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Über allen Wipfeln spazierest du…. 29. September, 2020

Posted by Rika in aus meinem kramladen, familie, Kinder - Famile.
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Wir hatten den (jungen)  Eltern ein „sturmfreies Wochenende“ geschenkt, sprich, wir wollten die Enkel am Freitagmittag übernehmen und bis Sonntag bei uns beherbergen, beköstigen und bespaßen.

Aus Gründen, die hier nicht näher erläutert werden müssen, verkürzte sich sich das  Wochenende um einen Tag, die Enkel kamen am späten Samstagvormittag erst zu uns. Das hinderte uns aber nicht daran, den für diesen Tag gefassten Plan in die Tat umzusetzen. Corona  und Wetter bedingt hatten wir uns überlegt, eine „Draußenaktivität“ mit den Enkeln zu unternehmen, die auch bei weniger schönem Sonnenscheinwetter durchzuführen war.

Wir wollten in den Harz, genauer gesagt, nach Bad Harzburg, noch genauer, wir wollten den Baumwipfelpfad erwandern. Das ist nun nicht unbedingt das größte Wanderabenteuer, das der Harz zu bieten hat, aber zu einer Herausforderung wurde die Unternehmung schon.

Nach den vielen herrlichen und sonnenwarmen Altweibersommertagen begrüßte uns der Samstag mit einem vielschichtigen dunklen Griesegrau. Von der Sonne oder blauem Himmel keine Spur, dafür viele, viele Wolken, die gefährlich nach Regen aussahen.

Die Eltern hatten diese Vorzeichen dräuenden Regens natürlich auch wahr genommen und die Kinder mit regenfester Bekleidung und zusätzlichen Regenschirmen versorgt. Auch wir trafen Vorsorge, möglichen Wolkenbrüchen zu trotzen.

So ausgerüstet und versehen mit ausreichendem Proviant für ein geplantes Picknick im Grünen machten wir und auf den Weg.

Bei der Abfahrt war es noch trocken, kaum aber hatten wir den Außenbezirk unseres Dorfes erreicht, fielen erste zarte Tropfen auf die Windschutzscheibe, bei der Fahrt über die A2 wurden die Tropfen nicht nur zahlreicher, sondern auch größer und als wir über die Autobahn richtung Bad Harzburg fuhren, schaffte es der Scheibenwischer kaum noch die Wasserfluten zu bändigen und eine freie Sicht auf die Fahrbahn zu ermöglichen…. die freie Sicht auf die Berge war selbstredend durch den Starkregen stark eingeschränkt.

Bei der Ankunft auf dem  Parkplatz in der Nähe der Gondel, die uns auf den Burgberg bringen sollte, regnete es Bindfäden….

Macht nichts, wir sind ja nicht aus Zucker…

Wir standen eine gute halbe Stunde vor dem Seilbahngebäude im Dauerregen, bis wir endlich an der Reihe waren, das Familienkombiticket zu lösen und weitere 20 Minuten warteten wir innerhalb des Gebäudes, bis wir die kleine Gondel besteigen konnten, die uns in ca. fünf Minuten hinauf auf den Berg brachte.  Die Kinder staunten nicht schlecht über dieses Gefährt, waren sie doch von den Skiurlauben in Südtirol eine schnelle Fahrt gewohnt und stellten nun fest, dass so eine Gondel auch ganz langsam bergauf zuckeln kann. Dank des Regens konnten wir die Fahrt jedoch nicht nutzen, die Landschaft zu bewundern…. sie war irgendwie in den Nebelschwaden und Regenfäden nicht auszumachen.

Unsere gute Laune ließen wir uns aber nicht nehmen.

Oben auf dem Berg zogen die Überreste einer alten Burg die ungeteilte Aufmerksamkeit der Kinder auf sich. Der tiefe Brunnen hatte es ihnen besonders angetan…. und auch mir kam der Brunnen  sehr gelegen,  ist er doch großzügig mit einem Pavillon überdacht, und die Bänke ermöglichten uns zudem, Teile des mitgebrachten Proviants regenfrei zu genießen.

Nach der kleinen Stärkung machten wir uns auf den Weg bergab. Es ging vorbei an der neu eingeweihten Schwebebahn, die ein wunderbares Gleiten hinab zum Baumwipfelpfad und „atemberaubende Ausblicke“ (so der Prospekt) zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lässt – lassen kann, muss man wohl angesichts des immer noch heftigen Regens sagen. Wir beobachteten eine Weile die lange Schlange an abenteuerlustigen Personen, die sich an der Station der Baumschwebebahn eingefunden hatten und auch die Schwebenden, zu denen, wie ich am Montag in der Zeitung lesen konnte, auch der Ministerpräsident des schönen Niedersachsen gehört hatte.

Wir zogen es allerdings vor, den rustikalen Weg  bis zum Baumwipfelpfad zu nehmen, und nicht nur die Kinder erfreuten sich an kleinen Skulpturen und seltsam geformten Bäumen, die den Weg so vergnüglich machen…. und machten, trotz des immer noch unermüdlich rinnenden und pladdernden Regens.

Endlich erreichten wir die „Bergstation“ des Pfades. Ungefähr einen Kilometer lang ist dieser aufgeständerte Weg und man wandert tatsächlich in Baumkronenhöhe. Verschiedene Stationen geben Auskunft über die Tierwelt des Harzes, über die unterschiedlichen Bäume und über die Gewässer, die teils künstlich angelegt, teil im natürlichen Bett den Harz durchziehen. Wir waren beinahe als einzige an diesem Tag  auf dem Pfad unterwegs  – und eigentlich sogar froh über den Regen, der immer noch unserer treuer Begleiter war, konnten wir uns doch mühelos vorstellen, wie an herrlichen Sonnentagen ein Heer von Wanderern den Pfad bevölkern   und samt und sonders alle Stationen  belagert sein würden, so dass man zwar trocken, dafür aber leicht gestresst  dennoch im Genuss beeinträchtigt wäre…

Die Aussichtplattform an der Talstation des Pfades gewährleistet bei Sonnenschein sicher einen herrlichen Blick auf die umgebenden Berge… und ganz Mutige werden auch die gläserne Plattform trotz eines leicht mulmigem Gefühl ganz wunderbar finden….

Die Kinder und der Liebste waren jedenfalls begeistert, mich zog es hingegen zum trockenen Auto, war doch meine Regenjacke dem Regen nicht gewachsen und ich spürte, wie langsam kühles Nass Schultern und Arme befeuchteten.  Der „Urknall“ am Ende des Weges  war  für die Kleinen ein echtes Highlight….

Die paar Meter durch den Sintflut ähnlichen Regen schafften wir auch noch, zogen die nassen Regensachen aus und der Liebste fuhr uns sicher zurück ins heimische Dorf…

Bratkartoffeln und Kaminfeuer  rundeten diesen durch und durch schönen Tag ab…

Und einige Zeit später kehrte schläfrige Stille  ein im Hause Rika…. und über allem Wipfeln ward  Ruh….

Irritation im Bürgerbüro … 23. September, 2020

Posted by Rika in aktuell, aus meinem kramladen, gesellschaft, politik.
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Ich habe mir auf meine alten Tage einen kleinen gebrauchten Flitzer zugelegt und wollte ihn heute an- bzw. ummelden.
Der Liebste und ich machten uns also auf zum zuständigen Bürgerbüro. Ich hatte mich per Internet erkundigt, welche notwendigen  Papiere mitzubringen seien. Den Passus über eine mögliche Voranmeldung hatte ich für nicht relevant gehalten, da wir ja alles vor Ort erledigen wollten, Zeit genug haben Rentner ja… und von Terminvergabepflicht hatte ich nichts gelesen.
Ich armes naives Dummchen….
„Haben Sie einen Termin?“ fragte recht barsch die Dame bei der Zulassungsstelle meines Wohnortes.
Termin?
Nein.
„Sie müssen sich einen Termin geben lassen. Drei Wochen sollten sie aber schon einplanen!“
Da war ich zunächst einmal baff.
Nur wegen Corona, klärte man uns auf. Keine Menschenansammlung im Bürgerbüro!
Im gesamten Bürgerbüro gab  es außer uns aber  gar  keinen weiteren Besucher, jedenfalls nicht an den zahlreichen Schaltern im Großraumbüro. An den Schreibtischen der Schalter saßen die städtischen Angestellten, was sie gerade anstellten, ließ sich aber nicht feststellen.
‚Vermutlich vergeben sie im Bürgerbüro nur 3 oder 5 Termine pro Tag, so dass es im Büro gar keine Bitt- und Antragsteller gab‘, fuhr es mir durch den Sinn.   Wir waren ja einfach reinmarschiert ins Bürgerbüro, ohne Termin und ohne zu fragen, vorschriftsmäßig ausgestattet mit Mund- und Nasenbedeckung.
Mir war allerdings aufgefallen, dass draußen vor dem Eingang einige Personen standen, die auf irgendjemanden zu warten schienen..
Eine Angelegenheit zu regeln,   ohne vorher einen Termin ausgemacht zu haben,  ist aber unmöglich… und wie gesagt, drei Wochen muss man  für die Terminvergabe einrechnen… Wir könnten es ja im Nachbarort versuchen, ob man dort einen früheren Termin bekommen könne…
Im Nachbarort sah es nicht besser aus…
Auch da standen bereits zwei Personen draußen vor der Tür und warteten darauf, dass ein Angestellter käme, um sie einzulassen…. und natürlich hatten diese Personen bereits einen Termin vereinbart, den von heute, so gegen 11.30h…
Das Auto lasse ich jetzt von der Werkstatt meines Vertrauens ummelden… Das geht ein bisschen schneller…, denn schließlich will ich das Autochen ja  recht bald  in Betrieb nehmen…
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Wer aber  kann mir schlüssig erklären, warum man nicht wie vorher (vor Corona)  eine Wartemarke ziehen und (jetzt mit Corona) solange draußen vor der Tür warten kann, bis man aufgerufen wird? Oder muss das gesamte Bürgerbüro nach jedem Besucher erst mal für eine halbe Stunde gelüftet werden?
Und was machen eigentlich alle Stadtangestellten so die ganze Zeit im Bürgerbüro ohne Bürgerbesuch?
Fragen über Fragen…
Und wenn ich dann noch bedenke, dass mein Enkel mit 28 Kindern den ganzen Vormittag  in einem engen Klassenraum zubringen muss und nach der Schule mit 50 Kindern ohne Abstand im Schulbus sitzt,  bin ich gänzlich ratlos ob dieser Maßnahme des Bürgerbüros….
Mir scheint, die Schildbürger sind nicht auf Schilda begrenzt und es ist auch gar kein Märchen, das uns über die braven Schildbürger erzählt wird….
Sie leben heute noch  und sind mitten unter uns…
Oder sind wir gar selber….?
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