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Frohe Pfingsten… 31. Mai, 2020

Posted by Rika in christsein und glaube, gesellschaft, judentum.
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Frohe und gesegnete Pfingsten wünsche ich allen Lesern, die hier vorbei schauen.

 

 

Bei Facebook entdeckte ich diesen guten Beitrag, geschrieben am 28. Mai 2020  von Richard Bermann.

Mit Dank an den mir bisher nicht bekannten Autor hierher kopiert:

 

„Was hat das christliche Pfingsten mit dem jüdischen Fest Schawuot gemeinsam?

Christen begehen Pfingsten als ein Fest der Offenheit, der offenen Türen, der offenen Herzen und des aufgeschlossenen Geistes. Am 50. Tag Ihres Osterfestkreises, also 49 Tage nach dem Ostersonntag, wird mit Pfingsten die Entsendung des „Heiligen Geistes“ gefeiert. Im christlichen „Neuen Testament“ wird erzählt, dass der Heilige Geist auf die Apostel und Jünger herabkam, als sie zum jüdischen Fest Schawuot in Jerusalem versammelt waren.
Wieso waren die Apostel und Jünger zu Schawuot in Jerusalem und was taten sie dort? Nun, die Antwort ist nicht so kompliziert und die Antwort lautet: weil sie allesamt Juden waren, feierten sie natürlich die jüdischen Feiertage, also auch Schawuot. Und auch noch im frühen Christentum war das so. Erst allmählich hat man den ehemals jüdischen Feiertagen andere Namen gegeben und auch andere Bedeutungen. Aber noch immer zählen Christen die Tage von Ostern bis Pfingsten. Es sind genau 50 Tage. Denn die christlichen Feste Ostern und Pfingsten gingen aus den jüdischen Festen Pessach und Schawuot hervor.
Was hat es mit diesem jüdischen Feiertag auf sich? Bei uns Juden liegen genau 7 Wochen zwischen Pessach und Schawuot (7 Wochen X 7 Tage ergeben = 49Tage + dem ersten Tag Pessach- das sind genau 50 Tage. Also genau die gleiche Zeitspanne wie im christlichen Osterfestkreis.)
Die Zeit zwischen den beiden Feiertagen heißt bei uns Juden „Sefirat Ha’omer“
zu Deutsch: „Omer-zählen“ Wörtlich bedeutet es „Garben zählen“, Getreidegarben um genau zu sein, es hat also eine landwirtschaftliche Bedeutung. Rituell werden die 49 Tage gezählt, indem man täglich nach Einbruch der Dunkelheit dazu einen Segensspruch spricht.
In diesem Jahr feiern wir Juden SCHAWUOT am 29. und 30. Mai. Da sich das jüdische Jahr nicht nach dem Gregorianischen Kalender richtet, sondern Juden einen Mondkalender haben, – genauer gesagt haben wir einen Lunisolarkalender (Mond- und Sonnen-Kalender), daher schwanken die Feiertage von Jahr zu Jahr im Vergleich zum weltlichen Kalender etwas.
In der Thora hat unser Fest mehrere Namen, bzw. Bedeutungen. Zum einen heißt es „Wochenfest“ „Fest der Ernte“ „Tag der Erstfrüchte“. Schawuot ist außerdem ein Erntedankfest, da zu dieser Zeit in Israel der erste Weizen geerntet wird.
Primär erinnert Schawuot aber an den Empfang der zweiten Zehn Gebote am Berg Sinai. Die ersten Zehn Gebote hat Mose laut Überlieferung zerschmettert, weil das jüdische Volk das Goldene Kalb schuf und anbetete, während er auf dem Berg Sinai war. Daraufhin ging Mose wieder auf die Spitze des Berges Sinai, um die neuen Gesetzestafeln zu erbitten.
Die sogenannten Zehn Gebote, die im hebräischen Original „Asseret ha-Dewarim“, also die „Zehn Worte“ heißen, sind dem Volk Israel nach seinem Auszug aus Ägypten in der Wüste am Berg Sinai von G’tt offenbart worden Sie sind Teil des mit Israel geschlossenen Bundes. Jedoch sind die Zehn Gebote, nur Teil der das jüdische Leben regelnden 613 Ge- und Verbote.
Und diese Tafeln, mitsamt der darauf verzeichneten Worte waren es, die zunächst in der heiligen Bundeslade und später im inneren und heiligsten Ort des Jerusalemer Tempels aufbewahrt wurden. Das verdeutlicht, dass die Zehn Gebote eine besondere Stellung innerhalb unseres Gesetzeskompendiums einnehmen. Nimmt man die Quersumme der 613 in der Thora enthaltenen Gesetze, zählt man also die Zahlen 6, 1 und 3 zusammen, so ergibt dies die Zahl 10. Die Zehn Worte oder zehn Gebote.
Sie sind gewissermaßen die Überschriften unter denen alle folgenden Vorschriften aufgezählt werden können. Sie sind die Kategorien, in die sich die weiteren Gebote einordnen lassen. Sie bilden die Grundprinzipien des jüdischen Glaubens.
Historisch waren die vorerwähnten Omer-Tage für das jüdische Volk oft von Katastrophen geprägt, u. a. der Tod von 24.000 Studenten des Rabbi Akiwa als Folge einer Epidemie während des Bar-Kochba-Aufstandes gegen die Römer (im Jahr 132 bis 135), die Ausschreitungen und die vielen Tote während der Zeit der Kreuzzüge (1096–1099) oder der Aufstand im Warschauer Ghetto und die Judenvernichtung in der Nazizeit, um nur einige zu nennen.
Deshalb werden in der Omer-Zeit auch keine freudigen Ereignisse gefeiert, man heiratet nicht in dieser Zeit, kauft keine neuen Kleider, man schneidet seine Haare nicht und hört auch keine heitere Musik, usw. Es gibt aber eine Ausnahme, der 33. Omer-Tag (18. Ijar). An diesem Tag, dem Lag baOmer, sind Hochzeiten erlaubt, weil nach der Tradition an diesem Tag das Sterben der Studenten Rabbi Akiwas endete.
Lag baOmer selbst ist ein fröhliches Fest und fand in diesem Jahr am 12..Mai statt.
Die verschiedenen einschränkenden Gebote der Trauerzeit, die für die 49 Omer-Tage zwischen Pessach und Schawuot gelten, sind an diesem Tage aufgehoben. Kinder und Erwachsene veranstalten Picknicks und versammeln sich um Lagerfeuer.
Vor allem aber können an diesem Tag Hochzeiten durchgeführt werden – ein Angebot, von dem reichlich Gebrauch gemacht wird und darf sich auch wieder die Haare schneiden lassen. In diesem Jahr musste CORONA-bedingt alles ausfallen.
An Lag baOmer wird sonst üblicherweise auch die Zeremonie der Chalaka durchgeführt. An diesem Tag werden die Söhne, die schon drei Jahre alt sind, zum ersten Mal die Haare geschnitten. Dieser Brauch geht auf das 16. Jahrhundert zurück. Soweit zu diesem Feiertag.
Christen glauben in der Regel an einen Gott, der sich dem Menschen in drei Formen offenbart, der sog. Dreieinigkeit oder Trinität. Gott als Vater und allmächtigen Schöpfer und dazu Joshua,den Christen Jesus nennen Doch gemäß dem apostolischen Glaubensbekenntnis fehlt noch etwas: „der Heilige Geist“. Für viele ist dies ein schwammiger Begriff. Im biblischen Urtext steht für das deutsche Wort „Geist „– das hebräische Wort „ruach“ entnommen aus der Thora oder wie Sie es nennen, dem „Alten Testament“. „Ruach“ lässt sich am besten mit Hauch, Luft oder Wind übersetzen. Martin Luther war es, der es mit „Heiliger Geist“ oder „Geist G“ttes“ übersetzte. An manchen Stellen spricht er auch vom „Atem G“ttes“.
Bereits im 1. Buch Mose Kap.1-2 berichtet die Thora vom Geist Gottes. Diese Stelle belegt seine Existenz schon vor der Schöpfung. Von hier an erscheint der Begriff in vielen Kapiteln hindurch in der Thora bzw.Heiligen Schrift. Insgesamt 44 Mal ist der Begriff zu finden.
Dieser „Geist G“ttes“ soll als Ratgeber gesehen werden, der sagt, was Recht und Unrecht ist, um besser gegen die Sünde anzukämpfen – und er soll helfen, seinen Lebensstil nach Gottes Willen zu ändern. Die Zehn Gebote sind nun seit über 3000 Jahren im Judentum bekannt. Seit 2000 Jahren sind sie auch zu einem festen Bestandteil des Christentums geworden.
Die Bedeutung des Schawuot – Festes hat sich mit den Zeiten ausgeweitet: es gehört übrigens zu den drei Pilgerfesten, zu denen in Zeiten des Tempels die Juden von überall her nach Jerusalem pilgerten. (Pessach-Schawuot-Sukkot)
Sieben Wochen ist nach Israels Zählung das Volk nach der Befreiung aus Ägypten am Sinai angekommen, die Befreiung war am Sinai „abgeschlossen“, deshalb auch der Name „Schlussfest“. Was aber geschah am Sinai?
Die Thora, die für jede weitere Wegstrecke wichtige Weisung, wurde am Berg Sinai gegeben. Von da an konnte das jüdische Volk lernen, mit der Thora in der Freiheit zu leben. So heißt das Fest auch „Fest der Thoragabe“.
Die Menschen empfingen den konkreten und aktuellen Auftrag, hier und jetzt, mit und nach der Thora zu leben, ihren Inhalt der Welt verständlich zu machen, ihre Botschaft zu verwirklichen, dem Recht und der Gerechtigkeit, dem Frieden, der Liebe und der Ehrfurcht Gestalt zu geben“.
Manche Juden studieren und lernen die ganze Nacht in der mit frischem Grün geschmückten Synagoge oder zuhause. Im Mittelpunkt stehen die Gesetzestafeln mit den 10 Geboten, die Übergabe der Tafeln des Bundes an Mose.
Am zweiten Tag des Schawuot-Festes wird das Buch Ruth gelesen, die zur Zeit der Weizenernte mit ihrer Schwiegermutter Naomi nach Bethlehem kam. Darin wird von ihrer Liebe, Freundschaft, Gerechtigkeit und ihrem Mut erzählt.
Die Geschichte des Judentums ist von dem Ereignis der Thoragabe entscheidend bestimmt worden. Es gibt viele Feste im Judentum von großer Bedeutung – befreiend und katastrophal, glorreich und traurig, doch das Ereignis der Thoraübergabe ist das zentrale, wegweisende Fest.
Für die frühen Christen, die messianisch erfüllten ersten kleinen Gruppen in den Städten des östlichen Mittelmeeres und Kleinasiens, bekamen die Feste Pessach und Schawuot neue und „erfüllte“ Bedeutung. Christinnen und Christen begannen, die Feste ihrer jüdischen Herkunft mit diesem Glauben zu füllen. Um das Jahr 100 u.Zt. können wir auch eine erste christliche Festordnung erkennen:
Das Passafest wurde zu einer Gedächtnisfeier – einem Tag der Trauer, wegen der Kreuzigung Jesu. Am darauffolgenden „Sonntag“ wurde dann ein Tag der Festfreude gefeiert: So wurden aus Pessach und Schawuot – Ostern und Pfingsten, die Grunddaten des Festkalenders beider Religionen. Befreiung und Thoragabe an das Volk Israel wurden so zur Geistgabe an die christliche Gemeinde.
Zeichenhaft setzen die christlichen Gemeinden die „Lange Nacht der Kirchen“ ein. (In diesem Jahr muss sie ebenfalls entfallen.) Damit sind aber die Akzente beider Feste betont: Das offene gemeinsame Lernen und Nachdenken über das „Unabgegoltene“ und weiterhin offene, „Verpflichtende“ der biblischen Tradition, das „Einladende“ an manche „Ruth“ unserer Zeit, das gegenseitig Wahrnehmende in Gemeinde und Gesellschaft.
Ich wünsche allen meinen christlichen Freundinnen und Freunden ein schönes und geistvolles Pfingstfest.“

 

 

 

 

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