellen Mittel dafür bereit stellen zu können, aber kann unsere Gesellschaft die Integration so vieler Menschen aus einem völlig anderen Kulturkreis tatsächlich leisten, ohne daran zu scheitern? Und damit meine ich, dass der bisherige Zusammenhalt dieser Gesellschaft nicht mehr zuverlässig und stark erscheint. Bruchlinien, die bisher zwar erkennbar, aber nicht brüchig waren, brechen tatsächlich auf, man sortiert Menschen ein in die Guten und die Nazis. Dazwischen scheint kein Raum mehr für vorsichtige Kritik an der Politik, kein Raum mehr für die Schwachen im eigenen Land, die Sorge haben oder sogar Angst vor dem Prozess der Veränderung. Nochmals, wem ist damit gedient, grenzenlos zu sein, eine unbestimmte Zahl von Migranten ins Land zu lassen?
„Flüchtlinge“, dieses Wort weckt Erinnerungen an Krieg, Flucht und Vertreibung in der finsteren Zeit des Nationalsozialismus und manche mögen im „Kümmern für Flüchtlinge“ so etwas wie eine nachzuholende Wiedergutmachung sehen… als könne man je wieder gut machen, was Deutschland der Welt angetan hat.
Vielleicht sollten wir aber auch den Mut haben zu unterscheiden zwischen den tatsächlichen „Flüchtlingen“, den Menschen, die vor dem Krieg in ihrer Heimat fliehen und denjenigen, die „nur“ ein besseres Leben wollen. Auch das ist ein legitimer Wunsch, Millionen Europäer sind in die „Neue Welt“ aufgebrochen, weil sie hier keine Zukunft hatten. Aber dieses kleine Europa der EU ist nicht der Kontinent Amerika. Und man muss realistischer Weise doch sagen, dass nicht Millionen Menschen, die sich auf der Suche nach einem besseren Leben nach Europa auf den Weg machen, hier tatsächlich ein erträgliches Auskommen finden werden.
Ich finde es gefährlich, vor dieser Realität die Augen zu schließen und mit dem Gebot christlicher Nächstenliebe alle Argumente vom Tisch zu wischen und denjenigen, die sich der Sicht der kirchlichen Vertreter nicht anpassen wollen oder können, ein schlechtes Gewissen zu machen.
Helfen ja sicher. Aber an Ort und Stelle, mit Kopf, Herz und Hand – mit der realistischen Einschätzung, die der Verstand ermöglicht, mit Mitleid und Barmherzigkeit des Herzens und der Tatkraft bei der Umsetzung der Entscheidungen.
Das war schon 2015 das Gebot der Stunde, aber Frau Merkel entschied sich für einen dreckigen Deal mit Erdogan, dem man – wie sich zeigt – nicht trauen konnte und nicht trauen kann.
Und auch das noch:
Wo bleibt der leidenschaftliche Einsatz für die christlichen Brüder und Schwestern, die unter dem Druck der Verfolgung ächzen und Not leiden und oft genug den Tod ertragen um dieses Glaubens willen.
Da bleiben die Kirchen seltsam stumm. Obwohl genau das schon von Paulus empfohlen wird…. Hilfe üben – den Brüdern und Schwestern zuerst.
Dieses Wort zum Sonntag war eine politische Ansage mit einem winzig kleinen frommen Nachsatz aus den Seligpreisungen…. so viel Evangelium durfte dann gerade noch sein, wobei aber der Name dessen, der diese Seligpreisungen aussprach, verschämt verschwiegen wird, nur der Hinweis auf einen Mann, der vor gut 2000 Jahren lebte…

Dieser Mann – das will ich gerne ergänzen – war, nein ist JESUS CHRISTUS, Heil der Welt.

Ist es nicht interessant, als Pastorin hätte sie doch prima abheben können auf den Bericht aus der Apostelgeschichte, der besagt, dass Paulus in der Nacht einen Traum hatte, in dem er aufgefordert wurde, aus Kleinasien – der heutigen Türkei – nach Europa zu kommen. „Komm herüber und hilf uns“ heißt es da. (Apostelgeschichte 16, 9)  Sie hätte doch gut sagen können, dass wir Christen in Europa nun diejenigen sein sollten,   den Menschen in „Kleinasien“ zu helfen. („Kleinasien“, so wurde noch zu meiner Schulzeit der Bereich des heutigen Nahen Ostens genannt.)  Das hat sie aber nicht, da musste eben die schöne Geschichte von Zeus und Europa herhalten….

Und auch das schrieb ich bei Facebook zu dem Hasswort zum Sonntag:

Die engagierte Frau Pastorin Behnken hätte auch dieses Thema für ihre politischen Nachtgedanken im Wort zum Sonntag wählen können…. zumal ja der Weltfrauentag am Sonntag vor der Tür stand …..

Weltfrauentag: Verfolgt, weil sie Frauen und Christinnen sind

Weltfrauentag: Verfolgt, weil sie Frauen und Christinnen sind

Und auch hier wäre die  Umkehrung des Hilferufes von damals angesagt: Kommt herüber und helft uns!  Doch dazu schweigt die Kirche seit Jahren.

Die verfolgten Brüder und Schwestern sind ihr kein engagiertes Eintreten wert, obwohl eine Empfehlung der Apostel aber genau das ausspricht, nämlich sich zuerst um die Brüder und Schwestern zu kümmern, die in Not sind. Und die Not unter den Christen in muslimisch oder atheistisch-kommunistisch dominierten Ländern ist groß.

 

 

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