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Fremde Feder: Hagia Sophia 25. Juli, 2020

Posted by Rika in aktuell, christsein und glaube, gesellschaft, politik.
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Bei Facebook las ich den bemerkenswerten Text zur Umwidmung der Hagia Sophia in eine Moschee, der von Roland Werner mit diesen Worten eingeleitet wurde:

 

Das Ende einer Epoche?!

Die Umwidmung der Hagia Sophia in eine Moschee

Doch: Auch wenn die ChristusIkonen verschwinden,
Jesus Christus bleibt.

Lesenswert zu diesem erschütternden Vorgang ist die

Erklärung des Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK)
Erzpriester Radu Constantin Miron

aus Anlass der Umwandlung der Hagia Sophia zur Moschee
Köln/Frankfurt am Main, 23. Juli 2020″

Und hier der eigentliche Text, geschrieben von dem Erzpriester Radu Constantin  Miron

„Der 24. Juli 2020 bedeutet das Ende einer Epoche. Durch einen administrativen Akt des türkischen Staatspräsidenten verliert die Hagia Sophia in Istanbul den Status eines Museums, den sie seit 1935 besaß, und wird zur Moschee gemacht. Dieser staatliche Akt geschieht – wie so häufig in der Türkei – unter scheinbarer Wahrung der Rechtstaatlichkeit.

Das im 6. Jahrhundert gebaute Gotteshaus, das unter Kaiser Justinian als christliche Kirche erbaut wurde und über neun Jahrhunderte als solche diente, wird, wie 1453 nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen, erneut zur Moschee.

Seit dem 1. Februar 1935 stand sie dann als Museum allen Besucherinnen und Besuchern offen, wie es der Gründer der modernen Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, verfügt hatte. Im Bewusstsein der orthodoxen Christinnen und Christen blieb und bleibt die Hagia Sophia allerdings die „Große Kirche Christi“. So ist es kein Zufall, dass Vertreter aller orthodoxen Patriarchate und autokephalen Kirchen gegen die Entscheidung der türkischen Regierung protestiert haben.

Doch auch viele Vertreterinnen und Vertreter anderer Kirchen, europäischer und weltweiter Institutionen, nicht zuletzt der UNESCO, zu deren Welterbe die Hagia Sophia ja gehört, haben ihre Bestürzung über diesen Vorgang geäußert, der offenkundig nicht religiöse Bedürfnisse, sondern innen- und außenpolitische Ambitionen des türkischen Präsidenten befriedigen soll.

Deshalb richten sich diese Proteste – und auch die vorliegende Erklärung – nicht gegen den Islam oder das islamische Gebet, sondern gegen den Missbrauch der Religion, der hier zutage tritt.

Zwei Aspekte, die nur wenig zur Sprache gekommen sind, gilt es dabei besonders hervorzuheben:

Zum einen ist die Hagia Sophia für die weltweite Christenheit nicht – wie behauptet wurde – „irgendein Gebäude, um das auf einmal so viel Aufhebens gemacht wird“. Vielmehr ist sie auch jene Kirche, auf deren Hauptaltar am 16. Juli 1054 der päpstliche Legat Humbert von Silva Candida das Bannschreiben über Patriarch Michael Kerullarios niederlegte, was zur Großen Kirchenspaltung zwischen Ost- und Westkirche führte. Sie ist also der symbolträchtige Ort, an dem damals das Schisma proklamiert wurde und der heute deshalb für alle, die in der Ökumene tätig sind, ein Mahnmal für die Wiederherstellung der Einheit der Kirche darstellt.

Zum anderen lässt die bewusste Wahl des 24. Juli als Datum der Umwidmung nichts Gutes erahnen, handelt es sich doch um den Jahrestag der Unterzeichnung des Vertrages von Lausanne (1923), in dem in den Artikeln 37-44 auch die Rechte der nicht-muslimischen Minderheiten bzw. die Verpflichtung der Türkei, diese und ihre religiösen Einrichtungen zu respektieren, festgeschrieben wurden. In den vergangenen Jahren stellte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan immer wieder diesen Vertrag in Frage.

Seine Vorliebe für Symbolpolitik, die mal wieder durch diese Datumswahl deutlich wird, geht also offensichtlich auch zu Lasten der christlichen Minderheit in der Türkei. Ihr Schicksal kann und darf uns als Christen nicht gleichgültig sein. Zu oft haben wir unsere Stimme nicht laut genug erhoben, wenn es um den Genozid an den Armeniern und anderen Völkern, um die Septemberpogrome des Jahres 1955, um die Ermordungen von christlichen Missionaren und Würdenträgern oder die zahllosen Enteignungen von Gebäuden und Grundstücken aller christlichen Kirchen des Landes ging.

Auch die Umwidmung der Hagia Sophia ist eine Enteignung, nicht im immobilienrechtlichen, sondern im geistlichen Sinn. Und sie bedeutet das endgültige Ende einer säkularen, laizistischen, europäischen modernen Türkei, wie sie Atatürk vorschwebte, der die Hagia Sophia zum Museum gemacht hatte.

Der 24. Juli 2020 bedeutet das Ende einer Epoche.

Erzpriester Radu Constantin Miron“

 

Es ist mir wichtig, dieses Zeugnis zu bewahren und weiterzugeben.

Meine schwerwiegende Bildungslücke – Intersektionalität 10. Juli, 2020

Posted by Rika in christsein und glaube, emanzipation, frauen, gesellschaft, Grüne Ideologen, medien, politik, soziale arbeit.
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„Mit schamhaftem Erstaunen muss ich feststellen, welche wesentlichen Forschungen und die daraus resultierenden Erkenntnisse in den letzten 40 Jahren meines Lebens an mir vorbei gegangen sind. Ich war zu sehr mit der Arbeit in Beruf, Familie, Küche und auch Kirche beschäftigt, als dass ich mich um die wirklich wichtigen, Identität ausmachenden Fakten und Begriffe hätte kümmern können.
Durch einen Fb-beitrag über Peggy Piesche bin ich auf meine extreme Bildungslücke gestoßen. Nun denke ich darüber nach, welche dramatischen Auswirkungen intersektionale Erfahrungen für mein Leben gehabt haben könnten … und ob es nicht endlich an der Zeit wäre, das mit Hilfe geschulter Therapeuten aufzuarbeiten…. nicht, dass ich mit einem mir bisher nicht bekannten und nicht aufgearbeitetem Trauma sterbe…

Bitte nicht missverstehen, ich halte es für richtig, sich über die verschiedensten Formen von Diskriminierung bewusst zu werden. Aber ich halte gar nichts davon, das ganze Leben auf den Prüfstand dieses Forschungsgegenstandes zu stellen, wie es manche Leute vehement fordern….“

(Das war mein einleitender Kommentar bei facebook zu dem unten stehenden Link.)

Und hier nun der Link zur Wissenslücke:

„Intersektionalität (von englisch intersection „Schnittpunkt, Schnittmenge, Straßenkreuzung“) beschreibt die Überschneidung und Gleichzeitigkeit von verschiedenen Diskriminierungsformen in einer Person: Intersektionelle Diskriminierung liege vor, „wenn – beeinflusst durch den Kontext und d…
DE.WIKIPEDIA.ORG
…………………………………………………………………………………….
(Man möge an Ort und Stelle weiterlesen.)
Ich halte es für „m“ein gelingendes Leben nicht für absolut notwendig, (m)(s)ich mit allen Formen der intersektionalen Diskriminierung zu beschäftigen, um zu erforschen,  dass und was  mit (mir) und (m)einer persönlichen Entwicklung schief gelaufen sein könnte.
Aber natürlich gibt es Menschen, die unter der Erfahrung von Diskriminierung leiden und für die es sinnvoll und richtig ist, das aufzudröseln, was ihr Leben ausmacht und auch zu großen Teilen determiniert hat.
Bisher war ich – naiv und etwas betriebsblind will mir scheinen – davon ausgegangen, dass man in psychotherapeutischen Sitzungen den Problembereichen auf den Grund gehen kann und dabei Erkenntnisse über sich gewinnt, die dazu beitragen, den Schwierigkeiten zukünftig begegnen zu können.  Jetzt, nach der zugegebenermaßen oberflächlichen Information durch wiki, habe ich eher den Eindruck, dass es weniger darum geht, Menschen zu stärken indem sie Erkenntnisse über sich gewinnen, als ihnen vielmehr ein Instrument der Schuldzuweisung in die Hand zu geben, im Sinne von „weil Faktor 1 und die weiteren  Faktoren 2 – 45 mein Leben beeinflussten, ist aus mir das geworden was ich bin. Nicht ich bin für mein Leben verantwortlich, die ausschlaggebenden Faktoren sind es.“  Ich gebe zu, dass das etwas sehr salopp formuliert ist.  Danach dient die Ursachenforschung weniger der individuellen Problemlösung, als vielmehr der Forderung an die Gesellschaft, jede nur denkbare Form von Diskriminierung zu erkennen und zu ächten, wobei ich vermute, dass oftmals „das Gefühl, diskriminiert zu sein“  von den realen Umständen und Fakten nicht gedeckt ist.
Menschen können sich auf der Basis von Intersektionalität viel zu leicht als Opfer begreifen und sind damit auf eine Rolle festgelegt, die es ihnen nicht ermöglicht, eigenständige Verantwortung für ihr Leben unabhängig von den sie umgebenden  ungünstigen Faktoren zu übernehmen.
.
Als Christin ist für mich ein Aspekt interessant, der durch die Schriften des „Neuen Testaments“ gegeben ist, wonach jeder Mensch ein Geschöpf Gottes ist und gleichzeitig auf den „Stand“ verwiesen wird, in dem und mit dem er lebt. Es mag in diesen Wochen nun gar nicht passend sein auf den Brief des Apostel Paulus an Philemon zu verweisen…. ich tue es trotzdem, weil in ihm sehr deutlich gesagt wird , dass wir alle, so wie wir sind, durch Christus „geliebte Brüder (und Schwestern) sind“.  Für mich  spielt nicht der diskriminierende Faktor – den ich durchaus auch persönlich kenne – die entscheidende Rolle, sondern dass ich ein „Kind Gottes“ bin.  In meiner Herkunftsgemeinde  meiner Heimatstadt saß der einfache und arme Hilfsarbeiter am „gleichen Tisch des HERRN“ wie der reiche Fabrikbesitzer, Kaufmann oder Bauer. Die „reiche Schwester“ neben der armen. Die Klassenunterschiede waren zwar nicht aufgehoben, sie spielten aber nicht die entscheidende Rolle….  (Und darin lag wohl auch der tiefere Sinn, dass es in meiner Gemeinde verpönt war, den eigenen Reichtum durch den Schmuck, den Frauen tragen könnten, zu demonstrieren. Die Frauen meiner Kindheit kamen recht „schmucklos“ daher…)
…..
Ich habe dies ins Blaue hinein geschrieben  –  und werde mich sicher noch weiter mit den sich daraus ergebenden Fragestellungen beschäftigen.
Sollte ich mit diesen Aussagen jemanden gekränkt haben, so bitte ich um  Entschuldigung  – und Nachsicht.

Der Eid des Hippokrates… 8. Juli, 2020

Posted by Rika in frauen, gesellschaft, Kinder - Famile, mütter, politik.
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Aus gegebenem Anlass zitiere  ich diesen Text.

Der hippokratische Eid

„Ich schwöre bei Appollon dem Arzt und Asklepios und Hygieia und Panakeia und
allen Göttern und Göttinnen, indem ich sie zu Zeugen rufe, daß ich nach meinem
Vermögen und Urteil diesen Eid und diese Vereinbarung erfüllen werde:
Den, der mich diese Kunst gelehrt hat, gleichzuachten meinen Eltern und ihm an dem
Lebensunterhalt Gemeinschaft zu geben und ihn Anteil nehmen zu lassen an dem
Lebensnotwendigen, wenn er dessen bedarf, und das Geschlecht, das von ihm stammt,
meinen männlichen Geschwistern gleichzustellen und sie diese Kunst zu lehren, wenn
es ihr Wunsch ist, sie zu erlernen ohne Entgelt und Vereinbarung und an Rat und
Vortrag und jeder sonstigen Belehrung teilnehmen zu lassen meine und meines Lehrers
Söhne sowie diejenigen Schüler, die durch Vereinbarung gebunden und vereidigt sind
nach ärztlichem Brauch, jedoch keinen anderen.
Die Verordnungen werde ich treffen zum Nutzen der Kranken nach meinem
Vermögen und Urteil, mich davon fernhalten, Verordnungen zu treffen zu
verderblichem Schaden und Unrecht. Ich werde niemandem, auch auf eine Bitte nicht,
ein tödlich wirkendes Gift geben und auch keinen Rat dazu erteilen; gleicherweise
werde ich keiner Frau ein fruchtabtreibens Zäpfchen geben: Heilig und fromm werde
ich mein Leben bewahren und meine Kunst.
Ich werde niemals Kranke schneiden, die an Blasenstein leiden, sondern dies den
Männern überlassen, die dies Gewerbe versehen.
In welches Haus immer ich eintrete, eintreten werde ich zum Nutzen des Kranken, frei
von jedem willkürlichen Unrecht und jeder Schädigung und den Werken der Lust an
den Leibern von Frauen und Männern, Freien und Sklaven.
Was immer ich sehe und höre, bei der Behandlung oder außerhalb der Behandlung, im
Leben der Menschen, so werde ich von dem, was niemals nach draußen ausgeplaudert
werden soll, schweigen, indem ich alles Derartige als solches betrachte, das nicht
ausgesprochen werden darf.
Wenn ich nun diesen Eid erfülle und nicht breche, so möge mir im Leben und in der
Kunst Erfolg beschieden sein, dazu Ruhm unter allen Menschen für alle Zeit; wenn
ich ihn übertrete und meineidig werde, dessen Gegenteil.“

(Hervorhebung von mir)

Die moderne Fassung dieses alten Textes:

Genfer (Ärzte-)Gelöbnis
Vom Weltärztebund 1948 in Genf beschlossene Neufassung der ärztlichen Berufspflichten (in Anlehnung
an den Hippokratischen Eid; vom Dtsch. Ärztetag modifiziert):

„Bei meiner Aufnahme in den ärztl. Berufsstand gelobe ich feierlich, mein Leben in den Dienst der
Menschlichkeit zu stellen.
Ich werde meinen Beruf mit Gewissenhaftigkeit und Würde ausüben. Die Erhaltung u. Wiederherstellung
der Gesundheit meiner Patienten soll oberstes Gebot meines Handelns sein. Ich werde alle mir anvertrauten Geheimnisse auch über den Tod des Patienten hinaus wahren. Ich werde mit allen meinen Kräften
die Ehre und die edle Überlieferung des ärztlichen Berufes aufrechterhalten und bei der Ausübung meiner
ärztlichen Pflichten keinen Unterschied machen weder nach Religion, Nationalität, Rasse noch nach Parteizugehörigkeit oder sozialer Stellung. Ich werde jedem Menschenleben von der Empfängnis an Ehrfurcht entgegenbringen und selbst unter Bedrohung meine ärztlichen Kunst nicht in Widerspruch zu den
Geboten der Menschlichkeit anwenden. Ich werde meinen Lehrern u. Kollegen die schuldige Achtung
erweisen. Dies alles verspreche ich feierlich auf meine Ehre.“

Und dies ist der Anlass:

„Viele junge Ärzte wollen keine Schwangerschaftsabbrüche mehr durchführen. Die Staatssekretärin im Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg, Bärbl Mielich (Grüne), sagte im Interview mit der Tageszeitung (taz), viele Ärzte, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, seien 60 Jahre und älter. Es gebe mittlerweile Engpässe in der „Versorgung mit Schwangerschaftsabbrüchen“.

Weiter sagte die Grünen-Politikerin: „In Stuttgart beispielsweise hat 2015 eine Tagesklinik geschlossen, in der sehr viele Frauen aus dem ganzen Bundesland versorgt worden sind. Und wenn ich so etwas höre, sehe ich einen Handlungsbedarf.“ Deshalb prüfe das Land Baden-Württemberg, ob hierzu eine Pflicht an Unikliniken eingeführt werden kann. Bislang ist dies nicht möglich, da Schwangerschaftsabbrüche keine Kassenleistung sind. Mielich: „Deshalb prüfen wir, inwiefern wir die Unikliniken, die ja dem Land unterstehen, dazu verpflichten können. Ob wir etwa Neueinstellungen davon abhängig machen können, dass Ärzte und Ärztinnen bereit sind, Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen.

Grund für Weigerung für Mielich offen

Einen Grund, warum Ärzte sich weigern, Abtreibungen durchzunehmen, sieht sie nicht. „Für mich ist die Frage nicht beantwortet, warum die jungen Mediziner und Medizinerinnen das nicht machen wollen. Ob das daran liegt, dass sie sich gar keine Gedanken machen und das Problem nicht sehen, oder ob sie aus persönlichen, ethischen Gründen nicht wollen. Oder ob sie Angst haben vor Verfolgung und einem schlechten Image.“

Eine Abtreibung ist in Deutschland grundsätzlich unter Strafe gestellt. Innerhalb der ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft bleibt der Eingriff unter anderem dann straffrei, wenn zuvor eine Beratung stattgefunden hat oder die Schwangerschaft auf ein Sexualverbrechen zurückzuführen ist.“  (Hervorhebungen von mir)

Quelle

Für mich sind die Äußerungen der Staatssekretärin unfassbar – unfassbar empathielos was das Thema insgesamt betrifft und ein unfassbar offenes Zeugnis für die Schlichtheit des Gemüts dieser Frau, die sich offensichtlich noch um Medizin und das Selbstverständnis der Ärzte gekümmert hat, nie etwas von dem Eid gehört hat, der Ärzte dazu verpflichtet, Leben zu retten, statt es zu nehmen und sich niemals selbst  mit den ethischen Fragen und Problemen eines Schwangerschaftsabbruch befasst hat. Ich kann nur vermuten, dass sie unreflektiert die Forderungen vieler linker und grüner Frauen bedient, die einen Abbruch für das natürliche Recht der Frau halten. Dass allerdings auch in letzter Zeit  CDU-Frauen und sogar Stimmen aus dem kirchlichen Bereich sich diesen Forderungen anschließen, will ich nicht unterschlagen. Es sind für mich deutliche Zeichen einer Verschiebung aller Werte, für die neben „der Kirche selbst“ auch gerade die als „christlich“ firmierte Partei bisher eingetreten sind.

Eine Gesellschaft in der Zwang auf Ärzte ausgeübt werden soll Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen, in der in den Schwangerschaftskonfliktberatungen Frauen, die ein Kind mit  Trisomie 21 erwarten, zum Abbruch aufgefordert werden  und in der die  assistierte Selbsttötung als Fortschritt propagiert wird, ist dabei ihre ethische Basis und ihr moralisches Fundament zu verlieren.

Mussten Ärzte noch vor 40 Jahren mit harten Strafen rechnen, wenn sie Abbrüche vornahmen, so sollen sie heute gezwungen werden, genau das zu tun.

Mich entsetzt diese Entwicklung von Jahr zu Jahr mehr.

Gerechtigkeit…. 8. Juli, 2020

Posted by Rika in aktuell, gesellschaft, politik.
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Durch einen Beitrag beim Buch der vielen Gesichter bin ich über eine Aussage gestolpert, die mich dazu brachte, über „Gerechtigkeit“ nachzudenken. Die Gerechtigkeit nämlich, die man vielen Menschen höchst unterschiedlich zuteil werden lässt.  Manche Leute legen jedes Wort eines gewissen ungeliebten Politikers auf die Goldwaage, vergessen aber großzügig, die Worte anderer Politiker mit gleichem Maß zu messen.

„Gerechtigkeit gegen jedermann zu üben“, ist aber ausgerechnet Bestandteil des Eides, den unsere Spitzenpolitiker in Kanzleramt und Schloss und den Ministerien leisten.

Hier zur Erinnerung:

Bundesrepublik Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der deutsche Amtseid ist in Art. 56 des deutschen Grundgesetzes festgelegt und wird vom Bundespräsidenten und nach Art. 64 vom Bundeskanzler und den Bundesministern bei ihrem Amtsantritt geleistet. Der Bundespräsident leistet den Amtseid auf einer gemeinsamen Sitzung von Bundestag und Bundesrat; der Bundeskanzler und die Bundesminister leisten den Eid vor den Mitgliedern des Bundestages.

Der Amtseid lautet:

„Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“

Der Eid kann auch ohne religiöse Beteuerung geleistet werden (Art. 56 Satz 2 GG).

 

Quelle

 

Wollte man alle Äußerungen unserer Kanzlerin und unseres Präsidenten und all unserer Minister  an diesem Eid messen, müssten wir sie eigentlich in die Wüste jagen.

Das – das Übern von Gerechtigkeit gegen jedermann – sollte für uns alle gelten und natürlich auch unseren vielen Medienprofis, die dieses Wort in der hintersten Ecke ihrer Wörtersammlung zur Berichterstattung über dies und das, diesen und jenen vergessen zu haben scheinen.

So viele mutige Widerstandskämpfer gab es noch nie…. 6. Juli, 2020

Posted by Rika in aktuell, aus meinem kramladen, gesellschaft, medien, meine persönliche presseschau, politik.
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Deutschland wird nun endlich – nachdem es wirklich Jahre gedauert hat  – zum Land der Widerstandskämpfer.

Mutige Menschen missachten die Vorsichtsmaßnahmen, die Corona eigentlich gebietet und demonstrieren machtvoll gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und damit gegen „Rechts“ oder „Nazis“, ganz im Sinne der Widerstandskämpfer von einst. Sie nehmen die „Weiße Rose“ zum Vorbild oder bemühen den Namen „Anne Frank“ für ihren  Kampf gegen Rechts.  In den sozialen Netzwerken achten sie streng auf die richtige Sprachregelung und ächten Leute, die sich nicht an die üblichen Zuschreibungen  des medialen Mainstreams in Gut und Böse halten und es wagen, eine eigene Meinung im Land der Meinungsfreiheit zu vertreten.

Sie kämpfen wirklich mutig gegen alles und jeden, das oder der auch nur die geringste Spur von Ähnlichkeit mit dem Gedankengut der damaligen Nationalsozialisten aufweisen könnte. Der Konjunktiv ist tatsächlich angebracht, denn „was“ der Ähnlichkeit mit nationalsozialistischer Ideologie entspricht, bestimmen die Kämpfer die dagegen sind. Was früher einfach nur konservativ war – ein klassischer Wahlkampfspruch der CDU wie „Freiheit statt Sozialismus“  beispielsweise – gilt heute schon als gefährlich Rechts. Auch die wohlwollende Stellungnahme in Form von „Like“ oder gar  einem Kommentar zu Texten in den sozialen Medien, deren Verfasser nicht dem linken und grünen Spektrum der Meinungsmacher zuzuordnen ist, wir mit tapferem, oftmals auch überaus scharfem Widerstand bekämpft.

Was mich dabei mitunter irritiert, ist die Tatsache, dass die Widerstandskämpfer zahlreicher sind als die ideologischen „Gegner und Feinde“. Also dass der Widerstand sozusagen die deutliche Mehrheit der Meinenden bildet, während die, denen man widerstehen muss, eher eine Minderheit sind.  Ich kann mich übrigens noch gut an die Zeit erinnern, als Studenten durch deutsche Universitäts- und Großstädte zogen mit dem Schlachtruf: „Wir sind eine kleine radikale Minderheit!“  Muss ich erwähnen, dass es „linke“ Studenten waren?

Mir scheint, die „kleine radikale Minderheit“ ist zur großen – immer noch in Teilen radikalen – Mehrheit geworden, eine Mehrheit, die der anders denkenden Minderheit mit radikalen Mitteln das Recht auf Freiheit des Denkens und der Rede absprechen will. Dabei verkennen sie die einfache Tatsache, das die gesellschaftlichen, wie die politischen  Verhältnisse in Deutschland  sich doch total von den Verhältnissen zur Zeit des „Tausendjährigenreiches“ unterscheiden, in dem „Widerstand“ eine überaus gefährliche Angelegenheit war und allzu schnell nicht nur die Freiheit, sondern auch das Leben kosten konnte.

Heutzutage kann man doch allenfalls nur noch nachempfinden, wie es sich „anfühlt“, wenn man gegen den Strom schwimmt, indem man eine absurd andere Meinung als die der Mehrheit vertritt. Eine Bedrohung für Leib und Leben ist damit nicht mehr verknüpft.

Man kann ja mal die Probe aufs Exempel machen und bei Facebook oder in anderen sozialen Netzwerken ganz gezielt eine rigoros abweichende Meinung oder einen Kommentar zu einem Text des Mainstreams posten. Sofort, ich möchte fast darauf wetten, kommen sie von überall her, Leute, deren Namen man zuvor noch nie gelesen hat, die niemals eigene Gedanken äußern oder eigene Texte verfassen und beschimpfen den unliebsamen Kommentator, dass ihm Hören und Sehen vergeht. Man zieht den geballten Widerstand der wütenden Menge auf sich und fühlt sich, das ist das Beängstigende, plötzlich in der Einsamkeit eines Einzelnen gegen die Mehrheit wieder. Die Mehrheit der Widerstandskämpfer gegen „was auch immer irgendwie für „Rechts“*** gehalten wird“, wendet sich machtvoll gegen die Meinungsfreiheit eines Einzelnen in dem sicheren Gefühl, diesmal endlich auf der richtigen Seite zu stehen.

Es soll – so habe ich verschiedentlich gelesen – aber auch Einzelne geben, denen ihre Meinungsäußerung so zum Nachteil geriet, dass sie ihre berufliche Existenz gefährdet sahen oder sogar verloren.

Ich möchte der Versuchung widerstehen, zugunsten eines bequemen Lebens auf das eigene Denken und die    Meinungsfreiheit zu verzichten. Wer seine Meinung nicht mehr frei äußern mag, weil er nicht unter irgendeinen Verdacht geraten möchte, nicht der angesagten Mehrheit zu entsprechen, hat aber den eigenen Widerstandskampf bereits verloren.

Üben wir uns darin, eben nicht aus Angst mit den Wölfen zu heulen, aus der Angst nämlich, von ihnen gefressen zu werden. Und ganz egal um welche „Spezies Wolf“ es sich handelt…

Abnicker und Jasager und auch Gleichgültige gibt es viel zu viele in diesem Land.

 

……………………………………

*** „was auch immer irgendwie für „Rechts“ gehalten wird“  = das kann eine skeptische Haltung zum Klimawandel, zu Corona, zum Islam, zur Europapolitik, zum Kohleausstieg, zu  BLM, zur Einwanderungspolitik, zum biologischen Landbau oder zu Windkraftanlagen sein,  ebenso wie eine kaum erkennbare Sympathie für Israel oder Netanjahu oder eine neutrale Haltung zu den USA und Donald Trump.  Für  mich kann ich das auch auf den einfachen Nenner bringen: Eben alles was mit Claus Klebers „Einordnung“ und der (der gleichlautenden) seiner Berufskollegen nicht übereinstimmt, wird allzu leicht für „Rechts“ gehalten.

(Ich gebe es ja zu, ich bin im ständigen Widerstandskampf gegen den Kleber Claus 😉 und seine Kollegen, das hängt damit zusammen, dass ich mir noch nie ein X für ein U vormachen lassen wollte….  Ich danke noch heute meinem inzwischen verstorbenen Vater, der meinen Bruder und mich unseren  „Widerstand“ gegen seine, des Vaters Meinung setzen ließ in unendlich vielen Gesprächen am Abendbrottisch, an dem sich die Familie Tag für Tag traf. Unser „alter Herr“ liebte den Disput, so wie auch wir.

 

 

 

 

Keine Gegenstimme…. nicht eine! 2. Juli, 2020

Posted by Rika in antisemitismus, gesellschaft, israel, israelkritik, politik.
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Wie soll man sich das erklären?

Was ist los mit diesem Parlament, diesem Land, diesem Volk?

Da haben die Politiker erst im Januar die großen Reden gehalten zum 75. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz. Herrn Steinmeier wurde sogar die Ehre zuteil, in Jerusalem an der Gedenkveranstaltung beteiligt zu sein.

Und heutzutage?

Heutzutage, in diesem Fall gestern, erleben wir, dass aus dem „Für Juden verboten“  während der Zeit des Nationalsozialismus, das überall auf  Schildern im öffentlichen Raum zu lesen war, wieder eine machtvolle Forderung an Juden wird.

Diesmal geht es jedoch nicht um das Verbot, eine Parkbank oder ein Schwimmbad zu benutzen, diesmal verbieten  deutsche Politiker den Juden  gleich über ein ganzes Gebiet zu verfügen  – noch dazu nicht einmal in Deutschland, sondern im eigenen jüdischen Land  –  und fordern von Israel, auf eine eigenständige Politik „in Israel“ zu verzichten und sich der Sicht des deutschen Parlaments – des Bundestages – anzuschließen, wonach eine geplante Änderung des Status der im Sechs-Tage-Krieg gewonnenen Gebiete völkerrechtswidrig und darum nicht geboten sei.

 

Das muss man sich einfach mal vor Augen halten.

Da stimmt ein fremdes Parlament über die Zuständigkeit einer anderen Regierung ab, Gesetzes- und Verwaltungsgrundlagen  ändern zu dürfen oder nicht.

Juden haben kein Recht auf Judäa„. Nichts anderes bedeutet der Beschlusses, der gestern im Parlament gefasst wurde.

UND NICHT EIN EINZIGER PARLAMENTARIER WIDERSPRICHT

Einige wenige enthalten sich vornehm der Stimme… schließlich will man es sich zwar nicht mit den Juden in Israel vollends verderben, mit den Arabern in den Nachbarländern Israels aber auch nicht und schon gar nicht mit den Millionen muslimischen Sympathisanten der sogenannten Palästinenser in Deutschland. Da schweigt man feige. Duckt sich weg.

Jedenfalls ist das die einzige Erklärung, die mir für dieses entwürdigende Verhalten deutscher Parlamentarier in Bezug auf Israel einfällt.

Und ich will nun nicht alle diejenigen Länder aufzählen, die man auch im deutschen Bundestag maßregeln könnte oder sogar müsste, in denen die Menschenrechte mit Füßen getreten werden, in denen Terror herrscht und Willkür, die von Diktatoren geführt und in denen das eigene Volk brutal unterdrückt wird.

Ich will hier auch nicht auf die völkerrechtlichen Belange eingehen, die nämlich längst nicht so eindeutig sind, wie die deutschen Michel allesamt glauben mögen, oder besser, wie ihnen das Claus Kleber und seine journalistischen Kollegen weiß machen wollen.

In dem von mir verlinkten öffentlichen Brief Gerd Buurmanns ist alles dazu gesagt.

Ich erhebe hier nur die Anklage gegen die, die sich auch heute noch im Recht fühlen zu sagen:

„Kauft nicht bei Juden“ = BDS

„Juden unerwünscht“ = Die Siedlungen sind das Friedenshindernis.

„Für Juden verboten“ =  eigene politische Entscheidungen zu treffen.

Schämt Euch, ihr Volksvertreter, die Ihr nichts gelernt habt aus Nationalsozialismus und SED-Unrecht, die Ihr immer noch in hochmütiger Hybris meint, die Welt mit Eurem Gutsein und Eurer moralischen Überheblichkeit  belehren und erziehen zu müssen, wobei Euer Erziehungsauftrag ausschließlich Israel gilt und Ihr vor allen Schurkenstaaten dieser Welt  die Augen schließt.

Und haltet nie wieder Reden zum Gedenken an die Ermordung der Juden, die von Politikern, Mitläufern und Duckmäusern wie Euresgleichen beschlossen und ausgeführt wurde.

 

Welches Leben zählt? 2. Juli, 2020

Posted by Rika in aktuell, emanzipation, gesellschaft, integration, medien, politik, sammelsurium.
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Wie in einem Rausch haben sich viele Menschen weltweit und natürlich auch hier in Deutschland der Bewegung „Black Lives Matter“ angeschlossen, haben  viele Leute trotz Corona an großen Demonstrationen teilgenommen und  haben sich viele in den sozialen Medien wortreich dazu geäußert. Fußballspieler knieten vor dem Anpfiff in Demut nieder, um gegen Rassismus ein Zeichen zu setzen, „weiße“ Pastoren wuschen schwarzen Menschen die Füße, in zahlreichen Predigten und Gemeindebriefen fand das Thema seinen wirkmächtigen Niederschlag.

Beschuldigungen gegen weiße Personen des öffentlichen Lebens vergangener Zeiten wurden laut, Denkmäler niedergerissen, die Forderung kamen auf,  Begriffe wie „Mohr“ aus dem allgemeinen Sprachgebrauch zu tilgen, Straßen und Plätze, die einen Namen „weißer Männer“ tragen, umzubenennen. Polizisten wurden unter den Generalverdacht gestellt, rassistisch zu sein, eine Journalistin vergriff sich im Ton und wurde ob ihrer böswilligen, hasserfüllten  Sätze nicht gemaßregelt, sondern mit dem Hinweis auf die Meinungsfreiheit und ihren Status als „Migrantin mit Ablehnungserfahrung“ verteidigt.

Menschen, die „All Lives Matter“ schrieben, unterstellte man mit dem schönen Wort „whataboutism“ eine gefährliche Nähe zu Parteien und Gruppen rechter Gesinnung.

 

Heute las ich zwei Texte, der eine kann als sarkastische Glosse zum Thema Rassismus angesehen werden, dem anderen begegnete ich im Gemeindebrief meiner Gemeinde, unsere Pastorin griff „BLM“ auf, verknüpft mit einem wunderbaren Psalm:

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin;
wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.
Psalm 139,14

Unsere Pastorin schreibt unter anderem:

“ Eine Bewegung die eigentlich nur eine Minimalforderung stellt und zwar,
dass auch das Leben der „Schwarzen“zählt und wichtig ist. Eine Forderung, die eigentlich selbstverständlich sein müsste und doch zeigt diese Bewegung auf, wo auch hier in Deutschland immer wieder Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert und angefeindet werden.
Es ist ein Thema was uns auch betrifft und hoffentlich betroffen macht. Wahrscheinlich merken wir im Nachdenken, wie häufig wir schon Situationen mitbekommen haben, in denen Menschen nicht gleichwertig behandelt wurden oder auch wir selbst in Klischees gedacht haben oder in „Fettnäpfchen“ getreten sind. Gerade Alltagsrassismus passiert beiläufig und macht doch
deutlich, dass es viele Vorurteile und ein latentes Klassendenken gibt.“

 

„Alltagsrassismus“?

Ist das wirklich ein grundsätzliches Problem in Deutschland?

Ich wage das, was hier  Alltagsrassismus genannt wird,  einer anderer Begrifflichkeit zuzuordnen, nämlich der der  „Ausgrenzung“. Ausgrenzung  von Menschen, die sich mehr oder weniger deutlich von der Mehrheit ihrer Mitmenschen unterscheiden und dadurch Benachteiligungen erleiden.

Tatsächlich gibt es in  Deutschland  so etwas wie eine „Alltagsbenachteiligung“.

Dazu eine kleine Exkursion:

Ich habe mein ganzes Berufsleben als Fachlehrerin an Schulen verbracht, in denen Kinder und Jugendliche unterrichtet wurden, die nicht dem „Durchschnitt“ der Schüler entsprachen, die nicht in der Lage waren, dem „normalen“ Unterricht zu folgen, sei es aufgrund ihrer intellektuellen Fähigkeiten oder ihrer Verhaltensauffälligkeiten oder ihrer körperlich begründeten Einschränkungen.

Während meiner eigenen Schulzeit nannte man diese speziellen Schulen „Hilfsschulen“, in den Sechzigerjahren wurde der Begriff durch den Ausdruck „Sonderschule“ ersetzt.  (In Nordhessen, wo ich die erste Zeit meines Lehrerdasein verbrachte, nannte der  Volksmund  diese Schule „Dummschnuttenschule“.)  Gegen Ende meiner Berufszeit gab es abermals eine Namensänderung, aus der „Sonderschule“ wurde die „Förderschule“.

Die mit dem Begriff Sonderschule verbundene  Assoziation des „Absonderns“, „Aussonderns“ sollte nicht länger prägend sein,  sondern das, was in dieser Schulform Tag für Tag Aufgabe und Anliegen ist: Das Fördern der jungen Menschen, die im Regelschulsystem kaum eine Chance auf Förderung und Bildung haben.

Aber auch dem „Förderschulsystem“ ist der Makel der Abgrenzung und  Ausgrenzung zu eigen, weswegen man in den letzten Jahren intensiv die Forderung der Inklusion aller Schüler in Regelschulen betreibt, sofern das aus räumlichen und personellen, wie personalen  Gründen möglich ist. Noch hakt es an vielen Stellen, weder wird man allen Schülern mit Förderbedarf wirklich gerecht, noch hat man ein einigermaßen zufriedenstellendes System der Versorgung der allgemeinbildenden Schulen mit Förderschullehrern sicher gestellt. Förderschullehrer unterscheiden sich von Grund-, Haupt-, Realschul- und Gymnasiallehrern durch eine spezielle Ausbildung während des Studium für ihre spezielle Aufgabe  als Lehrer an den entsprechenden Einrichtungen.

An meiner Schule gab es Kinder mit höchst unterschiedlichen Förderbedarfen. Und auch die Beschreibung des Förderbedarf hat sich im Laufe der Jahre geändert. Beispielsweise nannte man an meiner ersten Schule in Nordhessen Kinder mit eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten noch „Lebenspraktisch Bildbare“, wir kürzten das schulintern mit PB ab, „Praktisch Bildbare“. Aus den „Praktisch Bildbaren“ wurde die Bezeichnung   „Geistig Behinderte“, doch auch dieser Bezeichnung haftet etwas Diskriminierendes an. So wurde eine neue Formulierung entwickelt: „Schüler mit geistig-emotionalem Förderbedarf“.

Hat sich damit an dem Bedarf der Kinder, an ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten irgendetwas geändert? Nein, das wohl nicht. Es zeigt aber das Bemühen, Menschen mit einer mehr oder weniger deutlichen Einschränkung nicht allein durch die Begrifflichkeit, ohne die aber in diesem Fall die Schulbehörde nicht auskommen kann, mit einem diskriminierenden Makel zu versehen.

Wir Lehrer haben damals oft mit unseren Schülern über „Behinderung“ gesprochen, denn es war ein viel genutztes Schimpfwort der Schüler untereinander zu sagen: „Du bist behindert!“

Wir haben dem immer unser „jeder Mensch ist behindert“ entgegen gesetzt. Denn jeder Mensch trägt nach unserer Überzeugung in irgendeiner Form eine Behinderung mit sich herum, bei manchen Menschen fällt sie sofort ins Auge, beispielsweise dadurch, dass der Mensch auf den Rollstuhl angewiesen ist oder mit einem Abzeichen unterwegs ist, das ihn als Blinden ausweist, um ihm so einen ihm zustehenden Schutz zu gewähren.

Für mich war es nie ein Thema, mich über Menschen mit einer offensichtlichen Behinderung zu erheben, aber es war auch keine Notwendigkeit, mit besonderer Anteilnahme zu reagieren und womöglich in Mitleid zu zerfließen.  Ich gehe auf die Besonderheit ein, wenn es darum geht, notwendige Hilfe zu gewährleisten, aber ich entmündige einen Menschen nicht, indem ich ihm beispielsweise  jede eigene Initiative sein Leben zu gestalten, nicht mehr zutraue.

Welches Leben zählt?  habe ich diesen Beitrag überschrieben.

J E D E S ! Jedes Leben zählt!

Das ist meine tiefe Überzeugung.

Jedes Leben, unabhängig von seiner Hautfarbe, seinen Eigenheiten, Begabungen, seiner Herkunft oder seiner Religion zählt.

Wenn heute in Deutschland die BLM-Bewegung auf den Schirm gehoben wird und jeder, der sich ihr anschließt sich selbst für einen guten oder sogar besseren Menschen hält, so ist das eine andere Form von „Alltagsrassismus“ oder „Alltagsbenachteiligung“, weil nämlich nicht das Gemeinsame, das MENSCHSEIN AN SICH betont wird, sondern dem Trennenden die  Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde.

Das sollte von den Kanzeln wieder gepredigt werden. In der „Ebenbildlichkeit Gottes des Menschen“ ist alles Trennende aufgehoben.

NACHTRAG
Mein Liebster wies mich – nachdem ich ihm den Text vorgelesen hatte – darauf hin, dass es oftmals wichtig sei, den Fokus der Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Problem zu richten, also in Bezug auf BLM darauf, dass Schwarze immer noch benachteiligt werden. Nur so, meinte er, könne man eine Veränderung hinsichtlich des Bewusstseins und (eigenen) Verhaltens bewirken.
Nun, dem kann ich grundsätzlich zustimmen. Aber – und das ist mein Anliegen – darf man nicht dabei stehen bleiben, sondern muss – ja muss – zu der Einsicht gelangen, dass wirklich jeder Mensch seinen Wert nicht seiner Hautfarbe verdankt oder seinen spezielle Fähigkeiten, sondern dass das Menschsein einen Wert an sich hat, der unabhängig von jeder einzelnen Person ist.

 

Gerd Buurmann schreibt einen gemeinsamen Brief an alle Nahostexperten 1. Juli, 2020

Posted by Rika in aktuell.
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Ich „unterzeichne“ im Sinne Gerd Buurmanns diesen Brief, indem ich ihn hierher reblogge und ihn auch mit Hilfe anderer Medien weiterleite an Freunde, Verwandte und auch an bekennende Israelkritiker.
Das Anliegen ist in jeder Weise zu unterstützen.

Tapfer im Nirgendwo

Wir, die Unterstützerinnen und Unterstützer dieses Briefs, teilen ernsthafte Bedenken über jene Parlamentarierinnen und Parlamentarier aus ganz Europa, die sich in den sogenannten israelisch-palästinensischen Konflikt einmischen. Wir sind zutiefst besorgt über all die Präzedenzfälle, die sie durch ihre Einmischungen schaffen und dadurch einen möglichen Frieden verhindern.

Die angesprochenen Parlamentarierinnen und Parlamentarier torpedieren teilweise sein Jahrzehnten eine Lösung des Konflikts, indem sie sich für eine Zwei-Staaten-Regelung einsetzen, die von großen Teilen der arabischen Welt abgelehnt wird. Sie erklären immer wieder selbstgerecht, im Einklang mit dem Völkerrecht und mit einschlägigen Resolutionen des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zu stehen. Bedauerlicherweise erklären sie jedoch nicht, was dieser Einklang bedeutet.

Das kleine Land Israel wird seit seiner Gründung immer wieder mit Raketen angegriffen, abgefeuert von militanten Gruppen, Terrororganisationen und hasserfüllten Regierungen, deren erklärtes Ziel es ist, Israel auszulöschen und das jüdische Volk zu vernichten. Manche Länder finanzieren diese Gruppen, Organisationen und Regierungen. Keines dieser Länder…

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